14 Januar

Projekt Hörsturz - Runde 12

Kategorie: Stöckchen und Paraden, Vernetzt — Jahrgang 2010

Neues Jahr, 12. Runde des Hör­stur­zes von free­Q­net (All­ge­meine Infor­ma­tio­nen). Jetzt schreibe ich die Ein­lei­tung ganz bewusst erst nach­dem ich alle Songs gehört und bewer­tet habe, so fällt es mir leich­ter, den Leser dar­auf vor­zu­be­rei­ten. Der Hör­sturz bie­tet Erfah­rungs­ge­mäß wie­der einige Musik­stü­cke, die das Licht der Welt bes­ser erst gar nicht gese­hen hät­ten, oder viel zu lange im Schat­ten der Charts ein unbe­ach­te­tes Dasein geführt haben. Dies­mal war alle dabei, sogar Bands die ich kannte. Das liegt wohl daran, das Beety selbst kei­nen Vor­schlag plat­zie­ren konnte und Konna wie­der ein­mal zuge­schla­gen hat. Nichts für ungut.

Heute ist mir wie­der ein­mal auf­ge­fal­len, warum ich sel­ten ein Album am Stück höre son­der immer von Lied zu Lied springe. Jedes Lied bringt mir andere Lie­der in Erin­ne­rung die ich immer noch­mal hören wollte, wor­auf ich natür­lich die­sen Song anspiele bis die ganze Geschichte wie­der von vorne los­geht. Und das kann sich Stun­den­lang hin­zie­hen. Men­schen die gerne Lie­der bis zum Ende hören kön­nen sich unge­fähr vor­stel­len wie schreck­lich das ist und die, die mir in die­ser Bezie­hung ähnlich sind, wis­sen wie inspi­rie­rend das sein kann. Irgend­wann sollte ich mal hin­setz­ten und nie­der­schrei­ben in was sich der erste Song am Ende ver­wan­delt. Hatte ich nicht schon mal davon berich­tet? Genug Prosa, jetzt gehts end­lich los.

  • Major Par­kin­son – 197 (von beam)
    Lie­der, die eine Geschichte zu erzäh­len haben gefal­len mir, sei es musi­ka­lisch oder text­lich. So ist bei die­sem Stück auf den ers­ten Blick nichts wie es sein soll und wirkt sehr abwechs­lungs­reich. Die ein­ge­streute Folk­lore auf den ein­deu­ti­gen Instru­men­ten, sowie die Mischung der kräf­ti­gen Gitar­ren­riffs und den gezupf­ten Sai­ten­spie­len geben dem Song eine ganz eigene Note, die eine Ein­ord­nung schwie­rig macht. Wehe einer nennt das schon wie­der Indie, das Genre ist jetzt schon voll­kom­men über­frach­tet und wird dem Titel auch nicht wirk­lich gerecht. Die Pro­duk­tion ist sehr pro­fes­sio­nell, für einen New­co­mer der seine erste Scheibe auf den Markt schießt schon etwas zu Fett. Die Stimme des Sän­gers wech­selt zwi­schen den unter­schied­lichs­ten Facet­ten und klingt wie  eine Mischung aus Mike Pat­ton und Josh Homme, inge­samt aber ohne klare Linie. Der Song ist inter­es­sant, keine Frage, aber wirk­lich umwer­fend ist anders.
    Wer­tung: 2,5 von 5 Punkte für soli­des Hand­werk und die stramme Präsentation.
  • Who­Ma­de­Who – Keep me in my plane (von kamil)
    Hier hat sich einer in der Knight-Rider Kiste bedient, zum Glück bleibt das trau­ma­ti­sche rote Lauf­licht aus. Aber das 80er Jahre Retro­ge­fühl bleibt glück­li­cher­weise aus. Der Sound des Titels ist stel­len­weise rich­tig gut gelun­gen, ver­fällt aber wie­der zu schnell in die selbe Lethar­gie aus der sie kommt. Die Stimme des Sän­gers ist lei­der sowas von dünn, da hat auch die elek­tro­ni­schen Dopp­lung nicht gehol­fen, schade. Der Mix des Songs ist aber wirk­lich gelun­gen, so das es mir zunächst schwer gefal­len ist, mich für eine Wer­tung zu ent­schei­den, aber letzt­end­lich ver­traue ich mei­nem Bauch­ge­fühl.
    Wer­tung: 2 von 5 Punk­ten für das Rumo­ren im Magen.
  • Janus – Anita spielt Cello (von Konna)
    Schwer, melan­cho­lisch und trau­rig — so lässt sich der erste Ein­druck die­ses Lie­des beschrei­ben. Nach­for­schun­gen erga­ben, das es hier um das Mäd­chen­or­ches­ter das die Nazi’s in Ausch­witz grün­de­ten um für ihre Belus­ti­gung zu sor­gen. Sie hiel­ten es für eine tolle Idee, das Orches­ter zu den ein– und aus­rü­cken­den Zwangs­ar­bei­ter­trupps spie­len zu las­sen. Janus ver­ar­bei­tet diese The­ma­tik deut­lich Orches­tral und düs­ter und kom­po­nierte dar­aus eine wun­der­schöne Bal­lade. Rie­gerts (Rig) Gesang ist pas­send und erin­nert zuwei­len an Till Lin­de­mann von Ramm­stein, wobei die­ser auf das über­trie­bene rol­lende „R” ver­zich­tet. Glück­li­cher­weise. Obwohl ich das wei­tere musi­ka­li­sche Schaf­fen der Band schon eine Weile beob­achte, konnte ich mich nie rich­tig mit der Band anfreun­den, ein­zelne Stü­cke (wie die­ses) ste­chen aber her­aus. Als das Stück 2005 auf dem Album erschien musste ich zunächst an Nico — Das Lied vom ein­sa­men Mäd­chen, das ich über Mar­tin Gore’s Cover-Version ken­nen­ge­lernt hatte. Für mich immer noch eines der bes­sere Stü­cke von Janus.
    Wer­tung: 5 von 5 Punk­ten für die Erin­ne­rung, die Hul­di­gung und Anno 1404.
  • Run­rig – Hearts of glory (von Stof­fel)
    Junge, die habe ich schon lange nicht mehr gehört. Die schot­ti­sche Folk­rock Band Run­rig kenne ich nun schon eine ganze Ewig­keit und immer wie­der haben sie sich in mein Sicht­feld gedrängt, erst­mal 91 mit ihrem Album The Big Wheel oder auch mit ihrer Neu­auf­lage von Loch Lomond. Hearts of Glory ist lei­der einer der schlech­te­ren Ver­tre­ter und trifft mir sei­nem cho­ra­len und fast kirch­li­chen Cha­rak­ter nicht mei­nen Geschmack. Run­rig hat mehr zu bie­ten, echt jetzt.
    Wer­tung: 1 von 5 Punk­ten für die Idee, wie­der mal über eine Reise nach Schott­land nachzudenken.
  • Vic Ches­nutt – Yes­ter­day, tomor­row and today (von Post­punk)
    So, Post­punk ist also rein­ge­rutscht. Aber gut, las­sen wir uns über­ra­schen. Offen­sicht­lich ein ruhi­ger Aus­klang des 12. Hör­stur­zes. Ein­druck: Mann, Bar­ho­cker, Gitarre und Mikro­fon. Im Hin­ter­grund tum­meln sich noch ein paar wei­tere Mit­glie­der der klang­li­chen Unplugged-Atmosphäre. Der Song plät­schert so dahin und könnte den ein– oder ande­ren Zuhö­rer zum ein­schla­fen brin­gen.  Aber ich halte durch. „Life is a Time­ma­chine…” lyri­sche Lebens­weis­heit? Der Text ist ja ok, aber das schnul­zige ins Mikro­fon­ge­hau­che nervt mich ein­fach. Ein­mal hören reicht.
    Wer­tung: 0 von 5 Punk­ten. Ver­dammt! Mein rech­ter Fuß ist doch tat­säch­lich weggepennt.

16 Kommentare

  1. Ach Robert, alter Spal­ter! Jetzt waren sich doch alle mal so halb­wegs einig und jetzt kommst Du und gibst dem armen Vic auch noch 0 Punkte. Ich bin erschüt­tert! Aber wirst schon sehen was Du davon hast! ;-)

  2. Von wegen Spal­ter! Ich bin bestimmt nur der ein­zige der sich traut seine Mei­nung kund­zu­tun, die ande­ren geben nur aus Respekt und Höf­lich­keit dei­ner Per­son gegen­über Punkte. Aber aus dem Alter bin ich raus :)

  3. Ich mag das Stück trotz­dem sehr … auch wenn ich es nur auf Kon­zer­ten höre ;)

    Nach Schott­land käme ich sofort mit :D

  4. Viel­leicht sollte man aus die­ser Idee mal eine teil­ge­mein­same Reise pla­nen. Lei­der ist mein Reiseziel-Kalender sowas von voll (Lon­don, USA, auch mal wie­der Sonne, Schott­land) das ich gar nicht weiß wie­viele Leben ich noch benö­tige um all das zu erle­ben was ich mir vorstelle.

  5. *lach* Das kenne ich … soviele Orte die man noch besu­chen möchte, aber wie das Alles unter einen Hut bekom­men? Am Bes­ten man hätte 7 Leben wie ‘ne Katze ;) BTW, steht Zita oder WGT die­ses Jahr bei Dir auf dem Plan?

  6. Ein wun­der Punkt. Vor dem WGT drü­cke ich mich schon eine ganze Weile, viel­leicht wird es mal wie­der Zeit mein dama­lige Ent­sa­gung zu über­brü­cken. Nur aus Neu­gier ver­steht sich :) Viel­leicht sollte ich schnell über­le­gen, damit ich noch ein ent­spre­chen­des Hotel­zim­mer bekom­men, oder?

  7. Ist WGT nicht Dein „Ding”? Wenn ja habe ich etwas ver­passt, überlesen?

  8. Nein, natür­lich hast du nichts über­le­sen. Viel­leicht aber ein bes­sere Erklä­rung. Ich bin schon immer Fan des WGT gewe­sen und habe dem Tref­fen in der Anfangs­zeit gehul­digt und die Treue gelobt. Doch seit den 2000ern hat die Qua­li­tät zu Las­ten der Quan­ti­tät nach­ge­las­sen und das Tref­fen war bela­gert von Sen­sa­ti­ons­gei­len Presse-Leuten und stand deut­lich unter einem kom­mer­zi­el­len Stern. Da habe ich das Inter­esse ein wenig ver­lo­ren und dem ganz eher ver­ächt­lich gegen­über­ge­stan­den. Nun, mit dem Alter wird man ruhi­ger und gelas­se­ner (kennst du bestimmt von dei­nem Mann *g*) und daher juckt es mir schon eine ganze Weile wie­der ein­mal dort vor­bei zuschauen und die Ein­drü­cke auf­zu­sau­gen. Viel­leicht brau­che ich ja nur noch einen guten Grund die letz­ten Zwei­fel zu zerstreuen :)

  9. Ich war letz­tes Jahr das erste mal auf dem WGT und war genau von den von dir genann­ten Punk­ten so ange­wi­dert, dass ich sicher­lich kein zwei­tes mal hin­fah­ren werde.
    Sicher­lich eine sehr inter­es­sante Erfah­rung mit wahn­sin­nig vie­len inter­es­san­ten und net­ten Leu­ten, aber eben­so­vie­len selbst­ver­lieb­ten Posern und selbst ernann­ten Pho­to­gra­phen, die in ers­ter Linie dann auch nur nach nack­ter Haut zu suchen schei­nen.
    Dazu über­teu­er­ter Merchandising-Kram und Kon­zerte, die sich über­lap­pen…
    Nee danke…

  10. Hmm… also ich fahr haupt­säch­lich hin um Kon­takte zu pfle­gen und mir dann die eine oder andere Band anzu­se­hen die mir ein­zeln zu weit weg oder zu teuer ist.

    ath­mo­sphä­re­tech­nisch hats für mich deut­lich nach­ge­las­sen, kann aber auch dran lie­gen, das ich es eben schon so gut kenne.…

    mal sehen ich will dann dies jahr vllt auch noch auf ein paar klei­nere sachen fah­ren. viel­leicht gibts da ja dann wie­der die ath­mo­sphäre, die das wgt irgendwo ein­ge­büßt hat in mei­nen augen.

    mer­chan­dise. naja… im inter­net ist sowieso alles bil­li­ger. für mich also voll­kom­men unin­ter­es­sant. über­lap­pun­gen‘… naja…ich fahr nicht durch die ganze stadt für eine band, also hab ich das pro­blem auch nicht so :)

  11. Die Kon­takt­pflege ist wohl der wich­tigste Aspekt des WGT unter dem es auch mei­ner Mei­nung nach einst gegrün­det wurde. Man traf sich, tauschte sich aus, lernte neue Leute ken­nen. Das inter­na­tio­nale Anse­hen war beacht­lich, Gruf­ties aus aller Welt. Das war eine auf­re­gende Zeit. Die Musik spielte eher eine unter­hal­tende Rolle. Erst als es immer mehr wur­den passte man sich dem Publi­kum an. Einige Male drohte das Tref­fen wegen sei­ner Popu­la­ri­tät zu plat­zen. Bei­spiel WGT 2000, da machte der Ver­an­stal­ter wäh­rend des Fes­ti­vals pleite.
    Letzt­end­lich ist es Geschmacks­sa­che, aber ich habe die fol­gen­den WGT’s immer auf einem abstei­gen­den Ast gese­hen, auch wenn die Besu­cher­zah­len eine andere Spra­che spre­chen. Mitt­ler­weile habe ich aber wie­der mal Lust vor­bei­zu­schauen und das WGT zu schnup­pern. Ent­we­der stelle ich fest, das es noch schlim­mer gewor­den ist oder ich ent­de­cke doch noch ein Fünk­chen Hoff­nung.
    Aber von Zeit zu Zeit sollte man ein­fach sein Mei­nung überprüfen :)

  12. Da hast du sicher­lich recht. Ich war halt nur (wie bei so bedau­er­lich vie­len Mani­fes­tie­run­gen der „Szene”) wie­der mal etwas ange­nervt wie unglaub­lich wenig das oft mit Gothic zu tun hatte, oder gar mit Wave.

    Auf der ande­ren Seite habe ich aber auch noch nie so viele Waver der alten Schule getrof­fen (und jeden ange­quatscht, der knie­hohe Pikes hatte ^^).

    Ist halt summa sum­ma­rum wie­der reich­lich zwei­schnei­dig die ganze Sache…

  13. Völ­lig rich­tig. Mit Wave oder Gothic hat das WGT nicht mehr viel gemein­sam, ich warte nur auf den Tag, an dem keine adäquate Band mehr auf dem WGT auftritt.

  14. Für tra­di­tio­nelle Waver war das WGT eigent­lich schon 1998 gestor­ben, als man damit begann, immer mehr Metal-Bands ins Pro­gramm zu neh­men. Zu der Zeit rückte auch immer mehr die Mode in den Vor­der­grund, würd ich mei­nen. Bis auf ein paar Aus­rut­scher à la Blu­ten­gel, ASP und Co. sind aber immer noch gute Bands ver­tre­ten. Ich würde sogar behaup­ten, dass es so viele sind, dass man sich nicht so recht für eine ent­schei­den kann.

    Aber das ganze Ding ist so wider­sprüch­lich gewor­den. Auf der einen Seite gute Bands, auf der ande­ren Par­tys, wo größ­ten­teils nur die­ser ner­vige Dance-Schrott läuft. Ein Amok­lauf wäre da glatte Not­wehr. Auch die Besu­cher­zahl ist ein­deu­tig zu hoch. Die Hälfte davon wird nicht mal wis­sen, warum sie dort über­haupt her­um­springt. Gaf­fer, geis­tig ver­ne­belte Klops­köpfe, kar­ne­val­fei­ernde Mode-Affen, die sich ver­mut­lich nicht ein Kon­zert ange­schaut haben und für die die Musik sowieso nur Bei­werk ist. Mei­net­we­gen kann das Ding die Form der Mitt-90er anneh­men, als sich dort noch rund 5000–6000 Besu­cher ein­fan­den. Mehr braucht es nicht und mehr wer­den es heute auch nicht sein, die mehr in die­ser Bewe­gung sehen als nur Party– und Modespaß.

  15. Bis 2000 habe ich es noch durch­ge­hal­ten und nach­voll­zie­hen kön­nen. Die Metal-Bands haben mich nicht wei­ter gestört, eher die Tat­sa­che, das dadurch ein Publi­kum ange­lockt wurde, das du schon sehr genau kate­go­ri­siert hast. Man merkte auch unter den Besu­chern ein lang­sam und ste­tig wach­sende Riva­li­tät. Der modi­sche Aspekt hat mich eigent­lich nie so wirk­lich gestört, die Redu­zie­rung dar­auf aller­dings schon.

    Spä­ter sind die wirk­lich inter­es­san­ten Auf­tritte unter­ge­gan­gen und wur­den auf immer klei­nere Büh­nen ver­legt. Die hohen Besu­cher­zah­len resul­tie­ren doch aus dem Art­frem­den musi­ka­li­schen Brei, der dar­auf aus­ge­rich­tet wurde, immer mehr Besu­cher anzu­lo­cken. Die erwünschte mediale Prä­senz für die Ver­brei­tung der schwar­zen Kunde wurde schnell zum Fluch, denn das lockte immer mehr Spin­ner an. Erschre­ckend fand ich die Tat­sa­che, das die Spaßo’s die man noch auf der Love­pa­rade und der May­day sah im sel­ben Out­fit auch auf dem WGT prä­sent waren.

    Das WGT wird mei­ner Mei­nung nach nicht wie­der zu sei­nen Wur­zeln zurück­keh­ren kön­nen. Trotz­dem fände ich es inter­es­sant nach 10 Jah­ren mal vorbeizuschauen.

  16. … Aber von Zeit zu Zeit sollte man ein­fach seine Mei­nung über­prü­fen :)
    Genau! ;)

    Da ich selbst noch nie dort war, möchte ich mir zumin­dest ein Bild machen um ent­we­der Top oder Flop sagen zu kön­nen. Das Selbe gilt eben­falls für das Mera Luna (das ist evtl. in Pla­nung für 2011).

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