12 April

Immer wenn er Pillen nahm

Kategorie: Vernetzt — Jahrgang: 20106 Kommentare

Nach­dem ich die zweite Runde von Stof­fels Pro­jekt Sti­mu­lus ele­gant habe aus­fal­len las­sen, möchte ich mich mit der Teil­nahme an der drit­ten Runde wie­der zurück­mel­den, noch bevor die vierte auch noch an den Start gehen kann. Dies­mal lau­tet die Bedeu­tung: »Mit­tel, wel­ches zur beque­men, ora­len Ein­nahme kugel­för­mig oder oval geformt ist.« sei der als Schelm ver­schrien, der hier zwei­deu­tig denkt.

Mein Syn­onym ist die Pille, denn mit denen stehe ich seit mei­ner Jugend auf Kriegs­fuß. Ich habe es nie lei­den kön­nen krank zu sein. Ich fand es auch nicht cool mit einem neuen Ver­band oder einer sicht­ba­ren Bles­sur die Auf­merk­sam­keit der Freunde zu erha­schen. Ich war viel lie­ber Gesund, oder tat wenigs­tens so. Als ich als Jugend­li­cher dann aber erst­mals an einer Grippe erkrankte, war die Ein­nahme von Anti­bio­tika unaus­weich­lich gewor­den um mög­lichst schnell wie­der unter den Leben­den zu wei­len und die Umwelt mit mit Anwe­sen­heit zu beglü­cken. Aber irgend­wie wollte es der Zufall das ich bei­nahe an einer von die­sen Bun­ten Kap­seln erstickt bin, jeden­falls hat es sich Post­trau­ma­tisch so ange­fühlt. Akute Atem­not, der Ver­lust der Ori­en­tie­rung und voll­stän­dige Hilf­lo­sig­keit sind neben Röcheln, wür­gen und spu­cken die wich­tigs­ten Erken­nungs­merk­male, die auch mei­ner Eltern erkannte und mir durch beherzte Schläge auf den Rücken Lin­de­rung verschafften.

Was zunächst belang­los erscheint war für mich ein ein­schnei­den­des Erleb­nis, denn nie sollte ich wie­der auf nor­male Weise eine Tablette neh­men kön­nen. Immer wenn er Pil­len nahm, wurde er anders. Mir blie­ben die Pil­len häu­fig im Hals ste­cken und sorg­ten neben spon­ta­nem Erbre­chen auch für viel Saue­rei mei­nes Umfel­des. Auch heute noch muss ich mich kon­zen­trie­ren, wenn ich eine Tablette schlu­cken, noch heute nehme ich Tablet­ten ungerne und wei­che lie­ber auf andere Mit­tel aus. Solange es keine Zäpf­chen sind. Stan­ley Bea­mish1 wurde zum Super­mann, ich wurde zum Wasch­lap­pen. Aber viel­leicht hat die Sache auch seine posi­ti­ven Sei­ten, den durch die spar­ta­ni­sche Ein­nahme von Tablette in jeder Form, schal­tet eine ein­fa­che Kopf­schmerz­ta­blette heute immer noch bei mir den Schmerz aus und das schnell.

Das Video wurde lei­der entfernt!

  1. Stan­ley Bea­mish war unfrei­wil­li­ger und urko­mi­scher Held der TV-Serie »Immer wenn er Pil­len nahm« (Ori­gi­nal Mr. Ter­ri­fic) mit Ste­phen Strim­pell in der Haupt­rol­len, die 1970 im ZDF aus­ge­strahlt wurde []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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6 Kommentare

  1. Glück­wunsch, dass Kopf­schmerz­ta­blet­ten bei dir noch hel­fen… Ich krieg meins seit drei Tagen nich weg. Weder mir Homöo­pa­thie, noch mit Bol­lern wie Novamin.

  2. Auch wenn es dich viel­leicht nicht vom Schmerz befreit, ich leide mit Dir. Lei­dest du unter Migräne? Als ich etwa vor 8 Jah­ren »mal« im Kran­ken­haus lag und an der Niere ope­riert wurde, war die Welt danach nur mit Noval­gin zu ertra­gen (wohl­ge­merkt in Tropfen).

  3. Ich beneide Dich. :/ Bei mir hilft nichts mehr gegen Kopf­schmer­zen, auch kein Noval­gin. Meine Kopf­schmer­zen über­ste­hen sogar eine 5000mg-Infusion mit dem Zeug. :”)
    Ich hasse Tablet­ten auch, aber man gewöhnt sich not­ge­drun­gen auch daran. Im Moment muss ich täg­lich 4 neh­men — an guten Tagen wohl­ge­merkt ohne die Bedarfs­me­di­ka­tion, und das ist ein Rekord-Tief, es waren auch schon mal mehr als dop­pelt so viel. Die Novalgin-Tropfen finde ich so scheuß­lich, dass ich da doch lie­ber die Tablet­ten nehme, bei dem gewollt ekli­gen Geschmack kommt mir sonst schon ein Würgereiz.

  4. Kopf­schmer­zen sind ne ganz fiese Sache.
    Bei Schreib­tisch­tä­tern hat es oft­mals was mit ver­spann­ter Nacken­mus­ku­la­tur zu tun oder auch fal­scher Hal­tung oder bei­dem.
    Ein ande­res Kopf­kis­sen und eine andere Schlaf­po­si­tion kön­nen auch Wun­der wir­ken.
    Ich bin wet­ter­füh­lig, auch schick.… Momen­tan hab ich einen Kopf wie ein Rat­haus und ich HASSE Tabletten!!!

    Aber vie­len Dank für das kleine Video und die Hin­weise. Das war als Kind einer mei­ner Lieb­lings­sen­dun­gen. Voll­kom­men ver­strahlt *g*
    Alles Gute!

  5. Nein Migräne Gott sei Dank nicht. Das hatte ich mal für 7 Wochen als Neben­wir­kung von nem Medi­ka­ment — mit Aura — ich möchts nicht wie­der haben. Da bleib ich lie­ber bei Kopf­weh. In Trop­fen tut’s das doch auch ;)
    Tut ne Nie­renop so weh?

  6. @Jessica: 5g Infu­sion? Danach wäre mein Kopf sicher­lich nur noch Brei. Darum beneide ich dich nicht. Der Geschmack von den Trop­fen war für mich eigent­lich neben­säch­lich, ich war froh das ich keine »Bom­ben« neh­men musste, also Tablet­ten die einem so groß erschei­nen, das sie unmög­lich die Spei­se­röhre hin­un­ter­ge­lan­gen können.

    @Kingsizefairy: Dann haben wir ja den Tablet­ten­hass gemein­sam, glück­li­cher­weise bin ich weni­ger Wet­ter­füh­lig und emp­finde die Schreib­tisch­tä­tig­keit beim schrei­ben mei­nes Blogs eher als Ent­span­nung von mei­nem sonst kör­per­lich gepräg­ten Arbeitsalltag.

    @Moonica: Ver­rückte Welt auf der es Medi­ka­mente gegen die Sym­ptome von Medi­ka­men­ten gibt. Bei der Nieren-OP musste meine gesamte Niere ent­nom­men wer­den um sie umge­dreht wie­der ein­zu­set­zen. Die 14cm lange Narbe und das Gefühl einer Stras­sen­fräse in mei­nen Gedär­men mach­ten den Ein­satz unaus­weich­lich. Vor allem beim lachen :)

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