Schon wieder wählen gehen? Ein schöner Samstag, so schön dass ich den Wunsch einen kleinen Einkaufsbummel zu versuchen in die Tat umgesetzt habe. Natürlich war ich mir der Tatsache bewusst, das es wohl voll werden würde. Schließlich steht die Landtagswahl vor der Tür und außerdem spielt der heimische Fußballverein auf eigenem Rasen. Auf halbem Weg dann verwunderte mich ein massives Polizeiaufgebot um den Stand einer Partei herum, das sich aus der Entfernung durch lautstarkes Pfeifen und Grölen einer anwesenden Menschenschar bemerkbar machte.
Ein verrücktes Bild. Da musste der mit rund 10 Personen besetzte Stand von vielleicht 80 Polizisten vor rund 120 aufgebrachten Menschen „beschützt” werden. Überall filmten Kameras das Geschehen. Die Partei Pro-NRW filmt mit 3 Kameras die gegen sie aufgebrachten Menschen, die ebenfalls mit 4 Kameras zurückfilmten. Mittendrin dann die Polizei, die ebenfalls mit 2 Kameras filmte. Der Überwachungsstaat färbt auf seine Bürger ab, irgendwie Paradox. Immerhin konnte man von den wahrscheinlich lächerlichen Parolen der Partei Pro-NRW nichts hören. Das ist auch besser so, sonst hätte sich wohlmöglich jemand dazu verleiten lassen können sich durch Menschen und Polizeiabsperrung zu drängen um eines der Flugblätter zu ergattern. Ruhige Minuten zwischen den Rufen aufgebrachter Bürger nutzte ich schamlos aus um mich selbst mit Pfiffen an der Gruppendynamik zu beteiligen.
Und dazwischen immer wieder Passanten, die von dem ganzen Geschehen nichts wissen wollten und der Sache lieber mit gesenktem Blick aus dem Weg gingen. Ein junges Paar kreuzte mein Sichtfeld, bei denen ich im vorbeigehen „Müssen wir schon wieder wählen gehen?” aufschnappen konnte. Ja, ihr müsst. Sonst bringt die ganze Demokratie nichts. Wen ihr wählt, müsst ihr entscheiden. Ihr seid unpolitisch und habt keinen Bock zu wählen? Gut, dann meckert aber später nicht rum was euch alles nicht gefällt an diesem (Bundes-)Land. Nutzt die Zeit die ihr bis morgen noch habt und beschäftigt euch mit der Landtagswahl in NRW mit den Kandidaten und den Programmen, jeder hat doch etwas, was ihn besonders stört oder interessiert. Unpolitisch heißt nicht, den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten was passiert.



