20 April
Spontis Wochenschau #13
Frühling und Aschewolken, sind wohl die Kernkompetenzen der Nachrichtensendungen. Es ist faszinierend wie empfindlich die Infrastruktur eines ganzen Kontinent sein kann und sich wieder einmal der Natur unterwerfen muss. Ganz im Gegensatz zur erwarteten Dunkelheit durch die Wolke wird Deutschland aber von strahlendem Sonnenschein erhellt. Deshalb fallen die Verweise dieses mal auch deutlich düsterer aus, es passt mir einfach besser zur aktuellen Stimmung. Die Zukunft sieht rosiger aus, für mich jedenfalls, WGT in Leipzig, Urlaub in England, vielleicht nach Italien — während die Nation fiebert der bevorstehenden Fußball Weltmeisterschaft entgegen.
Gestern zeichnete sich dann ein schreckliches Szenario ab: Nehmen wir an, Deutschland wird Gruppenzweiter (Gruppe D) und England wird Gruppenerster (Gruppe C), dann spielen beide im Achtelfinale am Samstag, den 26.6.2010 gegeneinander. Gerade dann, wenn ich in England verweile. Schöne Planung. Ich bin sicher kein Fußball-Enthusiast, aber ein wenig Nationalpatriotismus darf schon sein, aber vielleicht spare ich mir während meines Urlaubs alle Farbe der deutschen Flagge und sympathisiere weiter mit schwarz.
- Düstere Schnulzen
Unheilig nehmen Fahrt auf, ihr neues Album »Grosse Freiheit« belegte im März Platz 1 der Verkaufscharts und auch sonst lassen die Musiker rund um den Grafen keine Gelegenheit aus, sich im Licht der Öffentlichkeit zu präsentieren. Andrea König von der Süddeutschen nennt es Düstere Schnulzen: »Unheiligs Düsterpop funktioniert auf der großen Bühne hervorragend. Der Mann im schwarzen Anzug mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte verströmt seine charismatische Bühnenpräsenz bis in die letzten Ecken der Halle. Drei Musiker unterstützen die Show. Was sie nicht leisten können, kommt aus der Dose […] Die meisten Songtexte von Unheilig sind so harmlos schnulzig, dass einige Konzertbesucher auch ihre Kinder mitgebracht haben. Für sie gibt es in der Halle sogar einen eigenen Familienbereich.« Ganz unrecht hat sie sicherlich nicht und trifft damit in den momentanen Kern der Diskussion. Gönnt man den Düsterpoppern den Erfolg oder ist der Inhalt für die Masse flöten gegangen? Eins ist jedenfalls klar, der Gothic-Stempel den man der Band vor rund 10 Jahren auf den Handrücken drückte, ist verwaschen und kaum noch zu erkennen. Vielleicht hat er da auch noch nie hingehört. - Bild die deine Meinung: Russen-Kannibalen essen Mädchen auf
Eine spannende Geschichte. Kannibalismus und Gothic — wäre nach Tieropfern und Mord die nächste Grauseligkeit für die Gothic-Szene. Man schreibt: »Januar 2009. Die Gothic-Fans Maxim Golovatskikh (20) und Yury Mozhnov (20) feierten in ihrer WG eine Party. Unter den düster gekleideten Gästen war auch Maxims Freundin Karina (16). Das Mädchen blieb über Nacht.« Offenbar gibt es noch nicht genug Perversitäten im eigenen Land, mich würde interessieren, unter welchen Gesichtspunkten man solchen Meldungen auswählt. Hier wird dem Leser die Assoziation schon in den Mund gelegt. - The City of Darkness – Nachschlag zu Kowloon Walled City
Vor einer Weile schrieb Rosa Chalybeia in ihrem Blog über die Walled City Kowloon, eine Stadt, in der auf engstem Raum rund 50.000 Menschen wohnen in der unglaubliche Zustände herrschen. Die legendäre Siedlung Hak Nam in Honkong wurde 1993 abgerissen. Jetzt hat Rosa eine neue und großartige deutsche Dokumentation zu der Stadt ergänzt, bei der es mir noch heute kalt den Rücken runterläuft. »Die “City of Darkness” war ein architektonisches Kuriosum, ein organisch anmutendes Gebilde, wie ein mißglücktes Experiment eines wahnsinnigen Wissenschaftlers wucherte die Walled City bis zu 14 Stockwerke in den Himmel, im Inneren mit verwinkelten Gassen und Treppen, die so eng waren daß kein natürliches Sonnenlicht mehr nach innen drang. Die lebenspendenden Adern dieses Ungetüms waren planlose, frei verlegte Kabel– und Rohrstränge die sich wahlos durch die Gassen zogen und von den Fassaden herunter krochen.« - Fotoprojekt über Jugendliche: »Ich bin doch eigentlich nichts»
Schwierige Jugendliche? Hat es immer gegeben, wird es immer geben. Schwierigkeiten gehören zum Leben eines Jugendlichen einfach dazu, das Wunschbild der Gesellschaft des angepassten, fügsamen und unrebellischen Jugendlichen gibt es (noch) nicht und wird es hoffentlich nie geben. Anna Jockisch zeigt in ihrer von der UNICEF prämierten Fotoreihe denn scheinbaren Alltag als schwierig geltender Jugendlicher. »Eine Jugend im Heim, Unterricht in der Sonderschule, Punks auf der Straße — wie sieht der Alltag von Teenagern aus, die als schwierig gelten? Fotografin Anna Jockisch zeigt solche Lebenswelten: wie Jugendliche wohnen, lernen, lieben — und in Tagträume flüchten.« - Nicht zum Frühstück empfohlen: Health — We are Water
Nichts für schwache Nerven, Eric Wareheim zeigt in seinem Video für die Band Health Splatter vom feinsten, selbst die SPEX zeigt sich geschockt:»Guten Morgen am Montag, es gibt Blut zum Frühstück: Horror, Terror und Splatter vom Feinsten serviert Regisseur Eric Wareheim im neuen Musikvideo der aus Los Angeles operierenden Noise-Band Health, weshalb es hiermit allen feinfühligen, zartbesaiteten und magenempfindlichen Spex-Lesern strengstens verboten ist, das untenstehende Video zur neuen, mit kreischenden Gitarren und verzerrten Feedbackschleifen arbeitenden Health-Single »We are Water« anzuschauen.»
(Bildquelle: Bundesarchiv@Wikipedia)
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Vernetzt, Wochenschau
Schlagwort: Verweise, Wochenschau


hat bereits 230 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. April 2010 um 12:05:
Welche Ehre ein weiteres mal in dieser Rubrik genannt zu werden :) ich hab die Doku auch zweimal hintereinander ansehen müssen, unglaublich daß sowas tatsächlich existiert hat.
Unheilig — ja, derzeit des Grufties liebstes Aufreg-Thema. Ich hab die 2004 — glaub ich — mal auf nem Festival live gesehen, war witzig, was aber an des Grafen Bewegungsablauf lag *g* nur mit der Musik konnte ich noch nie wirklich was anfangen. Menschlich macht der Graf zwar einen recht sympathischen Eindruck, »Düstere Schnulzen« finde ich passt jedoch einfach perfekt zu dem was ich musikalisch von Unheilig halte.
Ich denke, ich gönne ihm den Erfolg, gerade aus dem Grund weil ich wenig damit anfangen kann und es auch nur wenig als gruftig empfinde …
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. Mai 2010 um 00:23:
*ironieAn* Ich verlinke dich ja nur um Dir zu huldigen *ironieAus* und weil mich lustigerweise viele der Themen die Dich faszinieren das gleich auf mich ausüben. Ich halte mich zu Unheilig auf gerne bedeckt, da ihre Musik für viele Einstiegsdroge in die schwarze Szene sind. Schade nur wenn das Interesse darüber nie hinaus geht.
Den Erfolg gönne ich Ihnen auch, doch der Preis den die Band dafür zahlt, finde ich zu hoch. Um Polemik zu vermeiden beende ich aber meine Ausführungen. Vielleicht eins zum Schluss: Besser Unheilig als Düster-Techno, soviel steht fest.
hat bereits 230 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. Mai 2010 um 00:52:
Er möge fortfahren *grööööhl* :D
Ne, freut mich ja wenn meine Artikel bei dir auf Interesse stoßen, Bloggen ist für mich eher eine Zutat des virtuellen Daseins, versuche aber nicht ausschließlich über schnarchigen Privatkram zu schreiben, sondern auch interessante Themen auszubuddeln. Wenn mir das nur ansatzweise gelingt dann bin ich ganz glücklich damit :)
Zu Unheilig: recht hast du, besser finsteren Schlager als Düstertechno. So arg kommerzieller Erfolg ist halt mal wieder ein zweischneidiges Schwert. Für die Künstler, so den sie sich drauf einlassen ist es sicher nicht das schlechteste, aber Kommerz hat halt auch nicht viel mit dem Gruftitum gemein — ich beruf mich da aber sicher nicht auf manch moderne Auswüchse ;) — ich denk du weißt worauf ich hinaus will :)
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Mai 2010 um 16:03:
Er fährt fort. Beim Bloggen ist es meiner Meinung nach wichtig auch gelegentlich »schnarchigen« Privatkram dazuzumischen, ich würde es sonst ein bisschen langweiliger finden. Dann würde Wikipedia als Wissenquelle sicherlich ausreichen.
hat bereits 230 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Mai 2010 um 20:32:
Geb ich dir ja auch recht damit :) mich hats jahrelang vom Bloggen abgehalten, daß gefühlt die meisten einfach nur Tagebuch ins Netz geschrieben haben, letztenendes machts die Mischung, und irgendwie ist ja auch die Themenauswahl über die man schreibt individuell und Sache persönlicher Interessen.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 12. Juni 2010 um 00:30:
Wobei das natürlich genau der Punkt ist, an dem sich die Geistern scheiden. Bloggen im Tagebuchstil ist eine schwierige Sache, denn allein die beiden Ideen dahinter sind meiner Meinung nach verschieden, denn ein Tagebuch ist etwas sehr intimes. Bloggen verfolgt da eher einen Aufmerksamkeits und Meinungsaustausch Hintergrund und bietet neue Möglichkeiten. Die Mischung — wie du schon sagst — ist auch mir wichtig, aber nicht entscheidend. Ich schätze beide Arten von Blogs, obwohl die »Tagebücher« da schon eher im Hintergrund sind.