Schon eine ganze Zeit habe ich die Aktion Das Kind in Dir von Heuni in meinem Google-Feed-Reader und immer wieder erfreue ich mich an den kleinen Anekdoten die es aus den Tiefen mancher Teilnehmer zaubert. In der 10. Jubiläumsrunde geht es Heuni um die Kindergeburtstage die man gefeiert hat, eine Gelegenheit das Internet mit einer Anekdote zu versorgen, die mir just in den Sinn gekommen ist.
Kindergeburtstage sind ein beinahe traumatisches Erlebnis, denn ich habe eigentlich nie Kindergeburtstage gefeiert und beinahe traumatisch, weil ich darunter eigentlich nie gelitten habe und noch bis heute nicht leide. Ich muss dazu etwas weiter ausholen. Natürlich weiß nicht wirklich jemand, wann sein erster Geburtstag gefeiert wurde, oder wann man seine ersten Kerzen dazu ausgeblasen hat — denn in dieser frühzeitlichen Entwicklung seiner Persönlichkeit ist man ja eher das Opfer seiner Erziehungsberechtigten. Die haben in meinem Fall keinen wirklichen Wert darauf gelegt mich auf meinem Geburtstag in Szene zu setzen, Weihnachten waren eigentlich die Feiertage der Feiertage. So erinnere ich mich erstmals an eine Geburtsfeier als ich im Kindergarten war, mehr dunkel, aber aus Erzählungen formt sich daraus ein Bild.
Ich habe als Kind immer sehr darunter gelitten, das meine Eltern nicht im Besitz eines Führerscheins und demzufolge auch nicht im Besitz eines Kraftfahrzeuges waren, denn im Kindergarten vergleicht man sich mit anderen Kinder auch anhand der Statussymbole der Eltern. So habe ich dann versucht, das zu kompensieren in dem ich erzählte, wir hätten 7 Fernseher, was die Kinder aus dem Kindergarten natürlich sehen wollten und — ihr könnt es euch denken — bitter enttäuscht wurden. So kam es wohl, das ich nie viele Freunde hatte und auch mein erster Geburtstag den ich feierte war eher dürftig besucht. Ganze 6 Seelen versammelten sich um unsere großen weißen Wohnzimmertisch, immerhin stilecht mit Hütchen, bunten Servietten, Kuchen und Kakao, dazu eine bemühte Mutter und eine eher genervte Schwester. Viel mehr ist davon eigentlich nicht hängen geblieben, denn danach feierte ich meine Geburtstage nicht mehr im klassischen Sinne, sondern eher im kleinsten Kreis. Intim möchte man sagen.
Versteht mich nicht falsch, meine Eltern feierten ihre Geburtstage auch eher sporadisch und sehr minimalistisch, meine Schwester ebenso. Ich habe es also nie wirklich anders kennengelernt und vermisse deshalb auch keine Erinnerungen daran. Als Kind genoss ich lediglich die Privilegien, die einem an seinem Geburtstag eingeräumt wurden: Essen nach Wunsch, lange aufbleiben, ungehemmt Fernsehen gucken und natürlich Geschenke, möglichst eingepackt und kindgerecht. Mir konnte man mit Lego immer eine Freude machen, später kamen Bücher und Hörspiele von TKKG und den drei Fragezeichen dazu. Lenkende Geschenke, wie andersartige Literatur und Prosa habe ich mit Missachtung gestraft.
Als Jugendlicher empfand ich Geburtstagspartys sogar als uncool und habe mich in meiner Selbstfindungsphase auch nicht wirklich gestört. Geschenke in Form von Geld gewannen nun zunehmend an Attraktivität. Zu meinem 18. Geburtstag schenkten meine Eltern mir das Geld für den Führerschein, mein zu dieser Zeit wichtigstes Geschenk, gerade vor dem Hintergrund jahrelanger Radfahrerei. Auch wenn es komisch klingt, ich feiere meine Geburtstage immer noch nicht gerne. Bis auf einige fremd organisierte Feiern, die ich natürlich nicht ablehne, ist alles so geblieben wie es einmal war. Ich bin neugierig, wie es den anderen Teilnehmern heute ergeht.



hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 29. Juli 2010 um 17:32:
Geburtstag feiert man mit zunehmenden Alter glaube ich generell immer weniger gern, erinnert er einen doch immer so sehr ans Altwerden ;-)