28 Juli

Das Kind in dir - Kindergeburtstage

Kategorie: Stöckchen und Paraden, Vernetzt — Jahrgang: 20101 Kommentar

Das Kind in DirSchon eine ganze Zeit habe ich die Aktion Das Kind in Dir von Heuni in mei­nem Google-Feed-Reader und immer wie­der erfreue ich mich an den klei­nen Anek­do­ten die es aus den Tie­fen man­cher Teil­neh­mer zau­bert. In der 10. Jubi­lä­ums­runde geht es Heuni um die Kin­der­ge­burts­tage die man gefei­ert hat, eine Gele­gen­heit das Inter­net mit einer Anek­dote zu ver­sor­gen, die mir just in den Sinn gekom­men ist.

Kin­der­ge­burts­tage sind ein bei­nahe trau­ma­ti­sches Erleb­nis, denn ich habe eigent­lich nie Kin­der­ge­burts­tage gefei­ert und bei­nahe trau­ma­tisch, weil ich dar­un­ter eigent­lich nie gelit­ten habe und noch bis heute nicht leide. Ich muss dazu etwas wei­ter aus­ho­len. Natür­lich weiß nicht wirk­lich jemand, wann sein ers­ter Geburts­tag gefei­ert wurde, oder wann man seine ers­ten Ker­zen dazu aus­ge­bla­sen hat — denn in die­ser früh­zeit­li­chen Ent­wick­lung sei­ner Per­sön­lich­keit ist man ja eher das Opfer sei­ner Erzie­hungs­be­rech­tig­ten. Die haben in mei­nem Fall kei­nen wirk­li­chen Wert dar­auf gelegt mich auf mei­nem Geburts­tag in Szene zu set­zen, Weih­nach­ten waren eigent­lich die Fei­er­tage der Fei­er­tage. So erin­nere ich mich erst­mals an eine Geburts­feier als ich im Kin­der­gar­ten war, mehr dun­kel, aber aus Erzäh­lun­gen formt sich dar­aus ein Bild.

Ich habe als Kind immer sehr dar­un­ter gelit­ten, das meine Eltern nicht im Besitz eines Füh­rer­scheins und dem­zu­folge auch nicht im Besitz eines Kraft­fahr­zeu­ges waren, denn im Kin­der­gar­ten ver­gleicht man sich mit ande­ren Kin­der auch anhand der Sta­tus­sym­bole der Eltern. So habe ich dann ver­sucht, das zu kom­pen­sie­ren in dem ich erzählte, wir hät­ten 7 Fern­se­her, was die Kin­der aus dem Kin­der­gar­ten natür­lich sehen woll­ten und — ihr könnt es euch den­ken — bit­ter ent­täuscht wur­den.  So kam es wohl, das ich nie viele Freunde hatte und auch mein ers­ter Geburts­tag den ich fei­erte war eher dürf­tig besucht. Ganze 6 See­len ver­sam­mel­ten sich um unsere gro­ßen wei­ßen Wohn­zim­mer­tisch, immer­hin stil­echt mit Hüt­chen, bun­ten Ser­vi­et­ten, Kuchen und Kakao, dazu eine bemühte Mut­ter und eine eher genervte Schwes­ter. Viel mehr ist davon eigent­lich nicht hän­gen geblie­ben, denn danach fei­erte ich meine Geburts­tage nicht mehr im klas­si­schen Sinne, son­dern eher im kleins­ten Kreis. Intim möchte man sagen.

Ver­steht mich nicht falsch, meine Eltern fei­er­ten ihre Geburts­tage auch eher spo­ra­disch und sehr mini­ma­lis­tisch, meine Schwes­ter ebenso. Ich habe es also nie wirk­lich anders ken­nen­ge­lernt und ver­misse des­halb auch keine Erin­ne­run­gen daran. Als Kind genoss ich ledig­lich die Pri­vi­le­gien, die einem an sei­nem Geburts­tag ein­ge­räumt wur­den: Essen nach Wunsch, lange auf­blei­ben, unge­hemmt Fern­se­hen gucken und natür­lich Geschenke, mög­lichst ein­ge­packt und kind­ge­recht. Mir konnte man mit Lego immer eine Freude machen, spä­ter kamen Bücher und Hör­spiele von TKKG und den drei Fra­ge­zei­chen dazu. Len­kende Geschenke, wie anders­ar­tige Lite­ra­tur und Prosa habe ich mit Miss­ach­tung gestraft.

Als Jugend­li­cher emp­fand ich Geburts­tags­par­tys sogar als uncool und habe mich in mei­ner Selbst­fin­dungs­phase auch nicht wirk­lich gestört. Geschenke in Form von Geld gewan­nen nun zuneh­mend an Attrak­ti­vi­tät. Zu mei­nem 18. Geburts­tag schenk­ten meine Eltern mir das Geld für den Füh­rer­schein, mein zu die­ser Zeit wich­tigs­tes Geschenk, gerade vor dem Hin­ter­grund jah­re­lan­ger Rad­fah­re­rei. Auch wenn es komisch klingt, ich feiere meine Geburts­tage immer noch nicht gerne. Bis auf einige fremd orga­ni­sierte Fei­ern, die ich natür­lich nicht ablehne, ist alles so geblie­ben wie es ein­mal war. Ich bin neu­gie­rig, wie es den ande­ren Teil­neh­mern heute ergeht.

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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1 Kommentar

  1. Geburts­tag fei­ert man mit zuneh­men­den Alter glaube ich gene­rell immer weni­ger gern, erin­nert er einen doch immer so sehr ans Altwerden ;-)

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