14 Januar
Projekt Hörsturz - Runde 12
Neues Jahr, 12. Runde des Hörsturzes von freeQnet (Allgemeine Informationen). Jetzt schreibe ich die Einleitung ganz bewusst erst nachdem ich alle Songs gehört und bewertet habe, so fällt es mir leichter, den Leser darauf vorzubereiten. Der Hörsturz bietet Erfahrungsgemäß wieder einige Musikstücke, die das Licht der Welt besser erst gar nicht gesehen hätten, oder viel zu lange im Schatten der Charts ein unbeachtetes Dasein geführt haben. Diesmal war alle dabei, sogar Bands die ich kannte. Das liegt wohl daran, das Beety selbst keinen Vorschlag platzieren konnte und Konna wieder einmal zugeschlagen hat. Nichts für ungut.
Heute ist mir wieder einmal aufgefallen, warum ich selten ein Album am Stück höre sonder immer von Lied zu Lied springe. Jedes Lied bringt mir andere Lieder in Erinnerung die ich immer nochmal hören wollte, worauf ich natürlich diesen Song anspiele bis die ganze Geschichte wieder von vorne losgeht. Und das kann sich Stundenlang hinziehen. Menschen die gerne Lieder bis zum Ende hören können sich ungefähr vorstellen wie schrecklich das ist und die, die mir in dieser Beziehung ähnlich sind, wissen wie inspirierend das sein kann. Irgendwann sollte ich mal hinsetzten und niederschreiben in was sich der erste Song am Ende verwandelt. Hatte ich nicht schon mal davon berichtet? Genug Prosa, jetzt gehts endlich los.
- Major Parkinson – 197 (von beam)
Lieder, die eine Geschichte zu erzählen haben gefallen mir, sei es musikalisch oder textlich. So ist bei diesem Stück auf den ersten Blick nichts wie es sein soll und wirkt sehr abwechslungsreich. Die eingestreute Folklore auf den eindeutigen Instrumenten, sowie die Mischung der kräftigen Gitarrenriffs und den gezupften Saitenspielen geben dem Song eine ganz eigene Note, die eine Einordnung schwierig macht. Wehe einer nennt das schon wieder Indie, das Genre ist jetzt schon vollkommen überfrachtet und wird dem Titel auch nicht wirklich gerecht. Die Produktion ist sehr professionell, für einen Newcomer der seine erste Scheibe auf den Markt schießt schon etwas zu Fett. Die Stimme des Sängers wechselt zwischen den unterschiedlichsten Facetten und klingt wie eine Mischung aus Mike Patton und Josh Homme, ingesamt aber ohne klare Linie. Der Song ist interessant, keine Frage, aber wirklich umwerfend ist anders.
Wertung: 2,5 von 5 Punkte für solides Handwerk und die stramme Präsentation. - WhoMadeWho – Keep me in my plane (von kamil)
Hier hat sich einer in der Knight-Rider Kiste bedient, zum Glück bleibt das traumatische rote Lauflicht aus. Aber das 80er Jahre Retrogefühl bleibt glücklicherweise aus. Der Sound des Titels ist stellenweise richtig gut gelungen, verfällt aber wieder zu schnell in die selbe Lethargie aus der sie kommt. Die Stimme des Sängers ist leider sowas von dünn, da hat auch die elektronischen Dopplung nicht geholfen, schade. Der Mix des Songs ist aber wirklich gelungen, so das es mir zunächst schwer gefallen ist, mich für eine Wertung zu entscheiden, aber letztendlich vertraue ich meinem Bauchgefühl.
Wertung: 2 von 5 Punkten für das Rumoren im Magen. - Janus – Anita spielt Cello (von Konna)
Schwer, melancholisch und traurig — so lässt sich der erste Eindruck dieses Liedes beschreiben. Nachforschungen ergaben, das es hier um das Mädchenorchester das die Nazi’s in Auschwitz gründeten um für ihre Belustigung zu sorgen. Sie hielten es für eine tolle Idee, das Orchester zu den ein– und ausrückenden Zwangsarbeitertrupps spielen zu lassen. Janus verarbeitet diese Thematik deutlich Orchestral und düster und komponierte daraus eine wunderschöne Ballade. Riegerts (Rig) Gesang ist passend und erinnert zuweilen an Till Lindemann von Rammstein, wobei dieser auf das übertriebene rollende „R” verzichtet. Glücklicherweise. Obwohl ich das weitere musikalische Schaffen der Band schon eine Weile beobachte, konnte ich mich nie richtig mit der Band anfreunden, einzelne Stücke (wie dieses) stechen aber heraus. Als das Stück 2005 auf dem Album erschien musste ich zunächst an Nico — Das Lied vom einsamen Mädchen, das ich über Martin Gore’s Cover-Version kennengelernt hatte. Für mich immer noch eines der bessere Stücke von Janus.
Wertung: 5 von 5 Punkten für die Erinnerung, die Huldigung und Anno 1404. - Runrig – Hearts of glory (von Stoffel)
Junge, die habe ich schon lange nicht mehr gehört. Die schottische Folkrock Band Runrig kenne ich nun schon eine ganze Ewigkeit und immer wieder haben sie sich in mein Sichtfeld gedrängt, erstmal 91 mit ihrem Album The Big Wheel oder auch mit ihrer Neuauflage von Loch Lomond. Hearts of Glory ist leider einer der schlechteren Vertreter und trifft mir seinem choralen und fast kirchlichen Charakter nicht meinen Geschmack. Runrig hat mehr zu bieten, echt jetzt.
Wertung: 1 von 5 Punkten für die Idee, wieder mal über eine Reise nach Schottland nachzudenken. - Vic Chesnutt – Yesterday, tomorrow and today (von Postpunk)
So, Postpunk ist also reingerutscht. Aber gut, lassen wir uns überraschen. Offensichtlich ein ruhiger Ausklang des 12. Hörsturzes. Eindruck: Mann, Barhocker, Gitarre und Mikrofon. Im Hintergrund tummeln sich noch ein paar weitere Mitglieder der klanglichen Unplugged-Atmosphäre. Der Song plätschert so dahin und könnte den ein– oder anderen Zuhörer zum einschlafen bringen. Aber ich halte durch. „Life is a Timemachine…” lyrische Lebensweisheit? Der Text ist ja ok, aber das schnulzige ins Mikrofongehauche nervt mich einfach. Einmal hören reicht.
Wertung: 0 von 5 Punkten. Verdammt! Mein rechter Fuß ist doch tatsächlich weggepennt.
hat bereits 40 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. Januar 2010 um 19:17:
Ach Robert, alter Spalter! Jetzt waren sich doch alle mal so halbwegs einig und jetzt kommst Du und gibst dem armen Vic auch noch 0 Punkte. Ich bin erschüttert! Aber wirst schon sehen was Du davon hast! ;-)
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. Januar 2010 um 19:44:
Von wegen Spalter! Ich bin bestimmt nur der einzige der sich traut seine Meinung kundzutun, die anderen geben nur aus Respekt und Höflichkeit deiner Person gegenüber Punkte. Aber aus dem Alter bin ich raus :)
hat bereits 109 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Januar 2010 um 19:12:
Ich mag das Stück trotzdem sehr … auch wenn ich es nur auf Konzerten höre ;)
Nach Schottland käme ich sofort mit :D
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Januar 2010 um 20:35:
Vielleicht sollte man aus dieser Idee mal eine teilgemeinsame Reise planen. Leider ist mein Reiseziel-Kalender sowas von voll (London, USA, auch mal wieder Sonne, Schottland) das ich gar nicht weiß wieviele Leben ich noch benötige um all das zu erleben was ich mir vorstelle.
hat bereits 109 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Januar 2010 um 21:01:
*lach* Das kenne ich … soviele Orte die man noch besuchen möchte, aber wie das Alles unter einen Hut bekommen? Am Besten man hätte 7 Leben wie ‘ne Katze ;) BTW, steht Zita oder WGT dieses Jahr bei Dir auf dem Plan?
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 16. Januar 2010 um 01:11:
Ein wunder Punkt. Vor dem WGT drücke ich mich schon eine ganze Weile, vielleicht wird es mal wieder Zeit mein damalige Entsagung zu überbrücken. Nur aus Neugier versteht sich :) Vielleicht sollte ich schnell überlegen, damit ich noch ein entsprechendes Hotelzimmer bekommen, oder?
hat bereits 109 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Januar 2010 um 19:20:
Ist WGT nicht Dein „Ding”? Wenn ja habe ich etwas verpasst, überlesen?
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Januar 2010 um 21:19:
Nein, natürlich hast du nichts überlesen. Vielleicht aber ein bessere Erklärung. Ich bin schon immer Fan des WGT gewesen und habe dem Treffen in der Anfangszeit gehuldigt und die Treue gelobt. Doch seit den 2000ern hat die Qualität zu Lasten der Quantität nachgelassen und das Treffen war belagert von Sensationsgeilen Presse-Leuten und stand deutlich unter einem kommerziellen Stern. Da habe ich das Interesse ein wenig verloren und dem ganz eher verächtlich gegenübergestanden. Nun, mit dem Alter wird man ruhiger und gelassener (kennst du bestimmt von deinem Mann *g*) und daher juckt es mir schon eine ganze Weile wieder einmal dort vorbei zuschauen und die Eindrücke aufzusaugen. Vielleicht brauche ich ja nur noch einen guten Grund die letzten Zweifel zu zerstreuen :)
hat bereits 131 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. Januar 2010 um 11:33:
Ich war letztes Jahr das erste mal auf dem WGT und war genau von den von dir genannten Punkten so angewidert, dass ich sicherlich kein zweites mal hinfahren werde.
Sicherlich eine sehr interessante Erfahrung mit wahnsinnig vielen interessanten und netten Leuten, aber ebensovielen selbstverliebten Posern und selbst ernannten Photographen, die in erster Linie dann auch nur nach nackter Haut zu suchen scheinen.
Dazu überteuerter Merchandising-Kram und Konzerte, die sich überlappen…
Nee danke…
hat bereits 26 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. Januar 2010 um 16:44:
Hmm… also ich fahr hauptsächlich hin um Kontakte zu pflegen und mir dann die eine oder andere Band anzusehen die mir einzeln zu weit weg oder zu teuer ist.
athmosphäretechnisch hats für mich deutlich nachgelassen, kann aber auch dran liegen, das ich es eben schon so gut kenne.…
mal sehen ich will dann dies jahr vllt auch noch auf ein paar kleinere sachen fahren. vielleicht gibts da ja dann wieder die athmosphäre, die das wgt irgendwo eingebüßt hat in meinen augen.
merchandise. naja… im internet ist sowieso alles billiger. für mich also vollkommen uninteressant. überlappungen‘… naja…ich fahr nicht durch die ganze stadt für eine band, also hab ich das problem auch nicht so :)
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. Januar 2010 um 17:04:
Die Kontaktpflege ist wohl der wichtigste Aspekt des WGT unter dem es auch meiner Meinung nach einst gegründet wurde. Man traf sich, tauschte sich aus, lernte neue Leute kennen. Das internationale Ansehen war beachtlich, Grufties aus aller Welt. Das war eine aufregende Zeit. Die Musik spielte eher eine unterhaltende Rolle. Erst als es immer mehr wurden passte man sich dem Publikum an. Einige Male drohte das Treffen wegen seiner Popularität zu platzen. Beispiel WGT 2000, da machte der Veranstalter während des Festivals pleite.
Letztendlich ist es Geschmackssache, aber ich habe die folgenden WGT’s immer auf einem absteigenden Ast gesehen, auch wenn die Besucherzahlen eine andere Sprache sprechen. Mittlerweile habe ich aber wieder mal Lust vorbeizuschauen und das WGT zu schnuppern. Entweder stelle ich fest, das es noch schlimmer geworden ist oder ich entdecke doch noch ein Fünkchen Hoffnung.
Aber von Zeit zu Zeit sollte man einfach sein Meinung überprüfen :)
hat bereits 131 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. Januar 2010 um 21:34:
Da hast du sicherlich recht. Ich war halt nur (wie bei so bedauerlich vielen Manifestierungen der „Szene”) wieder mal etwas angenervt wie unglaublich wenig das oft mit Gothic zu tun hatte, oder gar mit Wave.
Auf der anderen Seite habe ich aber auch noch nie so viele Waver der alten Schule getroffen (und jeden angequatscht, der kniehohe Pikes hatte ^^).
Ist halt summa summarum wieder reichlich zweischneidig die ganze Sache…
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. Januar 2010 um 22:42:
Völlig richtig. Mit Wave oder Gothic hat das WGT nicht mehr viel gemeinsam, ich warte nur auf den Tag, an dem keine adäquate Band mehr auf dem WGT auftritt.
hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Januar 2010 um 20:47:
Für traditionelle Waver war das WGT eigentlich schon 1998 gestorben, als man damit begann, immer mehr Metal-Bands ins Programm zu nehmen. Zu der Zeit rückte auch immer mehr die Mode in den Vordergrund, würd ich meinen. Bis auf ein paar Ausrutscher à la Blutengel, ASP und Co. sind aber immer noch gute Bands vertreten. Ich würde sogar behaupten, dass es so viele sind, dass man sich nicht so recht für eine entscheiden kann.
Aber das ganze Ding ist so widersprüchlich geworden. Auf der einen Seite gute Bands, auf der anderen Partys, wo größtenteils nur dieser nervige Dance-Schrott läuft. Ein Amoklauf wäre da glatte Notwehr. Auch die Besucherzahl ist eindeutig zu hoch. Die Hälfte davon wird nicht mal wissen, warum sie dort überhaupt herumspringt. Gaffer, geistig vernebelte Klopsköpfe, karnevalfeiernde Mode-Affen, die sich vermutlich nicht ein Konzert angeschaut haben und für die die Musik sowieso nur Beiwerk ist. Meinetwegen kann das Ding die Form der Mitt-90er annehmen, als sich dort noch rund 5000–6000 Besucher einfanden. Mehr braucht es nicht und mehr werden es heute auch nicht sein, die mehr in dieser Bewegung sehen als nur Party– und Modespaß.
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Januar 2010 um 21:20:
Bis 2000 habe ich es noch durchgehalten und nachvollziehen können. Die Metal-Bands haben mich nicht weiter gestört, eher die Tatsache, das dadurch ein Publikum angelockt wurde, das du schon sehr genau kategorisiert hast. Man merkte auch unter den Besuchern ein langsam und stetig wachsende Rivalität. Der modische Aspekt hat mich eigentlich nie so wirklich gestört, die Reduzierung darauf allerdings schon.
Später sind die wirklich interessanten Auftritte untergegangen und wurden auf immer kleinere Bühnen verlegt. Die hohen Besucherzahlen resultieren doch aus dem Artfremden musikalischen Brei, der darauf ausgerichtet wurde, immer mehr Besucher anzulocken. Die erwünschte mediale Präsenz für die Verbreitung der schwarzen Kunde wurde schnell zum Fluch, denn das lockte immer mehr Spinner an. Erschreckend fand ich die Tatsache, das die Spaßo’s die man noch auf der Loveparade und der Mayday sah im selben Outfit auch auf dem WGT präsent waren.
Das WGT wird meiner Meinung nach nicht wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren können. Trotzdem fände ich es interessant nach 10 Jahren mal vorbeizuschauen.
hat bereits 109 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Januar 2010 um 22:21:
… Aber von Zeit zu Zeit sollte man einfach seine Meinung überprüfen :)
Genau! ;)
Da ich selbst noch nie dort war, möchte ich mir zumindest ein Bild machen um entweder Top oder Flop sagen zu können. Das Selbe gilt ebenfalls für das Mera Luna (das ist evtl. in Planung für 2011).