30 Juni

Spontis Wochenschau #19

Kategorie: Vernetzt, Wochenschau — Jahrgang: 20106 Kommentare

Spontis WochenschauIhr seid wohl ver­rückt gewor­den? Zunächst hatte ich das für einen Feh­ler vom Google-Reader gehal­ten, als er mir über 1000 unge­le­sene Arti­kel beschei­nigte. Kaum ist man mal ein paar Tage weg und nimmt die mes­sende Hand vom Puls der Zeit schlägt er schnel­ler und vor allem uner­bitt­lich wei­ter. Ich bin gerade aus Lon­don zurück und stelle zu mei­nem Ent­set­zen fest, hier ist es noch sti­cki­ger als in der bri­ti­schen Haupt­stadt die ja nicht gerade dafür bekannt ist, kurz vor einer Ernen­nung zum Luft­kur­ort zu ste­hen. Immer­hin konnte ich trotz drü­cken­der Hitze schon einige Arti­kel lesen und dar­aus die 19. Wochen­schau schnü­ren, die alle­samt noch vor mei­nen Urlaubs­vor­be­rei­tun­gen ent­stan­den. Eine aktu­el­lere Aus­gabe steht eben­falls in den Start­lö­chern, dürfte aber noch bis zum Wochen­ende auf sich war­ten las­sen. Dafür ist diese Aus­gabe wie­der sehr ange­nehm schwarz aus­ge­fal­len, was mir per­sön­lich beson­ders gefällt, denn trotz des strah­len­den Son­nen­scheins ist mir äußerst düs­ter zumute und das im posi­ti­ven Sinne.

  • Prag — der mor­bide Charme der Ewig­keit
    Der schwarze Pla­net und ihre Prä­si­den­tin Shan Dark pau­scha­li­sie­ren ganz unge­niert: »…echte Gothics mögen es unsa­niert.« Recht hat sie, jeden­falls in der Pau­scha­li­sie­rung mei­ner Wenig­keit. Nicht nur der beson­dere Bericht über die Tsche­chi­sche Haupt­stadt ist gelun­gen, son­dern vor allem aus dem Teil über Olsany, die Oase der Toten ist von beson­de­rer Lei­den­schaft geprägt. »Vom Ver­fall gekenn­zeich­net und mäch­tig mit Efeu über­wu­chert fin­det ihr hier rie­sige Gruf­ten rei­cher Fami­lien, ros­tige ver­zierte Grab­kreuze aus Eisen, brü­chige Grab­plat­ten oder mit Patina und Kup­fer­spat über­zo­gene Sta­tuen. Man taucht wie in eine andere Welt ein: nur umge­ben von Stille, alten Bäu­men und stum­men Zeu­gen der Zeit. Olsany ver­gisst man nicht! Dort waren auch immer nur wenige Besu­cher, so dass man unge­stört foto­gra­fie­ren oder in sich gekehrt 300 Jahre zurück in die Ver­gan­gen­heit rei­sen konnte.«
  • Wer sich so klei­det, muss mit Bli­cken rech­nen
    Karn­stein steht unter Beob­ach­tung und zieht unwei­ger­lich die Bli­cke sei­ner Mit­men­schen auf sich in dem er das trägt, was er trägt. Neben abfäl­li­gen Bli­cken, ungläu­bi­gen Stau­nen und ver­ständ­nis­lo­sem Kopf­schüt­teln gibt es aber immer wie­der Momente des Lich­tes: »Keine Musik, kein Sata­nis­mus, kein Gel­tungs­be­dürft­nis oder Dar­stel­lungs­drang – die ältli­che Dame (die in der Innen­stadt freund­lich dan­kend ebenso schnell wie­der weg war wie sie plötz­lich vor mir gestan­den hatte) inter­es­sierte sich nur dafür, was man als unge­wöhn­lich auf­tre­ten­der Mensch so denkt und fühlt, was einen inter­es­siert und woher man so chi­que, unge­wöhn­li­che Klei­dung bekommt.«
  • Dar­cula in Gebär­den­spra­che
    Ob man es glaubt oder nicht, Gehör­lo­sen­filme haben mehr zu bie­ten als gelang­weilte Unter­ti­tel mit schlech­ten Über­set­zun­gen. 1975 ent­stand das Werk Dea­fula, eine Dracula-Adaption die kom­plett in Gebär­den­spra­che dar­ge­stellt wird. Das Werk stammt in Gänze von Peter Wechs­berg, der selbst die Haupt­rolle des tau­ben Dra­cula über­nimmt, Die Seite agonybooth.com schreibt über ihn: »Dea­fula is the brain­child of wri­ter, direc­tor, and lead actor Peter Wechs­berg. At the time, Wechs­berg was a video­gra­pher and actor who had recently tou­red with the Natio­nal Theatre of the Deaf, and had pro­du­ced a San Fran­cisco newscast for the deaf and hard of hea­ring. In 1974, Wechs­berg deci­ded to break out into filmma­king, and so begat Dea­fula, fil­med that year in and around Port­land, Ore­gon.«
  • Alien 5 — Was war vor­her?
    In einem Inter­view mit der Los Ange­les Times berich­tet der legen­däre Regis­seur von einem 5. Teil der Alien-Reihe die für mich zu den abso­lut groß­ar­tigs­ten Science-Fiction-Horror-Movies aller Zei­ten gehö­ren und das nicht nur, weil ich als Jugend­li­cher in Sigour­ney Wea­ver ver­knallt war. In Alien 5 wid­met man sich der belieb­ten »Pre­quel« The­ma­tik, also »Was war vor­her?« Die LA Times schreibt: »Speaking at the Hero Com­plex Film Fes­ti­val, the direc­tor got a rou­sing ova­tion when he told the crowd that the script is ready for a pre­quel to his 1979 deep-space mas­ter­piece »Alien »It’s writ­ten. I’m prep­ping it now. […] Scott added: »What we’re going to try to do is squeeze in two pre­quels… if you explain who he was and where did he come from… then you may want to find out where they came from, you might want to go to him and go to the place where his people come from.«
  • OMD wie­der da!? »Wir machen die Two-Men-And-A-Laptop-Version»
    Der Spex hatte sie ja schon, in die Maga­zine kom­men die Legen­den mit neuen Inter­views und Sto­ries im August und Sep­tem­ber, wie in ihrem Blog zu lesen ist. Der Spex berich­tet wei­ter: »Nach vier­zehn Jah­ren keh­ren O.M.D. im Sep­tem­ber mit ihrem neuen Album »History of Modern« zurück – und tref­fen­der als mit ihrer Geschichte des Moder­nen ließe sich ihr musi­ka­li­scher Sta­tus auch wohl kaum fas­sen, schließ­lich las­sen sich die meis­ten heu­ti­gen Electro-Pop-Produktionen auf O.M.D.s weg­wei­sen­des Album »Archi­tec­ture and Mora­lity« von 1981 zurück­füh­ren. Einen ers­ten Ein­druck des neuen Albums kann man sich jetzt schon auf der O.M.D.-Homepage ver­schaf­fen – dort gibt es einen kos­ten­lo­sen Down­load ihres neuen Songs »Sis­ter Marie Says«.«
  • Rude Boy — The Clash, The Movie
    Red Flog berich­tet: »1978–79 kamen zwei bri­ti­sche fil­me­ma­cher auf die groß­ar­tige idee einen film mit der auf­stre­ben­den punk­band the clash zu dre­hen. eigent­lich ja eine prima idee, aber nach­dem ich den film gese­hen habe kann ich die reak­tion der band auf den fer­ti­gen film ver­ste­hen – sie lie­ßen damals sogar bad­ges mit der auf­schrift “i don´t want rude boy clash film” pro­du­zie­ren.«
  • Mosh­pit is a Metal Head Orgas­mo­tron
    Die­ses fan­tas­ti­sche Gerät kon­ver­tiert Head­ban­ging wie­der zurück in Metal. »If you ever drea­med of being a rock star wit­hout having to learn an instru­ment – you will find this awe­some. Moshing in front of the Mosh­Pit Amp will pull you strai­ght into the epi­cen­ter of a metal con­cert. A wall of sound under your com­mand, a vul­ca­nic, orgas­mic erup­tion, a vent for your aggres­si­ons, ecs­tacy, arma­ged­don – it’s all in this incon­spi­cious little box.»
    httpv://vimeo.com/3349957

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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6 Kommentare

  1. Die »Prä­si­den­tin« ;o) dankt für den Ver­weis auf Prags Fried­höfe und die wie immer sehr gelun­gene, inter­es­sante Wochen­schau. Dea­fula find ich ja wit­zig — sehr schön!

  2. Ich stehe unter Beob­ach­tung? Hei­eiei, da werde ich ja noch para­no­ider als ich eh schon bin :) (Aber wie heißt es so schön? Die Tat­sa­che, dass ich para­noid bin heißt ja noch lange nicht, dass sie mich nicht wirk­lich verfolgen! ^^)

    Was ich von Alien 5 hal­ten soll weiß ich noch nicht so recht…
    Aber mal schauen, was raus kommt, immer­hin war bis­her jeder Teil reich­lich unter­schied­lich: der erste war schö­ner Gothic Hor­ror, der zweite Baller-Action, der dritte lang­wei­lig und der vierte Hol­ly­wood… Ich bin gespannt.

  3. @shan_dark: Ich fand Prä­si­den­tin ange­sichts aktu­el­ler Ent­wick­lun­gen auch grenz­wer­tig, immer­hin hast du auf dei­nem schwar­zen Pla­ne­ten was zu sagen :)

    @Karnstein: Ich würde deine Ein­schät­zung des ers­ten Teils auf den zwei­ten aus­deh­nen, denn für mich gehö­ren beide irgend­wie zusam­men. Der dritte war da schon wie­der ein Abklatsch und eine (zwar gute) aber wenig durch­dachte Fort­set­zung. Der vierte Teil war in der Tat Hol­ly­wood, aber ich habe ihn trotz­dem gemocht.

    Gehen wir jetzt nur vom Regis­seur aus, so kann es eigent­lich nur bes­ser wer­den, denn Rid­ley Scott war ja schon für den ers­ten Teil ver­ant­wort­lich, wäh­rend sich am zwei­ten schon James Came­ron ver­sucht hat (des­we­gen auch der starke Ein­schlag ins Bal­ler­tech­ni­sche), von den letz­ten lächer­li­chen Ver­su­chen Pre­da­tor und Alien unter einen Hut zu brin­gen, wol­len wir gar nicht reden.

  4. Jjjjein… Der zweite war sicher­lich noch Hor­ror, aber ich fand ihn nicht mehr so Gothic… Der Grauen ist im ers­ten Teil eigent­lich mehr die klaus­tro­pho­bi­sche Dun­kel­heit und vor allem die Unge­wiss­heit, die in den Schat­ten lau­ert — man sieht nie so rich­tig, was es eigent­lich ist.
    Der zweite Teil ist viel kon­kre­ter — spielt weni­ger mit den Ängs­ten son­dern setzt eher auf viel deut­li­chere Mons­ter und Action (man­cher Lite­ra­tur­kri­ti­ker der Roman­tik hätte viel­leicht gesagt, der erste Teil ist »Hor­ror«, der zweite »Ter­ror«).
    Aber gut ist der zweite auf jeden Fall immer noch :)

  5. Huih, die Nach­richt von OMD ist ja toll! Warum hab ich das nicht eher ent­deckt ;) ich dachte schon es wäre gänz­lich unmög­lich die Her­ren noch mal live zu sehen.

  6. @Rosa: Ich bin mir fast sicher, OMD in der nächs­ten Zeit auf rich­ti­ger Tour erle­ben zu kön­nen. Am 11. Novem­ber zum Bei­spiel in Köln (E-Werk), auch wenn ich die Ticket-Preise für deut­lich zu hoch halte (46€).

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