4 März
Projekt Hörsturz - Runde 15
Gerade habe ich parallel zum verfassen dieses Beitrags die Echos 2010 auf dem Fernsehschirm verfolgt. Jetzt ist mir schlecht. Diese Selbstbeweihräucherung der großen Plattenverleger treibt einem manchmal die Magensäure auf den Geschmacksempfindlichen Teil der Zunge. Dazu noch langweile Moderatoren die an ihrer eigenen Mittelmäßigkeit ersticken und Laudatoren die dem latainischen Wort nicht die erforderliche Ehre gebühren. Berechtigte Preisträger? Vielleicht, schließlich orientiert sich das ganze an den Verkaufszahlen, andererseits steht die Masse nicht immer für guten Musikgeschmack.
So hatte ich Gelegenheit mich des öfteren angewidert abzuwenden um mir andere, größtenteils bessere Musik anzuhören, nämlich die vom Projekt Hörsturz der 15. Runde. Die Anwesenheit von Depeche Mode möchte ich zwar als persönliches Highlight der Veranstaltung umranden, leider bin ich immer wieder erschrocken wie alt die beiden aussehen. Am Rande bemerkt, Martin L. Gore ist 1961 geboren und sieht locker 10 Jahre älter aus, als er eigentlich ist. Das Leben als Rockstar hinterlässt eben seine Spuren, soviel ist klar, keiner konnte ahnen das sie so tief sein würden. Das Silbermond zum besten Liveact gevotet wurde halte ich für derbe Manipulation, das nicht der Wahrheit entspricht — falls sich das nicht jeder schon denken kann.
- Colin Meloy – Cupid (von JuliaL49)
Gitarre und Gesang sind erstmal nicht schlecht, das Intro erinnert mich an „The Roof is on Fire” schwenkt dann aber doch in ein Cover von Sam Cooke’s Cupid. Prinzipiell ist das Cover wirklich nicht schlecht, der Text wurde ein bisschen variiert, wenn mich meine Ohren nicht täuschen, aber leider reicht das Stück bei weitem nicht an das Original heran. Gitarre und Gesang reichen für mich nicht diesem Song das gewisse etwas zu verleihen, da macht Amy Winehouse ihre Sache schon besser als sie das Stück 2007 auf dem Glastonbury Festival covert.
Wertung: 1 von 5 Punkte für die Coverversion eines Sam Cook Klassikers
- Mardi Gras.BB – Down Down Down (von beam)
Der fette Dienstag durchströmt auch fett meine Lautsprecher, wirklich schönes Stück obwohl das so ganz und gar nicht meine Musikrichtung ist. Schöner Blues der so in Richtung Soul oder auch Funk driftet. Der Beat schmeichelt den Instrumenten, die den Song auch sonst großartig in Szene setzen und ihm das Gefühl einer rauchigen Kneipe im Süden der Vereinigten Staaten verleihen. Die Stimme des Sängers passt zum Ensemble, obwohl sie dem Sound nicht 100% gerecht werden kann.
Wertung: 4,5 von 5 Punkte für ein Musikstück außerhalb meiner üblichen Genre eine Spitzenposition - Turmion Kätilöt – Sika (von Konna)
Örgs. Ich habe gewusst das man Metal irgendwann mit einem Technobeat unterlegt und daraus die neueste Crossover Kreation zaubert. Bei dieser Version hat man sich dem schamlos angenommen und zwei Musikrichtungen miteinander gemischt, die so gar nicht zusammen passen und zu allem Überfluss ist man dabei auch noch dilettantisch vorgegangen. Da ist Rammstein sogar noch besser und das ich das einmal sagen würde, wundert mich selber. Ich glaube meine Ohren bluten gleich.
Wertung: 0 von 5 Punkten die jedes weiteren Kommentares entbehrt - Emir Kusturica & The No Smoking Orchestra – Daddy, Don’t Ever Die On A Friday (von beetFreeQ)
Balkan Beats nannte das einer der Teilnehmer am Projekt Hörsturz, ich finde das passt. Von Beety hätte ich auch nichts anderes erwartet, sozusagen bin ich nicht enttäuscht worden. Aber gut, das Stück lebt von seiner Außergewöhnlichkeit und hat darüber hinaus für mich nichts zu bieten. Der Gesang ist eckig und will auf keiner Seite so richtig mit dem Sound harmonieren auch gewollte Disharmonie reicht nicht aus. Die Instrumentierung ist eigenwillig aber durchaus passend und rettet den Song in die Mittelmäßigkeit.
Wertung: 2 von 5 Punkten für Balkan ohne Bohnensuppe - Holyhell – Angel Of Darkness (von cimddwc)
Heilige Hölle, welch Antagonismus. Schöner Metal alter Schule, der mit Glocken eine sakrale Stimmung erhält, bis die Schwester von Doro Pesch das Mikrofon ergreift. Finde ich ihre Stimme bei den langsamen Passage sehr gelungen und äußerst stimmung, verliert sie bei den höheren Passagen deutlich an Volumen und kann nicht mehr halten was sie einst versprach. Endlich wieder mal ein anständiges Gitarrensolo, hatte befürchtet das wäre dem allgemeinen Sparzwang und Rationalisierungswahn zum Opfer gefallen. Nicht ganz mein Geschmack, aber durchaus Entwicklungsfähig.
Wertung: 2 von 5 Punkten für den sakralen Widerspruch mit Schwester Pesch
Auch diese Runde wieder einmal mit Bonusmaterial, ich hoffe das wird nicht zu Gewohnheit ich sehe mich sonst außer Stande jedem Stück die ihm gebührende Zeit einzuräumen die es vielleicht verdient.
- Blackmore’s Night – Loreley (von Stoffel)
Von Stoffel kommt wieder was mittelalterliches, was ich auch wieder fast erwartet hätte und Blackmore’s Night ist und bleibt eine typische (nicht böse gemeint) Frauenband. Die Beiden stehen für eine großartige Karriere und vielleicht auch für eine tolle Ehe, aber für eins stehen sie bestimmt. Mittelalterliche Musik im Zeichen der Renaissance. Und dieses Genre füllt man ganz großartig. Das Stück der Loreley kann ich allerdings nicht zu ihren besten zählen, die Melodie ist recht langweilig und monoton auch gesanglich hat Candice wesentlich mehr zu bieten.
Wertung: 2,5 von 5 Punkten für Blackmore’s Night in ungewohnt schwacher Ausrichtung - Crystal Fighters – I Love London (von Kamil)
Ja, das tue ich auch. Obwohl ich versuche das Video bei den meisten Liedern auszublenden, sollte man sich dieses unbedingt anschauen. Die Tanzende ist ein Unikat, möchte mal wissen wo man sowas findet. Anyway, der Song ist schon sehr Dancefloororientiert und geht entsprechend gut nach vorne, der Text beschränkt sich auf das wesentliche und lässt kaum Interpretationsspielraum zu. So fällt es natürlich schwer eine tiefschwangere Bedeutung zu finden, aber vielleicht soll man auch gar keine suchen. Der Song hat einfach was faszinierendes.
Wertung: 3 von 5 Punkten weiter reicht die Faszination leider nicht. - Jamie Cullum – Don’t stop the Music (von Hannah)
Popmusik, aber keine schlechte. Obwohl es überhaupt nicht mein Geschmack ist möchte ich festhalten, das mir die Stimme von Jamie Cullum sehr gut gefällt, der Song hat einen subtil schönen Beat und gefällt mir um längen besser als die Version von Rihanna, die auch gerade bei den Echos sich und ihren Körper zum besten gibt. Irgendwie denke ich dabei an David Garrett auf dem Klavier.
Wertung: 2,5 von 5 Punkten mehr ist nicht drin für Popmusik - Knorkator – Böse (von Sir Donnerbold)
Die Knorkatoren stellen schon eine ganze Weile die deutsche Musikwelt auf den Kopf, bis sie sich 2008 zum Leidwesen der meisten Fans auflösten. Das Stück Böse ist glaube ich eines der ersten der Band und läutet das ein, was man als Gegensätzlich Musik bezeichnen könnte. Der Metalsound und die bissig satirischen Texten wollen so gar nicht zu dem Bild passen, was man sich vielleicht von der Band machen könnte und genau das ist ihr Erfolgsrezept. Böse ist aber nicht mein Favorit und wird von vielen Stücken jüngerer Bauart besiegt.
Wertung: 2 von 5 Punkten, ja wie bööhhhhhse! - Laibach – Tanz mit Laibach (von Sebastian)
Dieser Song läuft ständig Gefahr im Einheitsbrei der sonstigen Krachmaschine unterzugehen und wird allzuoft mit dem sonstigen Schrott der so ähnlich klingt verwechselt. Doch Tanz mit Laibach kann mehr, als das Stück zunächst verspricht. Rein musikalisch kann ich dem Stück nicht abgewinnen, ich stehe nicht auf technoides Gestampfe, doch sollte man das ganze als Gesamtwerk betrachten und dem Text einmal genauer lauschen. Vielleicht nimmt man sich noch das ein oder andere weitere Stück der Band und betrachtet das ganze Bild.
Wertung: 4 von 5 Punkten wegen der rein musikalischen Grundstimmung des Hörsturzes, lässt man die Musik weg, hätte es mehr verdient - The Raconteurs – Steady, As She Goes (von Fini)
Hmm, plätschert so dahin. Der Song ist fast zuende und ich kann mich nicht zu einem Urteil hinreißen lassen. Nicht gut, nicht schlecht aber auch nichts halbes und nichts ganzes. Ich werde das Gefühl nicht los, die Band hatte keine Lust Musik zu machen als sie das Stück einspielte. Musikalisch geht es in Ordnung, aber mir gefällt es einfach nicht.
Wertung: 1 von 5 Punkten, denn musikalisch in Ordnung ist es ja.
Und bevor ich es wieder vergesse, hier mein Vorschlag für die Soundtrackrunde (16) des Projektes Hörsturz, bei der ich mich schwer getan habe aus der Fülle der Möglichkeiten ein geeignetes auszuwählen, entschieden habe ich mich für die Dropkick Murphys aus dem Film The Departed.
hat bereits 109 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. März 2010 um 08:26:
Beim nächsten Mal nehme ich nix „frauliches” *zwinker*. BTW, so wie ich Beety verstanden habe sind die Bonusstücke nun immer dabei und können aber müssen nicht bewertet werden.
Dein Soundtrackvorschlag gefällt mir ausgesprochen gut … den Film kenne ich leider nicht … Irisch oder Schottisch?
hat bereits 48 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. März 2010 um 08:52:
Eine sehr interessante Mischung an Punkten, die du da vergeben hast :) Hätte nicht gedacht, dass du Sam Cooke gut findest. Amy ist wirklich gut im Covern (siehe Valerie) und die hier ist interessant, mir aber zu bläserlastig.
Nachtrag: Stoffel, du kennst The Departed nicht?!? Nicht mal vom Namen her?!?
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. März 2010 um 17:59:
@stoffel: Natürlich müssen sie nicht bewertet werden, ich bin aber höflich und fleißig erzogen wurden, daher implementiert das aufzählen von Bonusstücken ein Gefühl von: „ja gerne, mache ich auch noch”. The Departed spielt eigentlich in den USA und zielt dabei eher auf die irischen Auswanderer, solltest du Dir aber mal angucken den Film, obwohl der eher Actionlastig ist.
@juliaL49: Doch in der Tat, Cooke find’ ich gut. Wonderful World hat eine ganz besondere Bedeutung für mich und hat mich vor Jahren zum Kauf einer Best Of animiert auf der auch unter anderem Cupid vertreten ist. Welche Version nun besser gefällt ist Geschmackssache, aber witzigerweise finde ich die Amy sonst eigentlich doof, das Cover gefällt mir aber ausgesprochen gut.