7 Juli
Ohne Worte: Unschöne Schlankheit
„Welch Freude! Endlich brauche ich nicht mehr meine unschöne Schlankheit zu verbergen. — Bedenken Sie, wie auch Ihre Figur und um wie viel Sie sich dadurch begehrenswerter machen.” Aus einer Zeit, in der Schlankheit ein Zeichen für Armut und die Figur die soziale Stellung repräsentieren konnte. (via Kraftfuttermischwerk)

hat bereits 89 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Juli 2010 um 09:52:
Eine recht ähnliche, alte Anzeige hatte mal wer in unserem Nähtanten-Forum ausgegraben, eine weitere Dame hat dem ebenfalls einen Blogeintrag gewidmet:
http://blog.cairdean.de/?p=1457
Ist sogar das gleiche Produkt das da beworben wurde.
Man beachte in der zweiten Anzeige den bombigen Satz: „Namentlich bei damen wirkt die Erinnerung an das Knochengerüst das wir in uns tragen recht peinlich.”
Äh — ja. Erinnert mich an eine herrliche Kurzgeschichte von Ray Bradbury — Das Skelett — in der der Protagonist von einem eigentümlichen Arzt so lange gegen sein Eigenes Gerippe kirre gemacht wird, daß er alles tut um es zu bekämpfen, sprich auch Gewicht zunehmen. Das End vom Lied ist daß er es tatsächlich los wird und entsprechen gar keine so begehrenswerte Figur mehr macht :D — stammt aus dem Kurzgeschichtenband „Familiengeschichten”, welche im Übrigen sehr empfehlenswert ist :)
hat bereits 69 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Juli 2010 um 19:59:
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das mit Chips noch besser funktioniert. Einfach eine Tüte vor dem Schlafengehen essen und schon ist es vorbei mit der unschönen Schlankheit. Bei ausreichend Übung reicht es sogar, wenn man die Dinger nur anschaut. :-)
hat bereits 1069 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Juli 2010 um 07:35:
@Rosa: Danke für den Link. Ich vermag gar nicht zu sagen ob das „Mittelchen” damals überhaupt einen Abnehmer gefunden hat, vermutlich findet sich aber für jeden die Möglichkeit dem ersehnten Schönheitsideal näher zu kommen. Deine Buchempfehlung klingt spannend und da es eine Kurzgeschichte ist, umso angenehmer zu lesen :)
@Orphi: Chips? Gibt es da spezielle Anweisung welche dafür besonders geeignet sind? Ich meine, die Richtung sind ja vielfältig. Klassische Chips, Tortilla Chips, Runde und dicke Chips und dazu kommen noch die Variationen: Chips mit Paprika, Kräutern, Orientalisch, mit Zwiebel, mit Schinken, mit BBQ Salz. Welche brachten Dir besonderen Erfolg?
hat bereits 69 Kommentare abgegeben und schrieb am 10. Juli 2010 um 13:49:
Die orientalischen (Fischmehl) und die mit Schinken kann ich nicht beurteilen, weil ich ja ein Pflanzenfresser bin. Ich empfehle die mit Salz und die mit Paprika einer bestimmten Marke, für die ich jetzt keine Werbung mache, das es sich um einen großen, bösen Konzern handelt, dessen Machenschaften ich natürlich aus ethischen Gründe ablehne, dem ich aber zu meinem Bedauern monatlich viel Geld für Kartoffelscheiben zukommen lasse. Die Wege der Sucht sind unergründlich…
Ich kann aber auch was (ein wenig) Intelligentes sagen: Es handelt sich um Werbung der Nachkriegszeit und da wollten die Leute mit Hunger und einer gerippeähnlichen Figur verständlicherweise nichts mehr zu tun haben. Sie wollten Hunger und Leid vergessen und zum Leben zurückkehren.
hat bereits 77 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. Juli 2010 um 15:46:
Unter heutiger Weltanschauung wirkt der damalige Charme der 1920´er Jahre fast schon zynisch. Aber auch wenn ich kein Verfechter der heutigen Magensuchtsmodellkultur bin, so behaupte ich, dass eine Gewichtszunahme von bis zu 30 Pfund auch nicht das wahre Maß der Ästhetik darstellt. Zumindest würde ich meine bessere Hälfte fragen, ob sie eventuell einem Missverständnis mit ihrem Spiegelbild unterliegt, wenn es ihr gelänge, innerhalb weniger Woche 15kg an Gewicht zuzulegen.
[…]Es handelt sich um Werbung der Nachkriegszeit und da wollten die Leute mit Hunger und einer gerippeähnlichen Figur verständlicherweise nichts mehr zu tun haben. Sie wollten Hunger und Leid vergessen und zum Leben zurückkehren.[…]
Interessanter Aspekt. Aber ich kann mir nicht denken, dass beides so radikal zusammenhängt. Da eine Schachtel 2,50 Reichmark kostete. Und die RM wurde erst 1923 als Rentenmark eingeführt, also nach den direkten Auswirkungen des ersten Weltkrieges. Zumindest was den kriegsbedingten Hunger anbelangte. Zudem wird das Zeug als „Nahrungszusatz“ angeboten. Ergo, man ging schon wieder von einem normal gefüllten Teller aus.
Ich glaube, es war einfach noch Mittel der allgemeinen Ästhetik. Da die momentane Mode immer das Gegenteil des Standards in den Himmel hebt. Damals musste man sich in der Mittelschicht schon Mühe geben um zuzunehmen, auch wenn man nicht hungerte. Dementsprechend wurde es noch als schick angesehen, wenn Mann und Frau wohlgenährt daherkamen. Mit roten Bäckchen und Schmerbauch.
Heute darf man sich schon Mühe geben, um nicht durch die Machenschaften der Nahrungsindustrie aufzuquellen. Somit wird niemand mehr so schnell auf den Gedanken kommen und füllige Körper als schick titulieren. Schließlich könnte dann jede/r das Ideal schon nach drei Monaten Fastfoodkur von selbst erreichen und das nimmt ja dann jedem Trendsetter den elitären Gedanken.
Andererseits, vielleicht war das alles auch nur ein alberner Werbespruch, um indirekt zuzugeben, dass die Bonbons auf die Hüften schlagen. Denn Werbung bleibt Werbung und auch wenn sie damals noch kein ausuferndes Interesse an psychologischer Kriegsführung besaß (gegenüber den heutigen Tagen) so war sie doch schon Mittel zum Zwecke der platten Beschönigung. Und sollte nicht immer so wörtlich genommen werden.
hat bereits 89 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. Juli 2010 um 17:11:
Andererseits, vielleicht war das alles auch nur ein alberner Werbespruch, um indirekt zuzugeben, dass die Bonbons auf die Hüften schlagen.
Interessanter Punkt — und durchaus auch naheliegend.
Was mir aber grade erst auffiel — die jeweilige Mode spiegelt auch die Schönheitsideale wider die angestrebt wurden, und die 1020er waren meines Wissens mehr auf gerade, eher burschikose Figuren, mit recht schmalen aber doch taillenlosen Silhouetten, zur „Unterstützung” gab es passende Unterwäsche — ich habe in einem meiner Bücher hier ein Schnittdiagramm zu einem „corset nouveau” aus der Zeit das sehr lang über die Hüften reicht und eher dazu gedacht war eben die Rundungen an selbigen zu kaschieren statt wie bei den Vorläufermodellen, die Taille durch Reduktion zu betonen. Steht da doch im Widerspruch zur Anzeige .. also doch Marketing-Strategie?
hat bereits 69 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. Juli 2010 um 18:07:
Hier gibt es noch die passenden rosigen Wangen und das Hormon-Präparat für die weibliche Brust dazu ;-)
http://www.ansichtskarten-pankow.de/pankowgewerbe2.htm
hat bereits 24 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Juli 2010 um 09:52:
Wenn ich mir überlege, was meine Oma von ihrem Gewicht früher erzählt — um die 20 wog sie unter 50 Kilo — dann sind 15 Kilo nicht wirklich viel und einer weiblicheren Figur vermutlich tatsächlich zuträglich.
hat bereits 89 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Juli 2010 um 18:20:
@Moonica: die Körpergröße spielt da aber auch mit rein.
Ich bin zB für heutige Maßstäbe an Größe völlig durchschnittlich Frau, und laut BMI bin ich mit einem Fuß im Untergewicht, finde aber ich habe ein gesundes Maß an Polster ohne knorrig zu sein. Bissl was hängt trotzdem über den Hosenbund, aber is OK so weil es so im Wohlfühlbereich ist.
Ideal empfinde ich für mich die 52 Kilo die ich auch seit ich 20 bin so durchgehalten habe ohne mich dazu zu zwingen bei dem Gewicht zu bleiben, ich achte nicht auf Kalorien ^^ ich ess nur nicht wenn ich keinen Hunger hab weils keinen Sinn macht für mich. Plusminus ein oder zwei Kilo. Letztes Jahr war ich (in meinem Alter) sogar stressbedingt unter 50kg (im Alter von 29), und hab gut gespürt daß das nicht gut ist. Mir reichen 2–3 Kilo über die 50 um mich wohl zu fühlen, bei 15kg mehr wäre ich persönlich nicht mehr so glücklich in meiner Hülle. Zumal ich nicht wie die typische Frau gleichmässig zunehme, sondern Bierwanst bekomme *hmpf* — aber so gesehen will ich auch keine weiblichere Figur, ich mag meine natürlich-burschikose Figur weil die zu mir passt.
Ja, ich gehe von mir aus weil ichs anders nicht mit Sicherheit beurteilen kann, nur wenn Du sagst — bei unter 50 Kilo sind 15 mehr nicht so viel kann ich nicht ganz zustimmen. Mein Körper würde, als jemand der eben mehr an den 50 Kilo steht — trotzdem mit 15 Kilo mehr ganz schön teigig auflaufen.
Wenn das das Ideal war damals — was die Mode aber nicht bestätigt — ist das ne andere Sache.
hat bereits 1069 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Juli 2010 um 20:12:
@Rosa: Durchschnittlich ist aber sicherlich nur dein Gewicht :) Aber du sprichst einen ganz wichtigen Punkt an, das Wohlfühlgewicht. Das finde ich auch maßgeblich, solange man nicht an Wahrnehmungsstörungen leidet, die das Bild des eigenen Körpers bis zur Unkenntlichkeit verzerren, ich denke hier bekommt dann Wohlfühlgewicht eine deutlich negative Tendenz.
hat bereits 69 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Juli 2010 um 20:56:
@Rosa
Oha, wie groß bist du denn, wenn bei 52 Kilo noch was überm Hosenbund hängt? :-) Ich hab das letzte mal 50 Kilo gewogen, als ich so 12 Jahre alt war. Allerdings finde ich das super, dass du mit deiner Figur zufrieden bist, denn eigentlich will man ja immer das Gegenteil von dem haben, was man hat. Frauen mit Rundungen wollen lieber eine knabenhafte Figur und umgekehrt.
hat bereits 24 Kommentare abgegeben und schrieb am 16. Juli 2010 um 09:09:
@Rosa Sie wird wohl ein paar cm größer gewesen sein als ich. Ich nehme an um die 1.67. Ich würde mich mit 15 Kilo mehr auch nicht wol fühlen, aber ich denke eben, dass das nicht zwangsläufig fett aussehen muss — kann nicht muss. Da spielt wohl auch noch die Nachkriegserziehung eine Rolle, für schlechte Zeiten essen, sich widerstandsfähiger und kräftiger machen und so weiter. Vieles davon ist in der damaligen noch etwas konformerern GEsellschaft als heute stärker internalisiert worden.
Aber wie du auch gesagt hast ist Gewicht auch etwas recht individuelles und nicht jeder ist gleich und sieht auch gleich aus, wenn er zunimmt.
hat bereits 89 Kommentare abgegeben und schrieb am 16. Juli 2010 um 10:13:
Ich denke, ne gewisse Kritikfähigkeit am eigenen Körper ist an sich nicht verkehrt, so um zu beurteilen, was ist zu viel was zu wenig um gesund zu sein, doch die Wahrnehmungen können da erschreckend schnell kippen. Dazu muss man noch nicht mal von vornherein psychisch angeschlagen sein. Ich habe vor einiger Zeit eine britische Doku auf youtube gefunden in der sich im Zuge eines Experimentes — unter ärztlicher Aufsicht — zwei normalgewichtige Frauen auf die „Size Zero” runtergehungert haben, in sehr kurzer Zeit. Eine Dame musste vorher abbrechen, physisch und psychisch am Ende, sie hatte auch ziemliche Probleme danach wieder in normalem Maße über ihre Figur zu urteilen und entsprechend zu normalen Essgewohnheiten zurückzukehren. Das erschreckt schon daß es so einfach gehen kann, eine vernünftige Selbstwahrnehmung zu verlieren … und da kann man sich auch denken wie kritisch es tatsächlich ist, wenn junge Mädels und Frauen sich so von der Mode und dem was ihnen in den Medien vorgemacht wird beeinflussen lassen, und dann womöglich genauso schnell wie die Dame aus dem Experiment da reingeraten.
Und noch dazu wenn man weiter bedenkt daß man das das ganze Leben lang nie mehr richtig los bekommt.
Ein allgemein gültiges Idealgewicht oder –Maße gibt es nicht, das ist zu sehr vom individuellen Körperbau abhängig.
Manche sind einfach von Natur aus auch eher schmal gebaut, manche mit mehr Gewicht genau richtig proportioniert.
@Orphi: bin 1,68 groß ;)
Witzigerweise ists eher mein Freund der sich hinstellt und wegen seinem Gewicht jammert *g*
@Moonica: freilich — das Idealbild von Figur ist auch immer geprägt durch die Zeiten und Lebensumstände. Von der Größe her bin ich dann offenbar so groß wie Deine Oma, kommt aber auch noch Veranlagungen und Proportionen dazu.
hat bereits 69 Kommentare abgegeben und schrieb am 16. Juli 2010 um 10:54:
@Rosa
Sehe ich ganz genau so. Wenn keine Krankheit vorliegt, pendelt sich das Gewicht bei ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung auf ein individuelles gesundes Gewicht ein. Da auf Kilogramm-Zahlen oder Schönheitsideale zu starren, ist Blödsinn. Selbst wenn ich 50 Kilo wiegen würde, wäre meine Figur nicht knabenhaft. Für Hosengröße Zero würde ich mir wahrscheinlich die Beckenknochen rausoperieren lassen müssen. ;-)
hat bereits 1069 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Juli 2010 um 10:44:
@Rosa: Die männliche Rolle in dieser Thematik wird sowieso unterschätzt und wird in den nächsten Jahren wohl noch stärker zum tragen kommen.
@Orphi: Vielleicht ist ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung nicht allein das Problem, ich esse beispielsweise für mein Leben gerne, koche gerne und bin ein Genußmensch. Wenn ich nicht auf die Menge achten würde, die ich konsumiere hätte ich definitiv ein Hosenproblem. Andererseits hast du natürlich wieder recht, ich müsste mich noch mehr bewegen, dann könnte ich wohl den Konsum entsprechend kompensieren. Jeden Tag einen Marathon :) Aber meine Schwankungen sind im Rahmen (meiner Meinung nach), trage seit Jahren die selbe Hosen– und Kleidergröße.
hat bereits 69 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Juli 2010 um 12:04:
@Robert
Ja, klar muss man aufpassen, dass man nicht zu viel „ausgewogene Ernährung” auf dem Tagesplan hat. ;-) Es gibt ja auch noch viele andere Faktoren, die die schöne äußere Hülle zerstören : Das Alter beispielsweise. Oder schiefe Zähne. Oder Haarausfall. Oder O-Beine… Da machst du nix dran. :-) Ich denke aber, wenn man ein wenig aufs Gewicht achtet und sich ansonsten nicht allzuviel Gedanken macht, dann braucht man weder Diäten noch Eta-Tragol-Bonbons.
Ich will ja nicht immer wieder auf dem Alter rumreiten, aber irgendwann verliert der Faktor „Schönheit” ohnehin seine Schärfe und andere Dinge werden wichtiger. Damit meine ich nicht, dass man sich nicht mehr drum schert — ich ärgere mich auch mitunter über meine Makel– aber es ist kein tagesfüllendes Thema und nach dem Blick in den Spiegel auch schnell wieder vergessen.
hat bereits 1069 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Juli 2010 um 12:10:
„…aber irgendwann verliert der Faktor „Schönheit” ohnehin seine Schärfe und andere Dinge werden wichtiger.” Das hast du schön gesagt :)
hat bereits 254 Kommentare abgegeben und schrieb am 19. Juli 2010 um 20:33:
wie Geld und Macht…
… bezog sich auf: andere Dinge werden wichtiger.