6 März
Ist Blogging der neue Journalismus?
In der Regel befasse ich mich ja nur mit Blogparaden, die sich mit Musik beschäftigen. Vor einer Weile entdeckte ich den Beitrag des Zementblog, der sich mit der Frage beschäftigte, ob Blogging der neue Journalismus sei. Lange habe ich mich mit dieser Frage herumgeschlagen, denn mit einem Journalisten verglichen zu werden möchte ich nicht, ich erhebe auch nicht den Anspruch die selbe Arbeit zu machen, oder authentisch zu sein. Im Gegenzug habe ich aber auch ein meines Erachtens gesundes Misstrauen gegenüber der schreibenden Zunft, denn viel zu oft wirken Artikel so, als wären sie nur aus Pflichterfüllung geschrieben worden um die Sensationslust der vermeintlichen breiten Masse zu befriedigen.
Bloggen ist genau wie der Journalismus eine Form, Informationen zu verbreiten. Anders als beim Journalismus geht es dem Blogger aber in erster Linie um die persönlichen Erfahrungen, die eigenen Gedanken und die selbst gebildete Meinung, hier ist der ursprüngliche Tagebuchcharakter vieler Blogs zentraler Mittelpunkt. Es gibt aber meiner Meinung nach wichtige Unterschiede, die immer wieder außer Acht gelassen werden und einen direkten Vergleich zusätzlich hinken lassen, auch wenn der manche Blogs den Tagebuchstil gänzlich verlassen haben.
- Qualität
Ein professionell recherchierter Artikel ist Qualitativ hochwertiger als die Gedankenfetzen eines Bloggers, der eine interessante Nachricht zu erzählen hat. Doch genau wie überall gibt es auch hier gute und schlechte Beispiele. Ein Blogger kann beispielsweise durch entsprechende Rechereche und einen vernünftigen Schreibstil durchaus die Qualität eines journalistischen Beitrages erreichen. In Nischenblogs, die sich ganz speziell auf ein Thema beziehen werden diese sogar noch übertroffen. Ebenso fallen immer mehr schlechte Journalisten auf, die schlecht recherchierte Beiträge und Halbwahrheiten verbreiten und dabei den Anspruch erheben allgemein gültig zu sein. - Bezahlung
Einer der wichtigsten Unterschiede zum Großteil der Blogger liegt darin, das Journalisten mit dem Schreiben ihre Brötchen verdienen und viele Blogger das aus Leidenschaft oder zur Freizeitbeschäftigung machen. Ein Journalist, der schreibt um seine Brötchen zu verdienen bringt oft nicht das selbe Interesse für ein Thema auf, die ein Blogger der aus Leidenschaft schreibt, aufbringen kann. Masse statt Klasse. - Qualifikation
Journalisten besuchen Schulen, studieren und bereiten sich intensiv auf ihre Tätigkeit vor. Sie erlernen grundlegende Techniken und erlernen das Schreiben neu. Ein Blogger schreibt meist intuitiv und liest seine Beiträge oft nicht nochmal um sie zu korrigieren, er schreibt frei Schnauze und erhebt keinen Anspruch auf Objektivität. - Glaubwürdigkeit
Sicher, die Glaubwürdigkeit, was die Aufbereitung von Informationen aus aller Welt angeht, liegt bei Zeitungen wesentlich höher. Geht es aber um nationale Phänomene, Entwicklungen oder Trends, wirken Journalisten mit ihren meist schlechten Artikel recht unglaubwürdig. Das fällt mir bei der Auseinandersetzung mit Jugendszenen immer wieder auf. Durch ihre Wirkung auf die breite Masse sind sie dabei für viele Klischees verantwortlich.
All das hat zu einem kleinen Krieg zwischen den Journalisten und den Blogger geführt, denn der eine fürchtet um seine Existenzgrundlage, der andere um seinen guten Ruf. Das ZDF hat jüngst gezeigt, was sie vom Bloggen hält und beliefert Blogs nicht mit seinem Bilderdienst. Ist ja auch irgendwie verständlich, die eine Krähe kratzt der anderen kein Auge aus. In einem Kommentar zum Eintrag bei der Blogparade nennt Heike zwei weitere interessante Argumente:
Die Inhalte sollten möglichst ganz exklusiv sein, Journalisten sollten Neuigkeiten als erste wissen und weiter verbreiten. Beim Bloggen kann man auch mal ein Thema von gestern nehmen. Journalisten müssen auch besonders anspruchsvoll recherchieren. [...] Journalisten schreiben nur sehr selten für Blogs, da die Bezahlung nicht angemessen ist.
Das kann man zweigeteilt sehen, während Journalisten sicherlich über die Pressedienste und Nachrichtenagenturen besser über das Weltgeschehen informiert sind, hat der Netzambitionierte Blogger bei Netzinternen Themen die Nase vorn. Bevor irgendeine Online-Ausgabe eines Nachrichtenmagazins einen Artikel über ein Netzereignis schreibt, wurde es sicherlich in einem Blog bereits erwähnt. Aber hier ist ein Vergleich, wie Heike schon richtig erwähnt, nicht angebracht.
Ich denke jeder der beiden Parteien sollte bei seinen Leisten bleiben und nicht den Bereich des anderen für sich Beanspruchen. Die Glaubwürdigkeit einer Zeitung oder der Tagesschau wird ein Blog selten erreichen, die Journalisten sollten Blogs als eigenständiges Medium betrachten, was ihnen unter Umstände helfen kann, die eigenen Beiträge zu recherchieren. Das die meisten Journalisten keine hohe Netzaffinität besitzen, bestätigt sich durch die karge Verlinkung der Online Artikel vieler Zeitungen. Niemand sollte den Anspruch erheben besser zu sein, sondern vielmehr ein friedlich Koexistenz anstreben. Der neue Journalismus muss deutlich mehr auf die Informationsquellen zurückgreifen, die der Kunde selbst benutzt.
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Stöckchen und Paraden, Vernetzt
Schlagwort: Bloggen, Blogparade, Journalismus


hat bereits 207 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. März 2009 um 16:26:
Um einmal »Masse statt Klasse« umzudrehen: Wer nicht nur einen Blog liest sondern mehrere unabhängige zu den verschiedensten Themen, der wird sich ein freieres Bild zu einem Thema machen können als der, der sich eine Tageszeitung kauft und das glaubt/denkt was da drin steht, ganz vorn dabei natürlich die BILD. Mir sind fünf frei nach Schnauze und subjektiv verfasste Blog-Artikel wesentlich lieber als das Gelaber einer Tageszeitung.
Trotzdem werden die Blogger beim Weltgeschehen wohl nie den Zeitungen den Rang ablaufen, allein was die Quellen und Möglichkeiten angeht.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 6. März 2009 um 21:23:
Deine erster Satz ist mir auch durch den Kopf geschossen. Die Meinung vieler summiert und filtriert sich zur eigenen Meinung, da stimme 100% zu. Die BILD betrachte ich nicht als Zeitung, sondern als Fantasy-Comic, so fällt es mir leichter sie zu akzeptieren.