„Ein blasser Mond liegt über dem Friedhof. Vom Kirchturm tönt es leise zwei Uhr: Schwarze Gestalten huschen durch eine Lücke in der Friedhofsmauer. Der brave Bürger hat längst das Licht gelöscht. Die Grufties zünden ihre Kerzen an. Ihr warmer Schein weist den Weg zu Gräbern und Gruften. Es ist wie schon so oft — und doch anders. Die Grufties nehmen dieses mal uns mit. ” Eine durchaus gelungene Einleitung für einen Artikel, der etwa 1991 in der Zeitschrift Neues Leben1 erschien. Doch auch der Artikel selbst scheint sich vom üblichen Vorurteils-Brei dieser Zeit abzuheben und einen eigenen Weg zu gehen.
„Ich weiß, daß es nicht passieren wird. Hier, in dieser Nacht und auf diesem Friedhof, wird keine schwarze Messe zelebriert. Keiner Katze wird das Fell über die Ohren gezogen, um sie Satan zu opfern. Niemand trinkt eine Blutkonserve leer. Grabsteine und Särge bleiben unberührt. Die hier auf den Friedhof gehen verabscheuen diese Klischees, das höchstens 2 von 100 Grufties bedienen.” Damit geht die Zeitschrift auf ein Phänomen ein, das sich ebenfalls Anfang der 90er und vorwiegend in den neuen Bundesländern zu beobachten war.
Eine Zeit, in der wohl möglich eine Gestalten sich neu entdeckten und ausprobierten. In einigen Tageszeitungen die von 90–93 erschienen war immer wieder von „Totenmessen”, „Teufelsbeschwörungen” und „Schwarzen Messen” die Rede, denen oft als einziges Indiz Wachsspuren auf Grabsteinen oder gemalte Zeichen im Sand der Fußwege dienten. Den ganzen Artikel lesen… »
- Neues Leben ist einen 1953 erschienene Jugendzeitschrift der DDR. Sie wurde vom Zentralrat der FDJ herausgegeben und war bis zur Wende ein sehr beliebtes Blatt mit einer Auflage von etwa 540.000 Exemplaren. Nach dem Mauerfall übernahm der Verlag Pabel-Moewig den ehemaligen FDJ-Verlag „Junge Welt”, der die Zeitung bis zu ihrem Ende 1992 unter dem Titel „neu leben” publizierte. [↩]
Dorian Gray ist reich und schön und der Traum der ewigen Jugend manifestiert sich in seiner Person. Sein Geheimnis ist ein Porträt, das statt seiner altert und in das sich die Spuren seiner Sünden und Verbrechen einschreiben. Während Dorian Gray immer noch jung und makellos erscheint, wird er immer maßloser und grausamer. Es ist der einzige Roman des irischen Schriftstellers Oscar Wilde. Doch Dorian Gray sollte Synonym für all das werden, was den Zeitgeist um 1890 prägte. Der ausprägte Hedonismus
Teufelszeichen? Böse satanische Kräfte? Mit dem Pendel den Geist der Oma beschwören? Was sich nach Klischees der Boulevard-Presse der späten 80er klingt findet sich auch 2003 immer noch in den Magazinen und Jugendzeitschriften. Im Report „Ein Leben für den Tod” berichtet die Bravo über die 18 Jahre alte Melanie aus München auf eine recht ungewöhnliche Weise, denn alles an ihr hat mit dem Teufel zu tun, sollte man meinen. Auf dem Titelbild steht neben ihrem Foto: „‘Friedhöfe sind doch nur Komposthaufen für Menschen’, sagt Melanie und zeigt das Teufelszeichen. Die beiden Finger symbolisieren die Hörner Satans.” Die betont finstere Miene und die Grabsteine im Hintergrund tun ihr übriges.

