14 November

Projekt Hörsturz - Runde 8

Kategorie: Stöckchen und Paraden, Vernetzt — Jahrgang 2009

projekthoersturzMal wie­der Gele­gen­heit meine aktu­elle Play­list zu unter­bre­chen und Iggy Pop’s Album Lust for Life eine Pause zu gön­nen, denn der sah schon damals so aus, als könnte er eine Pause gut gebrau­chen. Start von Runde 8 von beet­FreeQs Pro­jekt Hör­sturz (Infor­ma­tio­nen). Ist eigent­lich jeman­den auf­ge­fal­len, das wir bis jetzt noch keine Rap-Stücke zu bewer­ten hat­ten? Offen­sicht­lich habe die teil­neh­men­den Blog­ger einen ein­deu­ti­gen Grund­ge­schmack, bei dem Rap oder auch Techno noch keine Chance bekom­men haben. Es ist doch offen­sicht­lich immer sehr Rock­las­tig, was mich zu der Ver­mu­tung kom­men lässt, das die Leser von free­Q­net ein­deu­tige geschmack­li­che Schnitt­men­gen bil­den und offen­bar einen „art­ver­wand­ten” Typ Blog­ger anlocken.

Den musi­ka­li­schen Blog­ger, der sich frei von jedem eige­nen musi­zie­ren­den Talent erdreis­tet, sei­ner Mei­nung durch Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net zusätz­li­ches Gewicht anzu­hef­ten. Auf­merk­sam ver­folgt er Ver­öf­fent­li­chun­gen inner­halb sei­nes musi­ka­li­schen Hori­zonts und ist stets gut infor­miert über die Abläufe, Zusam­men­hänge und Ver­wand­schaf­ten von Bands, Künst­lern und Songs. Min­des­tens ein Musik­ma­ga­zin liest er regel­mä­ßig in Print­form, andere lan­den in sei­nem Fee­dre­a­der. Wer fühlt sich ange­spro­chen? (Ich hebe jetzt mal obli­ga­to­risch die Hand, ohne jedoch zuge­ben zu wol­len, das ich mich einer gene­rel­len Kate­go­ri­sie­rung ent­zie­hen möchte, denn wer sich ein­ord­net, wirkt immer gleich so festgelegt.)

  • And You Will Know Us By The Trail Of Dead — Intro: A Song Of Fire And Wine/ Stand In Silence (von Inishmore)
    Als ich das Cover gese­hen habe musste ich auch gleich an Björk den­ken, das lange Intro lädt ja gerade dazu ein, sich abzu­len­ken. Das geklat­sche und die Stim­men im Hin­ter­grund ver­mit­teln dann auch irgend­wie Live-Atmosphäre wo gar keine ist und erin­nern mich an das Intro von den Toten Hosen — Eis­ge­kühl­ter Bom­mer­lun­der. Immer­hin legt der Song dann doch irgend­wann mal los und klingt nach typi­schem High­school– oder Col­le­ge­sound á la Blink 182 oder Sum 41, lädt zwar zum mitro­cken ein, klingt aber irgend­wie aus­ge­dro­schen und lässt Fri­sche ver­mis­sen. Die ruhi­gen Zwi­schen­pas­sa­gen sind eine Abwechs­lung ver­de­cken aber nicht etwa den Höhe­punkt und wären damit als Coitus Inter­rup­tus anzu­se­hen, son­dern ver­de­cken den eher mit­tel­mä­ßi­gen Song.
    Wer­tung: 2,5 von 5 Punk­ten für den aus­ge­dehn­ten Liebesbeweis.
  • Livings­ton — Disease (von Han­nah)
    Es plät­schert, oder bes­ser: Er plät­schert so dahin. Ich grü­bele jetzt schon zum zwei­ten mal dar­über nach was ich dar­über schrei­ben könnte. Ist eben Pop-Rock, also Weichei-Rock oder auch Gitarren-Pop je nach dem von wel­cher Seite man das betrach­tet. Ich singe nicht mit, meine Füße wip­pen nicht mit und am Ende des Lie­des habe ich schon wie­der ver­ges­sen wie der Song ange­fan­gen hat. Kein gutes Zei­chen. Eine solide Pro­duk­tion eines eher schlech­ten und unauf­fäl­li­gen Songs ohne Emo­tio­nale Bin­dung.
    Wer­tung: 1 von 5 Punk­ten für die Ein­sicht, den Song nach sei­nem Zustand zu benennen.
  • MSTRKRFT ft. John Legend — Heart­brea­ker (von Laura)
    Schöne Melo­die. Das Ein-Tasten-Stakato auf dem Kla­vier wird aber schnell ner­vig. Der Beat ist solide und gut gewählt, als die Stimme ein­setzt gewinnt der Song zuneh­mend an Rele­vanz. Die Wie­der­ho­lun­gen inner­halb des Songs gefal­len mit lei­der nicht so und las­sen dann auch schnell Lan­ge­weile auf­kom­men, das Ende kommt auch sehr unver­hofft und birgt die Ernüch­te­rung das jetzt wirk­lich kein High­light mehr kommt. Schade, hat ganz gut ange­fan­gen. Konnte aber nicht durch­ge­hend über­zeu­gen und hin­ter­lässt einen mit­tel­mä­ßi­gen Ein­druck.
    Wer­tung: 2 von 5 Punk­ten für den guten Sound, der Rest ist kal­ter Kaf­fee.
  • Metal­lica — The Unf­or­gi­ven (von Melli)
    Ein Klas­si­ker. Natür­lich ist es schwer einen sol­chen Song fair zu bewer­ten, denn Metal­lica lässt in sei­nem Genre eben die meis­ten Bands dumm daste­hen. „Geht nach Hause und kommt wie­der wenn ihr rich­tige Musik machen könnt…”. Es bleibt aber fest­zu­stel­len, das der Song vom kom­mer­zi­ell erfolgreichsten,schwarzen Album gehört, auf dem der „alte” Metallica-Sound einer sehr viel pop­pi­ge­ren Vari­ante gewi­chen ist. Für Metallica-Fans der ers­ten Stunde ein Stil­bruch, für mich eine Wen­dung zum bes­se­ren — so gefal­len sie mir ein­fach bes­ser. Mit die­sem Album bin ich auf­ge­wach­sen, der Song war auch dabei.
    Wer­tung: 4,5 von 5 Punk­ten um Luft für noch bes­sere Metallica-Songs zu las­sen.
  • Dal­riada — Búcsúzó (von Alph)
    Schö­ner Anfang. Die Über­lei­tung ins metal­li­sche ist gelun­gen und macht einen tol­len folk-metal Sound in einer mir unbe­kann­ten Spra­che. Passt aber irgend­wie zum Mit­tel­al­ter Ein­druck, denn da singt man auch schon mal gerne in merk­wür­di­gen Spra­chen. Im letz­ten Drit­tel ver­liert der Song etwas von sei­ner Sprit­zig­keit und beginnt schon so vor dem Ende nach­zu­las­sen, auch die stän­dig glei­chen Bass-Drum-Reigen wer­den jetzt ner­vig. Letzt­end­lich aber ein gutes Stück, das sicher­lich das über­ra­schendste die­ser Runde gewe­sen ist, wenn­gleich es mir nicht wirk­lich den Boden unter den Füßen weg­reißt.
    Wer­tung: 3,5 von 5 Punk­ten und den Gedan­ken — „Das war ungarisch.”

5 Kommentare

  1. Von wegen kein Rap oder Techno. Runde 5, Song 3 ;)

    http://blog.freeqnet.de/2009/09/26/projekt-hoersturz-runde-5/

    Oder auch der letzte Platz der Gesamtwertung.

  2. Höre ich da ein wenig Enttäuschung? :)

    Ich denke der Song „Mode­se­lek­tor” läuft aber (für mich zumin­des­tens) unter Elec­tro­nic und ist kein klas­si­scher Rap-Song. Gut mög­lich, das ich ihn aber auch ver­drängt habe und die Rock­las­tig­keit der Bei­träge nur ein sub­jek­ti­ves emp­fin­den ist. Dann notiere ich kamil als Rap­pen­den Blogger?

  3. Ich hebe auch mal vor­sich­tig die Hand, unter der Ein­schrän­kung, dass ich nicht ganz regel­mä­ßig ein Print-Musikmagazin lese. Den Rol­ling Stone kaufe ich oft, aber meis­tens haupt­säch­lich wegen der „Rare Trax”-CD alle zwei Monate ;)

    Mit dei­ner Fest­stel­lung sagste was. Hab ich noch gar nicht so bemerkt. Das meiste war ja doch irgendwo im Rock ange­sie­delt. Aber sei dir sicher, dass ich kom­mende Woche bei mei­nen Vor­schlä­gen, die ihr alle bewer­ten dürft, aus dem Vol­len schöp­fen werde und sicher nicht nur Rock zu hören sein wird. Aller­dings dürf­ten Techno und typi­scher Rap auch nicht dabei sein, da ich auch nur ver­ein­zelt Musik aus den Rich­tun­gen höre…

  4. hehe, rap­pen­der Blog­ger, nice.

    Aber ganz so ist es nicht. Mein Schwer­punkt liegt schon im Rock. Bekommt aber gro­ßen Druck von der elek­to­ni­schen Seite. Trotz­dem, wenn mir ein Rap­song gefällt, fin­det der auch den Weg auf mei­nen iPod.

    Und die gan­zen Klas­si­ker: Dr.Dre, Methodman&Redman, The Roots, Snoop, Ice Cube und viel deut­scher Hip­Hop, a la Abso­lute Begin­ner, Eins Zwo, 5 Sterne Deluxe ste­hen an mei­ner Anlage und wer­den auch regel­mä­ßig, von mir oder mei­nen Mit­be­woh­nern, durch die WG gejagt.

    Mit dem Auf­kom­men von Aggro Ber­lin und der 50Cent Kli­cke, hat mein Inter­esse an Rap abgenommen.

    Ob ich ent­täuscht bin, dass Mode­se­lek­tor auf dem letz­ten Platz gelangt ist, ist eine gute Fra­gen. Aber eher nicht, denn das war abzu­se­hen. Genause wie dass mein Bromheads Jacket Vor­schlag deut­lich wei­ter oben lan­det. Und außer­dem geht es mir nicht darum in de Pla­zie­rung Plätze zu gewinnen ;)

  5. @beetFreeQ: Nicht ganz regel­mä­ßig zählt auch, basta! Ich kichere gerade bei dem Gedan­ken, das du die Zeit­schrift auch auf mei­nem Lieb­lings­platz liest…auf dem Klo :D Was die musi­ka­li­sche Band­breite angeht: Ich meine, ich fand die Zusam­men­stel­lung nie wirk­lich schlecht, ich fürchte das wird sich mit besag­ten Musik­rich­tun­gen ändern, was aber nicht hei­ßen soll, das ich mich nicht auf die neue Her­aus­for­de­rung freue.

    @kamil: So geht mir auch, sogar der ein oder andere Schla­ger ver­irrt sich in meine Play­list. „Du bist alles für mich, denn ich liebe nur Dich Mikae­laaaaaaa…” Glück­li­cher­weise siehst du das Aggro Ber­lin, 50 Cent und Bushido (nehm ich ein­fach mal mit rein) Pro­blem genauso. Berei­tet mir regel­mä­ßig Kopf­schmer­zen. Glück­li­cher­weise gibt es immer wie­der Aus­nah­men, die das Genre Rap noch hochhalten…

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