12 Oktober

Projekt Hörsturz - Runde 6

Kategorie: Stöckchen und Paraden, Vernetzt — Jahrgang 2009

projekthoersturzWie macht Ihr das eigent­lich mit dem Hör­sturz? Also ich für mei­nen Teil habe schon ver­schie­de­nes aus­pro­biert. Erst habe ich alle Songs gehört und dann tat­säch­lich geglaubt, mir wür­den noch die geschei­ten Dinge zum ers­ten Song ein­fal­len, die mir durch den Kopf geschos­sen sind. Blö­der Plan. Dann habe ich ver­sucht eine Rezen­sion „Live” zu schrei­ben, also wäh­rend sie läuft. Auch blöd, den wäh­rend ich mich dar­auf kon­zen­triere mög­lichst schon beim ein­tip­pen kei­nen Mist zu ver­zap­fen ist mir der rest­li­che Song ent­gan­gen. Ja, so ein geschei­ter Satz braucht schon mal 3 Minuten.

Heute habe ich es mal ganz schlau gemacht: Ich habe den Song gehört, sacken las­sen um ihn dann beim erneu­ten hören zu Rezen­sie­ren. Ist aber auch etwas auf­wen­dig und dau­ert natür­lich dem­ent­spre­chend 2 x (5 x Lauf­zeit des Lie­des) + zusätz­li­cher Zeit für das Umset­zen. Jetzt bin ich fast schon ein biss­chen neu­gie­rig, wie ihr das angeht.

Wer immer noch nicht weiß worum es geht sollte sich beet­FreeQs Pro­jekt Hör­sturz, das mitt­ler­weile in Runde 6 ange­langt ist (all­ge­meine Infor­ma­tio­nen) anschauen und nicht lan­gen fackeln und sei­nen eige­nen Senf zu den Lie­der schrei­ben, die zunächst ver­wandt klan­gen, dann aber doch wie­der die unend­li­chen Wei­ten der Musik offenbarten.

  • Jet Lag Gemini — Fit To Be Tied (von sym­Ba­disch — kos­ten­lo­ser Down­load!)
    Oh Schreck! Ich finde den Laut­stär­ke­reg­ler nicht, vor lau­ter Schreck muss ich erst­mal auf Pause drü­cken. Also noch­mal von vorne, dies­mal ordent­lich. Klingt schon mal schön rockig, so ein biss­chen nach Glam-Rock und Metal der frü­hen Stunde. Im letz­ten Drit­tel wird der tem­po­rei­che Song von einem furio­sen Gitar­ren­solo unter­bro­chen. Schön das noch jemand die alten Werte schützt und offen­sicht­lich sein Hand­werk sehr gut ver­steht. Die Melo­die zum Refrain ist sehr ein­gän­gig und hat durch­aus Chart-Qualitäten. Klingt zwar alles nach „Gab es schon­mal”, das erqui­ckende Spiel der Gitarre reißt es aber wie­der raus.
    Wer­tung: 3 von 5 Punk­ten für die Erin­ne­rung, das eine E-Gitarre doch sin­gen kann.
  • Ale­storm — Cap­tain Morgan’s Revenge (von Sir Don­ner­bold)
    Yeah! Der Hör­sturz diese Woche klingt nach nach einer Power-Metal-Compilation. Mein Kopf bewegt sich auto­ma­tisch, wenn auch ver­hal­ten, meine Fin­ger sind bestrebt sich bis auf den Zei­ge­fin­ger und den klei­nen Fin­ger unsicht­bar zu machen. Sin­gen kann der Kerl ja schon­mal gar nicht, muss er aber auch nicht. Der Pira­ten­chor muss ein­fach so klin­gen, glaub ich. Mit zuneh­men­der Lauf­zeit wird der Song aber dann doch lang­wei­lig, die Geschichte die er zu erzäh­len ver­sucht mag nicht so wirk­lich rüber­kom­men und stran­det kläg­lich auf einer Sand­bank. Ich mag diese Art von Musik ein­fach nicht und kann auch nicht über mei­nen Schat­ten sprin­gen.
    Wer­tung: 2 von 5 Punk­ten für die Weis­heit, das Pira­ten keine guten Metal­ler sind.
  • Nephew — Va Fan­gool! (von Doro)
    Ein but­ter­wei­cher Schnitt durch das glü­hende Metall macht das Lied von Nephew eine däni­schen Band aus Däne­mark, das ist da, wo BUKO her­kommt. Bis jetzt kannte ich noch nicht all zu viel aus aus den Län­dern nörd­lich von Kiel, auch diese Band sagt mir nichts. Der Song ist aber durch­aus gelun­gen, sehr pop­pig, aber gelun­gen. Viel Ide­en­reich­tum kommt da aus mei­nen Laut­spre­cher­bo­xen, der im Sound und den ver­wen­de­ten Instru­men­ten gut rüber­kommt. Auch rein gesang­lich muss sich wirk­lich nie­mand ver­ste­cken, das Arran­ge­ment ist wirk­lich gelun­gen.  Rein sprach­lich mischt man das däni­sche mit einem eng­li­schen Refrain und ver­schie­de­nen Text­ein­la­gen, in denen auch Mar­tin Gore von Depe­che Mode nicht zu kurz kommt. Stich­wort Gore: Das Video sollte man gese­hen haben.
    Wer­tung: 3,5 von 5 Punk­ten für das Lied und die Gehirne.
  • Ida Maria — I Like You So Much Bet­ter When Youre Naked (von kasumi)
    Tja. Ist so ein biss­chen eine geschmack­li­che Reise ins Land der Gewürze. Hier ste­cken offen­sicht­lich viele Ein­flüsse drin, die ich gerade nicht sau­ber zu tren­nen ver­mag. Ich umschreibe das mal mit mei­nen Wor­ten: Rock ‘N Roll mit Lager­feu­er­ro­man­tik. Klingt jetzt komisch, ist aber so. Der Titel macht meine Mischung nicht gerade schmack­haf­ter, ich weiß immer noch nicht warum sie ihn soviel lie­ber mag, wenn er nackig ist. Fal­scher Klei­dungs­stil? Wie auch immer, ich finde des Song ist nichts hal­bes und nichts gan­zes und ganz weit davon ent­fernt einen blei­ben­den Ein­druck zu hin­ter­las­sen. Ida selbst macht es da auch nicht bes­ser, die wilde Mischung von Gewür­zen schmeckt mir ein­fach nicht.
    Wer­tung: 1 von 5 Punk­ten weil zuviel Salz kein Zei­chen von Ver­liebt­heit son­dern von gestör­ter Sen­so­rik sind.
  • Mut­ter — Der Krieg ist vor­bei (von Post­punk)
    Ein inter­es­san­tes Stück Musik. Ich habe den Song jetzt zum zwei­ten mal gehört um den Text zu begrei­fen doch es bleibt offen­bar dabei, gesun­gen wie er gemeint ist. Es scheint als würde der Text nie an Aktua­li­tät ver­lie­ren, denn er ist wohl ein­deu­tig an Ame­rika und den damals amtie­ren­den George Bush gerich­tet, der bekannt­lich nichts ande­res zu tun hatte als sich stän­dige neue „Geg­ner” zu suchen, die die Frei­heit Ame­ri­kas „bedro­hen”. Die klas­si­sche Eröff­nung kommt mir bekannt vor, ich bin jetzt aber zu faul zum recher­chie­ren. Zunächst hatte ich das Stück den 80er zuge­ord­net (allein schon wegen dem Video), habe aber dann gese­hen, das es sich um Musik aus jüngs­ter Ver­gan­gen­heit han­delt. Ich bin mir sicher, das die­ses Stück nun wirk­lich nicht jeden anspre­chen wird und auch nicht zu den tanzwil­ligs­ten gehört. Seine Unan­ge­passt­heit und die schwer­mü­tige und kleb­rige Umset­zung der The­ma­tik hat bei mir aber Ein­druck hin­ter­las­sen. Mal was ganz ande­res, denn etwas ähnli­ches hätte ich von Post­punk auch nicht erwar­tet.
    Wer­tung: 4 von 5 Punkte von Papa, für Mama.

Ein Vor­schlag für die nächste Runde: Sal­ta­tio Mor­tis — Letzte Worte

6 Kommentare

  1. Inter­es­sante Ver­tei­lung, vor allem da du trotz Begeis­te­rung nur 3 bzw. 3,5 Punkte gibst. Mal sehen, wie ich die ein­schätze.
    Ich gehe so vor, dass ich beim Hören schon anfange zu schrei­ben (weil ich ja hören will und nicht das Video sehen). Manch­mal höre ich erneut rein, um sicher zu gehen.
    Es soll ja um den ers­ten Ein­druck gehen und nicht haupt­säch­lich darum, ob man nach etli­chen Durch­läu­fen doch noch Zugang zum Song findet.

  2. Das stimmt, eine wirk­lich inter­es­sante Ver­tei­lung und von außen betrach­tet könnte man Begeis­te­rung ver­mu­ten da gebe ich Dir recht, viel­leicht sollte ich mich beim nächs­ten mal weni­ger posi­tiv aus­drü­cken. Mit 3 bzw. 3,5 Punkte wurde der aber den Lie­der genüge getan auch wenn es viel­leicht anders klingt. Ich vespre­che, mich dem­nächst kla­rer auszudrücken :)

  3. Also ich hand­habe es so, dass ich die meis­ten Songs erst ein­mal höre und danach gleich noch­mal, um dann wäh­rend­des­sen die Rezi zu schrei­ben. Die­ser Mehr­auf­wand ist mir die Musik wert und ich will auch jedem Song die Chance geben, die er ver­dient, denn es gibt ein­fach Musik, die für eine Ein­schät­zung nach dem ers­ten Ein­druck ein­fach zu klo­big sind, um sie gleich ordent­lich zu bewer­ten, wie z.B. der Vor­schlag von Post­punk. Und da mir ja grad so Musik liebe, die sich nach dem zwei­ten Hören erst rich­tig ent­fal­tet, will ich den Songs das natür­lich auch beim Hör­sturz ermöglichen.

  4. Anfangs hab ich’s auch wie beet­FreeQ gemacht, mitt­ler­weile schreibe ich auch gern schon die ers­ten Ein­drü­cke beim ers­ten Hören — aber ein 2. und manch­mal 3. Durch­lauf ist trotz­dem fast immer dabei (außer bei den ganz schlechten).

  5. @beetFreeQ: Das beru­higt mich unge­mein. Ich hatte die Befürch­tung auf einem ein­sa­men Pos­ten zu ste­hen. Manch­mal ist es erstaun­lich, wie lange ein Stück braucht um zu wir­ken. Wenn ich mir bei­spiels­weise eine CD für das Auto zusam­men­stel­len und inner­halb einer Woche ein Stück 4–5 mal hören, gefällt es mir teil­weise sogar noch bes­ser. So wie die Gerichte, die nach dem auf­wär­men noch­mal so gut schme­cken (Suppe).

    @cimddwc: Ich glaube deine Methode nähert sich der per­fek­ten schon ein gan­zes Stück, man­che Ein­drü­cke die einem Spon­tan durch den Kopf schies­sen sollte man unbe­dingt nie­der­schrei­ben. Lei­der wer­den man­che Songs auch nach 12 mal hören nicht besser :)

  6. Ja, ich nehme auch gern Musik, die ich gerade neu hab und bis­her sel­ten gehört habe, mit ins Auto, um sie da bes­ser ken­nen zu ler­nen. Gerade auf dem Weg zur Arbeit und zurück hab ich die Gele­gen­heit, bewusst Musik zu hören, weil mich der Ver­kehr nicht so sehr vom Hören ablenkt wie das Lesen von Web­sei­ten oder das Pro­gram­mie­ren bei der Arbeit. So bren­nen sich auf der Fahrt manch­mal Songs als wahre Ohr­wür­mer ein, die ich ander­wei­tig viel­leicht nach dem ers­ten oder zwei­ten Hören als lang­wei­lig abge­stem­pelt hätte.

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