3 November

Du sollst Skinheads nicht mit Nazis verwechseln

Kategorie: Schwarzes Netz10 Kommentare

»Du sollst Skin­heads nicht mit Nazis ver­wech­seln« ist nicht nur der Titel einer auf­klä­ren­den Inter­net­seite, son­dern auch Motto mit erho­be­nem Zei­ge­fin­ger. Auf­merk­same Leser wis­sen bereits: Eine Glatze und ein Paar Dr. Mar­tens rei­chen noch lange nicht für die Iden­ti­fi­zie­rung eines Neo­na­zis. Viel schlim­mer noch: Heute scheint es prak­tisch unmög­lich typi­sche Erken­nungs­merk­male zu defi­nie­ren, die dem Bür­ger bei sei­nem Schub­la­den­den­ken unter die Arme grei­fen. Auf sehr anschau­li­che Art und Weise haben sich die Fil­me­ma­cher und Edina MedraS­te­fan Beren­thal mit Kin­dern und Jugend­li­chen zweier Schu­len in Bre­men zusam­men­ge­tan  und das Video Vor­sicht Nazi gedreht, das im leicht ver­ständ­li­chen Stil die Sache noch ein­mal in 6:55 aus­ein­an­der­kla­mü­sert und damit den Ver­such gestar­tet, das Vor­ur­teil das sich untrenn­bar mit dem Den­ken vie­ler Bür­ger ver­kno­tet hat, zu entwirren.


(via KFMW)

Neo­na­zis leben heute davon, alte Sym­bo­lik auf­zu­ge­ben und sich stän­dig neue Bezüge her­zu­stel­len.  Die meis­ten sind nicht mehr durch ihr äuße­res zu unter­schei­den, son­dern nur durch ihre Ideen und die immer glei­chen Argu­mente. Die Belie­big­keit in der man in der rech­ten Szene Sym­bole für sich ver­ein­nahmt ist erschre­ckend und ver­lei­ten unin­for­mierte immer wie­der zu fal­schen Asso­zia­tio­nen. Gothics wur­den in den 90ern eben­falls als Weg der Infil­tra­tion ent­deckt, ihr poli­ti­sches Des­in­ter­esse, Bezüge zu Mythen und Legen­den sowie die Erfor­schung musi­ka­li­scher Grenz­be­rei­chen musste auf die braune Brut wie ein Magnet gewirkt haben. Und trotz­dem fan­den sie auch hier kei­nen frucht­ba­ren Boden son­dern stie­ßen auf breite Ableh­nung. Bis heute ist das Thema jedoch sen­si­bel geblie­ben und sorgt immer wie­der für Dis­kus­si­ons­stoff, der manch­mal nur auf Ver­feh­lun­gen ein­zel­ner zurück zu füh­ren ist.


10 September

This is England '86

Eng­land 1986. Die Welt­meis­ter­schaft im Fuß­ball fin­det in Mexico statt, die Bri­ten schei­den in einem dra­ma­ti­schen Spiel gegen Argen­ti­nien aus, Wham! wol­len zum Rand des Him­mels und 3,4 Mil­lio­nen Men­schen in Groß­bri­tan­nien sind arbeitslos…

3 Jahre ist es her, das Shane Mea­dows mit seine Sozio­kul­tu­relle Drama »This is Eng­land« die Skinhead-Bewegung im Eng­land der frü­hen 80er ein­fing und in beein­dru­ckend authen­ti­schen Bil­dern auf die Lein­wand zau­berte. Eine Reihe von unver­brauch­ten Gesich­tern der eng­li­schen Film– und Seri­en­land­schaft ver­mochte es, die Cha­rak­tere die sich Mea­dows aus­dachte glaub­haft und ehr­lich dar­zu­stel­len, ohne Kli­schees in die Extreme zu trei­ben. Der Erfolg des Films inspi­rierte ihn zu einer Fort­set­zung: Den gan­zen Arti­kel lesen… »


5 September

Ohne Worte: Skinhead

»For most People who grew up before the six­ties, skin­heads are seen as yet ano­ther unplea­sant and ugly aspect of modern youth. The real Origins and rea­sons for the emer­gence of the cult get lost in outrage at the beha­viour of those who pos­sess the style.« Nick Knight — »Skin­head« (1982)


25 Januar

Dokumentation: Skinhead Attitude

Skinhead Attitude FilmWo wir schon­mal beim Thema sind, sagte ich mir und erin­nerte mich an die zahl­rei­chen Bei­träge die sich um die Skinhead-Kultur dreh­ten oder das Thema zu min­des­tens tan­gier­ten. Es liegt auf der Hand die Pro­ble­ma­tik all­ge­gen­wär­tig ist und den eigent­li­chen Wur­zeln nicht gerecht wer­den kön­nen. Doch lei­der ver­mö­gen Arti­kel immer nur einen Teil der Neu­gie­ri­gen zum umden­ken zu bewe­gen, zu inter­es­sie­ren oder für wei­tere Recher­chen zu begeis­tern. Das ist wie das lesen in einer Zei­tung, macht auch nicht jeder, manch ande­rer zieht sich seine Infor­ma­tio­nen lie­ber aus Hör­funk oder Fern­se­hen. Was läge da mehr auf der Hand, das Thema noch ein­mal in audio-visueller Form, also als Video, zu behan­deln. Gerade im Hin­blick auf die Nazi-Problematik gibt es noch viel zu klären.

»Erst gegen Ende der 70er Jahre mit der Krise und der Ent­ste­hung der Punk­be­we­gung radi­ka­li­sie­ren sich die Street-Kids. Ange­zo­gen vom rebel­li­schen, vom pro­vo­zie­ren­den — eine neue Gene­ra­tion von Skin­heads.« Ein gefun­de­nes Fres­sen für rechts­ex­treme Grup­pie­run­gen, die den jugend­li­chen poli­ti­sche Ideo­lo­gien ver­mit­teln und diese als Instru­ment der Auf­merk­sam­keit miss­brau­chen. Um ihre Ziele durch­zu­set­zen greift man auf Gewalt und Aggres­si­vi­tät zurück und kana­li­siert diese unter Paro­len die jeder ver­steht und mit­füh­len kann, die Kids aus den ein­fa­che Arbei­ter­schich­ten las­sen sich vom Gedan­ken »Aus­län­der Raus!« leicht anste­cken, denn das eigene Zuhause lei­det unter der Arbeits­lo­sig­keit der spä­ten 70er.

Die Doku Skin­head Atti­tude greift genau diese Pro­ble­ma­tik auf und bringt den Kon­flikt zwi­schen dem eigent­li­chen Skinhead-Gedanken und der Rea­li­tät auf den Punkt. Der Film von Daniel Schweit­zer wurde 2005 als bes­ter Doku­men­tar­film gefei­ert. Zu recht. Neben zahl­rei­chen Skin­heads kom­men vor allem die Musik­er­le­gen­den Lau­rel Ait­ken oder auch Jimmy Pur­sey von Sham 69 zu Wort, denn Musik ist das grund­le­gende Ele­ment der Skin­heads. »Kein Skin kann Ras­sist sein, weil er sonst seine schwar­zen Wur­zeln ver­leug­nen würde…«  Die zahl­rei­chen Szene-Angehörigen die zu Wort kom­men ver­lei­hen der Doku die Spur Authen­ti­zi­tät, für die es wohl den Preis erhal­ten hat. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


24 Januar

Farbe der Schnürsenkel = Politische Gesinnung?

Kategorie: Schwarze Szene6 Kommentare

rote schnuersenkel in doc martensNach­dem ich ges­tern etwas über die Kunst seine Schnür­sen­kel in die Stie­fel ein­zu­fä­deln erzählt habe, komme ich heute zu den Far­ben der Schnür­sen­kel die komi­scher­weise in man­chen Köp­fen immer noch eine Bedeu­tung haben. Gleich von vorne her­ein: Die Farbe der Schnür­sen­kel hat nichts mit der poli­ti­schen, sexu­el­len oder jugend­kul­tu­rel­len Aus­rich­tung zu tun, ebenso wenig wie die Schnürung.

Ange­fan­gen hat das wie immer mit den Nazis, die sich den Style der Skinhead’s aneig­ne­ten und den Far­ben der Schnür­sen­kel erst diese kon­tro­verse Bedeu­tung anhef­te­ten. So ste­hen die wei­ßen Schnür­sen­kel in schwar­zen Stahl­kap­pen­stie­feln für »White Power«, die über­le­gene Kraft der wei­ßen Gesell­schaft. Rote Schnür­sen­kel bil­den nach heu­ti­ger Mei­nung den Gegen­pol dazu und auch die ech­ten Skin­heads spran­gen auf den Zug auf und benut­zen Schwarze und Weiße Schnür­sen­kel um ihrem Gefühl »Black and White Unite« Aus­druck zu ver­lei­hen. Vergebens.

Fakt ist, das die Skin­heads schon lange vor dem neu auf­er­stan­de­nen Faschis­mus Ende der 70er weiße Schnür­sen­kel in ihren Stie­fel tru­gen, weil es ein­fach gut aus­sah. Auch rote und anders­far­bige wur­den benutzt um sei­nen spe­zi­el­len Style zu indi­vi­dua­li­sie­ren. Da die meis­ten jugend­li­chen aus der eng­li­schen Arbei­ter­klasse stam­men, die eine beson­dere Lei­den­schaft für den Fuß­ball mit­brach­ten, wur­den die Farbe der Schnür­sen­kel auch dazu benutzt, die Ver­eins­zu­ge­hö­rig­keit zum Aus­druck zu brin­gen. Rot-Weiß für Arse­nal, Rot Gelb für Man­ches­ter oder auch die rein Roten Schnür­sen­kel für Liver­pool. Das sind aber genauso unbe­legte Gerüchte und Mythen wie die ande­ren Geschich­ten, die sich um die Farbe der Schnür­sen­kel ran­ken. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


11 Januar

Skinhead Family Tree

Es gibt unzäh­lige Bücher, Filme und Mei­nun­gen über die Skin­heads, eine der ältes­ten und popu­lärs­ten Jugend­be­we­gun­gen. Die zwei­fel­hafte Popu­la­ri­tät ist eine unbe­ab­sich­tigte Folge der Poli­ti­sie­rung durch rechts­ex­treme eng­li­sche Par­teien und Ver­bände Ende der 70er, die sich das Gewalt­po­ten­tial zu Nutze machte um auf ihre Ziele durch Aggres­sion in Hand­lung und Aus­se­hen auf­merk­sam machen wollte. Jah­re­lange nega­tive Bericht­er­stat­tung mit dem immer glei­chen Feind­bild formte das Gesell­schafts­bild des Skin­head, das mit den Ursprün­gen und Absich­ten so über­haupt nichts zu tun hat. Die Asso­zia­tion Skin­head = Nazi scheint in den Köp­fen der Bevöl­ke­rung fest­ge­brannt und ein­ge­mei­ßelt. Immer wie­der ver­sucht man anschau­lich die­ses hart­nä­ckige Vor­ur­teil zu besei­ti­gen, lei­der viel zu sel­ten ein­fach und anschaulich.

Beim Kraft­fut­ter­mi­sch­werk fand ich den Skin­head Family Tree, der sehr anschau­lich und in Kurz­form die Geschichte des Skin­head auf­zeigt. Obwohl sich sicher­lich um Daten und Dar­stel­lung strei­ten lässt, zeigt das Bild sehr anschau­lich wie was mit wem zusam­men­hängt. Ich habe ver­sucht den Text und die Aus­sage ins Deut­sche zu über­set­zen,  Ver­bes­se­run­gen und Kor­rek­tu­ren bitte in die Kom­men­tare. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


9 Februar

Zeitbilder: Jugendkulturen in Deutschland 1950-1989

Kategorie: Wortkunst3 Kommentare

Bun­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung klingt äußerst eklig und schmeckt wie ein alter, zu weich gewor­de­ner Scho­ko­rie­gel — zumin­des­tens rein Geis­tig.  Die BPB hat es sich zur Auf­gabe gemacht, Infor­ma­tio­nen über Poli­tik, Kul­tur und Geschichte auf­zu­be­rei­ten und in zahl­rei­chen Publi­ka­ti­ons­rei­hen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Unter der Reihe Zeit­bil­der, sind zwei Bände von Klaus Farin zum Thema Jugend­kul­tur erschie­nen, die ich euch nicht vor­ent­hal­ten möchte.

Die­ser Arti­kel beschäf­tigt sich mit dem ers­ten Band der Reihe, der Ent­ste­hungs­ge­schichte der Jugend­kul­tu­ren in Deutsch­land, die nahezu jeden Leser inter­es­sie­ren dürf­ten, denn jeder ist schließ­lich mal jung gewe­sen. Es geht aber nicht um die Jugend schlecht­hin, son­dern um die Min­der­hei­ten, deren Ein­fluss auf die große Mehr­zahl der Gleich­alt­ri­gen, die sich mit kei­ner Jugend­kul­tur im gan­zen iden­ti­fi­zie­ren kann, nicht unter­schätzt wer­den sollte. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


4 Februar

Skin - Hass war sein Ausweg

cover_dvd_big1979, irgendwo in den Nie­der­lan­den. Die anfangs den Punks nahe ste­hen­den Skin­heads radi­ka­li­sie­ren sich immer mehr nach rechts. Dem 17jährigen Fran­kie, Sohn eines jüdi­schen KZ-Überlebenden, ist gar nicht rich­tig klar, auf wen er sich da ein­ge­las­sen hat. Die neuen Kum­pel haben ihn ein­fach mit­ge­nom­men. Jetzt weiß er wenigs­tens, wo er hin­ge­hört, bekommt Aner­ken­nung und Auf­merk­sam­keit. Das konn­ten ihm sein schwer trau­ma­ti­sier­ter Vater und die kranke Mut­ter nicht geben. Die Bin­dun­gen zu sei­ner Fami­lie und sei­nem bis­he­ri­gen Leben zer­rei­ßen immer mehr. Bis es zu einer Kata­stro­phe kommt, die Fran­kie zum Mör­der macht …

Die nie­der­län­di­schen Skin­heads, geprägt von Ursprün­gen der Bewe­gung in den mul­ti­kul­tu­rel­len Arbei­ter­vier­teln East Lon­dons, sind eine pro­le­ta­ri­sche und poli­tisch links Ori­en­tierte Jugend­kul­tur, die ein­deu­tige Par­al­le­len zu den Punks auf­weist. Zusam­men­halt und Loya­li­tät, die Fran­kie inner­halb sei­ner Fami­lie ver­misst, fin­det er hier. Zusam­men mit sei­nem schwar­zen Freund Jef­frey macht er die Nach­bar­schaft unsicher.

Faschis­ten sehen in der Gewalt­be­rei­ten und labi­len Skin­head­szene den idea­len Nähr­bo­den für ihre ideo­lo­gi­schen Ideen. Unzu­frie­den­heit mit sich selbst und dem des­in­ter­es­sierte Vater, sowie der Tod sei­ner Mut­ter las­sen in Fran­kie Hass und Aggres­sion wach­sen, die er inner­halb der Nazi-Skin Szene aus­le­ben kann. Er teilt nicht die Beweg­gründe der Szene, schmückt sich aber den­noch mit ihren Sym­bo­len um dazu­zu­ge­hö­ren. Der Film endet in einer Tra­gö­die. Den gan­zen Arti­kel lesen… »