Heute bin ich in Berlin, unserer schönen Hauptstadt und werde wie ein Staubsauger die Eindrücke die mich hier erwarten, aufsaugen. Ich fürchte nur, ich muss den vollen Beutel dann zu hause aufschneiden um noch mal nach zuschauen, was sich alles darin angesammelt hat. Die Wochenschau habe ich daher von langer Hand vorbereitet, akribisch zusammengetragen und liebevoll umschrieben um sie dann letztendlich doch dem Automatismus des Systems zu unterwerfen. Ich bin eben gerne vorbereitet. Das bedeutet natürlich auch, das die Einträge zwar nicht mehr ganz taufrisch sind, aber dennoch nichts an ihrem Wert eingebüßt haben. Aber was ist im Netz schon taufrisch? Stunden sind hier Tage, Tage sind Wochen und Wochen oft Monate. Glücklicherweise vergisst das Netz nicht so schnell, sagt man jedenfalls. Aber das Netz übersieht sehr schnell, reagiert oft impulsiv und massendynamisch auf das was publiziert und dann multipliziert wird. »Wenn 20 Leute darüber bloggen, wird es schon ein Skandal sein!«. So ist es leider nicht immer. Entwickelt eure Meinung lieber selbst und steht dazu um andere davon zu überzeugen oder einzugestehen, das man sich doch geirrt hat. Ein paar Anregungen zur Meinungsfindungen gibt es hier. Den ganzen Artikel lesen… »
13 August
Freitag der 13. (schon wieder)
Kühl und sachlich hatte ich bereits die Faszination des besonderen Datum erklärt. Vielleicht zu kühl, denn im schlimmsten Fall ist Wissen der Tod jeder Phantasie und das möchte ich natürlich nicht. Eigentlich hätte ich dieses Datum auch verpasst, wäre da nicht Eingangs erwähnter Artikel, der an diesem Freitag zu den beliebtesten gehört. Und was mache ich? Ich verhelfe dem Blog hier völlig blauäugig in die neuste Version 3.0.1 ohne mir darüber im klaren zu sein, welch fatale Folgen das haben könnte. Hätte ich vorher gewusst welcher Tag heute ist, ich möchte mir gar nicht ausmalen was alles hätte passieren können.
Aber es ist nichts geschehen. Nicht bei meiner WordPress Installation und nicht bei den anderen Installationen die ich betreibe. Und das ist Grund genug der Brüder Lumiére zu gedenken und wieder einmal die Puppen tanzen zu lassen. Natürlich nur post-mortem, denn wir wollen ja stilecht bleiben.
11 August
Reingehört: Charles de Goal - Restructuration
Nicht schon wieder. Die Liste der Bands, die sich nach einigen erfolgreichen Jahren in den 80er auflösten um dann in den letzten 5 Jahren auf wundersame Weise auferstehen, ist lang geworden. In der Regel schwanken diese sogenannten Reunions zwischen peinlichen Live-Auftritten mit aufgewärmten, uninspiriertem Material und dem »Ist ja ganz nett«-Gefühl das sich breit macht, wenn die Idole von einst ihre Klassiker zum Besten geben. Meist folgt dann die Ernüchterung, denn die ursprüngliche Begeisterung die man bestenfalls der eigenen Erinnerung entnimmt, stellt sich eigentlich nie ein.
Eine Umstrukturierung die nahezu spurlos an mir vorbei ging, war die von Charles de Goal, den französischen Coldwave Pionieren der frühen 80er, die mit »Restructuration« 2008 eine neues Album auf den Weg brachten. Als ich jüngst dann das Stück Decadence auf dem Sampler Pagan Love Songs Vol.2 entdeckte, war meine Neugier geweckt und so habe ich spontan meine Sammlung, die eigentlich nur aus dem Erstlingswerk Algorythmes (1980) besteht um Restructuration (2008) erweitert.
Mein erste Begegnung mit den Franzosen hatte ich mit dem legendären Stück Exposition, das ich Anfang der 90er in irgendeinem schwarzen Club hörte und die mir Ohren und Verstand für das mir noch unbekannte Genre des Cold-Wave öffnete. Charles de Goal, das war eigentlich 1979 ein Solo-Projekt von Patrick Blain, der zuvor mit der Band C.O.M.A. bereits ein Album herausgebracht hatte. Mit Synthesizer, Gitarre, Bass und Schlagzeug formte er das, was man später Cold-Wave taufte. Minimalelektronische Klänge und Beats, das aufflammende Post-Punk-Genre als Attitüde entwickelte sich daraus ein Sound, der unterkühlt und zurückhaltend wirkt um letztendlich doch den Hörer zu faszinieren. 1986 war es dann auch schon wieder vorbei. Den ganzen Artikel lesen… »
6 August
Enola Gay - Is Mother proud of Little Boy today?
Ein gleißender Blitz erhellt die Stadt. Die unglaubliche Helligkeit und Intensität verdampft die obersten Hautschichten stehengebliebener Passanten, ihre Umrisse brennen sich in die Häuserwände der Stadt kurz bevor die Druckwelle Menschen und Häuser wegreißt. Niemand im direkten Detonationsbereich überlebt den Einschlag der Bombe, die tödliche Strahlung legt sich wie ein Schleier des Todes über die Stadt. Noch während die Feuersäule den Himmel erhellt, versinkt die Erde in tiefe Finsternis. Menschen die vor der Hitze zum Fluss fliehen und davon trinken, fallen später die Haare aus. Rote Flecken bedecken den ganzen Körper noch bevor sie qualvoll innerlich verbluten.
Heute vor 65 Jahren, am 6. August 1945 zerstörte eine Atombombe die japanische Stadt Hiroshima und tötete etwa 150.000 Menschen. Um 8:15 wirft die Enola Gay, ein amerikanischer B29 Bomber seine tödliche Fracht »Little Boy« über der Stadt ab. Zusammen mit der Bombe auf Nagasaki, die 3 Tage später abgeworfen wurden beenden die Amerikaner ihren Krieg mit Japan und unterzeichnen am 2. September die Kapitulation des Landes.
Atomare Bomben und atomare Energie gewinnen in den Jahren nach Ende des 2. Weltkrieges zunehmend an Bedeutung und gipfeln in Wettrüsten und dem kalten Krieg. Die gegenseitige Androhung eines Atomkrieges der Supermächte, die zynisch unter dem Begriff Abschreckung geführt wurde, beschwor erstmals Auslöschungsszenarien der Menschheit herauf. Immer wieder scheint der Streit zwischen Ost und West zu eskalieren. In den 80ern wächst der Protest gegen atomare Machenschaften, in Deutschland wird offen gegen Atomwaffen protestiert — die vor allem jungen Menschen ersticken an der Gewissheit das es mit einem Knopfdruck vorbei sein könnte und auch die Kernenergie, die man nach der Ölkrise 1973 als Heilmittel für eine einseitige Abhängigkeit sah stößt auf Kritik. Atomkraft? Nein Danke. Den ganzen Artikel lesen… »
31 Dezember
Heiß und fettig - Knusprige Musik 2009
Jetzt mal so unter uns gesprochen, die unzähligen Rückblicke können schon etwas nervig sein. Erst jüngst ereilte einige Blogparaden meinen Feedreader, in dem es um die besten Alben des Jahres ging. Wenn ich ehrlich sein muss, es gibt ganz wenige Alben die durchweg stimmig sind und einen wirklich Platz in der Spitzenliste verdient haben.
Dieses Jahr war sehr durchwachsen, ebenso wie die Alben die ich in meiner Finger und letztendlich in meine Ohren bekommen habe. Von vorne bis hinten gut war aber keins so richtig, nehmen wir Sound of the Universe von Depeche Mode. Wrong, In Chains oder auch Hole to Feed sind großartige Stücke die allein den Kauf der Scheibe schon »rentabel« gemacht haben. Aber es sind auch wieder Lückenfüller dabei, die nicht so klingen, als seien sie fertig oder würden in Konzept des Albums passen. Depeche Mode spielt in der Champions League der Popmusik und hier wird eben viel Show gemacht.
Ich tue mich schwer ein ganzes Album zu lieben, vielleicht weil auch die Zeit fehlt. Früher hat man sich im Jahr vielleicht 5 Platten kaufen können, um die dann durch unzähliges hören zu verinnerlichen. Heute höre ich gut und gerne das 10fache. Logisch das ich dabei nicht genug Leidenschaft mitbringen kann, wirklich jedes Album mit der selben Hingabe zu hören, wie ich es früher einmal gemacht habe. Meiner Meinung nach nicht wirklich schlimm, denn letztendlich wachsen mir Alben nach Jahren noch immer neu ans Herz.
Es gibt aber einige Überraschungen der diesjährigen Neuerscheinungen und Newcomer die mich zum staunen gebracht habe und das meistens dann, wenn ich gewohnt musikalische Kategorien verlassen und über den Tellerrand schaue und so sind mir einige Stücke besonders in Erinnerung geblieben, die ich euch näher vorstellen möchte. Stellt euch das wie ein Schale Pommes vor: Jede Pommes ist anders, aber heiß, fettig und lecker sind sie alle. Den ganzen Artikel lesen… »
8 Oktober
NIN und Gary Numan: Cars
Es war eine schöne Zeit, diese 20 Jahre mit den Nine inch Nails (Website) rund um den charismatischen Frontmann Trent Reznor. Mit der aktuellen Welt-Tour »Wave Goodbye« 1989 — 2009 möchte Reznor zusammen mit den NIN einen gelungenen Pausenstrich unter das Musikprojekt setzen, das nie als Band vorgesehen war. Im Februar 2009 gibt man bekannt, das man sich nun eine längere Zeit rar machen würde, von einer Auflösung ist jedoch nicht die Rede. Kreative Schaffenspause? Bestimmt, totgesagte leben eben länger.
Dafür gab es bei den Auftritten in der O2-Arena am 15. Juli dieses Jahres eine gelungene Überraschung, als New Wave Legende Gary Numan zusammen mit den NIN seine Songs »Cars« und »Metal« präsentiert. Numan, der als Pionier des Synthiesizer orientierten New-Wave der späten 70er gilt, muss wohl einen bleibenden Eindruck bei Reznor hinterlassen haben, der sich schon immer für den technisch orientierten Sound interessiert hat. Nachdem einige verwackelte Videos bei Youtube auftauchten war schnell klar, das es hierbei schon jetzt um Kultauftritte handelt. Den ganzen Artikel lesen… »
7 Oktober
H.P. Lovecraft - Fear of the unknown
Einer DER Schriftsteller für jeden ambitionierten Grufti, den man mal gelesen haben sollte. Zumindestens sollte man ein Buch von ihm sein Eigen nennen und es sich ins Regal stellen, oder auf einer Festivalwiese drin blättern — dann erweckt es wenigstens den Anschein.
Jetzt bringt Wyrd Documentary die Dokumentation Lovecraft — fear of the unknown (Furcht vor dem unbekannten) heraus, in der einige namhaften Autoren und Filmemacher über ihre Inspirationsquelle berichten. Lovecraft gilt als einer der besten Autoren für anspruchsvolle Horror-Literatur, doch er konnte noch viel mehr: Von Schauergeschichten bis zu Horrorromanen, von Traumweltgeschichten und Fantasystorys bis hin zu Mythosgeschichten. Außerdem betätigte er sich als Schreiber von Gedichten und Briefen. Bis zu seinem Tod durch Darmkrebs 1937 soll er 87000 Briefe geschrieben haben.
Unzählige Werke von Lovecraft wurden verfilmt, die größte Zahl sind B-Movies und Horrorfilme, die letztendlich auch als Inspirationsquelle der Horror-Punk und Grufti-Szene gelten und nicht selten auch von Musiker direkt in ihre Werke mit eingebunden werden. Gute Verfilmungen wie Hemoglobin (1997), Dagon (2001) oder auch Re-Animator (1985) solltet ihr euch unbedingt mal reinziehen. Den ganzen Artikel lesen… »
5 Oktober
Knicklichtgruftis im Galileo-Szene Check
Wie oft würde sich der Mann im Grabe umdrehen, wenn man einen Fernseher auf seine Überreste stellen würde. Galileo Galilei war nämlich nicht nur ein italienischer Mathematiker, Physiker und Astronom sondern auch Namensgeber für die Pseudo-Populär-Wissenschaftliche Unterhaltungs-Sendung Galileo, die jedes mal anstrebt, uns die Welt zu erklären. Und weil die Welt der Wissenschaft offenbar schon erschöpft ist, widmet man sich seit einiger Zeit auch eher Fragen die uns wirklich alle beschäftigen. »Wieviele Leute pinkeln eigentlich in so ein Freibadbecken?« oder auch »Wieviel Gewicht kann man an einem Tag zunehmen?« Mich schüttelt es immer noch bei dem Gedanken, was ich ohne dieses so erworbene Wissen gemacht hätte. Wohl möglich, dass mich der schiefe Turm von Pisa erschlagen hätte.
Doch jetzt wagt sich das TV-Magazin auch an die Jugendszenen heran und stellt die bekanntesten davon im Szene-Check vor. Dieses mal müssen die Cybernauten dran glauben, die im folgenden auch Cybergothic genannt werden. »Sie sehen aus wie von einem anderen Planeten, wie Manga-Männchen die in einen Farbtopf gefallen sind…« so die Einleitung des Moderators. Kann ja heiter werden. Ich verweise an dieser Stelle an meinen Artikel: Subkultur! — Cybergothic, in dem ich mich neutraler und sachlicher mit dem Thema auseinandersetze, denn ein ironischer und vielleicht leicht spöttischer Eindruck im folgenden Artikel ist beabsichtigt und schwingt nicht nur subjektiv mit. Den ganzen Artikel lesen… »
20 September
Spontis Wochenschau #38
Verdammt, ich werde alt. Stellt euch vor, ihr schreibt einen Beitrag und vergesst, diesen zu Veröffentlichen. Aufgefallen ist mir das beim suchen eines Links. Da wollte ich jemanden zeigen, wie man auf sehr geschickte und leicht Art und Weise ein Foto von sich in ein Zombiebild verwandeln kann und erinnerte mich: Mensch, darüber habe ich doch geschrieben! Letztendlich musste ich dann auf meinem eigenen Blog die Suchfunktion benutzen um dann doch herauszufinden, das besagter Beitrag einfach nicht vorhanden ist. Erst viel später ist es mir dann wie Schuppen aus den Haaren gefallen, das ich vielleicht einen Blick in die Entwürfe werfen sollte. Deshalb gibt es die Wochenschau der KW 38 erst jetzt, rückwirkend natürlich. Ich weiß, das ihr mit verzeihen werdet, schließlich bleibt euch ja auch nichts anderes übrig. Den ganzen Artikel lesen… »
31 August
Musikperlentaucher - Tauchgang #07
Human League - Being Boiled
Mitten im Punk gründet sich 1977 die Band Human League, die mit ihrer Musik schon einen ganzen Schritt weiter war, als man das zunächst erfassen konnten. Ihr Stück Being Boiled, das 1978 erschien ist zu dieser Zeit eher ein Untergrund-Hit in der sonst sehr punklastigen Zeit der späten siebziger und wird von der Musikindustrie noch ignoriert, die gerade damit beschäftigt ist, den Punk zu vermarkten. Das Originalstück (Video) gilt als Meilenstein in der musikalischen Entwicklung vom Punk zum New Wave noch bevor überhaupt jemand von dieser neuen Musikrichtung sprach. Erst mit einer neu gemischten, etwas schnelleren Version und 4 Jahre später erreichen sie damit eine Chart-Platzierung in England. Jetzt passte der Sound auch kommerziell besser in die musikalische Landschaft der frühen 80er, denn was Human League mit dem Stück einläutete war nun Realität geworden. Das Original ist weniger geläufig, so das ich mich für den Remix aus dem Jahre 1982 entschieden habe.

