24 April

Das Kind in Dir - Urlaub mit den Eltern

Kategorie: Stöckchen und Paraden,Vernetzt — Jahrgang 2010

Das Kind in DirMitt­ler­weile ist Heu­nis Serie Das Kind in Dir in der fünf­ten Runde ange­langt und schon einige male an mir Vor­bei­ge­zo­gen, ich möchte aber diese Runde wie­der dabei sein, denn es geht um den gemein­same Urlaub mit den Eltern, den ich ganz beson­ders in Erin­ne­rung habe, denn wir sie jedes Jahr zum gleich Ort gefah­ren den Schwarzwald.

Meine Eltern hat­ten nie ein Auto und auch kei­nen Füh­rer­schein, so ver­reis­ten wir stets mit dem Zug. Ich emp­fand die Zug­reise immer als beson­ders span­nend, denn die Zug­stre­cke zum Schwarz­wald führt zu gro­ßen Tei­len direkt am Rhein ent­lang und gehört für mich auch heute noch zu eine der schöns­ten Zug­stre­cken in Deutsch­land. Von Frei­burg aus schlän­gelt sich der Zug geschickt durch die Täler des Schwarz­wal­des um viele span­nende Tun­nel und einige Höhen­me­ter hin­ter sich zu las­sen. Es gab für mich als Kind nichts auf­re­gen­de­res als das Pfei­fen des Zuges bevor er für Sekun­den in der Dun­kel­heit ver­schwin­det oder sich in den Hang ein­ge­bet­tet durch Täler und Schluch­ten schlän­gelt. So fuh­ren wir jedes Jahr in den Urlaub, der uns nicht nur an immer den glei­chen Ort führte son­dern auch in die glei­che Unter­brin­gung, einen klei­nen Bau­ern­hof in Saig nahe dem Örtchen Lenzkirch.

Mit Dad beim wandernWan­dern stand dabei immer im Mit­tel­punkt der Reise und als Kind hatte man natür­lich nur beschränkte Mög­lich­kei­ten dar­auf Ein­fluss zu neh­men. Meine Begeis­te­rung hielt sich natür­lich in ver­ständ­li­cher­weise klei­nen Rah­men, gerade wenn es berg­auf oder bergab ging. Aber irgend­wie und vor allem rück­bli­ckend war das ein schöne Zeit. Der Urlaub auf dem Bau­ern­hof ent­puppte sich näm­lich als Mekka für Aben­teu­er­lus­tige Jungs wie mich, bei dem schon mal ein Bol­ler­wa­genaus­flug am Hang im örtli­chen Kran­ken­haus mit einer Platz­wunde endete. Der Bauer fand Gefal­len an mir, weil ich zupa­cken konnte und nicht vor kör­per­li­chem Gesamt­ein­satz zurück­schreckte. Belohnt wurde das immer mit einer Fahrt auf dem Sozius sei­nes Porsche-Treckers in den nahe gele­ge­nen Wald wo ich ihm beim Bäu­me­fäl­len assis­tie­ren durfte. Ich war zwar zum Gefal­len mei­ner Mut­ter von oben bis unten mit Baum­harz bedeckt, dafür war ich als selig und müde.

High­light war aber immer das Rei­sen und so kam es, das ich bei einer Rück­reise für eine beson­dere Anek­dote sorgte: Die Bäue­rin gab mir 5 DM mit auf den Weg, damit ich mir am Bahn­hof meine heiß geliebte „Bluna-Limonade” besor­gen konnte. Doch am Bahn­hof packte mich wohl der Ehr­geiz und ich fasste den Plan, mei­nen Eltern eine Freude zu machen. Auf der Toi­lette der Bahn­hofs­kneipe, in der wir auf den Zug war­te­ten, fand ich einen Auto­ma­ten vor, den ich fälsch­li­cher­weise für einen Erfri­schungs­tü­cher­spen­der hielt. Die nas­sen klei­nen Lap­pen waren bei uns sehr beliebt so dass ich mich ent­schloss mich mit einer Packung zum Preis von 5 DM an der Reise zu betei­li­gen. Mit den Wor­ten „Hier ist mein Bei­trag zur Reise!” knallte ich mei­nen Eltern die Packung auf den Tisch. Sicht­lich erschro­cken blick­ten sich meine Eltern an und son­dier­ten dann, ob das schon jemand der ande­ren Anwe­sen­den mit­be­kom­men hatte. Meine Mut­ter flüs­terte mei­nem Vater zu: „Das erklärst DU ihm jetzt aber…”. Und so kam es, das ich Pari­ser nicht mehr für Ein­woh­ner einer Stadt hielt, son­dern für Regen­män­tel des männ­li­chen Gliedes.

Mit 14 machte ich dann meine ers­ten „eige­nen” Rei­sen im Rah­men einer Jugend­frei­zeit, auf den Schwarz­wald konnte ich eine Zeit lang ver­zich­ten. Doch vor ein paar Jah­ren zog es mich aus mir noch unbe­kann­ten Grün­den dort­hin zurück um in den eige­nen Pfa­den der Jugend zu wan­deln und all die Dinge zu machen, die ich als Kind im Urlaub mit mei­nen Eltern nie machen durfte.

2 Kommentare

  1. Köst­li­che Anek­dote, das mit den Parisern :)

    Ich zer­mar­tere mir gerade das Gehirn, was meine Kind­heits­ur­laube angeht, aber so oft sind wir irgend­wie nicht weg. Wenn, dann waren wir in der müt­ter­li­chen Hei­mat an der Ost­see, und da erin­nere ich mich eher an das Spie­len mit den Kin­dern der Freun­din mei­ner Mut­ter und viel­leicht noch ein biss­chen Ostsee-Strand… (ach doch, Moment, ich glaube da gab’s für den klei­nen Karn­stein zum ers­ten mal die Erfah­rung von Oben-ohne-Sonnenbaden, hoioioi…).
    Und ich erin­nere mich, dass ich bei einem der letz­ten Aus­flüge (so mit 10 schätze ich) gerade voll auf einem AC/DC-Tripp war. Ohne den ers­ten eige­nen Walk­man hätte ich meine Eltern ver­mut­lich mit mei­nem Highway-to-Hell-Marathon in den Wahn­sinn getrieben…

  2. Mit 10 auf dem AC/DC Trip? Respekt! Du machst offen­sicht­lich keine hal­ben Sachen, was auch das Oben-ohne-Sonnenbaden erklä­ren würde, aber schließ­lich war das an der Ost­see schon immer ange­sagt. „Wäh­rend man an der Nord­see noch im Matsch wan­dert, wer­den an der Ost­see lus­tig die Brüste aus­ge­packt…” — Ein zusam­men­hang­lo­ses Zitat. Ich frage mich gerade, in wel­chem Alter ich nicht mehr so unbe­küm­mert mit der eige­nen Nackt­heit umge­gan­gen bin…

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