7 Februar

Spontis Wochenschau #05

Kategorie: Vernetzt, Wochenschau — Jahrgang: 20104 Kommentare

Ja ihr seid noch rich­tig. Jetzt bekommt ihr von dem, der das Wort Regel­mä­ßig­keit in sei­nen völ­lig eige­nen Maß­stä­ben defi­niert, wie­der eine Wochen­schau und dies­mal direkt vor den Bug. Eigent­lich wollte ich Ricar­das Gedan­ken zu Blogs und Kom­men­ta­ren noch hier ein­brin­gen, möchte das aber in einem eige­nen Thema noch­mals auf­grei­fen.  Ganz pas­send zum Thema ist aller­dings das ver­mu­tete aus­ster­ben von Blogs oder auch Blog­gern, das ich aus aktu­el­lem Anlass noch mal auf­greife. Ein paar wei­tere Gedan­ken beschäf­ti­gen mich die­ses Jahr auch noch, so finde ich die Frage inter­es­sant ob Blog­ger, gerne auch The­men­ver­wandte, oder auch Blog­ger und Kom­men­ta­to­ren auch bei einer rea­len Zusam­men­kunft so elo­quent mit­ein­an­der umge­hen kön­nen. Ich bin mir sicher das auf den zahl­rei­chen Fes­ti­vals wie­der einige »Kol­le­gen« anwe­send sein wer­den, mal sehen ob sich da was arran­gie­ren lässt. Aber das ist mal wie­der eine son­ders­glei­che Abschwei­fung. Noch ein klei­ner Hin­weis in frem­der Sache, free­q­net hat sich umge­zo­gen. Seine neuen äußert lieb­rei­zen­den Kla­mot­ten sind eine genauere Betrach­tung wert, denn sie sind wie immer anders und inno­va­tiv und dies­mal mini­ma­lis­tisch und Ide­en­reich. Anstoß wie­der selbst ein­mal etwas zu dekorieren.

  • Nicht die Blogs ster­ben aus, son­dern die Blog­ger
    Basic Thin­king ver­mu­tet, das jugend­li­che Hoff­nung der Blog­ger in die soziale Netz­werke abwan­dert und wei­ter auf Micro­blog­ging Dienste setzt und zieht Unter­su­chungs­er­geb­nisse heran: »[…] in denen die Nut­zung von Social Media und des mobi­len Inter­nets bei bei Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen in den USA (12−17 und 18–29 Jahre alt) unter­sucht wurde, dass diese kei­nen Bock mehr auf’s Blog­gen haben. Seit dem Jahr 2006 sei ihr Inter­esse am “Makro”-Blogging ste­tig gesun­ken, gleich­zei­tig sei das ”Micro”-Blogging (etwa bei Twit­ter oder Face­book) immer popu­lä­rer gewor­den.« Spon­tis sagt: Das ist nicht der ein­zige Grund, denn auch der Erwach­sene ver­liert zuneh­mend die Lust am Blog­gen. Dünn ist das Eis auf dem wir uns bewe­gen, Urhe­ber­recht, Links, Strams, Bil­der, Abmah­nun­gen, Kenn­zeich­nungs­pflicht, Eigene Mei­nung und Zitat­recht bil­den einen wah­ren Dschun­gel und macht aus jedem Blog­ger einen laten­ten Straf­tä­ter. Da ver­liert man die Lust am Blog­gen, son­dern beschränkt sich dar­auf zu kon­su­mie­ren, das ist Stressfreier.
  • Abmah­nung jetzt auch per E-Mail?
    Wun­dert mich eigent­lich nicht mehr. Nichts wun­dert mich eigent­lich noch. Anstatt klare Rege­lun­gen zu tref­fen, wer­den beste­hende Gesetzt wei­ter durch­lö­chert und neue geschaf­fen ohne mit den alten auf­zu­räu­men. Als scheint schüt­zens­wert, gerade wenn damit Geld ver­dient wird, sogar die Abmah­nun­gen selbst. Der Bür­ger selbst wird nicht geschützt, vor allem seine Daten nicht. Und vor was wir beschützt wer­den müs­sen ent­schei­det jemand anders und ver­bin­det uns die vir­tu­el­len Augen. Und weil das Porto so teuer ist, schickt man die Abmah­nun­gen gleich per E-Mail. Meint jeden­falls Spiegel-Online. »Das Land­ge­richt Ham­burg hat ent­schie­den: Einem Urteil vom 7. Juli 2009 zufolge kann eine Abmah­nung grund­sätz­lich auch per E-Mail zuge­stellt wer­den — und ist selbst dann gül­tig, wenn sie im Spam-Filter hän­gen bleibt oder von der Fire­wall blo­ckiert wird (Az.: 312 O 142/09).«
  • Nopants Ride in New York 2010No Pants Sub­way Ride 2010
    Nach­dem die Aktion 2009 so gro­ßen Anklang gefun­den hat, sollte der Erfolg 2010 wie­der­holt wer­den, dann auch gleich Welt­weit. Doch ohne Hosen U-Bahn fah­ren war wohl für die Deut­schen nicht attrak­tiv genug. Jeden­falls fan­den sich keine bereit­wil­li­gen zum kol­lek­ti­ven Hosen­run­ter­las­sen ein, nur ein paar Pres­se­leute war­te­ten ver­ge­bens auf User-Generated-News. In New York konnte der Erfolg wie­der­holt wer­den, hier fährt man gerne ohne Hose. Naja, viel­leicht begreift man end­lich das es sich nicht immer lohnt etwas zu impor­tie­ren was hier so nicht funk­tio­niert und erschafft anstatt des­sen eigene Ideen die auf deut­schen Tugen­den beru­hen. Ich schätze, das wird besser.
  • Hacker in der Tages­schau
    Gerade noch habe ich über meine Kind­heit berich­tet um einen Bei­trag zu Heu­nis Blog­pa­rade zu lie­fern, da ent­de­cke ich eine alte Tages­schau Auf­zeich­nung aus dem Jahr 1984 die für mich unge­fähr so mys­tisch erschien wie es heute glän­zende Vam­pire sind. Die Jungs in dem Bei­trag waren meine Hel­den. Genauso wollte ich sein, so wollte ich wer­den, da wollte ich hin. Ich schwor mir, das alles auch zu kön­nen. Heute schreibe ich in einem Blog dar­über, Ziel ver­fehlt? »1984 star­tet der erste all­jähr­li­che Chaos Com­mu­ni­ca­tion Con­gress, die älteste und größte inter­na­tio­nale Hacker­kon­fe­renz in Europa. Im sel­ben Jahr stellt der CCC mit dem BTX-Hack eine Schwach­stelle im bis­lang als sicher titu­lier­ten BTX-System der Bun­des­post unter Beweis. Eben­falls 1984 grün­det jemand, der sich Lex Lut­hor nennt, eine Hacker­gruppe namens „Legion of Doom“ (LoD/H), die spä­ter einer der bekann­tes­ten Hacker­grup­pen wird und sich mit einer kon­kur­rie­ren­den Gruppe „Mas­ters of Decep­tion“ einen erbit­ter­ten Kampf lie­fert. In den frü­hen 1990er Jah­ren wer­den beide Hacker­grup­pen in Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem Secret Ser­vice und dem FBI zer­schla­gen, wobei viele ihrer Mit­glie­der ver­haf­tet wer­den.»
(Bild­quelle: Bundesarchiv@Wikipedia | Improve Ever­y­where)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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4 Kommentare

  1. Danke für’s ver­linkte Lob! :)

  2. […]und ist selbst dann gül­tig, wenn sie im Spam-Filter hän­gen bleibt oder von der Fire­wall blo­ckiert wird […]
    Selbst­ver­ständ­lich. Warum macht man es den abmah­nungs­spe­zia­li­sier­ten Anwäl­ten nicht noch ein­fa­cher. Ich denke da an einen Zusatz, der die Abmah­nung schon rechts­kräf­tig wer­den lässt, wenn der Chef­ses­sel­flä­zer nur mal kurz sei­nen Unmut und die dazu­ge­hö­rige Ver­war­nungs­ab­sicht in das Büro grunzt und es die Sekre­tä­rin hörte. Sie quasi bestä­ti­gen kann, dass wirk­lich eine Ver­war­nung for­mu­liert wor­den war. Ich glaube, die Blog­ger, die bewusst bös­wil­lig Urhe­ber­rechte bre­chen, kann man an einer Hand abzäh­len und dann all jene, denen das aus Unacht­sam­keit pas­sierte gleich dop­pelt abzu­wat­schen ist doch schon mehr als dreist.

    Was den Rück­gang anbe­trifft, so kenne ich mich zwar nicht in der Men­ta­li­tät der Blog­ger­frak­tion aus –bis vor einem Monat wusste ich noch nicht ein­mal, wie man Blog über­haupt schreibt– aber neben dem stim­mung­s­tö­ten­den recht­li­chen Glatt­eis wer­den sicher­lich auch zwei mensch­li­che Fak­to­ren nicht unwe­sent­lich sein.

    Zum einen die Erkennt­nis, dass man nach jah­re­lan­gem Schrei­ben doch kei­nen Kult um seine Per­son auf­bauen konnte und somit ent­täuscht auf­hört. Denn ich glaube, es wird einige gege­ben haben, die sich dem Schrei­ben auf­grund eines erhoff­ten Bekannt­heits­gra­des anschlos­sen und schon ihr Ego in die Höhe schnel­len sahen.

    Zum ande­ren könnte auch ganz banale Schreib­faul­heit der Grund sein. Man hat schon alles geschrie­ben, hat sich aus­ge­las­sen und nun kei­nen Bock mehr, sich nach der Arbeit irgend­wel­che Berichte aus den Fin­gern zu sau­gen. Zudem macht schrei­ben Arbeit. Man muss auf Wort­wahl, Ortho­gra­fie und Inter­punk­tion ach­ten. Wie ver­lo­ckend ist es hin­ge­gen, anstatt eines Absat­zes ein­fach nur einen Satz in den Twit­ter zu jagen und die­sen schlag­ar­tig kom­men­tiert zu wis­sen. Die Spra­che sucht sich immer den ein­fachs­ten Weg, warum dann nicht auch die Nach­richt und damit deren Absender.

    Aber mal etwas ande­res. Ich hätte nicht gedacht, dass es den CCC Chaos Com­pu­ter Club schon seit min­des­tens 26 Jah­ren gibt.

  3. @beetFreeQ: Bitte :)

    @Guldhan: Ich würde die mensch­li­che Kom­po­nente gerne noch the­ma­tisch erwei­tern, so ist auch die Schreib­blo­ckade eine inter­es­sante mensch­li­che Seite. Kult um die eigene Per­son wird voll­kom­men über­schätzt, obwohl man­che Blog­ger offen­sicht­lich dar­auf hin arbei­ten und dann genau wie der erwähnt hast, ent­täuscht wer­den und trot­zig auf­ge­ben. Es gibt aber auch Gegen­bei­spiele: Die Lei­den­schaft etwas zu schrei­ben, Spu­ren zu hin­ter­las­sen und Gedan­ken auf­zu­zeich­nen sind Dinge die auch viele gute Blogs am Leben erhal­ten. Die Lust am Schrei­ben kommt immer wie­der zurück. Mick Mer­cer schreibt mitt­ler­weile seit gefühl­ten 1000 Jah­ren über die schwarze Szene und wird der Sache ein­fach nicht müde und das, wo sich der Kult um seine Per­son doch extrem im Rah­men hält.

  4. Schreib­blo­cka­den, rich­tig, daran hatte ich jetzt in dem Zusam­men­hang gar nicht gedacht. Denn inter­es­san­ter­weise habe ich mich in die­sem Jahr für das Eröff­nen eines Blogs ent­schlos­sen, um eben sol­chen Schreib­blo­cka­den den Kampf anzu­sa­gen. Mal schauen, ob es funktioniert.

    Bei allem, was ich jetzt so erfah­ren habe, erachte ich es eben­falls für Ver­mes­sen, von einem »Ster­ben« zu spre­chen. Denn man könnte die­sen Rück­gang auch recht neu­tral als Stufe eines Zyklus begrei­fen. In der Pro­dukt­po­li­tik der Ökono­mie wird die­ser Zyklus in fünf Pha­sen unter­teilt: Ein­füh­rung, Wachs­tum, Reife, Sät­ti­gung und Rück­gang. Der Blog als Pro­dukt ist davor nicht befreit.
    So wie ich las ent­stand ein soli­des Blo­gnetz­werk so ab der zwei­ten Hälfte der 90er-Jahre. Ab da trat er ver­stärkt an die Öffent­lich­keit, er wurde sozu­sa­gen ein­ge­führt und wuchs. Mit der groß­flä­chi­gen Erschlie­ßen der Haus­halte ans Netz erreichte er seine Reife. Man hatte schon ein­mal davon gehört und wollte es tes­ten. Ein­fach mal schauen, ob es einem liegt oder eher nicht. Das könnte so ab 2000/2003 pas­siert sein. Somit gab sich fast jeder Inter­es­sierte die­sem Zeit­ver­treib hin und der Blog erfuhr seine Sät­ti­gung. Dass nun viele, die nach dem Tes­ten keine große Lei­den­schaft ent­wi­ckel­ten und nach und nach wie­der absprin­gen ist ver­ständ­lich. So geschied es jeder Mode oder jedem neuen Pro­dukt. Und dass nun bei­spiels­weise der »Twit­ter« die nach­rü­ckende Mit­tei­lungs­ge­ne­ra­tion mehr zum Tes­ten ver­lockt als ein groß ange­leg­ter Blog, könnte ja auch im Umkehr­schluss bedeu­ten, dass zwar weni­ger nach­kom­men, aber diese dafür auch län­ger dabei bleiben.

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