4 Juli

Ohne Worte: Kleider machen Leute

Kategorie: Dunkelkunst, Schwarzes Netz, Vernetzt — Jahrgang: 20104 Kommentare

kleider machen leute

Reclams Moder & Kos­tüm Lexi­kon, Stutt­gart 1994: »Der Mühl­stein­kra­gen war dem Typ nach eine über­di­men­sio­nierte steife Hals­krause, die, von Spa­nien aus­ge­hend, im 16./17. Jahr­hun­dert. glei­cher­weise von Frauen und Män­nern »von Stand« getra­gen wurde. Im 17. Jh. gehörte der Mühl­stein­kra­gen in vie­len Gebie­ten zum Habit pro­tes­tan­ti­scher Geist­li­cher. Selbst heute noch ist der Mühl­stein­kra­gen in man­chen evan­ge­li­schen Lan­des­kir­chen als Teil der Amts­tracht gebräuch­lich.« (via coisas do arco da velha)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Dunkelkunst, Schwarzes Netz, Vernetzt
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4 Kommentare

  1. Tol­les Bild *g* — daß ich das Gewand genial finde brauch ich zwar sicher nicht zu erwäh­nen, habs jetzt aber trotz­dem getan ;)
    Schön am Bild an sich ist auch der Kon­trast vom his­to­risch ange­lehn­ten Mons­terg­wand zur Fetisch-Dame, und dann die Kip­pen … find ich wit­zig inszeniert.

    Nach­trag zum Aus­zug aus dem Kostüm-Lexikon: Der Mühl­stein­kra­gen ent­wi­ckelte sich ab der Mitte des 16. Jahr­hun­derts aus einer Rüsche die den Abschluss am Kra­gen der Unter­hem­den von Männ­lein und Weib­lein bil­dete. Diese Rüschen wur­den immer grö­ßer und aus­la­den­der und wur­den irgend­wann sepa­rat vom Unter­hemd getra­gen, auch an den Arm­ab­schlüs­sen gab es sol­che Rüschen, die dann eben­falls zu extra »Mini-Mühlies« fürs Hand­ge­lenk mutier­ten.
    Aber nur wer sichs leis­ten konnte, denn die Krä­gen waren neben dem teu­ren Mate­rial das ver­wen­det wurde, schwer zu pfle­gen, so ergab sich die Nische der »Spezial-Wäscherin« die sich spe­zi­ell um die Krä­gen küm­merte, die nicht nur wusch son­dern auch mit neuer Stärke tränkte und mit im Feuer vor­ge­glüh­ten »Poking Sticks« (kenne lei­der kei­nen deut­schen Begriff dafür, meine Fach­li­te­ra­tur ist fast aus­schließ­lich eng­lisch) wie­der in die rich­tige Anord­nung brachte — ich glaub das nannte man »Ruff-Setter«, da muss ich aber mal nach­se­hen da ich ausm Gedächt­nis schreibe momen­tan).
    Ein­fa­che Leute die sich die sepa­ra­ten Krä­gen nicht leis­ten konn­ten, blie­ben bei den am Hemd ange­näh­ten Rüschen. In einer Text-Quelle aus der Zeit bin ich über ein Zitat gesto­ßen wo der Stand eines Man­nes an dem Umstand tat­säch­lich fest­ge­macht wurde, daß er kei­nen sepa­ra­ten Kra­gen besaß und ent­spre­chend von nie­de­rem Stand war. Ich muss noch­mal suchen wo ich das gefun­den hab.

    Mühl­steine waren vor­nehm­lich aus fei­nen Lei­nen­stof­fen in weiß. Neben schwarz — was als tie­fer, sat­ter Farb­ton schwer zu fär­ben war — war rei­nes weiß eine Farbe die sich vor­nehm­lich adlige Leute leis­ten konn­ten — weil es schnell schmut­zig wird und ent­spre­chend umständ­lich beim sau­ber­hal­ten war. Es gab aber für diese wei­ßen Krä­gen far­bige Wasch­zu­sätze, die ihnen pas­tel­lige Töne in gelb­lich, rosa oder hell­blau gaben.
    Schwarze Krä­gen sind his­to­risch auch bekannt (eins mei­ner Klei­der basiert auf einem Gemälde von 1632, auf dem ein schwar­zer Kra­gen zu sehen ist), nur weit sel­te­ner als die wei­ßen. In ande­ren Far­ben ist mir nichts bekannt, abge­se­hen von den oben genann­ten pas­tel­lig ein­ge­färb­ten. Diese Farbe hielt wohl auch nur bis zur nächs­ten Wäsche.

    Die Krä­gen wur­den aber bis­wei­len auch an die Hem­den ange­hef­tet, und dann alles im Gan­zen geschlossen.

    Zuerst um den Hals geschlos­sen getra­gen, wurde der Mühl­stein­kra­gen — oder Gran Gola — in den 1590ern immer aus­la­den­der, und ins­be­son­dere in der Frau­en­mode, die hier eine kurze Periode fran­zöi­scher Beein­flus­sung erfuhr — bevor­zugt offen und an den Aus­schnitt des Gewan­des befes­tigt, getra­gen. Zur Unter­stüt­zung wur­den unter dem Kra­gen Draht­ge­stelle befes­tigt, die Sup­por­tasse oder eng­lisch »Under­prop­per«. Im frü­hen 17. Jahr­hun­dert wurde der gefal­tete Kra­gen dann von einem flach lie­gen­den ersetzt, der eben­falls def­tig gestärkt, auf der Sup­por­tasse befes­tigt wurde, das Ding wird heute auch »Stuart-Kragen« benannt. Dabei han­delte es sich um extrem feine Lein­en­ge­webe die mit kost­ba­ren Nadel­spit­zen ver­ziert waren, oder gänz­lich aus Nadel­spitze waren — ich mach ja viel beklopp­ten Scheiß, aber beim Nadel­spitze sel­ber­ma­chen ist mir dann der Gedulds­fa­den geris­sen *g*
    Der geschlos­sene Mühl­stein­kra­gen nahm Anfangs des 17. Jahr­hun­dert dann die enorms­ten Aus­maße an. Bei Hofe (offi­zi­elle Ereig­nisse) und ins­be­son­dere in Spa­nien hielt sich der Mühl­stein als Stil­ele­ment am längsten.

    Noch Fra­gen? *frech­g­rins* :D

  2. Wenn ich behaup­ten würde, ich hätte nicht mit einem Kom­men­tar von Dir gerech­net, würde ich lügen. Ich bin aber über­rascht durch den Umfang dei­ner Aus­füh­run­gen, die tat­säch­lich keine Fra­gen mehr offen las­sen — vie­len Dank dafür!

    »ich mach ja viel beklopp­ten Scheiß, aber beim Nadel­spitze sel­ber­ma­chen ist mir dann der Gedulds­fa­den geris­sen *g*« Du machst beklopp­ten Scheiß? Aus mei­ner Sicht bist du viel­leicht nor­ma­ler als ein gro­ßer Teil der Bevölkerung :)

  3. *g* der Rosa Steil­vor­la­gen in Bezug auf Mode­ge­schichte geben endet vir­tu­ell fast immer in Text­flu­ten, oder reel in stun­den­lan­gen Aus­füh­run­gen *g*

    Lie­ben Dank — kommt halt immer auf die Sicht­weise an, man­che hal­ten meine Hob­bies für irre doof, meine Oma ist ange­tan daß ich mich für sowas über­haupt interessiere ;)

  4. Andere Sicht­wei­sen sind dies­be­züg­lich NICHT akzep­ta­bel :) Wenn man so möchte ist doch jedes Hob­bie für jemand ande­ren doof, dabei gilt oft: Je vehe­men­ter jemand gegen das eigene Hob­bie ist, desto grö­ßer der Wunsch es ein­mal selbst auszuprobieren.

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