12 März
Die Feinde des Internet
Die Reporter ohne Grenzen sind die internationalen Wächter der Meinungsfreiheit. Seit 1985 beobachtet, erfasst und veröffentlicht die Organisation wo in der Welt die Meinungsfreiheit von Journalisten untergraben, blockiert und zensiert wird. Gestern war der Welttag gegen Internetzensur, an dem auch die aktuellen Analyse Internet Enemies vorgestellt wurde. Darin liefern die Reporter ohne Grenzen eine der umfangreichsten Bestandsaufnahmen wo in der Welt nicht nur Journalisten, sondern auch Blogger und Internetnutzer kontrolliert werden. Angesichts dieses erschreckenden Berichts, verhallen die eigenen Probleme mit Datenschutz und Internetzenur zu einem leisen Flüstern. Spiegel Online befürchtet, das Saubermänner selten werden, denn auch in Deutschland stehen bereits Sperrlisten diskutiert werden, die den Provider vorschreiben, welche Internetseiten zu sperren sind.
Zur Zeit sind etwa 70 Blogger und sogenannte Internet-Aktivisten in Haft, weil sie von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit im Internet Gebrauch gemacht oder gegen haarsträubende Gesetze verstoßen haben. China hat mit 50 inhaftierten Bloggern die Nase vorn, gefolgt von Vietnam (7) und dem Iran (4).
- Birma: Das Land mit seinen rund 50 Millionen Einwohnern zählt zu den Internet Entwicklungsstaaten. Lediglich 0,084% aller Einwohner nennen einen Internetanschluss ihr eigen. Dafür ist die staatliche Überwachung des Netzverkehrs umso radikaler. Regierungskritische Blogger werden zu hohen Haftstrafen verurteilt, die Betreiber von Internetcafés müssen die Persönlichen Daten ihrer Kunden festhalten und für eine private Internetverbindung ist die Genehmigung des Staates notwendig. 2 Blogger sitzen derzeit in Haft, der 28-jährige Nay Phone Latt hat wegen subversiven Verhalten 12 Jahre Haft, der Comedian Zarganar, der sich über die Missstände im eigenen Land äußerte, wurde zu 35 Jahren verurteilt.
- China: Nicht erst seit der Olympiade ist bekannt, das das Netz in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde kontrolliert und zensiert wird. Rund 40.000 staatliche Mitarbeiter sind damit beschäftigt, den Netzverkehr der rund 300 Millionen (!) Chinesen mit Internetanbindung zu überwachen, zu zensieren und zu kontrollieren. Über eine konkrete Anzahl verhafteter Blogger ist nichts bekannt, die chinesischen Staatsgefängnisse beherbergen jedoch 49 sogenannte Cyber-Dissidenten, die Dunkelziffer liegt vermutlich sehr viel höher.
- Saudi-Arabien: Mehr als 400.000 Internetseiten sind aus diesem Land nicht zu erreichen, wer sich dort aufhält und schnell bei MySpace die neuesten Nachrichten lesen möchte, hat schlechte Karten. Sie ist eine der Seiten, die das Königreich als unmoralisch ansehen. Immer wieder werden Blogger inhaftiert, weil sie die Prinzipien der islamischen Religion oder die sozialen Normen angreifen oder verletzen.
- Iran: Der Iran ist immer noch der »größte Feind des Internets«. Im Jahr 2008 wurde rund 5 Millionen Internetseiten blockiert, darunter YouTube, Facebook und Orkut. Das erstellen von Blogs und ähnlichen Meinungsbildenden Internetseiten ist strafbar und wird im Keim erstickt. 17 Blogger wurden 2008 inhaftiert, 4 sitzen immer noch in Haft.
Wer jetzt abwinkt und die massive Zensur nur den islamistischen, kommunistischen oder fundamentalistisch regierten Ländern in die Schuhe schiebt, ist auf dem Holzweg. Sicherlich ist es eine logische Konsequenz, das in Länder, in denen Menschenrechte und informelle Selbstbestimmung eine untergeordnete Rolle spielen, die Rechte der Bürger auf allen Wegen der Kommunikation eingeschränkt werden. Zensur ist schon immer auch ein Teil einiger demokratisch regierten Länder gewesen.
- Australien: Die staatliche Behörde ACMA sperrt immer wieder Internetseiten, über die sich »Bürger« beschweren. Eine Anti-Terror Gesetzgebung erlaubt den Behörden als verdächtig angesehene E-Mails anzufangen. Ein aktueller Gesetzesentwurf sieht vor, das die Regierung die Internetprovider verpflichten kann, Internetseiten sperren zu lassen. 1300 Seiten sind aktuell gesperrt, weitere 10.000 sind auf einer Verdächtigungsliste.
- Süd Korea: Das Land, in dem 76.1% aller Bürger einen Zugang zum Internet haben gibt sich in der Öffentlichkeit gerne demokratisch und westlich orientiert, dennoch beschäftigt es rund 1000 Polizeibeamte, die Chat-Räume und Foren auf deren Inhalt überprüfen. Unter dem Deckmäntelchen der Landessicherung und Bewahrung der inneren Ruhe, werden immer wieder Blogger und andere aktive Nutzer unter Druck gesetzt oder inhaftiert.
Der Bericht spricht auch von der neuen Form der partizipativen Zensur, den Regierungen einiger Regierungen nutzen die Kommentarfunktion von Blogs, Netzwerke wie Facebook oder Microblogging Dienste wie Twitter um gezielt Meinungen und Ansichten der Bürger zu lenken. Sie organisieren Hackerangriffe um Online-Inhalte zu blockieren. Um Kritik im internationalen Internet einzudämmen, bezahlte die chinesische Regierung zu den Olympische Spielen User dafür, regierungsfreundliche Kommentare in Foren und Blogs zu platzieren um das Bild in ihrem Sinne zurechtzurücken. In allen westlichen Länder ist das auch ein Mittel der Industrie, ihre Produkte zu bewerben, gezielte Meinung zu Produkten zu platzieren ist eine günstige Form der Werbung.
Dennoch bleibt festzuhalten — und das ist auch die abschließende Aussage in diesem Bericht — das Internet ist in vielen Ländern immer noch das unabhängigste Mittel der Informationsverbreitung. Jeder ist angehalten etwas dazu beizutragen und der Schlange der Zensur endgültig den Kopf abzuschlagen, denn immer wieder wachsen neue, noch gefährlichere Köpfe heran.
(Bildquelle: Wikipedia)
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Vernetzt
Schlagwort: Blogger, Sperrlisten, zensur

