Wenn der Deutsche nichts zu meckern hat. Egal welche Nachrichten man einschalten, egal welchen Sendern man verfolgt, irgendwo macht sich wieder einer Sorgen um das Wetter. Hitzewelle, Gewitterkatastrophen und Orkanböen; Bauern jammern um ihre Ernte, Sachbearbeiter schwitzen im Büro; selbst die Deutsche Bahn jammert. Stellen wir uns einmal geistig das Gegenteil des aktuellen Wetters vor, ich bin mir sicher, der Deutsche würde wieder meckern. Da werden Expertenrunden einberufen und Meteorologen diskutieren um mögliche Zusammenhänge mit dem angegriffenen Klima der Erde und der Zuschauer fragt sich vielleicht: Wird ein Baum auf mein Auto stürzen, kann ich vom Blitz getroffen werden, ertrinke ich im eigenen Keller, werde ich sterben?
Ja, das ist übertrieben — genauso wie die Diskussionen um das Wetter. Vielleicht sollten man sich endlich von dem Gedanken verabschieden, das Wetter beeinflussen zu können. Die Natur sitzt am längeren Hebel und wird sich auch sicherlich einmal für die Fehler unserer Vergangenheit rächen, nur nicht jetzt, nicht heute. Es ist Sommer, es ist heiß und Gewitter mit Sturmböen sind typischen Entladungen dieser heißen Tage — nehmen wir es gruftig und verlegen unseren Alltag in den Keller. Vergesst aber nicht das Laptop um die Links für diese Woche zu studieren.
- Rebellieren ohne Asozial zu sein
Schreibt Regensburg-Digital in seinem Artikel über das RGT, das Regensburger Gothic Treffen. „ Bei mir hat alles vor zehn Jahren mit Metal angefangen […] Danach war es nur noch ein kleiner Schritt zum Gothic.“ Warum gerade Gothic und nicht eine andere Szene? „ Gothic ist eine Lebenseinstellung, die Gesellschaftskritik äußern will“, klärt Nuri auf. „ Gegen den Strom schwimmen, aber nicht auf die asoziale Art. Die meisten haben eine Ausbildung, ein Monatsgehalt, Abitur und sprechen mehr als drei Sprachen.“ Ich stelle für mich fest, ich fühle mich bei diesem Artikel sehr unbehaglich, da die ziemlich eigensinnigen Meinungen einzelner hier in einem merkwürdigen Kontext zum Artikel stehen. Ist Gegen den Strom schwimmen denn sonst asozial? Ist eine Ausbildung, Abitur oder Talent für Sprachen Ausdruck einer elitären Grundhaltungen einer (ehemaligen) Jugendszene? Ich finde: Eine dämliche Überschrift die einem Zitat entspringt, dessen »Quelle« eine fragwürdige Repräsentantin der Gothic-Szene ist. - Vom Mythos des Unpolitischen in der Gothic-Szene
Stefan Kubon von redok schreibt unter einer interessanten Überschrift noch einmal über die Ereignisse auf dem WGT 2009/2010 und wirft erneut die Frage auf, ob es sich bei der Gothic-Szene immer noch um eine unpolitische Szene handelt. »Im vergangenen Jahr wurde in der Gothic-Szene sehr intensiv darüber diskutiert, in welchem Umfang Symbole und Inhalte des Rechtsextremismus tolerierbar sind. Dass diese Diskussion immer noch stattfindet, liegt auch daran, dass der Produktanbieter »Verlag und Agentur Werner Symanek« (VAWS) auch in diesem Jahr an Pfingsten die Möglichkeit hatte, rechtsextreme Waren auf dem »Wave-Gotik-Treffen« (WGT) in Leipzig zu verkaufen. Dem Veranstalter des WGTs, der »Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland mbH«, scheint es offensichtlich weiterhin gleichgültig zu sein, dass die Präsenz des VAWS-Verkaufsstands auf dem WGT von vielen Anhängern der Gothic-Szene abgelehnt wird.« Doch die Frage ist leicht zu beantworten. Eine Politisierung findet nur seitens des Veranstalters des WGT statt, der durch fragwürdige Stände, Symbole und Verhaltensweisen politische Richtungen in eine Szene bringt, die nie politisch in Erscheinung getreten ist. - flogging molly vs. dropkick murphys
Red Flog hat einen Gegenüberstellung eröffnet. Es geht um nichts geringeres als die Krone des Folk-Punk und zwar heute im Jahr 2010. Mit Flogging Molly und den Dropkick Murphys hat er dabei zwei Vertreter des Folk-Punk gewählt, die für eine äußerst spannende Runde verantwortlich sind. »shane macgowan und seine “pogues” werden wohl für (nahezu?) immer das maß aller dinge im irish-folk-punk sein, aber deren beste zeit ist nun auch schon 25 jahre her, und das letzte album kam im jahr 1995, punk ist heute etwas ganz anderes als in den 80ern – so langsam wird es also zeit für ein neues gesicht auf dem thron dieses genres.« Gewinner? Link anklicken und nachlesen. - Punkfoto — Das weltweit größte Archiv historischer Punkfotos
Eine ganz großartige Idee verfolgt Karl Nagel, den Aufbau einer durch Nutzer gefülltes Punkfotoalbum: »Das ganze fing Mitte der Neunziger an: Ich hatte die Idee, ein Buch über Punk und den ganzen Scheiß drumrum zu schreiben und begann, die Fotoalben aus meinem Bekanntenkreis zu durchforsten und wegzuscannen, was mir unter die Finger kam. Zusammen mit meinen eigenen Fotos kamen da schon so um die 1000 Bilder bei zusammen. Also begann ich Anfang 2007, die Bilder auf meiner eigenen Website im PUNK-FOTOARCHIV zu veröffentlichen. Das fanden eine Reihe Leute ziemlich klasse, schickten mir eigene Bilder, bis am Ende über 4000 Bilder zusammenkamen.« Ein wirklich tolle Idee, der ein CC-Lizenz für die eingestellten und bereitgestellten Bilder sicherlich gut zu Gesicht stehen würde. - Nina Hagen im Interview: “Ich habe einen Auftrag von Gott”
Frau Hagen steht der süddeutschen Zeitung in einem Interview Rede und Antwort. Im Vordergrund ihre neuesten Gehversuche als Gospel-Sängerin und im Hintergrund das intensive Leben einer Frau, deren Leben wohl mehr als eine Biographie füllen könnte. »Das war auf einem LSD-Trip. Ich bin gestorben, richtig gestorben. Das war ein Nahtoderlebnis, bei dem ich in der Hölle gelandet bin und Gott aus tiefster Seele um Hilfe gerufen habe. Und Gott hat mir geholfen. Es war ein sehr geistiges Erlebnis. Für eine ganze Nacht war ich nicht mehr identisch mit meinem irdischen Körper. Ich war in einer anderen Dimension und habe Gott ins Gesicht geschaut.« Hoffentlich hat sie das vom LSD Konsum geläutert. - Interview mit Peter Murphy (Bauhaus)
Nein, Peter Murphy ist kein Mitarbeiter einer großen Baumarktkette, sondern Sänger der Band Bauhaus, denen man mit dem Stück Bela Lugosi’s Dead die Entstehung des Goth-Mythos in die spitzen Schuhe schiebt. In einem Vintage-Interview äußert er sich über eben dieses Stück und der Faszination Vampir und dessen Verkörperung auf der Bühne. Sehr informativ!



hat bereits 378 Kommentare abgegeben und schrieb am 18. Juli 2010 um 10:36:
Ich finde das mit der rechten Symbolik zum kotzen. Sorry für die Ausdrucksweise, aber das trifft es einfach. Mir wird echt schlecht, wenn ich sehe, wie hochintellektuell darüber diskutiert wird, ob es nicht vielleicht doch okay ist, wenn Idioten mit Uniform und roter Armbinde, die im weissen Kreis ein schwarzes Symbol zeigt, rumlaufen dürfen, weil sie es ja wahrscheinlich ganz anders meinen.
In den Kommentaren zu den oben verlinkten Artikeln wird tausendfach erwähnt, dass ja nicht jeder weiß, was die schwarze Sonne und ähnliche Symbole bedeuten. Kann schon sein, aber die Künstler wissen es und die Veranstalter wissen es und ein Großteil der Besucher weiß es auch. Da gibt es nichts zu diskutieren und das hat auch nichts mit freier Meinungsäußerung oder Provokation zu tun.
Einzige Konsequenz: Die Künstler treten nicht mehr auf und die Besucher gehen nicht mehr hin. Allein der wirtschaftliche Schaden wird dafür sorgen, dass die Veranstalter ganz schnell Stellung beziehen, das Ruder rumreißen, die Symbolik nicht mehr benutzen und entsprechende Verkaufsstände, Bands und Besucher rausschmeißen.
Dieses ganze »Spiel« mit der Nazi-Symbolik geht mir sowas von auf den Senkel– ging es mir in den 80ern schon!Unabhängig davon, wie es auch immer gemeint sein mag! So einen Schwachsinn wie Hanzel und Gretyl will ich einfach nicht sehen. Es gibt erschütternde Dokumentationen, Berichte und Bücher zu diesem Thema. Finde ich sinnvoller als Amis im dämlichen Kostüm.
Ganz nebenbei hat ein »Uniform-Fetisch«, der in den verlinkten Artikeln erwähnt wird, mal absolut gar nix mit Gothic zu tun.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Juli 2010 um 10:30:
Einzige Konsequenz ist der Boykott? Wohlmöglich. Ich halte jedoch Protest und Meinungsäußerung ebenfalls für einen Weg, allein schon vor dem Hintergrund, das das WGT beispielsweise für viele einzige Jahrestreffpunkt ist und Grufties aus aller Welt verbindet . Es wäre fast schade das zu boykottieren, finde ich jedenfalls. Vielleicht hast du Recht und ein großflächiger Boykott wäre ein wirksames Mittel. Doch wir müssen »klein« anfangen. Mit einem interessanten Nebeneffekt, irgendwann gibt es keine Top-Acts auf dem WGT mehr.
In gewisser Weise hast du Recht. Auch mir geht das mit dem Nazi-Symbolik Kram auch auf den Senkel, doch ich habe sie auch nicht in die Szene gestreut, das liegt wohl in der Natur der Sache, wenn man alte Symbole zweckentfremdet. In gewisser Weise gibst du aber auch ein gutes Beispiel mit dem möglichen Umgang. Du hast eine Meinung dazu und baust auf Hintergrund und Erfahrung. Ich pflege einen ähnlichen Umgang möchte darüber hinaus aber auch der Diskussion darum nicht aus dem Weg gehen, auch wenn es sich manchmal um Esotherisches Gequatsche handelt :)
Und nochmal richtig: Uniform-Fetisch hat nichts mit der Gothic-Szene zu tun, sondern ist einfach nur furchtbar :)
hat bereits 378 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Juli 2010 um 11:43:
Ich finde die Sache in der Theorie eigentlich recht einfach und halte Diskussionen deshalb zwar für absolut okay, aber für wenig effektiv.
Das WGT ist aus Veranstalter-Sicht eine wirtschaftliche Geschichte. Es mag Herzblut dabei sein, aber es geht auch bei dieser Veranstaltung — im Zusammenspiel mit der Stadt Leipzig und den Einzelhändlern, Hoteliers, Restaurantbesitzern, Privatleuten mit Fremdenzimmern usw. — ums Geld. Das ist auch vollkommen in Ordnung so, denn sonst wäre es schon längst nicht mehr existent. Das WGT wird inhaltlich so gestaltet, dass es eine möglichst große Zielgruppe innerhalb der Szene anspricht — abwechslungsreich und ebenfalls vollkommen okay!
Die Gruppe derjenigen, die rechte Symbole als Ausdruck für wasauchimmer benutzen ist verschwindend gering. Ebenso auch die Verkaufsstände mit entsprechendem Material. Der Großteil der Besucher befürwortet das nicht und fühlt sich extrem unwohl, wenn jemand mit zweifelhafter Uniform und Schwarzer Sonne am Revers vorbei marschiert und Bands wenig sensibel mit rechter Symbolik auf der Bühne rumfuchteln. Der Großteil der Besucher kann auch gut auf Eintrittskarten mit solcher Symbolik verzichten.
Es gab erhebliche Einwände gegen besagte Umstände und der Veranstalter hat erst die Diskussion auf der WGT-Webseite unterbunden und dann selbst auf Anfragen von Bands (ASP) keine Stellung bezogen. Diskussionen sind also offensichtlich weder erwünscht noch möglich. Da können sich die Leute tot diskutieren — wenn der Veranstalter nicht mitspielt, hat das alles keinen Sinn.
Die einzige Möglichkeit, das WGT wieder dem Wunsch der Besucher anzupassen, ist also ein Boykott bis sich was ändert. Die Bands, die diese Entwicklung nicht unterstützen wollen, sollten absagen und die Besucher, die vom Veranstalter mit ihren Wünschen offensichtlich nicht ernst genommen werden, sollten wegbleiben. Wenn die Kohle nicht mehr stimmt, wird der Veranstalter ganz von selber aktiv. Da bin ich mir sehr sicher.
Um was zu ändern, braucht man aus meiner Sicht keinen Brief an die Stadtverordneten sondern eine eigene Meinung und den Arsch in der Hose, zu seiner Meinung zu stehen und Konsequenzen zu ziehen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Oktoberfestbesucher auch mit einem Schlag wegbleiben, wenn dort plötzlich Insustrial-Bands auftreten, die Leute statt im Dirndl in Totenkluft rumrennen und statt Brezel und Bier, Sojawürstchen und Met verkauft werden. Ein Veranstaltung wird so ausgerichtet, dass sich die Zielgruppe, die die Kohle mitbringt, wohl fühlt und nicht so, dass der Veranstalter seinen Kopf durchsetzt.
Soweit die Theorie. In der Praxis wird aber wahrscheinlich wie immer Fun über Ideologie siegen. Wer schert sich schon um kleinliche Überzeugungen, wenn es auch mit rechtem Gedankengut und ignorantem Veranstalter, der sich dazu nicht äußert, Spaß auf dem WGT macht?
hat bereits 257 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Juli 2010 um 20:06:
@Orphi:
.. Ach, ich darf ja nichts mehr zu ihr sagen.…und ich will auch nicht!