2 Dezember
Ausverkauf einer Band: NIN auf Ebay
Nach ihrer gelungenen Abschlusstournee Wave Goodbye, auf der selbst Gary Numan seinem Hit Cars zu neuen Ehren verhalf, stellte man sich die Frage was Trent Reznor und seine Band, die Nine inch Nails als nächstes anstellen würden. Obwohl sie eine längere Ruhepause ankündigten war sich so ziemlich jeder sicher, dass das nicht alles gewesen sein kann. Was macht man am besten um etwas neues, frisches zu machen? Man trennt sich von alten Gewichten, die einen in ein Klischee pressen, das man eigentlich nie wollte. Und so berichtet der Guardian, das die NIN jetzt erstmal ihre Instrumente bei Ebay verkaufen.
Zunächst widmet man sich auf Ebay der umfangreichen Gitarrensammlung von etwa 20 Instrumenten, in den nächsten Wochen soll ein großer Teil des restlichen Equipments folgen: "Hundreds of items will be listed over the next several weeks such as guitars, keyboards, amplifiers, drums, staging, anvil cases, cables, rack/outboard gear, guitar effects, and pedal boards. Check the eBay page regularly for new listings, or follow @nineinchnails on Twitter for updates.”, schreibt man dazu auf der Homepage der Nine inch Nails. Kein Wunder das die Teile schnell ein vielfaches ihres Wertes erreichen, ein solches Banjitar wie auf dem Bild zu sehen ist für etwa ein Viertel des aktuellen Gebots bei Amazon zu haben. „Then again, rock-star gear can attract rock-star prices.” sagt der Guardian. Man wird das Gefühl nicht los, das man Teil von etwas neuem ist, denn niemand scheint wirklich zu erwarten was die Band macht. Erst verschenken sie das Album The Slip als kostenlosen Download und stellen es auch noch unter CC Lizenz.
Als wäre das nicht schon genug, lizensieren sie noch eine von Fans produzierte DVD „The Downward Spiral”, die ebenfalls downloadbar ist oder die man sich auf YouTube gleich in HD angucken kann. Ja, ich bin beeindruckt. Wo andere nach Urheberrechtsverletzungen suchen, Plattenfirmen um ihre Einnahmen fürchten oder auch nur Schnipsel aus dem Material kostenpflichtig abmahnt gehen die NIN einen ganz anderen Weg und sind damit vielleicht Wegbereiter einer ganz neuen Vermarktungskultur, in der nicht Major-Labels den Markt kontrollieren, sondern die Bands selber, Selbstvermarktung und globale Vernetzung machen es möglich. Das die Fans und die Netzgemeinde sie deswegen lieben dürfte man sich vorstellen können, aber hat dieses Modell Zukunft oder sollte ein Vorbild für manch anderen sein? (via Nerdcore)
hat bereits 72 Kommentare abgegeben und schrieb am 2. Dezember 2009 um 14:42:
Das Modell hat schon Zukunft, aber es war dennoch erstaunlich wie wenig Leute the Slip dann trotzdem gekauft haben. Ein solche Strategie ist auf Dauer finanziell nicht ganz so erträglich, und Reznor konnte dies auch nur machen, weil er von den früheren Alben genügend Kapital hatte. Kleinere Bands sind aber auf gewisse Einnahmen angewiesen, damit sie schon nur die Produktionskosten decken können. Die ständig abnehmende Bereitschaft noch was für Musik zu bezahlen kommt da auch eher ungelegen.
Die Idee der Selbstvermarktung finde ich aber gut, denn Majorlabels zocken die Käufer nicht nur ab, sie fördern auch nur Musik die sich leicht verkaufen lässt. Im heutigen Netzzeitalter ist es glücklicherweise auch etwas leichter sich selbst zu vermarkten.
Ach, irgendwie schon traurig, dass Schluss mit NIN ist…
hat bereits 42 Kommentare abgegeben und schrieb am 2. Dezember 2009 um 14:59:
Es muss ja nicht jede Band das ganze Album verschenken, aber beispielsweise ein Basis-Album mit 8 Tracks und dann auf der „Limited Boxed Edition” vier Bonus-Tracks. Oder man verkauft das Album als Download für einen Preis der sich nicht nur ein paar Cent von dem unterscheidet was die CD im Laden kostet.
Dass iTunes so gut läuft wundert mich immer wieder. Die Differenz je Album ist im Vergleich zu einer richtigen CD eher gering, da greifen doch eigentlich die, die genug Geld haben lieber zur CD und die, die keine 15 Euro pro CD haben ziehen sich die Musik eben kostenlos und illegal. Genau für die letztere Gruppe sollte man eine gute Alternative schaffen: Für zwei oder drei Euro kaufe ich mir ein Album auch ohne vorher reingehört zu haben wenn ich die Band kenne und bisher mochte, bei 10 Euro hör ich vorher auf jeden Fall rein und wenn nur ein Lied davon zuviel nicht meinen Geschmack trifft bleibt das Album im Laden.
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 3. Dezember 2009 um 01:03:
@Atanua: Ich meine natürlich mit dem Geschäftsmodell nur das mit der Selbstvermarktung abseits der üblichen Wege, nicht das verschenken von Alben :) Ich bin bereit für Musik Geld zu bezahlen, wenn ich weiß das das Geld beim Künstler ankommt und nicht in einem unglaublichen industriellen Getriebe versickert. Und ich bin überzeugt: Das war nicht das letzte was wir von NIN und Mr. Reznor gehört haben :)
@Thomas: Das Problem ist meiner Meinung nach das bereits erwähnte Getriebe der Musikindustrie. Von den 99 Cent für einen Song erhält der Künstler nur einen Bruchteil, das meiste versickert in einem riesigen Wasserkopf.
hat bereits 42 Kommentare abgegeben und schrieb am 3. Dezember 2009 um 11:57:
Das ist mir klar, da kassiert erstmal iTunes kräftig ab, dann das Label und der Künstler darf sich dann über das verbleibende Rotgeld freuen. Wobei mir in Zeiten von Facebook, Twitter und Co. nicht mehr ganz in den Kopf will, warum eine Band (gerade die angesprochenen kleinen Bands) sich mit Labeln rumschlagen. Klar geht es ums Geld, aber dann kommt der Erfolg eben etwas langsamer und setzt sich dafür auch durch.
hat bereits 1007 Kommentare abgegeben und schrieb am 16. Januar 2010 um 01:20:
Schwer zu sagen. Ich denke spätestens dann, wenn man von der Musik leben muss, bekommt Geld eine ganz entscheidende Rolle und Selbstvermarktung ist noch zu unsicher, deshalb kann ich den Schritt sich einem Label anzuschliessen fast nachvollziehen.