Die Geschenke sind verteilt, das Weihnachtsessen hat alle satt und zufrieden gemacht. Die ganze Familie sitzt zusammen, man redet angeregt und seufzt im Kollektiv, wenn Opa wieder anfängt von früher zu erzählen. Wie wenig sie zu essen hatten, wie kalt es gewesen ist und wie froh man war, wenn das Christkind einen Schokoriegel brachte. Der allgegenwärtige Krieg, die Angst vor der Gestapo, von den polternden Schritten der SS, die aus dem Nachbarhaus wieder eine jüdische Familie verschleppte. Als Oma anfängt zu weinen, werden die Kinder in Wohnzimmer geschickt oder gehen freiwillig, »Stirb langsam — Jetzt erst recht« ist spannender als die Geschichten der Großeltern.
Was passieren kann, wenn Vergangenheit verdrängt wird, zeigt der Kurzfilm »Der kleine Nazi« von Petra Lüschow, der auf satirische Weise ein Weihnachten inszeniert, bei dem Verdrängung oder Beschönigung zur schallenden Ohrfeige wird. Wie lange haben wir noch Augenzeugen, die uns erzählen können wie es wirklich war? Warum gibt es nur gute Geschichten, in denen man half einen Juden zu verstecken oder zu befreien? Wo sind die Geschichten von falschen Idealen, von der Angst dagegen zu sein und von der Macht der Masse? Den ganzen Artikel lesen… »





