31 März

Spontis Wochenschau #11

Kategorie: Vernetzt, Wochenschau — Jahrgang: 20105 Kommentare

Dun­kel ist die Nacht. Der März neigt sich dem Ende und auch die letz­ten Tage der dunk­len Jah­res­zeit schei­nen gezählt. Die Uhren sind (hof­fent­lich) umge­stellt und die Win­ter­ja­cken ein­ge­mot­tet. Ein Besuch beim frisch ver­grö­ßer­ten Piercing-Studio brachte mir neben 2 wei­te­ren Löchern auch die Erkennt­nis, das Pier­cing und Täto­wie­rung end­gül­tig in der brei­ten Masse ange­kom­men sind. Das Stu­dio in Mön­chen­glad­bach, das ich seit ewi­gen Zei­ten besu­che begann stil­echt mit einem Mit­ar­bei­ter in einer klei­nen und pop­li­gen Hin­ter­hof­bude und mutierte nun zum Hochglanz-Studio mit 2 fest ange­stell­ten Pier­cern, 1 fes­ten Täto­wie­rer und einem Lehr­ling. Löchern im Dauertakt.

Wie lange dau­ert es wohl noch, bis pro­fes­sio­nelle Tattoo-Entfernung mit ins Pro­gramm auf­ge­nom­men wird? Wie bekommt man das Loch eines Plug wie­der zu? Kör­per­ver­än­de­run­gen wer­den zwar immer gesell­schafts­fä­hi­ger, aber im glei­chen Maße auch schnell­le­bi­ger. Was heute Hip und Modern erscheint, ist in 10 Jah­ren viel­leicht schon wie­der schlecht und häss­lich. Man betrachte die Kar­riere des Steiß­bein­bilds, das man umgangs­sprach­lich auch Arsch­ge­weih beti­telte, fehlt nur noch eine Fern­seh­sen­dung »Die Tattoo-Entferner«. Kommt noch. War­tet ab. Und dann, wenn es kei­nem mehr gefällt und sich jeder labile sei­ner Taten schämt, werde ich es wie­der mögen und Lebens­in­halt unzäh­li­ger, arbeits­lo­ser Täto­wie­rer wer­den. Vor­aus­ge­setzt, in mei­ner dann alten und fal­ti­gen Haut fin­det sich über­haupt noch eine eini­ger­ma­ßen benutz­bare Stelle.  Links ? Achso, ich vergaß:

  • World Goth Day
    Hätte Rosa in ihrem Blog nicht dar­über berich­tet, er wäre spur­los an mir vor­über­ge­gan­gen, der World Goth Day: »Der Seite zufolge solle der “World Goth Day” ein Tag sein an dem man sein Goth-sein fei­ern solle, es gäbe ja schließ­lich auch einen Mut­ter­tag, einen Vater­tag, einen Valen­tins­tag und sonst noch einige sol­cher “Fei­er­tage” mehr, dadurch soll die Öffent­lich­keit auf das Gruf­ti­tum auf­merk­sam gemacht wer­den. Als mög­li­che Maß­nah­men für die­sen Zweck wird vor­ge­schla­gen sich im nor­ma­len Radio einen Gruft-Klassiker zu wün­schen (The Cure, Sioux­sie, Bau­haus und der­glei­chen) oder sich bei­spiels­weise ein biss­chen gruf­ti­ger zu klei­den an die­sem Tag.« Den kom­mer­zi­el­len Beige­schmack nimmt auch sie wahr, es ist die begrün­dete Art von Skep­sis die in der Lage ist die Sinne zu schär­fen. Und auch ich sehe das ganze im Zwie­spalt, zumal die große Öffent­lich­keit nie etwas gewe­sen ist, was ich mir für die Szene gewünscht hätte. Blöd, das man sich den 22. Mai aus­ge­sucht hat, denn da ist schließ­lich schon das WGT, an dem die schwarze Gemeinde ein gan­zes Wochen­ende sich selbst feiert.
  • Herr Mül­ler, wie nennst du deine Frau beim Se-he-x?
    Sper­ren und Zen­sur im Netz brin­gen nichts. Doch es hilft auch nicht den Kopf in den Sand zu ste­cken, denn das Netz über­flu­tet uns gera­dezu mit erläu­te­rungs­be­dürf­ti­gem Inhalt. Porno-Videos sind nur einen Klick ent­fernt, keine Spiel­art und keine Vor­liebe scheint zu abwe­gig. Wie der Spie­gel berich­tet, nimmt Por­no­gra­fie in der Schule immer mehr zu — aber nicht im Unter­richt, son­dern in Form von Videos und Bil­dern auf den Han­dys der Kin­der und Jugend­li­chen. Was ist Bon­dage, was sind Blo­wjobs und kann ein Cumshot jeman­den töten? Die meis­ten Eltern und Leh­rer sind mit die­sen Fra­gen über­for­dert und ver­bie­ten den Kin­dern aus Angst vor der eige­nen Unzu­läng­lich­keit den Umgang damit. Spiegel-Online Autor Johan­nes Gernert kon­sta­tiert rich­tig: « […] Das Argu­ment, das für Dietz viele Über­le­gun­gen über­flüs­sig macht, lau­tet schlicht: »Es ist ver­bo­ten.« Das Gesetz­buch stellt das Zugäng­lich­ma­chen von Por­no­gra­fie für Min­der­jäh­rige unter Strafe. Höchs­tens in der Kol­leg­stufe, wenn die Gym­na­si­as­ten voll­jäh­rig sind, könne man mög­li­cher­weise dar­über nach­den­ken, zusam­men ein Porno-Video anzu­se­hen. Dann aller­dings könnte es ein biss­chen spät sein
  • Die 30 bes­ten Goth Alben (The Thirty Best Goth Records of all Time)
    Gent­le­man of the Night Mick Mer­cer hat wie­der zuge­schla­gen, die 30 bes­ten Goth-Alben aller Zei­ten sol­len es ein, die er im Quie­tus zusam­men­ge­stellt hat. Und in der Tat sind einige äußerst gran­diose Schei­ben dabei die auch in mei­ner Samm­lung nicht feh­len. Ebenso gibt es aber auch neues zu ent­de­cken, das man viel­leicht nicht in die­ser Form auf einer Liste hat. Auch ein Blick über den Tel­ler­rand scheut Mer­cer nicht, mit Xmal Deutsch­land bestä­tigt er auch meine Ver­mu­tung eines weg­wei­sen­den Cha­rak­ters. »In choo­sing a Top 30 I have gone back to day one, and for­ward right up to tonight, as these days you even get indie bands clai­ming to be goth! This music is now seen as having real dignity and credi­bi­lity, because it exists for its own enjoy­ment and is the only genui­nely under­ground move­ment in the world. No won­der ever­yone wants in! So, in this chart you get a whole cross-section.«
  • The Lon­don Wee­kend Show 1976: Punk Rock and the Sex Pis­tols
    Einen gran­dio­sen Ver­such den Zeit­geist 1976 zu erfas­sen machte die Redak­tion von Lon­don Wee­kend. Ein Bericht über die Sex Pis­tols und das Phä­no­men Punk den man als schwers­tens Kul­tig ein­stu­fen kann. Genauso wie die Fri­sur und die Brille der Mode­ra­to­rin. Dar­un­ter auch unzäh­lige sel­tene Auf­nah­men und Inter­views mit Sioux­sie & The Bans­hees. »Was unter­schei­det eine schlechte Punk Rock Band von einer guten?« Äußerst tref­fende Ant­wort des Club 100 Mana­gers: »Das Publi­kum.« In Zei­ten von uner­schwing­li­chen Tickets gro­ßer Bands wun­dert es nicht, das die bil­li­gen Punk-Rock Bands so erfolg­reich sind — klingt ein­fach und schnör­kel­los scheint aber einen Teil der Begeis­te­rung durch­aus zu erklären.
  • Mor­bid Ana­tomy Video­por­trait
    Tote Kunst, so könnte man das ganze viel­leicht sehr tref­fend beschrei­ben. Der mor­bide Charme und die Beschäf­ti­gung mit der Ver­gäng­lich­keit ist ein essen­ti­el­ler Bestand­teil der Gothic Szene. Da kommt ein Arti­kel bei Nerd­core gerade rich­tig: »Rocket­boom war zu Besuch im Mor­bid Ana­tomy Library und hat die Kura­to­rin und Blog­ge­rin Joanna Eben­stein zu ihrer Samm­lung medi­zi­ni­scher Kurio­si­tä­ten inter­viewt. Unbe­dingt auch ihre unglaub­li­chen Flickr-Sets vol­ler Fotos aus Anatomie-Museen aus aller Welt anschauen.« Dazu gibt es noch ein etwas stei­fes, aber durch­aus sehens­wer­tes Video.

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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5 Kommentare

  1. Hm, als ich finde nicht das Täto­wie­run­gen im All­tag ange­kom­men sind, ab einer bestimm­ten Grösse bestimmt nicht…und als Frau sowieso nicht. Die meis­ten Frauen wer­den ja durch unbe­wusste gesell­schaft­li­che Zwänge ziem­lich in ihrer Motiv­wahl ein­ge­schränkt. Wenn Tat­tos wirk­lich all­täg­lich wären, wieso muss man sie dann immer noch abde­cken kön­nen? Wir hat­ten Leh­rer mit Per­cings, aber von kei­nem hätte man das Tat­too gesehen…

    Also diese Mor­bid Ana­tomy Library ist ja ein Traum…ansonsten fin­det man sol­ches Zeug ja nur in medi­zin­his­to­ri­schen Museen, und auch da gibt es sol­che Sachen wie der Abguss des Gesichts eher sel­ten. Ich kann mich glück­lich schät­zen wenigs­tens ein Gym­na­sium besucht zu haben, dass ein ech­tes mensch­li­ches Ske­lett zu bie­ten hat…mit dem wir übri­gens immer ver­sucht haben zu tanzen…Danke vielmals!

  2. Eine Fernseh-Show á la »Die Tattoo-Entferner«? Das wär mal was. Aber mit dem Laser soll das ja ewig dau­ern … Da könnte man aber Abhilfe schaf­fen, wie wär´s mit Haut­trans­plan­ta­tio­nen? Ein Stück (Fetz­chen …?) unbe­schrif­tete Haut kommt eben da hin, wo die Tinte weg­ge­schnib­belt wurde. Damit´s dann aber an der »Wirts-Körperstelle« nach dem Zuta­ckern nicht spannt, muss vor­her noch eine Fett­ab­sau­gung her … Gut mög­lich, dass an bei­den mal­trä­tier­ten Haut­par­tien dann Nar­ben blei­ben. Aber kein Pro­blem: Da kann man ja drübertättowieren.

  3. @Atanua: Viel­leicht hast du Recht und es ist abhän­gig von der Größe und Posi­tio­nie­rung der Täto­wie­rung. Ich habe nur das Gefühl, das vie­len eine Täto­wie­rung nur noch als Mode sehen und sich ste­chen las­sen um im Trend zu lie­gen. Das ist natür­lich gefähr­lich, denn in 5 Jah­ren schie­ßen dann die Ent­fer­nungs­stu­dios aus dem Boden. Ich ver­stehe nur nicht den Zusam­men­hang zwi­schen gesell­schaft­li­chen Zwän­gen und der Motivwahl?

    @MischaSoleil: Erschre­ckende Vor­stel­lung :) Aber ich glaube, wie bereits erwähnt, so wird es kom­men. Viel­leicht gibt es auch in 10 Jah­ren Tinte, die man »löschen« kann, nicht so wie diese Bio-Tattoos die nach einer Weile ver­schwin­den. Immer­hin eine rie­sige Marktlücke :)

  4. Die gesell­schaft­li­chen Zwänge in Sachen Motiv­wahl? Hm, viel­leicht fällt eine Ver­si­che­rungs­ver­tre­te­rin mit Schmet­ter­ling am Hals weni­ger unan­ge­nehm auf als mit Toten­köpf­chen dort.

    Ich glaube, es bleibt letzt­lich schon jedem selbst über­las­sen, ob er sich (all­zeit weit­hin sicht­bar) tät­to­wie­ren las­sen will, gesell­schaft­li­che Zwänge hin oder her. Da muss jede/r sel­ber wis­sen, was ihm/ihr wich­ti­ger ist. Ob man wirk­lich jeden Fit­zel auf die Umwelt schie­ben kann? Naja … ^^

  5. Kann man natür­lich nicht, ich meine nur das der Trend zum Täto­wie­ren ein­deu­tig gestie­gen ist und man sie vor 5 Jah­ren vor aus dem Rücken schie­ßen­den »Arsch­ge­wei­hen« nicht mehr ret­ten. Man­che Motive sind tat­säch­li­che außer­or­dent­lich beliebt und las­sen eine Art Zwang ver­mu­ten. Das »Wo« ist da gesell­schaft­lich viel regle­men­tier­ter, mei­ner Mei­nung nach.

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