11 März

Projekt Hörsturz - Runde 16 (Soundtracks)

Kategorie: Stöckchen und Paraden, Vernetzt — Jahrgang 2010

Mit der neu­este Runde des Pro­jek­tes Hör­sturz gibt es wie­der eine Son­der­runde, die sich voll und ganz dem Thema Sound­track wid­met. Ein Film besteht mei­ner Mei­nung nach immer aus den visu­el­len und audio­vi­su­el­len Ein­drü­cken, ein Film ohne Ton ist nur halb so ein­drucks­voll (schon mal die Vögel von Alfred Hitch­cock ohne Ton geguckt?). Sound­tracks, also Musik zum Film birgt immer Unter­stüt­zende Ele­mente und darf manch­mal nicht los­ge­löst davon betrach­tet wer­den. Das gilt ins­be­son­dere für reine Film­mu­sik wie sie Hans Zim­mer oder Danny Elf­man machen. Aber auch Lie­der, die als sol­ches selbst exis­tent sind, kön­nen einen Film bereichern.

Ein gutes Bei­spiel ist hier das Stück von Israel Kamakawiwo’Ole — Some­where over the Rain­bow, das noch einen zusätz­lich Fak­tor eröff­net, denn ohne den zahl­rei­chen Ein­satz in Fil­men und Serien hätte das Stück wohl kei­ner­lei Bekannt­heit erlangt. Das wird auch sehr häu­fig in Fil­men von Quen­tin Tar­ran­tino deut­lich, der sehr viel Wert auf die Musik legt und dabei oft­mals sehr unbe­kannte oder lange unge­hörte Stü­cke ver­wen­det. Lange Rede, kur­zer Sinn. Dies­mal habe ich mich wie­der dafür ent­schie­den alle Vor­schläge zu bewer­ten, gerade weil die ande­ren Vor­schläge schon von vorne her­ein ein grö­ße­res Poten­tial beher­ber­gen. Nomen est Omen.

  • Radio­head – Exit Music (For a film) (von Herr Lutz – Romeo und Julia)
    Obwohl es sich bei Romeo und Julia um einen Lie­bes­film han­delt, kommt das Stück von Radio­head sehr melan­cho­lisch daher, wirkt schwer und getra­gen wie ein pene­tran­tes Par­füm, das man im Vor­bei­ge­hen riecht und des­sen Geruch man Minu­ten spä­ter immer noch in der Nase hat. Die Melo­die ist schön, lei­der wird die Stimme des Radio­head Sän­gers dem Stück in den sehr ruhi­gen Pas­sa­gen nicht gerecht und wirkt über­for­dert bis dünn. Ich kann mich sonst mit den Sachen der Band anfreun­den, aber das hier ist ein­fach nicht mein Geschmack.
    Wer­tung: 1 von 5 Punkte für die melan­cho­li­sche Grund­stim­mung zur schö­nen Melodie
  • Mark Mor­gan – Aco­ly­tes of the New God (von Guld­han – Fall­out 1)
    Fall­out, der Klas­si­ker des Post-Nuklearen End­zeit Rol­len­spiels war immer schon sehr span­nend. Vor allem die The­ma­tik reizte, ebenso die Umset­zung, die für dama­lige Ver­hält­nisse (hat ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel) gran­dios aus­ge­fal­len ist. Das Stück von Mark Mor­gan, das sicher­lich nicht als Lied durch­ge­hen kann ist der atmo­sphä­ri­sche Umset­zung des­sen, was der Spie­ler erlebt und sieht. Die sphä­ri­schen und sakra­len Klän­gen pas­sen gut zum Spiel, las­sen doch ein wenig an Dra­ma­tik ver­mis­sen und würde als Unter­ma­lung durch­aus durch­ge­hen, für alles andere reicht es lei­der nicht.
    Wer­tung: 2 von 5 Punk­ten für die pas­sende Musik zum pas­sen­den Spiel­ab­lauf — lei­der ohne Highlights.
  • Sad Brad Smith – Help Your­self (von Steve – Up In The Air)
    Ein sehr aktu­el­ler Bei­trag zum gran­dio­sen Film mit George Cloo­ney, den ich zwar noch nicht gese­hen habe, des­sen Nomi­nie­run­gen für einen Oscar aber für sich spre­chen. Die Melo­die erin­nert mich zunächst an einen alten Simon  & Gar­fun­kel Kra­cher, auch die ganze Auf­ma­chung ent­spricht so ziem­lich dem, was man davon erwar­ten würde. Aber mit der schö­nen Melo­die ist es auch schon alles, was den Song aus­macht. Der Gesang ist mit­tel­mä­ßig, das Arran­ge­ment ist eher dürf­tig und auf die Pro­duk­tion des Stü­ckes mit dem lächer­li­chen Hall-Effekt ist eher Kon­tra­pro­duk­tiv als das er den Song in sei­ner The­ma­tik unter­strei­chen würde.
    Wer­tung: 1 von 5 Punk­ten für die Simon & Gar­fun­kel Gefühle.
  • Keane – Everybody’s Chan­ging (von end­guel­tig – Keinohr­ha­sen)
    Ich bin befan­gen. Ich kann die­ses Stück nicht objek­tiv bewer­ten, weil ich es hasse. Es ist für mich die Ver­kör­pe­rung des­sen was ich an der Pop-Musik aus den Charts nicht lei­den kann. Da ich den Film gese­hen habe und auch durch das Radio immer wie­der auf Stück gesto­ßen wurde. Mit der Nase mit­ten­drauf. Die Stimme des Sän­gers bohrt sie wie ein stump­fer Boh­rer unter meine Haut und erzeugt akute Übel­keit. Ich muss abbre­chen.
    Wer­tung: 0 von 5 Punk­ten — der Song kann froh sein, das es keine Minus­punkte gibt.
  • Sig­mund Gro­ven – Reo­dors Bal­lade (von Post­punk – Flåk­lypa Grand Prix)
    Beginnt wie ein Stück klas­si­scher Musik zu einem Wes­tern oder einer Neu­ver­fil­mung von Dok­tor Schi­wago, obwohl das rus­si­sche fehlt. Lei­der kenne ich den Film nicht, zu dem die­ses Stück gehört, viel­leicht würde sich dann ein Bild for­men. Denn klas­si­sche Musik malt immer Bil­der vor dem geis­ti­gen Auge und ich sitze gerade in einer alten klapp­ri­gen Kut­sche und fahre eine stau­bige Straße ent­lang. Obwohl das Stück warm klingt, werde ich damit nicht warm. Es bleibt nichts hän­gen, plät­schert nur so dahin und hat außer der Melo­die selbst nicht zu bie­ten.
    Wer­tung: 0,5 von 5 Punk­ten für innere Wärme — oder ist das doch der Kaffee?

Hier kom­men die optio­na­len Vor­schläge, die schon auf den ers­ten Blick sehr viel ver­spre­chend aus­se­hen.

  • Cry Baby – King Cry Baby (von Sebas­tian – Cry Baby)
    Rock’n Roll! Ich liebe diese klas­si­sche Instru­men­tie­rung und Spiel­weise des Stü­ckes, ich hatte immer schon etwas für diese Musik übrig und Johnny Depp kann ich auch nicht igno­rie­ren. Aber es gibt bes­sere Ver­tre­ter die­ses Genre, bricht man den Song auf das wesent­li­che her­un­ter, bleibt der gute Sound das ein­zige High­light. Gesang, The­ma­tik und Ener­gie des Stü­ckes las­sen zu wün­schen übrig.
    Wer­tung: 3 von 5 Punkten
  • Danny Elf­man – This is Hal­lo­ween (von Stof­fel – Night­mare before Christ­mas)
    Die­ses Stück darf man eigent­lich nicht ohne den Fil­mi­schen oder Geschicht­li­chen Zusam­men­hang sehen. Es zählt zu einer der bes­ten musi­ka­li­schen Umset­zun­gen eines Tim Bur­tons. Die zwei ver­bin­det sowieso ein lange musi­ka­li­sche Freund­schaft, wenn man sich die Burton/Elfman Kon­stel­la­tio­nen so anschaut. Es han­delt sich hier um klas­si­sche Sound­track Musik, die los­ge­löst schwer­lich zu betrach­ten ist, zum Film aber so prima passt wie Schuhe der Größe 44 an meine Füße und ergat­tert sich fast die Höchst­wer­tung, aber nur fast.
    Wer­tung: 4,5 von 5 Punkten
  • Drop­kick Mur­phys – I’m Ship­ping Up To Bos­ton (von mir – The Depar­ted)
    Kein typi­scher Sound­track wie im Stück zuvor, eher das pas­sende Lied zum Film. Die Paddy-Punks aus den USA sind mir ein­fach sym­pha­tisch für alle denen das Stück gefällt, emp­fehle ich das Album „War­ri­ors Code”. Das Stück jeden­falls spie­gelt für mich den Men­ta­li­tät des Films am bes­ten wie­der und war nur noch die Krö­nung. Bei der Bewer­tung kann ich ein­fach nicht anders, auf wenn der Vor­schlag nicht von mir kom­men würde.
    Wer­tung: 5 von 5 Punkten
  • Ewan McG­re­gor – Your Song (von Han­nah – Mou­lin Rouge)
    Schreck­li­che Schau­spie­le­rin diese Nicole Kid­man. Aber wie auch immer, das Stück jeden­falls ist ein Tritt in die Kron­ju­we­len eines der bekann­tes­ten Bri­ten, Elton John. Auch wenn das Stück sicher­lich zum Film pas­sen mag und auch so in die­sem Zusam­men­hang gese­hen wer­den muss, ich kann mich damit nicht anfreun­den. Das ist mir Elton John schon lie­ber und den mag ich eigent­lich auch nicht.
    Wer­tung: 0 von 5 Punkten
  • Faunts – M4 (Part II) (von Konna – Mass Effect)
    Sehr über­ra­schend. Mass Effect kenne ich eigent­lich nur als Com­pu­ter­spiel, die Musik dar­aus ist mir gänz­lich unbe­kannt. Umso erfreu­ter war ich natür­lich, das mir das Stück wirk­lich gut gefällt. Die Instru­men­tie­rung ist wirk­lich toll, Gitarre, Syn­t­hie und Schlag­zeug gehen ein untrenn­bare Har­mo­nie ein und sind wirk­lich gelun­gen. Die Stimme ist aber etwas schwach auf der Brust und hätte in der Pro­duk­tion durch­aus noch etwas fett ver­tra­gen kön­nen.
    Wer­tung: 4 von 5 Punkten
  • Hans Zim­mer – Dis­com­bu­late (von Sir Don­ner­bold – Sher­lock Hol­mes)
    König der Film­mu­sik, der für unend­li­che viele Kra­cher einen musi­ka­li­schen Bei­trag leis­tete. Das Stück zum Film ist groß­ar­tig und schlägt den Film selbst um Län­gen. Die Kom­po­si­tion finde ich groß­ar­tig. Die Instru­men­tale Reise durch die vie­len Län­der und das ver­bin­den der unter­schied­lichs­ten Instru­mente ist toll gelun­gen, die irisch/englische Grund­stim­mung sorgt natür­lich für einen wei­te­ren Plus­punkt.
    Wer­tung: 5 von 5 Punkten
  • Jay Gor­don – Slept So Long (von fini – Queen of the Dam­ned)
    Der Film über­zeugt durch einen sehr per­fek­ten Sound­track und durch seine The­ma­tik. Der Film selbst konnte mich nie so recht über­zeu­gen. Das Stück, das so pas­send an Korn erin­nert ist kraft­voll und doch melo­diös und ergat­tert sich so einige Sym­pa­thie­punkte, zumal ich den Stil sehr anspre­chend finde. Es fehlt zwar die Kir­sche auf dem Eis mit Sahne, aber man kann ja auch nicht alles haben.
    Wer­tung: 4 von 5 Punkten
  • Kimya Daw­son – Tire Swing (von beam – Juno)
    Schö­ner Film, echt jetzt. Sollte man sich angu­cken. Das Stück selbst wirkt zunächst sehr lang­wei­lig und kann kei­nen Aha-Effekt aus­lö­sen, zum Film ist es sicher­lich pas­send, mir gefällt es aber nicht wirk­lich. Der Anfäng­li­che Ein­druck der Lan­ge­weile konnte nicht ver­flie­gen.
    Wer­tung: 1 von 5 Punk­ten
  • Queen – Prin­ces of the Uni­verse (von cimd­dwc – High­lan­der)
    Da kom­men Erin­ne­rung hoch. Einer der groß­ar­tigs­ten Filme trifft wohl einer der groß­ar­tigs­ten Rock-Bands, das dabei etwas phä­no­me­na­les her­aus­kommt dürfte nie­mand wun­dern. Queen hat hier sein abso­lu­tes Meis­ter­werk abge­lie­fert und den Film erst zu dem gemacht, was er ist. KULT! Prin­ces of the Uni­verse ist nur eines der vie­len High­lights aus dem Film. Fast so gut wie Who wants to live Fore­ver, aber nur fast. Das hätte die Punk­teskala gesprengt.
    Wer­tung: 5 von 5 Punkten
  • Rocky Hor­ror Pic­ture Show – Time Warp (von kasumi)
    Der Punk­te­re­gen reißt nicht ab. Was soll man zu die­sem legen­dä­ren Musi­cal noch sagen? Es wun­dert nie­man­den das Auf­füh­run­gen im Kino und auf der Bühne immer noch zele­briert wer­den wie am ers­ten Tag. Die visu­elle Ver­kör­pe­rung des Punk — nur mit mehr Gla­mour.
    Wer­tung: 5 von 5 Punkten
  • The Pro­clai­mers – I’m Gonna Be (500 Miles) (von JuliaL49 – Benny & Joon)
    Schon wie­der ein Johnny Depp, wie schön. Auch ein schö­nes Lied, jetzt nicht ganz so groß­ar­tig wie Queen, aber was will man schon von so komi­schen Bril­len erwar­ten?  Lei­der wird das Stück dem Film mei­ner Mei­nung nach nicht wirk­lich gerecht und bleibt hin­ter den Erwar­tun­gen zurück. Ein wirk­lich guter Pop­song bleibt zurück, nicht mehr, aber auch nicht weni­ger.
    Wer­tung: 3,5 von 5 Punkten
  • Yann Tier­sen – Comptine d’un autre été : L’après-midi (von beet­FreeQ – Die fabel­hafte Welt der Ame­lie)
    Etwas über­rascht bin ich dann doch über die Aus­wahl unse­rer Herrn beet­FreeQ, soviel schön Stille hätte ich ihm fast nicht zuge­traut. Schön wenn man sich irrt. Die fabel­halfte Welt der Ame­lie zusam­men mit die­ser Musik sind ein schö­nes Bei­spiel für Soundtrack-Musik. Man assi­zo­iert die Melo­die, die hier im Vor­der­grund steht sofort mit dem Film, der dann (die Szene mag von Mensch zu Mensch unter­schied­lich sein) die Bil­der im Kopf erzeugt. Aber gut zurück zum Song. Die Ein­fach­heit des Songs macht ihn aus, ist aber für mich gleich­zei­tig sein größ­tes Manko, er klingt nach so viel mehr — für mich — und lässt mich erfreut, aber ent­täuscht zurück.
    Wer­tung: 3 von 5 Punkten

Mein Vor­schlag für die nächste Runde (irisch inspi­riert): Flog­ging Molly — Devil’s Dance Floor

8 Kommentare

  1. Robert, du alter Mie­se­pe­ter! Bei Skan­di­na­vien und Elfen und so Zeug müsste es doch warm um Dein Gruftie-Herz wer­den. Statt­des­sen biste doch ein alter Rock’n Roller! ;-)

  2. Da hat es sich (wie bei den meis­ten Teil­neh­mern bis­her) rich­tig gelohnt, dass du die zusätz­li­chen Songs bewer­tet hast :)

    Hast du mal die Rocky Hor­ror Show im Thea­ter gese­hen? Das macht mäch­tig Spaß!

  3. @Postpunk: Was haben Skan­di­na­vien und Elfen mit einem Gruftie-Herz zu tun? Du soll­test öfter mei­nen Blog lesen um nicht mit dei­nen pein­li­chen Behaup­tun­gen offen­sicht­li­che Wis­sen­lü­cken bloß­stel­len. Aber ich ver­zeihe Dir, denn mein Gruftie-Herz ist nicht nur schwarz son­dern auch groß und schließt Post­punks wie Dich auch mit ein. Ja, Rock’n Roll ist wirk­lich nicht schlecht, ich stehe vor allem den neue­ren Spiel­for­men wie Rock-a-Billy sehr offen gegenüber.

    @juliaL49: Ja ich denke auch das es sich gelohnt hat, in den zusätz­li­chen Songs waren einige echte Per­len dabei. Und lei­der nein, bis jetzt ist mir das Ver­gnü­gen noch nicht zu Teil gewor­den, eine Rocky Hor­ror Pic­ture Show Live zu sehen. Ich zehre das von eini­gen Live-Aufnahmen auf DVD. Was natür­lich keine Ver­gleich ist, aber die Stim­mung im Publi­kum nur erah­nen lässt.

  4. gei­ler vor­schlag, auch wenn die band noch gei­lere lie­der hat!

  5. Schul­di­gung, aber ich hatte da wohl andere Quellen.

    http://www.dunklekreaturen.de/images/eventlist/events/tanz_1228062274.jpg

  6. @tobi: Wird es da nicht Zeit für einen Arti­kel bei Red Flog?

    @Postpunk: Also nein, die­ses Bild trifft nun wirk­lich nicht den Ste­reo­typ des Gruf­ties. Sicher haben wir Inter­esse an mys­ti­schem, das ist aber nicht auf Skan­di­na­vien bezo­gen son­dern eher auf die Nor­di­sche Mytho­lo­gie. Halb­nackte Elfen haben mit mei­ner Vor­stel­lung vom Gruftie-Sein nichts zu tun, ist eher was für Schwarz-Metaller. Das ist genau wie mit glän­zen­den Vam­pi­ren. Die haben im Son­nen­licht zu Staub zu zer­fal­len. Basta!

  7. Hach Dein Vor­schlag ist ganz nach mei­nem Geschmack … erin­nert mich etwas an The Pogues :)

  8. @stoffel: Beim aus­su­chen war ich irgend­wie irisch drauf, könnte an St. Patrick liegen :)

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