12 Oktober
Projekt Hörsturz - Runde 6
Wie macht Ihr das eigentlich mit dem Hörsturz? Also ich für meinen Teil habe schon verschiedenes ausprobiert. Erst habe ich alle Songs gehört und dann tatsächlich geglaubt, mir würden noch die gescheiten Dinge zum ersten Song einfallen, die mir durch den Kopf geschossen sind. Blöder Plan. Dann habe ich versucht eine Rezension „Live” zu schreiben, also während sie läuft. Auch blöd, den während ich mich darauf konzentriere möglichst schon beim eintippen keinen Mist zu verzapfen ist mir der restliche Song entgangen. Ja, so ein gescheiter Satz braucht schon mal 3 Minuten.
Heute habe ich es mal ganz schlau gemacht: Ich habe den Song gehört, sacken lassen um ihn dann beim erneuten hören zu Rezensieren. Ist aber auch etwas aufwendig und dauert natürlich dementsprechend 2 x (5 x Laufzeit des Liedes) + zusätzlicher Zeit für das Umsetzen. Jetzt bin ich fast schon ein bisschen neugierig, wie ihr das angeht.
Wer immer noch nicht weiß worum es geht sollte sich beetFreeQs Projekt Hörsturz, das mittlerweile in Runde 6 angelangt ist (allgemeine Informationen) anschauen und nicht langen fackeln und seinen eigenen Senf zu den Lieder schreiben, die zunächst verwandt klangen, dann aber doch wieder die unendlichen Weiten der Musik offenbarten.
- Jet Lag Gemini — Fit To Be Tied (von symBadisch — kostenloser Download!)
Oh Schreck! Ich finde den Lautstärkeregler nicht, vor lauter Schreck muss ich erstmal auf Pause drücken. Also nochmal von vorne, diesmal ordentlich. Klingt schon mal schön rockig, so ein bisschen nach Glam-Rock und Metal der frühen Stunde. Im letzten Drittel wird der temporeiche Song von einem furiosen Gitarrensolo unterbrochen. Schön das noch jemand die alten Werte schützt und offensichtlich sein Handwerk sehr gut versteht. Die Melodie zum Refrain ist sehr eingängig und hat durchaus Chart-Qualitäten. Klingt zwar alles nach „Gab es schonmal”, das erquickende Spiel der Gitarre reißt es aber wieder raus.
Wertung: 3 von 5 Punkten für die Erinnerung, das eine E-Gitarre doch singen kann. - Alestorm — Captain Morgan’s Revenge (von Sir Donnerbold)
Yeah! Der Hörsturz diese Woche klingt nach nach einer Power-Metal-Compilation. Mein Kopf bewegt sich automatisch, wenn auch verhalten, meine Finger sind bestrebt sich bis auf den Zeigefinger und den kleinen Finger unsichtbar zu machen. Singen kann der Kerl ja schonmal gar nicht, muss er aber auch nicht. Der Piratenchor muss einfach so klingen, glaub ich. Mit zunehmender Laufzeit wird der Song aber dann doch langweilig, die Geschichte die er zu erzählen versucht mag nicht so wirklich rüberkommen und strandet kläglich auf einer Sandbank. Ich mag diese Art von Musik einfach nicht und kann auch nicht über meinen Schatten springen.
Wertung: 2 von 5 Punkten für die Weisheit, das Piraten keine guten Metaller sind. - Nephew — Va Fangool! (von Doro)
Ein butterweicher Schnitt durch das glühende Metall macht das Lied von Nephew eine dänischen Band aus Dänemark, das ist da, wo BUKO herkommt. Bis jetzt kannte ich noch nicht all zu viel aus aus den Ländern nördlich von Kiel, auch diese Band sagt mir nichts. Der Song ist aber durchaus gelungen, sehr poppig, aber gelungen. Viel Ideenreichtum kommt da aus meinen Lautsprecherboxen, der im Sound und den verwendeten Instrumenten gut rüberkommt. Auch rein gesanglich muss sich wirklich niemand verstecken, das Arrangement ist wirklich gelungen. Rein sprachlich mischt man das dänische mit einem englischen Refrain und verschiedenen Texteinlagen, in denen auch Martin Gore von Depeche Mode nicht zu kurz kommt. Stichwort Gore: Das Video sollte man gesehen haben.
Wertung: 3,5 von 5 Punkten für das Lied und die Gehirne. - Ida Maria — I Like You So Much Better When Youre Naked (von kasumi)
Tja. Ist so ein bisschen eine geschmackliche Reise ins Land der Gewürze. Hier stecken offensichtlich viele Einflüsse drin, die ich gerade nicht sauber zu trennen vermag. Ich umschreibe das mal mit meinen Worten: Rock ‘N Roll mit Lagerfeuerromantik. Klingt jetzt komisch, ist aber so. Der Titel macht meine Mischung nicht gerade schmackhafter, ich weiß immer noch nicht warum sie ihn soviel lieber mag, wenn er nackig ist. Falscher Kleidungsstil? Wie auch immer, ich finde des Song ist nichts halbes und nichts ganzes und ganz weit davon entfernt einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ida selbst macht es da auch nicht besser, die wilde Mischung von Gewürzen schmeckt mir einfach nicht.
Wertung: 1 von 5 Punkten weil zuviel Salz kein Zeichen von Verliebtheit sondern von gestörter Sensorik sind. - Mutter — Der Krieg ist vorbei (von Postpunk)
Ein interessantes Stück Musik. Ich habe den Song jetzt zum zweiten mal gehört um den Text zu begreifen doch es bleibt offenbar dabei, gesungen wie er gemeint ist. Es scheint als würde der Text nie an Aktualität verlieren, denn er ist wohl eindeutig an Amerika und den damals amtierenden George Bush gerichtet, der bekanntlich nichts anderes zu tun hatte als sich ständige neue „Gegner” zu suchen, die die Freiheit Amerikas „bedrohen”. Die klassische Eröffnung kommt mir bekannt vor, ich bin jetzt aber zu faul zum recherchieren. Zunächst hatte ich das Stück den 80er zugeordnet (allein schon wegen dem Video), habe aber dann gesehen, das es sich um Musik aus jüngster Vergangenheit handelt. Ich bin mir sicher, das dieses Stück nun wirklich nicht jeden ansprechen wird und auch nicht zu den tanzwilligsten gehört. Seine Unangepasstheit und die schwermütige und klebrige Umsetzung der Thematik hat bei mir aber Eindruck hinterlassen. Mal was ganz anderes, denn etwas ähnliches hätte ich von Postpunk auch nicht erwartet.
Wertung: 4 von 5 Punkte von Papa, für Mama.
Ein Vorschlag für die nächste Runde: Saltatio Mortis — Letzte Worte
hat bereits 48 Kommentare abgegeben und schrieb am 12. Oktober 2009 um 18:04:
Interessante Verteilung, vor allem da du trotz Begeisterung nur 3 bzw. 3,5 Punkte gibst. Mal sehen, wie ich die einschätze.
Ich gehe so vor, dass ich beim Hören schon anfange zu schreiben (weil ich ja hören will und nicht das Video sehen). Manchmal höre ich erneut rein, um sicher zu gehen.
Es soll ja um den ersten Eindruck gehen und nicht hauptsächlich darum, ob man nach etlichen Durchläufen doch noch Zugang zum Song findet.
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 12. Oktober 2009 um 18:34:
Das stimmt, eine wirklich interessante Verteilung und von außen betrachtet könnte man Begeisterung vermuten da gebe ich Dir recht, vielleicht sollte ich mich beim nächsten mal weniger positiv ausdrücken. Mit 3 bzw. 3,5 Punkte wurde der aber den Lieder genüge getan auch wenn es vielleicht anders klingt. Ich vespreche, mich demnächst klarer auszudrücken :)
hat bereits 41 Kommentare abgegeben und schrieb am 12. Oktober 2009 um 19:16:
Also ich handhabe es so, dass ich die meisten Songs erst einmal höre und danach gleich nochmal, um dann währenddessen die Rezi zu schreiben. Dieser Mehraufwand ist mir die Musik wert und ich will auch jedem Song die Chance geben, die er verdient, denn es gibt einfach Musik, die für eine Einschätzung nach dem ersten Eindruck einfach zu klobig sind, um sie gleich ordentlich zu bewerten, wie z.B. der Vorschlag von Postpunk. Und da mir ja grad so Musik liebe, die sich nach dem zweiten Hören erst richtig entfaltet, will ich den Songs das natürlich auch beim Hörsturz ermöglichen.
hat bereits 10 Kommentare abgegeben und schrieb am 12. Oktober 2009 um 19:47:
Anfangs hab ich’s auch wie beetFreeQ gemacht, mittlerweile schreibe ich auch gern schon die ersten Eindrücke beim ersten Hören — aber ein 2. und manchmal 3. Durchlauf ist trotzdem fast immer dabei (außer bei den ganz schlechten).
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. Oktober 2009 um 17:03:
@beetFreeQ: Das beruhigt mich ungemein. Ich hatte die Befürchtung auf einem einsamen Posten zu stehen. Manchmal ist es erstaunlich, wie lange ein Stück braucht um zu wirken. Wenn ich mir beispielsweise eine CD für das Auto zusammenstellen und innerhalb einer Woche ein Stück 4–5 mal hören, gefällt es mir teilweise sogar noch besser. So wie die Gerichte, die nach dem aufwärmen nochmal so gut schmecken (Suppe).
@cimddwc: Ich glaube deine Methode nähert sich der perfekten schon ein ganzes Stück, manche Eindrücke die einem Spontan durch den Kopf schiessen sollte man unbedingt niederschreiben. Leider werden manche Songs auch nach 12 mal hören nicht besser :)
hat bereits 41 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. Oktober 2009 um 20:26:
Ja, ich nehme auch gern Musik, die ich gerade neu hab und bisher selten gehört habe, mit ins Auto, um sie da besser kennen zu lernen. Gerade auf dem Weg zur Arbeit und zurück hab ich die Gelegenheit, bewusst Musik zu hören, weil mich der Verkehr nicht so sehr vom Hören ablenkt wie das Lesen von Webseiten oder das Programmieren bei der Arbeit. So brennen sich auf der Fahrt manchmal Songs als wahre Ohrwürmer ein, die ich anderweitig vielleicht nach dem ersten oder zweiten Hören als langweilig abgestempelt hätte.