11 Januar

Skinhead Family Tree

Kategorie: Schwarzes Netz, Vernetzt — Jahrgang: 20104 Kommentare

Es gibt unzäh­lige Bücher, Filme und Mei­nun­gen über die Skin­heads, eine der ältes­ten und popu­lärs­ten Jugend­be­we­gun­gen. Die zwei­fel­hafte Popu­la­ri­tät ist eine unbe­ab­sich­tigte Folge der Poli­ti­sie­rung durch rechts­ex­treme eng­li­sche Par­teien und Ver­bände Ende der 70er, die sich das Gewalt­po­ten­tial zu Nutze machte um auf ihre Ziele durch Aggres­sion in Hand­lung und Aus­se­hen auf­merk­sam machen wollte. Jah­re­lange nega­tive Bericht­er­stat­tung mit dem immer glei­chen Feind­bild formte das Gesell­schafts­bild des Skin­head, das mit den Ursprün­gen und Absich­ten so über­haupt nichts zu tun hat. Die Asso­zia­tion Skin­head = Nazi scheint in den Köp­fen der Bevöl­ke­rung fest­ge­brannt und ein­ge­mei­ßelt. Immer wie­der ver­sucht man anschau­lich die­ses hart­nä­ckige Vor­ur­teil zu besei­ti­gen, lei­der viel zu sel­ten ein­fach und anschaulich.

Beim Kraft­fut­ter­mi­sch­werk fand ich den Skin­head Family Tree, der sehr anschau­lich und in Kurz­form die Geschichte des Skin­head auf­zeigt. Obwohl sich sicher­lich um Daten und Dar­stel­lung strei­ten lässt, zeigt das Bild sehr anschau­lich wie was mit wem zusam­men­hängt. Ich habe ver­sucht den Text und die Aus­sage ins Deut­sche zu über­set­zen,  Ver­bes­se­run­gen und Kor­rek­tu­ren bitte in die Kommentare.

Der Ursprung scheint hier klar und Unzwei­fel­haft. Aus den MOD’s (1962−1967) split­ter­ten beim auf­tref­fen der Hip­pie­be­we­gung die Hard Gang Mods, die das geleckte ablehn­ten und ein viel här­tere Mode bevorzugten.

Zusam­men mit dem impor­tier­ten Kult aus Jamaica, dem Rude­boy (1960−70) der Ende der 60er für einen star­ken Reg­gae Ein­fluss in der Arbei­ter­klasse der dun­kel­häu­ti­gen eng­li­schen Jugend sorgte, ent­wi­ckelt sich die Urform des Skin­head (1967−71), der diese Ele­mente mit­ein­an­der ver­band und sich als direkte Ant­wort auf die ver­hass­ten Hip­pies verstand.

Anfang der 70er teilte sich die Bewe­gung in den Sue­dehead (1970−73), der Mar­ken­zei­chen die lan­gen Regen­män­tel waren, die sie auch am Tage tru­gen, die Smoot­hie (1971−74) lie­ßen sich die Haare wach­sen und krem­pel­ten sich die Hosen hoch. Die Zuta­ten Rag­gae, Bier und Fuß­ball blie­ben jedoch erhal­ten, das weib­li­che Gegen­stück nennt sich übri­gens Sorts. Der Boot­boy (1972−77) war der Klein­städ­ter unter den Skinhead’s und eine Mischung aus dem Sue­dehead und dem Smoot­hie. In den Klein­städ­ten über­lebte die Skinhead-Bewegung die 70er, getra­gen von den Bootboys.

Es wurde ruhi­ger um den Skin­head, bis der Punk für den Revi­val Skin­head (1977−78) sorgte, der auch als Urva­ter der heu­ti­gen Skin­head Bewe­gung gese­hen wird. Schnell ent­stan­den neue Untergruppierungen.

Der Tra­di­tio­nal Skin­head (1978-heute) war die direkte Wie­der­auf­er­ste­hung des Vor­gän­gers aus den 60ern, der sich zwar für den Punk den bei­spiels­weise Sham 69 machte inter­es­sierte, aber eigent­lich mehr auf two-tone stand. Der Oi!-Skin (1980-heute) ist die Wei­ter­ent­wick­lung des Punk für die Skin­head Bewe­gung. Ent­ge­gen der weit ver­brei­te­ten Mei­nung hat Oi! mit Nazi’s oder Ras­sis­mus nichts zu tun.  Die Reds­kins (1978-Heute) hatte noble Absich­ten. Der Reds­kin ist poli­tisch und Poli­ti­ker sind keine Skin­heads. Der Nazi-Skin (1978-heute) ent­stand aus der bri­ti­schen Jugend, denen man Ende der 70er Poli­tik auf­drängte1. Unglück­li­cher­weise fand man unter weni­ger intel­li­gen­ten Skin­heads ideale Rekru­ten für Hass-Gruppierungen. Das dun­kelste Kapi­tel der Skin­heads begann und scheint auch heute noch nicht been­det zu sein.

Als die Skinhead-Welle in den frü­hen 80er auch den ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent traf, ent­wi­ckel­ten sich drei wei­tere Able­ger die­ser Kul­tur. Der Ame­ri­can Tra­di­tio­nal Skin (1982(?)-heute), der die sel­ben Ziele vefolgt wie sein eng­li­schen Vor­bild, den Amer­cian Punk Skin (1978-heute) der eine Mischung aus dem Punk und Skin­head dar­stellt und ohne rechte Gesin­nung auf vie­len Punk-Konzerten dabei ist und vor allem dem Hard-Core zuge­tan ist, sowie dem Ame­ri­can Nazi-Skin (1983-heute), der höchs­tens ein Gewisse Ähnlich­keit besitzt und auch gar keine echte Szene bil­det. Über seine Ver­gan­gen­heit weiß er wenig, er ist mehr ein Ras­sist als ein Punk und eher ein Hinterwäldler.

(Bild­quelle: nualabugeye/flickr.com, FYI)
  1. Anm.: Die Natio­nal Front rekru­tierte zu die­ser Zeit mas­siv Jugend­li­che für ihre poli­ti­schen Ziele. []

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarzes Netz, Vernetzt
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4 Kommentare

  1. sehr sehr geil! kannte ich noch nicht (im gegen­satz zum ebenso gei­len foto am start). ich stimme per­sön­lich nicht 100% mit jeder aus­sage zusam­men, aber im gro­ßen und gan­zen stimmt es.

    hab ich schon »geil« gesagt? ;)

  2. Der Stamm­baum ist doch mal eine koole über­sicht. Lei­der ist bei vie­len Men­schen Skin­head in den Köp­fen mit Nazis­kin gleichgesetzt.

  3. Ich mag Piep­mätze. Es geht doch nichts über ein Byr­die mit Feathercut. ^^

    http://farm4.static.flickr.com/3395/3293240140_2bb991971b.jpg

  4. @tobi: Hat­test du eigent­lich schon gesagt, das das geil ist? Aber ja, ich habe mir schon gedacht, das du nicht 100% ein­ver­stan­den bist, hatte ins­ge­heim auch auf dei­nen Kom­men­tar gehofft, schließ­lich sind Skinhead’s ja auch eines dei­ner Themen.

    @Sebastian: So ist das lei­der, des­halb braucht es eben sol­che »leich­ten« Schau­bil­der um die The­ma­tik halb­wegs ver­nünf­tig an den Mann zu brin­gen. Wenn der ein oder andere dabei noch lernt seine Vor­ur­teile abzu­bauen, hat es ja schon sei­nen Zweck erfüllt :)

    @Death Disco: Gei­les Bild! Ich liebe ein sol­ches Sty­ling das in die­sem Bild toll in Szene gesetzt wurde, aber den Fea­ther­cut find” ich nur bei Mäd­chen gut, Män­ner sehen damit blöd aus :)

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