4 Januar
Projekt Hörsturz – Runde 11
Kaum hat das neue Jahr angefangen, platzt mein Feedreader vor neuen Projekten für das Jahr 2010, offenbar sind einige auf den Geschmack gekommen. Kein Grund den alten untreu zu werden, sagte ich still und heimlich zu mir selbst. Die elfte Ausgabe von freeQnet’s Projekt Hörsturz (allgemeine Informationen) liegt immer noch im Ordner Entwürfe, folglich wird es Zeit, dem entgegen zu wirken.
Mit meinem Vorschlag am Ende der kurzen Bewertungen möchte ich mal neue Wege beschreiten, denn in meinen YouTube Favoriten, in denen ich gewohnheitsmäßig kurze Songeindrücke für später aufbewahre sammeln sich zu Zeit viel zu viele Stücke. Deswegen schlage ich jetzt mehr Stücke vor, zu denen ich mir selbst noch kein Urteil gebildet habe und bin dann umso neugieriger wie die restlichen Teilnehmer darauf reagieren. Letztendlich hat das natürlich auch noch den Vorteil, das ich dann meine eigenen Stücke ebenfalls bewerten kann.
Ein wahrer Geniestreich oder? Ich bin selber so davon fasziniert, das ich mir wohl erstmal einen Kaffee holen gehen um zu sehen ob ich nach einer ausreichenden Menge Koffein zu wenigstens halbwegs geistreichen Taten fähig bin. In diesem Sinne.
- Weird Al Yankovic – Fat (von Sir Donnerbold)
Der König der Parodisten hat sich mit diesem Song ein zweifelhaftes Denkmal gesetzt. Zum Titel lässt sich natürlich nicht viel sagen, schließlich ist der Song von Michael Jackson einer seiner berühmtesten. Der Text ist sicherlich witzig und ironisch und das auch das Video leistet seinen humorvollen Beitrag, doch zum eigenständigen Lied reicht das nicht. Selbst das Original von Jackson konnte mir nie Begeisterungsstürme entlocken, da macht es die Parodie nicht wirklich besser.
Wertung: 0 von 5 Punkten für das Stück USA-Slapstick.
- Painbastard – Torn (von Kerstin)
Erinnert mich zunächst einen Hauch an David Bowie entpuppt sich aber als Ballade der schwarzen Technojünger von Painbastard. Offensichtlich soll der Song in das Konzept passen, das schon die VNV Nation (Illusion) nach vorne brachte. Deutlich schwächere Beats zu harmonischen Synthesizerklängen dazu ein Text über Trennungsschmerz und Gefühle sind schon das Erfolgsrezept anderer Bands gewesen, hier jedoch sind Köche ohne Geschmack am Werk oder ich probiere im falschen Restaurant. Der Song wirkt ein wenig lustlos, der ewig gleiche Beat und die beinahe nervigen Violinen übertönen leider nicht den schwache Text, der nach zwei kurzen Strophen auch schon wieder vorbei ist. Man möge mir den Vergleich mit Bowie nachsehen, das hat der Altmeister nun wirklich nicht verdient.
Wertung: 0 von 5 Punkten für den Versuch einen Stück vom Kuchen zu essen, von dem längst nur noch Krümel existieren. - Jupiter One – Flaming Arrow (von Laura)
Der Song, der so ein kleines bisschen an Fahrstuhl-Musik erinnert plätschert so dahin. Die Melodie ist sehr schön, die mir bis dato unbekannte Band beherrscht offenbar ihr Handwerk, dementsprechend ist auch die Instrumentierung gut gelungen, einzig und allein das dünne Stimmchen des Sängers ist ein Manko dieser Produktion. Doch seien wir ehrlich, dieser Song hat für mich nichts, was einen gutes Stück ausmacht. Er klingt langweilig und schlapp und vermag es nicht während seiner Laufzeit auch nur einen Akzent zu setzen. Im übrigen habe ich die schöne Melodie, die dem Song in Teilen zu Grunde liegt schon irgendwo gehört.
Wertung: 1,5 von 5 Punkten für die schöne Melodie vom Erdgeschoss bis ins 10. Stockwerk. - Messer Chups – Super Megera (von LemonHead)
Starke Terrentino-Attitüde mit einer Spur C64-Ghost & Goblins von der ich mir gleich sicher bin, das sie dem beetFreeQ gefallen wird. (Stichwort: Ich bin eine Hexe) Aber zurück zum eigentlichen Song. Der experimentelle Grundcharakter und die Vermischung vieler ungewöhnlicher Stile ist sicher interessant und faszinierend, doch für mich reicht das nicht für ein Lied das mir gefällt. Ich könnte mir dieses Stück echt gut als Soundtrack zu einem Film vorstellen, aber zu tanzen, mitsingen oder träumen reicht er nicht. Dennoch hat das skurrile Stück Musik einen gewissen Charme und ist so herrlich anders als alles andere. Ich lobe mir die Eigenständigkeit und den Anspruch sich von vorne herein gar nicht erst einsortieren zu lassen.
Wertung: 2 von 5 Punkten für das Stück skurrile Musik in einer angepassten Welt. - Volbeat – Sad Man’s Tongue (von Konna)
Interessant. Ich habe mich schon gefragt, wann die erste erfolgreichere Boss-Hoss Nachfolgeband in den Startlöchern steht, offenbar hat man sie gefunden. Hier wird nur noch ein bisschen dicker aufgetragen und mit fetzigen Metal-Riffs noch eine Spur mehr Chili in das Stück gestreut. Das melodiöse Konzept, das wie eine Mischung aus Rock ‘n Roll, Boss Hoss und System of a Down klingt, kommt gut an. Es klingt frisch und und unverbraucht und macht durchaus Lust auf mehr. Zum Autofahren würde ich mir das durchaus vorstellen können.
Wertung: 4 von 5 Punkten für diesen dänischen Rockabilly-Keks.
Vorschlag für die nächste Runde: Din[A]Tod – Carol’s fascination
Die Schlagworte Projekt Hörsturz wurden für diesen Artikel vergeben. Daraus resultieren folgende Themenverwandte Artikel, die dich auch interessieren könnten:


schrieb am 4. Januar 2010 at 15:57 | Permalink
Da sind wir ja fast einer Meinung ;) Nur mit Messer Chups konnte ich sogar nix anfangen. Skurill sicher aber für mich zu skurill.
schrieb am 5. Januar 2010 at 00:47 | Permalink
Und Dr. Gnadenlos hat wieder zugeschlagen! Dabei dachte ich, daß zumindest Painbastard etwas besser bei Dir wegkommt. Aber passt im Großen und Ganzen schon so.
schrieb am 5. Januar 2010 at 12:49 | Permalink
Irgendwie kommen von dir fast nie Pingbacks durch! Magst du in Zukunft bitte kurz bei mir schauen und kommentieren, wenn kein Pingback angekommen ist? Ist mir zuletzt schon öfter passiert, dass ich deinen Beitrag fast übersehen hätte, da ich zum Auswerten eigentlich fast nur die Kommentare und Ping/Trackbacks durchgehe. Danke!
schrieb am 5. Januar 2010 at 15:53 | Permalink
@stoffel: Schön das wir einer Meinung sind, passiert mir sonst nie :)
@postpunk: Falsch gedacht :) Diese halbgare Ballade der schwarzen Raver hat nur kurzzeitig Aufmerksamkeit verdient, knapp über 3 Minuten lang. Glücklicherweise gehen wir ja rein inhaltlich konform.
@beetFreeQ: Mache ich doch glatt :) Ich schicke jetzt nochmal einen Trackback von Hand.
schrieb am 5. Januar 2010 at 17:36 | Permalink
@Robert: Spitzenmäßig! Danke!
schrieb am 16. Januar 2010 at 01:09 | Permalink
@beetFreeQ: Wie sagt man im Norden? Da nich für?