14 November
Projekt Hörsturz - Runde 8
Mal wieder Gelegenheit meine aktuelle Playlist zu unterbrechen und Iggy Pop’s Album Lust for Life eine Pause zu gönnen, denn der sah schon damals so aus, als könnte er eine Pause gut gebrauchen. Start von Runde 8 von beetFreeQs Projekt Hörsturz (Informationen). Ist eigentlich jemanden aufgefallen, das wir bis jetzt noch keine Rap-Stücke zu bewerten hatten? Offensichtlich habe die teilnehmenden Blogger einen eindeutigen Grundgeschmack, bei dem Rap oder auch Techno noch keine Chance bekommen haben. Es ist doch offensichtlich immer sehr Rocklastig, was mich zu der Vermutung kommen lässt, das die Leser von freeQnet eindeutige geschmackliche Schnittmengen bilden und offenbar einen „artverwandten” Typ Blogger anlocken.
Den musikalischen Blogger, der sich frei von jedem eigenen musizierenden Talent erdreistet, seiner Meinung durch Veröffentlichung im Internet zusätzliches Gewicht anzuheften. Aufmerksam verfolgt er Veröffentlichungen innerhalb seines musikalischen Horizonts und ist stets gut informiert über die Abläufe, Zusammenhänge und Verwandschaften von Bands, Künstlern und Songs. Mindestens ein Musikmagazin liest er regelmäßig in Printform, andere landen in seinem Feedreader. Wer fühlt sich angesprochen? (Ich hebe jetzt mal obligatorisch die Hand, ohne jedoch zugeben zu wollen, das ich mich einer generellen Kategorisierung entziehen möchte, denn wer sich einordnet, wirkt immer gleich so festgelegt.)
- And You Will Know Us By The Trail Of Dead — Intro: A Song Of Fire And Wine/ Stand In Silence (von Inishmore)
Als ich das Cover gesehen habe musste ich auch gleich an Björk denken, das lange Intro lädt ja gerade dazu ein, sich abzulenken. Das geklatsche und die Stimmen im Hintergrund vermitteln dann auch irgendwie Live-Atmosphäre wo gar keine ist und erinnern mich an das Intro von den Toten Hosen — Eisgekühlter Bommerlunder. Immerhin legt der Song dann doch irgendwann mal los und klingt nach typischem Highschool– oder Collegesound á la Blink 182 oder Sum 41, lädt zwar zum mitrocken ein, klingt aber irgendwie ausgedroschen und lässt Frische vermissen. Die ruhigen Zwischenpassagen sind eine Abwechslung verdecken aber nicht etwa den Höhepunkt und wären damit als Coitus Interruptus anzusehen, sondern verdecken den eher mittelmäßigen Song.
Wertung: 2,5 von 5 Punkten für den ausgedehnten Liebesbeweis. - Livingston — Disease (von Hannah)
Es plätschert, oder besser: Er plätschert so dahin. Ich grübele jetzt schon zum zweiten mal darüber nach was ich darüber schreiben könnte. Ist eben Pop-Rock, also Weichei-Rock oder auch Gitarren-Pop je nach dem von welcher Seite man das betrachtet. Ich singe nicht mit, meine Füße wippen nicht mit und am Ende des Liedes habe ich schon wieder vergessen wie der Song angefangen hat. Kein gutes Zeichen. Eine solide Produktion eines eher schlechten und unauffälligen Songs ohne Emotionale Bindung.
Wertung: 1 von 5 Punkten für die Einsicht, den Song nach seinem Zustand zu benennen. - MSTRKRFT ft. John Legend — Heartbreaker (von Laura)
Schöne Melodie. Das Ein-Tasten-Stakato auf dem Klavier wird aber schnell nervig. Der Beat ist solide und gut gewählt, als die Stimme einsetzt gewinnt der Song zunehmend an Relevanz. Die Wiederholungen innerhalb des Songs gefallen mit leider nicht so und lassen dann auch schnell Langeweile aufkommen, das Ende kommt auch sehr unverhofft und birgt die Ernüchterung das jetzt wirklich kein Highlight mehr kommt. Schade, hat ganz gut angefangen. Konnte aber nicht durchgehend überzeugen und hinterlässt einen mittelmäßigen Eindruck.
Wertung: 2 von 5 Punkten für den guten Sound, der Rest ist kalter Kaffee. - Metallica — The Unforgiven (von Melli)
Ein Klassiker. Natürlich ist es schwer einen solchen Song fair zu bewerten, denn Metallica lässt in seinem Genre eben die meisten Bands dumm dastehen. „Geht nach Hause und kommt wieder wenn ihr richtige Musik machen könnt…”. Es bleibt aber festzustellen, das der Song vom kommerziell erfolgreichsten,schwarzen Album gehört, auf dem der „alte” Metallica-Sound einer sehr viel poppigeren Variante gewichen ist. Für Metallica-Fans der ersten Stunde ein Stilbruch, für mich eine Wendung zum besseren — so gefallen sie mir einfach besser. Mit diesem Album bin ich aufgewachsen, der Song war auch dabei.
Wertung: 4,5 von 5 Punkten um Luft für noch bessere Metallica-Songs zu lassen. - Dalriada — Búcsúzó (von Alph)
Schöner Anfang. Die Überleitung ins metallische ist gelungen und macht einen tollen folk-metal Sound in einer mir unbekannten Sprache. Passt aber irgendwie zum Mittelalter Eindruck, denn da singt man auch schon mal gerne in merkwürdigen Sprachen. Im letzten Drittel verliert der Song etwas von seiner Spritzigkeit und beginnt schon so vor dem Ende nachzulassen, auch die ständig gleichen Bass-Drum-Reigen werden jetzt nervig. Letztendlich aber ein gutes Stück, das sicherlich das überraschendste dieser Runde gewesen ist, wenngleich es mir nicht wirklich den Boden unter den Füßen wegreißt.
Wertung: 3,5 von 5 Punkten und den Gedanken — „Das war ungarisch.”
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. November 2009 um 18:24:
Von wegen kein Rap oder Techno. Runde 5, Song 3 ;)
http://blog.freeqnet.de/2009/09/26/projekt-hoersturz-runde-5/
Oder auch der letzte Platz der Gesamtwertung.
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. November 2009 um 19:06:
Höre ich da ein wenig Enttäuschung? :)
Ich denke der Song „Modeselektor” läuft aber (für mich zumindestens) unter Electronic und ist kein klassischer Rap-Song. Gut möglich, das ich ihn aber auch verdrängt habe und die Rocklastigkeit der Beiträge nur ein subjektives empfinden ist. Dann notiere ich kamil als Rappenden Blogger?
hat bereits 41 Kommentare abgegeben und schrieb am 14. November 2009 um 21:55:
Ich hebe auch mal vorsichtig die Hand, unter der Einschränkung, dass ich nicht ganz regelmäßig ein Print-Musikmagazin lese. Den Rolling Stone kaufe ich oft, aber meistens hauptsächlich wegen der „Rare Trax”-CD alle zwei Monate ;)
Mit deiner Feststellung sagste was. Hab ich noch gar nicht so bemerkt. Das meiste war ja doch irgendwo im Rock angesiedelt. Aber sei dir sicher, dass ich kommende Woche bei meinen Vorschlägen, die ihr alle bewerten dürft, aus dem Vollen schöpfen werde und sicher nicht nur Rock zu hören sein wird. Allerdings dürften Techno und typischer Rap auch nicht dabei sein, da ich auch nur vereinzelt Musik aus den Richtungen höre…
hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. November 2009 um 10:33:
hehe, rappender Blogger, nice.
Aber ganz so ist es nicht. Mein Schwerpunkt liegt schon im Rock. Bekommt aber großen Druck von der elektonischen Seite. Trotzdem, wenn mir ein Rapsong gefällt, findet der auch den Weg auf meinen iPod.
Und die ganzen Klassiker: Dr.Dre, Methodman&Redman, The Roots, Snoop, Ice Cube und viel deutscher HipHop, a la Absolute Beginner, Eins Zwo, 5 Sterne Deluxe stehen an meiner Anlage und werden auch regelmäßig, von mir oder meinen Mitbewohnern, durch die WG gejagt.
Mit dem Aufkommen von Aggro Berlin und der 50Cent Klicke, hat mein Interesse an Rap abgenommen.
Ob ich enttäuscht bin, dass Modeselektor auf dem letzten Platz gelangt ist, ist eine gute Fragen. Aber eher nicht, denn das war abzusehen. Genause wie dass mein Bromheads Jacket Vorschlag deutlich weiter oben landet. Und außerdem geht es mir nicht darum in de Plazierung Plätze zu gewinnen ;)
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 17. November 2009 um 19:01:
@beetFreeQ: Nicht ganz regelmäßig zählt auch, basta! Ich kichere gerade bei dem Gedanken, das du die Zeitschrift auch auf meinem Lieblingsplatz liest…auf dem Klo :D Was die musikalische Bandbreite angeht: Ich meine, ich fand die Zusammenstellung nie wirklich schlecht, ich fürchte das wird sich mit besagten Musikrichtungen ändern, was aber nicht heißen soll, das ich mich nicht auf die neue Herausforderung freue.
@kamil: So geht mir auch, sogar der ein oder andere Schlager verirrt sich in meine Playlist. „Du bist alles für mich, denn ich liebe nur Dich Mikaelaaaaaaa…” Glücklicherweise siehst du das Aggro Berlin, 50 Cent und Bushido (nehm ich einfach mal mit rein) Problem genauso. Bereitet mir regelmäßig Kopfschmerzen. Glücklicherweise gibt es immer wieder Ausnahmen, die das Genre Rap noch hochhalten…