22 April

Subkultur! - Horrorpunk

von Robert ForstKategorie: Hintergründe7 Kommentare

Misfits_logo»Hor­ror­punk ist die per­fekte Mischung aus Punk-Rock, Rocka­billy, Gothic und Heavy Metal, gepaart mit der Atmo­sphäre klas­si­scher Hor­ror­filme und dem Trash-Faktor der 50er Jahre Grusel-Comics. Hor­ror­punk ist düs­ter und sub­ver­siv aber gleich­zei­tig lebens­be­ja­hend und ein Garant für gute Laune« Schöne Zusam­men­fas­sung, nicht von mir son­dern von Thors­ten Wilms, Chef von Fien­d­force Records, einem der bekann­tes­ten Label für das Hor­ror­punk Genre. Aber eins nach dem anderen.

Mit dem Punk der 70er Jahre wurde alles das ver­wurs­tet, was pro­vo­zierte und anders war. Als die eng­li­sche Band The Dam­ned 1976 in das Horn der Dilet­tan­tis­mus blie­sen und ihren Punk spiel­ten, brach­ten sie eine ganz neue The­ma­tik in die Musik, den Hor­ror. Inspi­riert durch alte Hor­ror­filme und B-Movies brach­ten sie nicht nur typi­sche musi­ka­li­sche Ele­mente unter, son­dern schmück­ten auch sich mit Ele­men­ten der Filme. Strei­fen wie Nos­fe­ratu (1922) oder auch TV-Serien wie The Muns­ters und die Addams Family (1964) wir­ken nach heu­ti­gen Maß­stäbe eher lus­tig, sollte aber ein­mal Stil­prä­gend für den Hor­ror­punk wer­den. 1977 grün­de­ten sich The Mis­fits, bei denen sich all diese Dinge in einer ein­zi­gen Band mani­fes­tier­ten und damit den Grund­stein für das Genre Hor­ror­punk leg­ten. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


18 März

Too much Future - Ost!Punk

 

Von eben die­ser Zeit berich­tet Cars­ten Fie­be­lers Doku­men­ta­tion Too much Future — Ost!Punk,  der bereits 2007 fer­tig­ge­stellt wurde. Darin erzäh­len zwei Frauen und vier Män­ner von ihren unter­schied­li­chen Lebens­ent­wür­fen, deren Gemein­sam­keit der Schnitt­punkt Punk ist die sich alle wäh­rend ihrer Zeit mit der Frei­heits­be­rau­bung durch den Staat DDR aus­ein­an­der­set­zen muss­ten. Wäh­rend die Punk im Wes­ten gegen die Atom­kraft pro­tes­tier­ten und ihre Abnei­gung gegen den Staat offen­bar­ten, war das Leben des Punk im Osten des Lan­des geprägt von dem ewi­gen Zwie­spalt und der Grat­wan­de­rung zwi­schen Pro­vo­ka­tion und Knast. Der Film lebt dabei von den sehr leb­haft erzähl­ten Geschich­ten und den Ein­spie­lun­gen von Video­schnip­seln und Super-8-Filmen die­ser Zeit. Inter­es­sant ist jeder ein­zelne, das was er ein­mal war steht nicht immer in Har­mo­nie mit dem, was aus den sech­sen gewor­den ist.

Neben Jür­gen Tei­pels Buch Ver­schwende deine Jugend zeigt diese Doku­men­ta­tion den feh­len­den Teil der Gesamt­deut­schen Geschichte des Punk. Die eigent­lich völ­lig glei­chen Ideen in ver­schie­de­nen staat­li­chen Sys­te­men zu sehen, hat ihren ganz eige­nen Reiz und erwei­tert den eige­nen Hori­zont. Die Aus­wahl der Prot­ago­nis­ten des Films erscheint nicht zufäl­lig sehr exklu­siv, denn schon im Vor­feld hat sich das Team um die Doku­men­ta­tion inten­siv mit Men­schen und Per­sön­lich­kei­ten befasst und prä­sen­tiert mit den Inter­view­part­nern einen fei­nen Schnitt durch die alte und neue Punk­szene der DDR.

Bei Good!Movies ist der Film für rund 13€ zu bestel­len, Google lie­fert die Mäu­se­ki­no­ver­sion, die ich euch nicht vor­ent­hal­ten möchte und die hier in vol­ler Länge zu sehen ist. Für jeden Inter­es­sier­ten oder Ehe­ma­li­gen gehört die­ser Film aber zum Pflicht­pro­gramm und sollte in kei­nen spieß­bür­ger­li­chen EX-Punk Regal feh­len. Die DVD Ver­sion ergänzt die Doku­men­ta­tion mit vie­len der zu Grunde geleg­ten Film im Ori­gi­nal­for­mat und Inter­views mit den Regis­seu­ren, sowie zahl­rei­chen exklu­si­ven Fotos.

Film: ost!Punk — too much future — Doku­men­tar­film 2007
Regie: Cars­ten Fie­be­ler, Michael Boehlke
Dar­stel­ler: Cor­ne­lia Schleime, Colo­nel, Daniel Kai­ser, Bernd Stra­cke, Mita Scha­mal, Mike Göde
Lauf­zeit: 93 Minuten

Die Doku­men­ta­tion gibt es übri­gens bei Google Video in vol­ler Länge zu sehen, es langt zwar nur für ein Mäu­se­kino, reicht aber um einen ver­nünf­ti­gen Ein­blick zu bekom­men und sich nicht nur auf den mage­ren Trai­ler zu ver­las­sen. (via Kraft­fut­ter­mi­sch­werk)

(Bild­quelle: Ama­zon)

9 Februar

Zeitbilder: Jugendkulturen in Deutschland 1950-1989

von Robert ForstKategorie: Wortkunst3 Kommentare

Bun­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung klingt äußerst eklig und schmeckt wie ein alter, zu weich gewor­de­ner Scho­ko­rie­gel — zumin­des­tens rein Geis­tig.  Die BPB hat es sich zur Auf­gabe gemacht, Infor­ma­tio­nen über Poli­tik, Kul­tur und Geschichte auf­zu­be­rei­ten und in zahl­rei­chen Publi­ka­ti­ons­rei­hen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Unter der Reihe Zeit­bil­der, sind zwei Bände von Klaus Farin zum Thema Jugend­kul­tur erschie­nen, die ich euch nicht vor­ent­hal­ten möchte.

Die­ser Arti­kel beschäf­tigt sich mit dem ers­ten Band der Reihe, der Ent­ste­hungs­ge­schichte der Jugend­kul­tu­ren in Deutsch­land, die nahezu jeden Leser inter­es­sie­ren dürf­ten, denn jeder ist schließ­lich mal jung gewe­sen. Es geht aber nicht um die Jugend schlecht­hin, son­dern um die Min­der­hei­ten, deren Ein­fluss auf die große Mehr­zahl der Gleich­alt­ri­gen, die sich mit kei­ner Jugend­kul­tur im gan­zen iden­ti­fi­zie­ren kann, nicht unter­schätzt wer­den sollte. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


2 Dezember

Subkultur! - Batcave

von Robert ForstKategorie: SubKultur!42 Kommentare

Der Batca­ver ist der pun­kigste aller Gruf­ties. Mar­ken­zei­chen sind Iro­ke­sen­fri­sur oder hoch­tou­pierte Haare, die oft­mals mit pin­ken oder grü­nen Farbe ver­se­hen sind, am liebs­ten in Neon. Netz­hem­den, Hand­schuhe und Strumpf­ho­sen trägt man grund­sätz­lich kaputt, eine kleine Indus­trie ver­sorgt den Batca­ver sogar mit vor­kon­fek­tio­nier­ten Löchern in Strumpf­ho­sen. In der sonst düs­te­ren Umge­bung mit trau­ri­gen Gesich­tern lacht er fre­cher­weise. In Dis­cos wird hem­mungs­los gehüpft, gerne auch mal gesprun­gen.  Den Namen hat man nicht etwa von Bat­man, son­dern einem im Juli 1982 eröff­ne­ten Club in Lon­don, dama­li­ger Kno­ten­punkt der bri­ti­schen Gothic Szene, der hat sei­nen Namen aber von Bat­man. Frü­her hörte man Alien Sex Fiend, The Spe­ci­men und Cinema Strange. Heute auch. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


24 November

Pikes - Gesucht, gefunden, geangelt

von Robert ForstKategorie: Schwarze Szene9 Kommentare

Ein Pike in ReinformWie ich schon frus­triert in die­sem Arti­kel berich­tet habe, gestal­tete sich die Suche nach Win­kle­pi­ckern oder auch Pikes genannt, schwie­rig. Nun war es aber soweit, das ich mein Ver­spre­chen das ich Spon­ti­li­en­chen gege­ben habe, ein­zu­lö­sen — Eine Shop­ping Tour nach Düs­sel­dorf.  So kam es dann, dass ich mich am letz­ten Wochen­ende mit­ten im jetzt schon gefühl­ten Weih­nachts­ge­tüm­mel wie­der­ge­fun­den habe. Es reicht ja nicht, dass uns die Prin­ten und Mar­zi­pan­kar­tof­feln schon im Okto­ber aus den Rega­len anläch­len, jetzt ist schon Mitte Novem­ber alles im Weihnachtsfieber.

Treu und Loyal habe ich Spon­ti­li­ene auf ihrer Tour beglei­tet, ihr mit Rat und Tat zur Seite gestan­den, sie in ihren Unsi­cher­hei­ten auf­ge­fan­gen und modi­sche Aus­rut­scher gna­den­los und ver­nich­tend kom­men­tiert. Als ich mich dann schon mit Tüten bela­den mei­nem Schick­sal voll­ends erge­ben wollte, ent­deckte ich in einer dunkle Sei­ten­gasse einen Licht­blick, sehe ich da etwa Doc Mar­tens in einem Schaufenster?

Wo die sind, gibt es noch mehr sagte ich mir und so änderte ich die Rich­tung ohne mit der Wim­per zu zucken, bog rechts ab und hielt auf den Laden Pick Up zu. Noch wusste Spon­ti­li­en­chen gar nicht wie ihr geschah, da fand sie sich schon an mei­ner Seite mit­ten im Laden vol­ler schö­ner Schuhe wieder.

Ich war kurz davor die Kon­trolle über mei­nen Spei­chel­fluss zu ver­lie­ren, als ich sie dann gese­hen habe, ein paar schwarze mit vier Schnal­len ver­se­hene und spitze Pikes. Ein­mal da und das auch noch in mei­ner Größe. »Sol­che Schuhe hat­test du in dei­ner Jugend auch, stimmt’s?« begeg­nete mir der Ver­käu­fer, ein älte­rer und pun­ki­ger Typ, der bereits in den 70er seine Puber­tät fei­erte. Ich erwi­derte kühn: »Ja hatte ich, aber sehe ich schon so alt aus?« Seine Ant­wort fiel kurz und ein­deu­tig aus: »Ja.«

Damit hatte ich nicht gerech­net, die­ser ver­ba­len Tief­schlag traf mich hart und unvor­be­rei­tet. Kurz bevor ich in eine Depres­sion zu ver­fal­len drohte, schlüpfte ich in die Pikes, die der Ver­käu­fer wäh­rend unse­rer Kon­ser­va­tion prä­pa­riert hatte. Passt! Was für ein Gefühl, was für ein Look. Noch bevor der Inha­ber mir mit ver­kaufs­för­dern­den Flos­keln begeg­nen konnte, war meine Ent­schei­dung gefal­len. Gesucht, gefun­den, geangelt!

So nahm der Ein­kaufs­bum­mel auch für mich einen glück­li­chen Ver­lauf, denn gefreut habe ich mich wie ein klei­ner Schul­junge. Gemacht sind die Schuhe übri­gens in Eng­land von Fan­tasy Shoes, aber das von mir erstan­dene Modell gibt es nicht mehr.  So rich­tig ein­wei­hen konnte ich die guten Stü­cke noch nicht, aber geputzt habe ich sie schon­mal pro­phy­lak­tisch, bleibt nur die Frage, was ziehe zu mei­nen Schuhen an?


10 Oktober

Als Punk Deutsch wurde - Verschwende deine Jugend

von Robert ForstKategorie: Wortkunst2 Kommentare

Wer schon immer wis­sen wollte, wer oder was für die deut­schen Sze­nen des Punk, New Wave oder NDW ver­ant­wort­lich ist, sollte sich Jür­gen Tei­pels Buch Ver­schwende deine Jugend ein­mal genauer anse­hen. Tei­pel hat inner­halb von 3 Jah­ren alle für ihn wich­ti­gen Prot­ago­nis­ten der 1977 erst­mals auf­flam­men­den Punk Bewe­gung inter­viewt und diese in chro­no­lo­gisch sor­tier­ter Form in ein Buch gebracht. Das Buch liest sich daher wie eine Doku­men­ta­tion ohne den Ver­such Fak­ten zu schaffen.

Inter­es­san­ter Weise gibt es in vie­len Inter­vie­waus­schnit­ten Über­schnei­dun­gen mit den Dar­stel­lun­gen ande­rer, so das sich inner­halb die­ser doku­men­ta­ri­schen Ansicht viele kleine Geschich­ten und Anek­do­ten her­aus­kris­tal­li­sie­ren. Tei­pel ver­knüpft die Geschich­ten geschickt und stellt so unter­schied­li­che Ansich­ten der glei­chen Bege­ben­heit dar. Die Natür­lich­keit der Spra­che hilft dabei, authen­tisch zu sein ohne ein ein­zi­ges Mal als all­ge­mein­gül­tig oder gesamt­deutsch zu erschei­nen. Fak­ten spie­len eine unter­ge­ord­nete Rolle, die Geschichte und Anek­do­ten ste­hen im Vordergrund.

Ver­ein­zelt gestreute Fotos aus jener Zeit ver­su­chen der Geschichte zu einem Bild zu ver­hel­fen, wer­den die­sem Anspruch aber nicht gerecht und ver­kom­men so zu einem net­ten Mit­bring­sel. Das Buch ver­sucht nicht Punk oder Jugend­kul­tu­ren zu erklä­ren son­dern bie­tet einen sehr authen­ti­schen Rück­blick in die Blü­te­zeit des deut­schen Punk. Über 100 Gesprächs­part­ner und ein peni­bel geführ­ter zeit­li­cher Ver­lauf machen das Buch zu einer Wis­sens­grund­lage, die in kei­nem Bücher­re­gal feh­len sollte. Den gan­zen Arti­kel lesen… »