24 April
Das Kind in Dir - Urlaub mit den Eltern
Mittlerweile ist Heunis Serie Das Kind in Dir in der fünften Runde angelangt und schon einige male an mir Vorbeigezogen, ich möchte aber diese Runde wieder dabei sein, denn es geht um den gemeinsame Urlaub mit den Eltern, den ich ganz besonders in Erinnerung habe, denn wir sie jedes Jahr zum gleich Ort gefahren den Schwarzwald.
Meine Eltern hatten nie ein Auto und auch keinen Führerschein, so verreisten wir stets mit dem Zug. Ich empfand die Zugreise immer als besonders spannend, denn die Zugstrecke zum Schwarzwald führt zu großen Teilen direkt am Rhein entlang und gehört für mich auch heute noch zu eine der schönsten Zugstrecken in Deutschland. Von Freiburg aus schlängelt sich der Zug geschickt durch die Täler des Schwarzwaldes um viele spannende Tunnel und einige Höhenmeter hinter sich zu lassen. Es gab für mich als Kind nichts aufregenderes als das Pfeifen des Zuges bevor er für Sekunden in der Dunkelheit verschwindet oder sich in den Hang eingebettet durch Täler und Schluchten schlängelt. So fuhren wir jedes Jahr in den Urlaub, der uns nicht nur an immer den gleichen Ort führte sondern auch in die gleiche Unterbringung, einen kleinen Bauernhof in Saig nahe dem Örtchen Lenzkirch.
Wandern stand dabei immer im Mittelpunkt der Reise und als Kind hatte man natürlich nur beschränkte Möglichkeiten darauf Einfluss zu nehmen. Meine Begeisterung hielt sich natürlich in verständlicherweise kleinen Rahmen, gerade wenn es bergauf oder bergab ging. Aber irgendwie und vor allem rückblickend war das ein schöne Zeit. Der Urlaub auf dem Bauernhof entpuppte sich nämlich als Mekka für Abenteuerlustige Jungs wie mich, bei dem schon mal ein Bollerwagenausflug am Hang im örtlichen Krankenhaus mit einer Platzwunde endete. Der Bauer fand Gefallen an mir, weil ich zupacken konnte und nicht vor körperlichem Gesamteinsatz zurückschreckte. Belohnt wurde das immer mit einer Fahrt auf dem Sozius seines Porsche-Treckers in den nahe gelegenen Wald wo ich ihm beim Bäumefällen assistieren durfte. Ich war zwar zum Gefallen meiner Mutter von oben bis unten mit Baumharz bedeckt, dafür war ich als selig und müde.
Highlight war aber immer das Reisen und so kam es, das ich bei einer Rückreise für eine besondere Anekdote sorgte: Die Bäuerin gab mir 5 DM mit auf den Weg, damit ich mir am Bahnhof meine heiß geliebte »Bluna-Limonade« besorgen konnte. Doch am Bahnhof packte mich wohl der Ehrgeiz und ich fasste den Plan, meinen Eltern eine Freude zu machen. Auf der Toilette der Bahnhofskneipe, in der wir auf den Zug warteten, fand ich einen Automaten vor, den ich fälschlicherweise für einen Erfrischungstücherspender hielt. Die nassen kleinen Lappen waren bei uns sehr beliebt so dass ich mich entschloss mich mit einer Packung zum Preis von 5 DM an der Reise zu beteiligen. Mit den Worten »Hier ist mein Beitrag zur Reise!« knallte ich meinen Eltern die Packung auf den Tisch. Sichtlich erschrocken blickten sich meine Eltern an und sondierten dann, ob das schon jemand der anderen Anwesenden mitbekommen hatte. Meine Mutter flüsterte meinem Vater zu: »Das erklärst DU ihm jetzt aber…«. Und so kam es, das ich Pariser nicht mehr für Einwohner einer Stadt hielt, sondern für Regenmäntel des männlichen Gliedes.
Mit 14 machte ich dann meine ersten »eigenen« Reisen im Rahmen einer Jugendfreizeit, auf den Schwarzwald konnte ich eine Zeit lang verzichten. Doch vor ein paar Jahren zog es mich aus mir noch unbekannten Gründen dorthin zurück um in den eigenen Pfaden der Jugend zu wandeln und all die Dinge zu machen, die ich als Kind im Urlaub mit meinen Eltern nie machen durfte.
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: Stöckchen und Paraden
Schlagwort: Blogparade, Das Kind in Dir, Urlaub


hat bereits 162 Kommentare abgegeben und schrieb am 30. April 2010 um 10:10:
Köstliche Anekdote, das mit den Parisern :)
Ich zermartere mir gerade das Gehirn, was meine Kindheitsurlaube angeht, aber so oft sind wir irgendwie nicht weg. Wenn, dann waren wir in der mütterlichen Heimat an der Ostsee, und da erinnere ich mich eher an das Spielen mit den Kindern der Freundin meiner Mutter und vielleicht noch ein bisschen Ostsee-Strand… (ach doch, Moment, ich glaube da gab’s für den kleinen Karnstein zum ersten mal die Erfahrung von Oben-ohne-Sonnenbaden, hoioioi…).
Und ich erinnere mich, dass ich bei einem der letzten Ausflüge (so mit 10 schätze ich) gerade voll auf einem AC/DC-Tripp war. Ohne den ersten eigenen Walkman hätte ich meine Eltern vermutlich mit meinem Highway-to-Hell-Marathon in den Wahnsinn getrieben…
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 5. Mai 2010 um 23:54:
Mit 10 auf dem AC/DC Trip? Respekt! Du machst offensichtlich keine halben Sachen, was auch das Oben-ohne-Sonnenbaden erklären würde, aber schließlich war das an der Ostsee schon immer angesagt. »Während man an der Nordsee noch im Matsch wandert, werden an der Ostsee lustig die Brüste ausgepackt…« — Ein zusammenhangloses Zitat. Ich frage mich gerade, in welchem Alter ich nicht mehr so unbekümmert mit der eigenen Nacktheit umgegangen bin…