Nicht genug damit, dass Charlotte Roche mit ihrem Buch Feuchtgebiete so viel Erfolg gehabt hat, jetzt gibt es das ganze auch noch als Theaterstück. Auf der Bühne des neuen Theaters in Halle feierte das Stück diese Woche Premiere. »Ein Mädchen auf dem schrullig-eigenwilligen Weg den eigenen Körper zu entdecken« lautet der Konsenz des Stückes und soll damit die Angebotslücke des Theaterplans schließen.
Der Mönchengladbach Bastian Reiber ist mit von der Partie und übernimmt gleich mehrere Rollen unter anderem Helens Bruder und Jesus (?). Dafür hat er eine 4 jährige Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater absolviert. Das könnte eigentlich so stehenbleiben, wundert es mich doch, das ein so anspruchsloses und sinnfreies Werk ausgebildete Schauspieler braucht um den Dilettantismus der Story wiederzugeben.
Zweifelsohne wird das Stück ankommen, den der Zuschauer ist einfach neugierig darauf zu sehen, wie Helen ihren Körper entdeckt. Kunst oder Sensationslust? Die Berliner Regisseurin Christina Friedrich erteilte den Sensationsgeilen, die benutzte Tampons und Anal-Fissuren sehen wollten eine Absage, es gehe ihr um Tieferes und Höheres.
Wo sie das finden möchte ist mir unklar, im Buch von Charlotte Roche jedenfalls nicht. Da ist Interpretation und Phantasie gefragt um Tiefe ohne Schaufeln und Höhen ohne Leitern zu schaffen. Da war es schon ganz passend, das ich den Artikel beim täglichen Stuhlgang gelesen habe. Eigentlich sollte der Artikel ja in den Pressespiegel, aber ich bin ehrlich und gebe zu das ich von der Brisanz dieses Themas profitieren möchte ;) Wer dennoch neugierig bleibt, dem seien diverse Rezensionen ans Herz gelegt unter anderem die in der Welt und im Spiegel.



hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 7. Oktober 2008 um 22:24:
Komisch, ich höre über dieses Buch immer wieder großes Lob und abgrundtiefes entsetzen. Persönlich bin ich der Ansicht, dass Frau Roche auch auch je eine Seite des Buches komplett mit Wörtern wie »Anal, Muschi, Vagina, Schleim, Ficken…« hätte füllen können und einen ähnlichen Storytiefgang erreicht hätte — natürlich hätte sie damit auch ähnliches Entsetzen verursacht.
Wie man auf die Idee kommen kann das Buch als Theaterstück umzusetzen? Für mich gibt es da eigentlich nur 3 Möglichkeiten:
- Pornografie in quasi jeder Fetisch-Abartigkeit gleichzeitig
– so zensiert, dass es keinen Sinn mehr ergibt
– komplett neue Story mit dem prominenten Namen des Buchs beklebt um die Kassen zu füllen
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 8. Oktober 2008 um 15:34:
Da es sich ja nicht um Pornografie handeln soll und eine Zensur das Stück zu einer Kurzgeschichte verdammt, bleibt eigentlich nur Möglichkeit 3, die Kassen zu füllen.
Ich finde den Ansatz des Buches, die Provokation, ja prinzipiell nicht schlecht, auch wenn ich mir etwas mehr Tiefgang oder mindestens eine schlüssige Geschichte hätte. Da das aber meiner Meinung nach nicht vorhanden ist, kommen eben nur Punkt 3 in betracht. Leider.
hat bereits 203 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Oktober 2008 um 20:06:
http://www.youtube.com/watch?v=f6vBWI3fJOo <- das ist zum Thema ganz interessant…
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 9. Oktober 2008 um 23:03:
Nach dem kurzen Einblick den du mir verschafft hast schließt sich der Kreis. Es ist eben nicht alles Kunst & Kultur wo es draufsteht. Das rumrutschen in und auf Früchten gehört für mich nicht dazu. Das Video ist aber wirklich informativ und passt sehr gut zu diesem Beitrag.