3 August

Musikperlentaucher - Tauchgang #22

Absurd Minds - Deception

Es gibt kein undank­ba­rere Bezeich­nung als »Futu­re­pop«, denn ist die Musik­rich­tung in vie­len Kritiker-Ohren ein Syn­onym für weich­ge­spül­tes, ober­fläch­li­ches und main­strea­mi­ges. Dabei for­mie­ren sich schon seit Jah­ren unter dem Genre einige viel ver­spre­chende Bands, die sich zwi­schen den Wel­ten bewe­gen. Die Absurd Minds, die auch 2011 auf dem WGT zu Gast gewe­sen sind, bewe­gen sich seit 1995 in schwar­zen Krei­sen und wur­den von Ste­fan Groß­mann und Tilo Lad­wig ins Leben geru­fen um spä­ter durch Timo Fischer ver­stärkt. Mit ihrem Auf­tritt im Dresd­ner Szene­club »Bun­ker« im Jahre 1999 erlang­ten sie schnell Aner­ken­nung und fan­den beim Label »Scan­ner« ein neues Zuhause für ihre elek­tro­ni­schen Schöp­fun­gen. Ihr Debüt­al­bum »Decep­tion« wurde schnell zum Erfolg auf schwar­zen Tanz­flä­chen und schwamm auf der Welle der immer popu­lä­re­ren Futurepop-Formationen mit. Das Stück »Decep­tion« vom eben genann­ten Album aus dem Jahr 2000 darf daher ohne mit der schwar­zen Wim­per zu zucken als Musik­perle bezeich­net werden.

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11 Januar

Musikperlentaucher - Tauchgang #19

Depeche Mode - Ice Machine

»Jung, zart und so frisch wie Gebirgs­bach…« so beschreibt Jour­na­lis­tin Betty Page 1981 den Sound der blut­jun­gen Eng­län­der, die sich nun Depe­che Mode und anschi­cken, den Musik­markt zu erobern. Daniel Mil­ler von Mute Records, der sich zunächst nicht für die Band inter­es­siert, sieht sie im Vor­pro­gramm von Fad Gad­get und ändert seine Mei­nung. Ein Fol­gen­schwere Ent­schei­dung, denn jetzt stellt sich mit der ers­ten Sin­gle »Drea­ming of Me« der Erfolg ein. Obwohl der Song nur auf Platz 57 der Charts ein­stieg über­schlu­gen sich nun die Ereig­nisse und fan­den in der Hit­sin­gle »Just can’t get Enough« ihren Höhe­punkt. Auf der B-Seite ihrer ers­ten Sin­gle fin­det sich das Stück »Ice Machine«, das es nie auf ein offi­zi­el­les Album schaffte, son­dern immer im Schat­ten noch erfolg­rei­che­rer Stü­cke ver­sinkt. Grund genug es noch ein­mal her­aus­zu­kra­men, denn ver­ste­cken muss es sich wirk­lich nicht. Ehr­lich, sym­pa­thisch und ein klein biss­chen naiv — die Jungs aus Basildon.

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30 November

Musikperlentaucher - Tauchgang #18

Silvia - Zuerst Ich

Mit Stumpffer Feder geschrie­ben, so prä­sen­tiert sich Sil­via 1982 mit ihrem auf Schall­mauer erschie­nen Longplayer »Sil­via«, denn für diese NDW Perle zeigt sich in ers­ter Linie Tommi Stumpff ver­ant­wort­lich, der bei der KFC den frü­hen Punk der Düs­sel­dor­fer Szene mit gestal­tete.  2003 wurde Sil­vias »Sil­via« dann erneut ver­öf­fent­licht und zeigt sich aktu­el­ler denn je, denn jen­seits vom alten Staub der Neuen deut­schen Welle eröff­net sich dem Hörer eine Elek­tro­perle, die neben wirk­lich ein­gän­gi­gen Klän­gen auch auf der Text­seite etwas zu bie­ten hat. Obgleich man den Stil mit einer DAF Kopie ver­glei­chen könnte, so legt die ein­ge­hende und kühle Art zusam­men mit der mini­ma­lis­ti­sche klang­li­chen Unter­ma­lung deut­li­che Wave-Anleihen offen. Lei­der ist viel zu wenig von Sil­via selbst bekannt als das ich aus­schwei­fend dar­über schrei­ben könnte. Des­halb las­sen wir sie und ihre Musik für sich sprechen.

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19 August

Musikperlentaucher - Tauchgang #15

Clan of Xymox - A Day

Die neue Deut­sche Welle ist schon fast vor­bei als sich Ronny Moo­rings davon inspi­rie­ren lässt und 1984 zusam­men mit Anke Wol­bert die Band Xymox. Zusam­men mit den Ein­flüs­sen aus der bri­ti­schen Gothic-Rock Musik for­men die Nie­der­län­der ihre Musik und ver­öf­fent­li­chen ihre erste EP »Sub­se­quent Plea­su­res«. Nach einem Auf­tritt in Bar­ce­lona began­nen die Dreh­ar­bei­ten zu dem Video-Clip von »A Day«. Gedreht wurde dann auch gleich in Spa­nien, genauer gesagt in Cadaqués, einem Fischer­dorf an der Costa Brava, unter ande­rem auch vor Sal­va­dor Dalis Haus. Das legen­däre Label 4AD wurde neu­gie­rig und kaufte das Video, das spä­ter auf MTV gezeigt wurde und für den letzt­end­li­chen Durch­bruch der Band sorgte. Nach zahl­rei­chen Namens­wech­seln zwi­schen Xymox und dem Clan of Cymox ver­öf­fent­lichte letz­te­rer 2009 ihren neuen Longplayer »In Love we Trust«.

Charles de Goal - Exposition

Was mit den Goril­laz zunächst neu und mys­te­riös erschien, ist ein alter Hut. Charles de Goal war in den frü­hen 80er zu einem Mys­te­rium avan­ciert, denn obwohl jeder den Underground-Kracher Expo­si­tion kannte, wusste man nicht das geringste über die Band. Das fran­zö­si­sche New Rose Label ver­öf­fent­lichte das Debüt der Band und formte dar­aus den über die Lan­des­gren­zen hin­aus geach­te­ten Longplayer »Algorhyt­mes«. Die Ein­flüs­sen von Kraft­werk, DAF, Der Plan, Gang of Four, XTC oder auch Devo waren nicht zu über­hö­ren. Die Fran­zo­sen inten­si­vier­ten den tech­no­iden Zeit­geist und kom­bi­nier­ten die Wur­zeln des Punk mit mini­ma­len Beats und senk­ten die Stim­mung auf unter 0 Grad Cel­cius. Spä­ter nannte man es Cold­wave. 2008 dann die klang­lich über­ra­schende Ver­öf­fent­li­chung von »Restruc­tu­ra­tion«, das die Idee von Expo­si­tion wei­ter­ent­wi­ckelt und ins Jetzt überführt.

Yazoo - Winter Kills

Syn­t­hie­pop­per kön­nen auch anders. Nach­dem Synthie-Visionär Vince Clarke bei Depe­che Mode 1981 aus­stieg, grün­dete er mit sei­ner Schul­freun­din Aly­son Moyet die Band Yazoo. Ursprüng­lich sollte nur ein Song mit der damals 20-jährigen ent­ste­hen, glück­li­cher wurde mehr dar­aus. Zwi­schen 1981 und 1983 agier­ten die 2 unglei­chen sehr erfolg­reich und brach­ten auch die schöne Bal­lade Win­ter Kills her­aus, die auf  dem Album »Ups­tairs at Eric’s« eine außer­ge­wöhn­li­che schöne Abwechs­lung dar­stellt. Hier in einer BBC-Live Fas­sung, des­sen Text ich nicht vor­ent­hal­ten möchte: »Green in your love on bright days, You grew sun­blind you thought me unkind, To remind you how win­ter kills, Lost in day­dreams you drove too fast and got nowhere, You rode on half fare when you got too sca­red — How win­ter kills — Tear at me sear­ching for wea­ker seams, Pain in your eyes makes me cruel, Makes me spi­te­ful tears are delight­ful wel­come your night­fall — How win­ter kills«


20 Juli

Musikperlentaucher - Tauchgang #14

X-mal Deutschland - Mondlicht

Die stark unter­kühlte und ehe­ma­lige Front­frau Anja Huwe hat sich ja mitt­ler­weile der Kunst ver­schrie­ben und ist mit ihrer Aus­stel­lung »Lis­ten to the Pic­tures« auch in Deutsch­land selbst unter­wegs. Sie prägte in den frü­hen 80ern eine Büh­nen­prä­senz, die man durch­aus als arro­gant bezeich­nen dürfte. »Wenn ich mich sel­ber so rück­wir­kend betrachte, ich habe nie mit mei­nem Publi­kum gespro­chen, ich hab die ja nicht mal ange­guckt. Wir haben da irgend­wie unsere Num­mer abge­zo­gen und sind gegan­gen. Das war auch so Teil der Zeit das war ein Stil den man irgend­wie gepflegt hat und den man auch bis zum Exzess gepflegt hat.« Die Band, die ihre größ­ten Erfolge im Aus­land fei­erte, gehörte zu den Sti­li­ko­nen die­ser Zeit wobei man das sicher­lich auch auf die Ver­hal­tens­wei­sen und Ges­ten über­tra­gen kann. Arro­ganz als Mar­ken­zei­chen, Igno­ranz als Stil­mit­tel. Mit Mond­licht erreicht auch der Klang eine Kühle, die man bei die­sem Wet­ter wie einen küh­len Schleier des Klangs emp­fin­den kann.

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10 Mai

Musikperlentaucher - Tauchgang #13

Last Man in Europe - A Certain Bridge

Die Ein­flüsse sind unüber­hör­bar, jedoch sind Last Man in Europe mit ihrem Stück, das 1981 erschien der Zeit eine Weile vor­aus und legen schon jetzt den Grund­stein für das, was man spä­ter wohl Dark­wave oder auch Cold­wave nen­nen würde. Benannt nach einem der Original-Titel des Orwell Klas­si­kers 1984 wurde sie mit ihrer als Sin­gle gedach­ten Platte bei Coc­teau Records unter Ver­trag genom­men und pro­du­zier­ten lei­der nur diese eine Sin­gle. Schade eigent­lich. Über die Band wurde nicht viel über­lie­fert, aus­ge­dehnte Recher­che im Netz blieb bis jetzt erfolg­los und doch hat das Stück auf der 7″ Platte bis heute Kult-Status und Sammlerwert.

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31 August

Musikperlentaucher - Tauchgang #07

Human League - Being Boiled

Mit­ten im Punk grün­det sich 1977 die Band Human Lea­gue, die mit ihrer Musik schon einen gan­zen Schritt wei­ter war, als man das zunächst erfas­sen konn­ten. Ihr Stück Being Boi­led, das 1978 erschien ist zu die­ser Zeit eher ein Untergrund-Hit in der sonst sehr pun­k­las­ti­gen Zeit der spä­ten sieb­zi­ger und wird von der Musik­in­dus­trie noch igno­riert, die gerade damit beschäf­tigt ist, den Punk zu ver­mark­ten. Das Ori­gi­nal­stück (Video) gilt als Mei­len­stein in der musi­ka­li­schen Ent­wick­lung vom Punk zum New Wave noch bevor über­haupt jemand von die­ser neuen Musik­rich­tung sprach. Erst mit einer neu gemisch­ten, etwas schnel­le­ren Ver­sion und 4 Jahre spä­ter errei­chen sie damit eine Chart-Platzierung in Eng­land. Jetzt passte der Sound auch kom­mer­zi­ell bes­ser in die musi­ka­li­sche Land­schaft der frü­hen 80er, denn was Human Lea­gue mit dem Stück ein­läu­tete war nun Rea­li­tät gewor­den. Das Ori­gi­nal ist weni­ger geläu­fig, so das ich mich für den Remix aus dem Jahre 1982 ent­schie­den habe.

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15 August

Musikperlentaucher - Tauchgang #06

Kategorie: Dunkle Klänge3 Kommentare

Visage - Fade to Grey

Die Explo­sion der Musik­stile Anfang der 80er führte auch zu eini­gen inter­es­san­ten Rand­er­schei­nun­gen was Out­fit und Selbst­in­sze­nie­rung angeht. Als New Roman­tic bezeich­nete man die Welle der visu­el­len Außen­sei­ter, die sich selbst zur ästhe­ti­schen Avant­garde zähl­ten. Allen voran Steve Strange, der mit sei­nen Exklu­si­ven Par­tys für eini­gen Wir­bel sorgte und für die strengste Tür in ganz Lon­don bekannt war. Selbst Musi­ker, deren Plat­ten im Club gespielt wur­den ver­wehrte man den Ein­tritt. Um sei­nem Gefühl für Ästhe­tik auch in der Musik Aus­druck zu ver­lei­hen, grün­dete Steve Strange zusam­men mit Midge Ure die Band Visage, die mit ihrem Titel Fade to Grey einen Welt­er­folg lan­de­ten. Wenn Musik arro­gant sein kann, dann mit die­sem Titel, der rüber­kommt wie eine Hul­di­gung des Hedo­nis­mus, von vie­len aber nur noch dar­auf redu­ziert wird. Mit abeb­ben der Mode­be­we­gung 1984 starb auch die Band Visage. Der Song ist jedoch Syn­onym für diese Mode­be­we­gung, was im Video auch sehr deut­lich rüber­kommt und eine Moment­auf­nahme die­ser auf­gre­gende Zeit ist. Die Lei­den­schaft zur Selbst­in­sze­nie­rung mün­dete spä­ter in der Gothic-Bewegung und beim Visual Kei. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


29 Juli

Musikperlentaucher - Tauchgang #05

Kategorie: Dunkle Klänge4 Kommentare

Malaria! - Kaltes klares Wasser

Heute ist mir nach Deutsch. Als Punk noch neu war und New Wave die neue Avant­garde, machte die Ber­li­ner Frauen Combo Mala­ria! 1981 von sich reden. Zum einen natür­lich, weil es alles Frauen waren, die mit ihren Durch­set­zungs­ver­mö­gen und ihrer bur­schi­ko­sen Art die männ­lich domi­nierte Musik­szene auf­misch­ten und zum ande­ren weil ihre Musik  so anders, so expe­ri­men­tell und so Deutsch war. Gerade als Punk sich zu eta­blie­ren schien und New Wave für neu gehal­ten wurde, sprengte die Band den künst­le­ri­schen Rah­men und ver­einte die meis­ten Musik­rich­tun­gen unter einer neuen künst­le­ri­schen Sonne. Gerade in Künst­ler­krei­sen, aus denen auch Front­frau Gudrun Gut stammt, war man ganz ver­zückt von der Ener­gie der 4 Ber­li­ne­rin­nen. So war ihr Stück Kal­tes kla­res Was­ser auch zunächst als Live-Performance aus­ge­legt und sollte eigent­lich gar nicht auf Platte gepresst wer­den, doch schnell ent­deckte der Under­ground das Stück für sich und machte es zum Hit. Den meis­ten wird sicher­lich die Dance-Version von den Chicks on Speed ein Begriff sein, mir gefällt das Ori­gi­nal aber bes­ser — es ist küh­ler, dunk­ler und viel klarer.

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22 Juni

Musikperlentaucher - Tauchgang #04

Kategorie: Dunkle Klänge6 Kommentare

The Sister of Mercy - Adrenochrome

Die Väter des Gothic-Rock mit einer Band­har­mo­nie wie eine Sinus­kurve gehört sicher­lich zu den ein­fluss­rei­che­ren Bands der 80er Jahre. Der sehr eigene Stil aus dem düs­te­ren Gesang von And­rew Eldritch und der größ­ten­teils gelun­ge­nen Mischung aus Gothic, Rock und New Wave zeich­nen sich mei­ner Mei­nung nach Ver­ant­wort­lich für den gro­ßen Erfolg, den die Band Mitte der 80er Jahre fei­erte. Der Band­name The Sis­ters of Mercy (SoM) ist eine Anleh­nung an Leo­nard Cohens gleich­na­mi­gen Song und steht im eng­li­schen ebenso für eine umgangs­sprach­li­che Aus­drucks­form für Pro­sti­tu­ierte und hat weni­ger mit dem Orden der Barm­her­zi­gen Schwes­ter zu tun. Die SoM dis­tan­zie­ren sich heute von der Gothic Bewe­gung, deren Zuge­hö­rig­keit ihnen von Jour­na­lis­ten ange­hef­tet wor­den ist. Klingt plau­si­bel, schließ­lich sprach zu die­ser Zeit noch nie­mand von Gothic. Nach­dem sich die Band einige male trennte um gleich wie­der eine Reunion zu fei­ern sind sie seit 1996 wie­der zusam­men und tre­ten auf. Erstaun­li­cher­weise immer noch mit den alten Stü­cken, denn seit 1993 (!)  ist kein offi­zi­el­les Album mehr erschie­nen. So wir­ken die altern­den Schwes­tern heute wie Auf­zieh­männ­chen und wer­den wohl nie wie­der an alte Erfolge anknüp­fen. Aus bes­se­ren Zei­ten habe ich das gran­diose Stück Adre­no­chrome herausgesucht.

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