25 Februar

John Peels gesammelte Werke bald im Netz?

Kategorie: Fundgrube — Jahrgang: 2012Keine Kommentare

John PeelDass der groß­ar­tige John Peel Zeit sei­nes Lebens nicht weni­ger als 25.000 Alben und 40.000 Sin­gles gesam­melt hat, macht ihn nicht zur Legende. Dass er aber seine Arbeit stets unbe­kann­ten und unbe­ach­te­ten Künst­lern wid­mete, sie för­derte und ihnen in sei­nen »Peel Ses­si­ons« eine Platt­form bot, machte ihn zu einer der wich­tigs­ten musi­ka­li­schen Insti­tu­tio­nen der spä­ten 70er.  Er brachte hun­derte Künst­ler auf ihren Weg und sprengte die Ket­ten der Erfolglosigkeit.

Was wäre aus Sioux­sie & The Bans­hees gewor­den, wenn sie nicht am 29. Novem­ber 1977 bei John Peel eine Ses­sion ein­ge­spielt hät­ten? Wäre »Hong Kong Gar­den« 1978 jemals auf Platz 22 der Charts gelan­det und hätte der Band damit die Mög­lich­keit eröff­net, den Weg in die Ohren vie­ler Hörer zu fin­den? Wären aus Robert Smith und The Cure jemals Iko­nen gewor­den, wenn sie nicht am 4. Dezem­ber 1978 in einer Peel Ses­sion »10.15 Satur­day Night« und »Boys don’t Cry« auf­ge­führt hät­ten? Wir wis­sen es nicht. Fakt ist, dass Peel damit ein wich­ti­ger Weg­be­rei­ter des Gothic-Rock war.

Dem 2004 ver­stor­be­nen John Peel möchte man nun auf eine ganz groß­ar­tige Weise ein Museum widmen.

Ein Museum ist ein Ort, an dem Relikte längst ver­gan­ge­ner Zei­ten an das erin­nern sol­len, was war. In Glas­vi­tri­nen, Schau­käs­ten und hin­ter Absper­run­gen wer­den sie von den allzu neu­gie­ri­gen Besu­cher geschützt, die alles anfas­sen, berüh­ren oder mit­neh­men wol­len. Es ist meist still in einem Museum. Viele Besu­cher ver­schrän­ken die Arme hin­ter ihrem Rücken und lesen auf­merk­sam die ange­brach­ten Texte, die dem gezeig­ten den nöti­gen Hin­ter­grund ver­lei­hen. Glück­li­cher­weise ändern sich die Zei­ten und Museen wer­den erleb­ba­rer, unter­halt­sa­mer und inter­es­san­ter. Bringt man das ganze ins Inter­net, wird dar­aus ein für jeden erleb­ba­rer Raum, in dem man mit dem Maus­zei­ger sei­nen eige­nen Weg geht. Die Glas­schei­ben blei­ben jedoch.

Wie der NME berich­tet, soll dem legen­dä­ren Radio-DJ ein Online-Denkmal gesetzt wer­den.  Seine gesamte Musik­samm­lung soll digi­ta­li­siert wer­den und in einem Internet-Museum für jeden zugäng­lich gemacht wer­den. In einem inter­ak­ti­ven Museum soll dem Besu­cher die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wer­den, alle Titel zu hören, wäh­rend man dazu seine per­sön­li­chen Noti­zen lesen kann und auf Bedarf auch Inter­views sehen kann, in denen die Künst­ler von einst über ihre Erfah­run­gen berich­ten. Schade ist ledig­lich, dass aus der Idee des Muse­ums eine Aus­stel­lung wer­den wird, denn das bri­ti­sche Digital-Archiv »The Space« will die Samm­lung nur von Mai bis Okto­ber 2012 zur Ver­fü­gung stellen.

It is the first step in creating an interactive online museum with access to the entire collection, one of the most important archives in modern music history (...) The idea is to digitally recreate John’s home studio and record collection, which users will be able to interact with and contribute to, while viewing Peel’s personal notes, archive performances and new filmed interviews with musicians.

Frag­lich bleibt, wie Rech­te­ver­wer­ter und Plat­ten­fir­men damit umge­hen wer­den und ob das ganze in Deutsch­land über­haupt zu sehen sein wird.  Ich gebe die Hoff­nung nicht auf und bleibe opti­mis­tisch und weiß jetzt schon, wel­che Seite ich zwi­schen Mai und Okto­ber öfter besu­chen werde. Allein schon wegen dem hier:

Wer jetzt neu­gie­rig gewor­den ist, der sollte sich auch die Doku­men­ta­tion »John Peel’s Record Box« anschauen, die ich bei Nerd­core fand. Erin­nert mich immer wie­der an Klaus Farin, der sagte »Män­ner sam­meln Musik, Frauen hören sie«. So ganz trifft das auf John Peel wohl nicht zu. Er sam­melte nicht nur, son­dern hörte, sor­tierte und sen­dete sie auch.  Die Doku­men­ta­tion gibt einen Vor­ge­schmack auf das, was uns erwar­tet. Viel­leicht. Hoffentlich.

(Bild­quelle: Jim Barker@flickr.com, CC-by-nc-sa)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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