3 November

Du sollst Skinheads nicht mit Nazis verwechseln

von Robert ForstKategorie: Schattenseiten10 Kommentare

Du sollst Skinheads nicht mit Nazis verwechseln” ist nicht nur der Titel einer aufklärenden Internetseite, sondern auch Motto mit erhobenem Zeigefinger. Aufmerksame Leser wissen bereits: Eine Glatze und ein Paar Dr. Martens reichen noch lange nicht für die Identifizierung eines Neonazis. Viel schlimmer noch: Heute scheint es praktisch unmöglich typische Erkennungsmerkmale zu definieren, die dem Bürger bei seinem Schubladendenken unter die Arme greifen. Auf sehr anschauliche Art und Weise haben sich die Filmemacher und Edina MedraStefan Berenthal mit Kindern und Jugendlichen zweier Schulen in Bremen zusammengetan  und das Video Vorsicht Nazi gedreht, das im leicht verständlichen Stil die Sache noch einmal in 6:55 auseinanderklamüsert und damit den Versuch gestartet, das Vorurteil das sich untrennbar mit dem Denken vieler Bürger verknotet hat, zu entwirren.


(via KFMW)

Neonazis leben heute davon, alte Symbolik aufzugeben und sich ständig neue Bezüge herzustellen.  Die meisten sind nicht mehr durch ihr äußeres zu unterscheiden, sondern nur durch ihre Ideen und die immer gleichen Argumente. Die Beliebigkeit in der man in der rechten Szene Symbole für sich vereinnahmt ist erschreckend und verleiten uninformierte immer wieder zu falschen Assoziationen. Gothics wurden in den 90ern ebenfalls als Weg der Infiltration entdeckt, ihr politisches Desinteresse, Bezüge zu Mythen und Legenden sowie die Erforschung musikalischer Grenzbereichen musste auf die braune Brut wie ein Magnet gewirkt haben. Und trotzdem fanden sie auch hier keinen fruchtbaren Boden sondern stießen auf breite Ablehnung. Bis heute ist das Thema jedoch sensibel geblieben und sorgt immer wieder für Diskussionsstoff, der manchmal nur auf Verfehlungen einzelner zurück zu führen ist.


10 September

This is England ’86

England 1986. Die Weltmeisterschaft im Fußball findet in Mexico statt, die Briten scheiden in einem dramatischen Spiel gegen Argentinien aus, Wham! wollen zum Rand des Himmels und 3,4 Millionen Menschen in Großbritannien sind arbeitslos…

3 Jahre ist es her, das Shane Meadows mit seine Soziokulturelle Drama “This is England” die Skinhead-Bewegung im England der frühen 80er einfing und in beeindruckend authentischen Bildern auf die Leinwand zauberte. Eine Reihe von unverbrauchten Gesichtern der englischen Film- und Serienlandschaft vermochte es, die Charaktere die sich Meadows ausdachte glaubhaft und ehrlich darzustellen, ohne Klischees in die Extreme zu treiben. Der Erfolg des Films inspirierte ihn zu einer Fortsetzung: Den ganzen Artikel lesen… »


5 September

Ohne Worte: Skinhead

For most People who grew up before the sixties, skinheads are seen as yet another unpleasant and ugly aspect of modern youth. The real Origins and reasons for the emergence of the cult get lost in outrage at the behaviour of those who possess the style.Nick Knight – “Skinhead” (1982)


25 Januar

Dokumentation: Skinhead Attitude

Skinhead Attitude FilmWo wir schonmal beim Thema sind, sagte ich mir und erinnerte mich an die zahlreichen Beiträge die sich um die Skinhead-Kultur drehten oder das Thema zu mindestens tangierten. Es liegt auf der Hand die Problematik allgegenwärtig ist und den eigentlichen Wurzeln nicht gerecht werden können. Doch leider vermögen Artikel immer nur einen Teil der Neugierigen zum umdenken zu bewegen, zu interessieren oder für weitere Recherchen zu begeistern. Das ist wie das lesen in einer Zeitung, macht auch nicht jeder, manch anderer zieht sich seine Informationen lieber aus Hörfunk oder Fernsehen. Was läge da mehr auf der Hand, das Thema noch einmal in audio-visueller Form, also als Video, zu behandeln. Gerade im Hinblick auf die Nazi-Problematik gibt es noch viel zu klären.

Erst gegen Ende der 70er Jahre mit der Krise und der Entstehung der Punkbewegung radikalisieren sich die Street-Kids. Angezogen vom rebellischen, vom provozierenden – eine neue Generation von Skinheads.” Ein gefundenes Fressen für rechtsextreme Gruppierungen, die den jugendlichen politische Ideologien vermitteln und diese als Instrument der Aufmerksamkeit missbrauchen. Um ihre Ziele durchzusetzen greift man auf Gewalt und Aggressivität zurück und kanalisiert diese unter Parolen die jeder versteht und mitfühlen kann, die Kids aus den einfache Arbeiterschichten lassen sich vom Gedanken “Ausländer Raus!” leicht anstecken, denn das eigene Zuhause leidet unter der Arbeitslosigkeit der späten 70er.

Die Doku Skinhead Attitude greift genau diese Problematik auf und bringt den Konflikt zwischen dem eigentlichen Skinhead-Gedanken und der Realität auf den Punkt. Der Film von Daniel Schweitzer wurde 2005 als bester Dokumentarfilm gefeiert. Zu recht. Neben zahlreichen Skinheads kommen vor allem die Musikerlegenden Laurel Aitken oder auch Jimmy Pursey von Sham 69 zu Wort, denn Musik ist das grundlegende Element der Skinheads. “Kein Skin kann Rassist sein, weil er sonst seine schwarzen Wurzeln verleugnen würde…“  Die zahlreichen Szene-Angehörigen die zu Wort kommen verleihen der Doku die Spur Authentizität, für die es wohl den Preis erhalten hat. Den ganzen Artikel lesen… »


24 Januar

Farbe der Schnürsenkel = Politische Gesinnung?

von Robert ForstKategorie: Schwarze Szene8 Kommentare
Martens mit roten Schnuersenkeln

Naunasse@flickr.com | CC – by sa

Nachdem ich gestern etwas über die Kunst seine Schnürsenkel in die Stiefel einzufädeln erzählt habe, komme ich heute zu den Farben der Schnürsenkel die komischerweise in manchen Köpfen immer noch eine Bedeutung haben. Gleich von vorne herein: Die Farbe der Schnürsenkel hat nichts mit der politischen, sexuellen oder jugendkulturellen Ausrichtung zu tun, ebenso wenig wie die Schnürung.

Angefangen hat das wie immer mit den Nazis, die sich den Style der Skinhead’s aneigneten und den Farben der Schnürsenkel erst diese kontroverse Bedeutung anhefteten. So stehen die weißen Schnürsenkel in schwarzen Stahlkappenstiefeln für “White Power”, die überlegene Kraft der weißen Gesellschaft. Rote Schnürsenkel bilden nach heutiger Meinung den Gegenpol dazu und auch die echten Skinheads sprangen auf den Zug auf und benutzen Schwarze und Weiße Schnürsenkel um ihrem Gefühl “Black and White Unite” Ausdruck zu verleihen. Vergebens.

Fakt ist, das die Skinheads schon lange vor dem neu auferstandenen Faschismus Ende der 70er weiße Schnürsenkel in ihren Stiefel trugen, weil es einfach gut aussah. Auch rote und andersfarbige wurden benutzt um seinen speziellen Style zu individualisieren. Da die meisten jugendlichen aus der englischen Arbeiterklasse stammen, die eine besondere Leidenschaft für den Fußball mitbrachten, wurden die Farbe der Schnürsenkel auch dazu benutzt, die Vereinszugehörigkeit zum Ausdruck zu bringen. Rot-Weiß für Arsenal, Rot Gelb für Manchester oder auch die rein Roten Schnürsenkel für Liverpool. Das sind aber genauso unbelegte Gerüchte und Mythen wie die anderen Geschichten, die sich um die Farbe der Schnürsenkel ranken. Den ganzen Artikel lesen… »


11 Januar

Skinhead Family Tree

von Robert ForstKategorie: Hintergründe4 Kommentare

Es gibt unzählige Bücher, Filme und Meinungen über die Skinheads, eine der ältesten und populärsten Jugendbewegungen. Die zweifelhafte Popularität ist eine unbeabsichtigte Folge der Politisierung durch rechtsextreme englische Parteien und Verbände Ende der 70er, die sich das Gewaltpotential zu Nutze machte um auf ihre Ziele durch Aggression in Handlung und Aussehen aufmerksam machen wollte. Jahrelange negative Berichterstattung mit dem immer gleichen Feindbild formte das Gesellschaftsbild des Skinhead, das mit den Ursprüngen und Absichten so überhaupt nichts zu tun hat. Die Assoziation Skinhead = Nazi scheint in den Köpfen der Bevölkerung festgebrannt und eingemeißelt. Immer wieder versucht man anschaulich dieses hartnäckige Vorurteil zu beseitigen, leider viel zu selten einfach und anschaulich.

Beim Kraftfuttermischwerk fand ich den Skinhead Family Tree, der sehr anschaulich und in Kurzform die Geschichte des Skinhead aufzeigt. Obwohl sich sicherlich um Daten und Darstellung streiten lässt, zeigt das Bild sehr anschaulich wie was mit wem zusammenhängt. Ich habe versucht den Text und die Aussage ins Deutsche zu übersetzen,  Verbesserungen und Korrekturen bitte in die Kommentare. Den ganzen Artikel lesen… »


9 Februar

Zeitbilder: Jugendkulturen in Deutschland 1950-1989

von Robert ForstKategorie: Wortkunst3 Kommentare

Bundeszentrale für politische Bildung klingt äußerst eklig und schmeckt wie ein alter, zu weich gewordener Schokoriegel – zumindestens rein Geistig.  Die BPB hat es sich zur Aufgabe gemacht, Informationen über Politik, Kultur und Geschichte aufzubereiten und in zahlreichen Publikationsreihen zur Verfügung zu stellen. Unter der Reihe Zeitbilder, sind zwei Bände von Klaus Farin zum Thema Jugendkultur erschienen, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem ersten Band der Reihe, der Entstehungsgeschichte der Jugendkulturen in Deutschland, die nahezu jeden Leser interessieren dürften, denn jeder ist schließlich mal jung gewesen. Es geht aber nicht um die Jugend schlechthin, sondern um die Minderheiten, deren Einfluss auf die große Mehrzahl der Gleichaltrigen, die sich mit keiner Jugendkultur im ganzen identifizieren kann, nicht unterschätzt werden sollte. Den ganzen Artikel lesen… »


4 Februar

Skin – Hass war sein Ausweg

cover_dvd_big1979, irgendwo in den Niederlanden. Die anfangs den Punks nahe stehenden Skinheads radikalisieren sich immer mehr nach rechts. Dem 17jährigen Frankie, Sohn eines jüdischen KZ-Überlebenden, ist gar nicht richtig klar, auf wen er sich da eingelassen hat. Die neuen Kumpel haben ihn einfach mitgenommen. Jetzt weiß er wenigstens, wo er hingehört, bekommt Anerkennung und Aufmerksamkeit. Das konnten ihm sein schwer traumatisierter Vater und die kranke Mutter nicht geben. Die Bindungen zu seiner Familie und seinem bisherigen Leben zerreißen immer mehr. Bis es zu einer Katastrophe kommt, die Frankie zum Mörder macht …

Die niederländischen Skinheads, geprägt von Ursprüngen der Bewegung in den multikulturellen Arbeitervierteln East Londons, sind eine proletarische und politisch links Orientierte Jugendkultur, die eindeutige Parallelen zu den Punks aufweist. Zusammenhalt und Loyalität, die Frankie innerhalb seiner Familie vermisst, findet er hier. Zusammen mit seinem schwarzen Freund Jeffrey macht er die Nachbarschaft unsicher.

Faschisten sehen in der Gewaltbereiten und labilen Skinheadszene den idealen Nährboden für ihre ideologischen Ideen. Unzufriedenheit mit sich selbst und dem desinteressierte Vater, sowie der Tod seiner Mutter lassen in Frankie Hass und Aggression wachsen, die er innerhalb der Nazi-Skin Szene ausleben kann. Er teilt nicht die Beweggründe der Szene, schmückt sich aber dennoch mit ihren Symbolen um dazuzugehören. Der Film endet in einer Tragödie. Den ganzen Artikel lesen… »