2 Dezember

Ausverkauf einer Band: NIN auf Ebay

Kategorie: Dunkle Klänge, Schwarzes Netz, Vernetzt — Jahrgang 2009

nin banjo gitarreNach ihrer gelungenen Abschlusstournee Wave Goodbye, auf der selbst Gary Numan seinem Hit Cars zu neuen Ehren verhalf, stellte man sich die Frage was Trent Reznor und seine Band, die Nine inch Nails als nächstes anstellen würden. Obwohl sie eine längere Ruhepause ankündigten war sich so ziemlich jeder sicher, dass das nicht alles gewesen sein kann. Was macht man am besten um etwas neues, frisches zu machen? Man trennt sich von alten Gewichten, die einen in ein Klischee pressen, das man eigentlich nie wollte. Und so berichtet der Guardian, das die NIN jetzt erstmal ihre Instrumente bei Ebay verkaufen.

Zunächst widmet man sich auf Ebay der umfangreichen Gitarrensammlung von etwa 20 Instrumenten, in den nächsten Wochen soll ein großer Teil des restlichen Equipments folgen: "Hund­reds of items will be lis­ted over the next several weeks such as gui­tars, key­boards, ampli­fiers, drums, sta­ging, anvil cases, cab­les, rack/outboard gear, gui­tar effects, and pedal boards. Check the eBay page regu­larly for new lis­tings, or fol­low @nineinchnails on Twit­ter for updates., schreibt man dazu auf der Home­page der Nine inch Nails. Kein Wun­der das die Teile schnell ein viel­fa­ches ihres Wer­tes errei­chen, ein sol­ches Ban­ji­tar wie auf dem Bild zu sehen ist für etwa ein Vier­tel des aktu­el­len Gebots bei Ama­zon zu haben. „Then again, rock-star gear can attract rock-star pri­ces.” sagt der Guar­dian. Man wird das Gefühl nicht los, das man Teil von etwas neuem ist, denn nie­mand scheint wirk­lich zu erwar­ten was die Band macht. Erst ver­schen­ken sie das Album The Slip als kos­ten­lo­sen Down­load und stel­len es auch noch unter CC Lizenz.

Als wäre das nicht schon genug, lizen­sie­ren sie noch eine von Fans pro­du­zierte DVDThe Down­ward Spi­ral”, die eben­falls down­load­bar ist oder die man sich auf YouTube gleich in HD angu­cken kann. Ja, ich bin beein­druckt. Wo andere nach Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen suchen, Plat­ten­fir­men um ihre Ein­nah­men fürch­ten oder auch nur Schnip­sel aus dem Mate­rial kos­ten­pflich­tig abmahnt gehen die NIN einen ganz ande­ren Weg und sind damit viel­leicht Weg­be­rei­ter einer ganz neuen Ver­mark­tungs­kul­tur, in der nicht Major-Labels den Markt kon­trol­lie­ren, son­dern die Bands sel­ber, Selbst­ver­mark­tung und glo­bale Ver­net­zung machen es mög­lich. Das die Fans und die Netz­ge­meinde sie des­we­gen lie­ben dürfte man sich vor­stel­len kön­nen, aber hat die­ses Modell Zukunft oder sollte ein Vor­bild für manch ande­ren sein? (via Nerd­core)

(Bild­quelle: Auk­tion auf Ebay.de)

5 Kommentare

  1. Das Modell hat schon Zukunft, aber es war den­noch erstaun­lich wie wenig Leute the Slip dann trotz­dem gekauft haben. Ein sol­che Stra­te­gie ist auf Dauer finan­zi­ell nicht ganz so erträg­lich, und Rez­nor konnte dies auch nur machen, weil er von den frü­he­ren Alben genü­gend Kapi­tal hatte. Klei­nere Bands sind aber auf gewisse Ein­nah­men ange­wie­sen, damit sie schon nur die Pro­duk­ti­ons­kos­ten decken kön­nen. Die stän­dig abneh­mende Bereit­schaft noch was für Musik zu bezah­len kommt da auch eher ungelegen.

    Die Idee der Selbst­ver­mark­tung finde ich aber gut, denn Major­la­bels zocken die Käu­fer nicht nur ab, sie för­dern auch nur Musik die sich leicht ver­kau­fen lässt. Im heu­ti­gen Netz­zeit­al­ter ist es glück­li­cher­weise auch etwas leich­ter sich selbst zu vermarkten.

    Ach, irgend­wie schon trau­rig, dass Schluss mit NIN ist…

  2. Es muss ja nicht jede Band das ganze Album ver­schen­ken, aber bei­spiels­weise ein Basis-Album mit 8 Tracks und dann auf der „Limited Boxed Edi­tion” vier Bonus-Tracks. Oder man ver­kauft das Album als Down­load für einen Preis der sich nicht nur ein paar Cent von dem unter­schei­det was die CD im Laden kostet.

    Dass iTu­nes so gut läuft wun­dert mich immer wie­der. Die Dif­fe­renz je Album ist im Ver­gleich zu einer rich­ti­gen CD eher gering, da grei­fen doch eigent­lich die, die genug Geld haben lie­ber zur CD und die, die keine 15 Euro pro CD haben zie­hen sich die Musik eben kos­ten­los und ille­gal. Genau für die letz­tere Gruppe sollte man eine gute Alter­na­tive schaf­fen: Für zwei oder drei Euro kaufe ich mir ein Album auch ohne vor­her rein­ge­hört zu haben wenn ich die Band kenne und bis­her mochte, bei 10 Euro hör ich vor­her auf jeden Fall rein und wenn nur ein Lied davon zuviel nicht mei­nen Geschmack trifft bleibt das Album im Laden.

  3. @Atanua: Ich meine natür­lich mit dem Geschäfts­mo­dell nur das mit der Selbst­ver­mark­tung abseits der übli­chen Wege, nicht das ver­schen­ken von Alben :) Ich bin bereit für Musik Geld zu bezah­len, wenn ich weiß das das Geld beim Künst­ler ankommt und nicht in einem unglaub­li­chen indus­tri­el­len Getriebe ver­si­ckert. Und ich bin über­zeugt: Das war nicht das letzte was wir von NIN und Mr. Rez­nor gehört haben :)

    @Thomas: Das Pro­blem ist mei­ner Mei­nung nach das bereits erwähnte Getriebe der Musik­in­dus­trie. Von den 99 Cent für einen Song erhält der Künst­ler nur einen Bruch­teil, das meiste ver­si­ckert in einem rie­si­gen Wasserkopf.

  4. Das ist mir klar, da kas­siert erst­mal iTu­nes kräf­tig ab, dann das Label und der Künst­ler darf sich dann über das ver­blei­bende Rot­geld freuen. Wobei mir in Zei­ten von Face­book, Twit­ter und Co. nicht mehr ganz in den Kopf will, warum eine Band (gerade die ange­spro­che­nen klei­nen Bands) sich mit Labeln rum­schla­gen. Klar geht es ums Geld, aber dann kommt der Erfolg eben etwas lang­sa­mer und setzt sich dafür auch durch.

  5. Schwer zu sagen. Ich denke spä­tes­tens dann, wenn man von der Musik leben muss, bekommt Geld eine ganz ent­schei­dende Rolle und Selbst­ver­mark­tung ist noch zu unsi­cher, des­halb kann ich den Schritt sich einem Label anzu­schlies­sen fast nachvollziehen.

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