Ich möchte gar nicht all zu viele Worte über die Band oder das Stück verlieren, sondern hier ausnahmsweise mal das Video in der Vordergrund erheben, in dem schlaue Fragen auf schlaue Antworten treffen. »Depeche Mode machen ganz andere Musik als die Stones, aber vielleicht gibt es da irgendwelche Zusammenhänge — Magst du die Rolling Stones?« — »Ja, die sind toll!« — »Du magst? Aber eure Musik unterscheidet euch sehr.« — »Ja.« — »Also sie mögen sie schon, obwohl die Musik völlig anders ist.« […] »Der neue Song ist ein bisschen langsamer als die alten Lieder von Depeche Mode, ist das euer neuer Style?« — »Ja.« — »Nach einigem überlegen sagt er: Ja. Naja, wir werden sehen. — Und der neue Song, was ist der Inhalt?« — »Wie bitte?« — »Der Inhalt.« »Ah! Es ist im Grunde eine Liebeslied.« — »Ein Liebeslied? Zweierbeziehung sind immer aktuell.« Es gibt schon einen Grund, warum ich die Kurz-vor-dem-Auftritt-Fragen nicht leiden kann. Zum einen glänzen die Moderatoren nicht mit repräsentativen Fragen zum anderen leiden die meisten Bands wohl auch unter Lampenfieber, auch wenn es nur Playback ist. Den ganzen Artikel lesen… »
Als ich 1994 das Album »Taste« von Second Decay in mein Abspielgerät legte, zog mich das Album fest in seinen Bann. Die Mischung aus waviger Synthesizer Musik im Stile des Cold Wave unterlegt mit poetisch melancholischen Texten in deutscher Sprache übten auf mich einen besonderen Reiz aus. Nie habe ich ganz verstanden warum die Band, die Christian Purwien und Andreas Sippel 1987 gründeten, keiner hören wollte. Die Leichtigkeit der rein analogen Synthesizer mit der poppigen Attitüde erinnerte mich sofort an jüngere Werke von Depeche Mode, die Texte wahren aber deutlich eindrucksvoller als das ungleich berühmtere Gegenstück. So schlummert »Taste« ein oftmals tristes Dasein in den Regalen mancher Liebhaber, zu Unrecht, wie der damalige Underground Club Hit »I hate Berlin« zu beweisen vermag. Ich könnte jetzt noch eine ganze Reihe weiterer Stücke empfehlen, lade euch aber ein, sie selbst zu entdecken. Den ganzen Artikel lesen… »
Mit Stumpffer Feder geschrieben, so präsentiert sich Silvia 1982 mit ihrem auf Schallmauer erschienen Longplayer »Silvia«, denn für diese NDW Perle zeigt sich in erster Linie Tommi Stumpff verantwortlich, der bei der KFC den frühen Punk der Düsseldorfer Szene mit gestaltete. 2003 wurde Silvias »Silvia« dann erneut veröffentlicht und zeigt sich aktueller denn je, denn jenseits vom alten Staub der Neuen deutschen Welle eröffnet sich dem Hörer eine Elektroperle, die neben wirklich eingängigen Klängen auch auf der Textseite etwas zu bieten hat. Obgleich man den Stil mit einer DAF Kopie vergleichen könnte, so legt die eingehende und kühle Art zusammen mit der minimalistische klanglichen Untermalung deutliche Wave-Anleihen offen. Leider ist viel zu wenig von Silvia selbst bekannt als das ich ausschweifend darüber schreiben könnte. Deshalb lassen wir sie und ihre Musik für sich sprechen.
Ein kalter Dezember in Keighley 1982. In der englischen Kleinstadt in West Yorkshire treffen sich Anne-Marie Hurst, Stan Greenwood, Roger Nowell, Ian Taylor und Steve Crane und gründen die Skeletal Family (skelettartige Familie). Die charismatische Frontfrau gibt der Band ihre einzigartige Stimme und der Sound ist so typisch für den Goth der 80er. Miss Big Hair, wie ich Anne-Marie liebevoll wegen ihrer tollen Frisuren nenne wechselte 1986 in ihr neues Projekt Ghost Dance und konnte in den kurzen 3 Jahren ein Zeichen setzen, an das die neu besetzte Band nie heranreichen sollte, die sich nach zahlreichen Umbesetzungen auflöste. 2002 wurde die Skeletal Family neu gegründet und veröffentlichte mit neuer Sängerin 2009 das Album »Love, Hope & Despair«. Das Lied »Promised Land« ist eins meiner unzähligen Lieblingslieder, die mich immer wieder auf’s neue begeistern aber nur einen Ausschnitt einiger großartiger Alben sind. Wer die Familie noch nicht kennt, sollte unbedingt nach den Alben »Futile Combat« (1985) oder »Burning Oil« (1984) Ausschau halte, die meiner Meinung die Besten der Band sind.
DAF - Der Mussolini
Wuppertal 1978. Die Stadt ist bekannt für ihre musikalischen Talente… Nein, eigentlich nicht. Aber zu diesem Zeitpunkt gründete sich hier DAF, die Deutsch-Amerikanische Freundschaft. Rückblickend sind sie die Initiatoren des Elektropunk, der EBM und der ersten deutschen Wave-Welle. Damals hielt man sie nur für zwei weitere Spinner, die höchstens in Punk-Kreisen Anerkennung fanden und aus experimenteller Musik später auch kommerzielle Erfolge zauberten. Ihre Texte waren immer schon provokant diffus. Das Stück Der Mussolini bringt die Kraft und Energie die mit den äußerst konfusen Sprechtexten harmoniert gut auf den Punkt. Heute werden sie als musikalische einflussreiche Band gehandelt die nicht nur den minimalistischen Sound des späten Wave kennzeichneten, sondern auch Vorreiter der neuen Deutschen Welle und des Techno sind, obwohl sie von dessen Inhaltslosigkeit meilenweit entfernt sind. »Das ist ein Stück, bei dem es um die Austauschbarkeit von Ideologien handelt […] Es wäre für uns ganz einfach gewesen zu sagen: »Wir sind gar keine Nazis!« Aber das haben wir eben nicht gesagt. Das wollten wir auch nicht.«. Ein Stückchen deutsche Musikgeschichte gepaart mit Vergangenheitsbewältigung.
Kontrast - Einheitsschritt
Der Independent Klassiker der eigentlich auf jeder guten Party gespielt wird ist schon ein ganz eigenes Stückchen Musik, weil es die schwarze Szene dort packt, wo es weh tut. An der eigenen Eitelkeit. Die offensichtliche Ironie und die gute Portion Schwarzhumor entgeht den meisten Zuhörer, so das es nicht weiter verwunderlich ist, wenn das Stück auf unterschiedlichste Kritiken stößt. »Gerade zu »Einheitsschritt« haben wir die verschiedensten Statements zu hören bekommen — von absoluter Begeisterung bis hin zur größtmöglichen Verachtung und der Frage, was wir uns denn einbilden würden, die Schwarze Szene so zu verunglimpfen. Ich finde nach wie vor, dass Ironie ein sehr passendes Stilmittel ist, um auf Dinge aufmerksam zu machen, über die man sich geärgert hat.« Im Falle einiger schwarzen Splittergruppen mag man vermuten, das es wirklich 3 Schritte vor und 4 Schritte zurück geht, aber das nur am Rande. Die 1992 gegründete Band nannte sich ursprünglich ISECS und änderte 1999 ihren Namen in Kontrast, daher das Stück Einheitsschritt unter dem Namen ISECS entstanden und entzieht sich dem Zuhörer vielleicht aus Mangel an Quellen. (Internetseite der Band)
Ja genau. Daran habe ich auch gleich gedacht und die Ähnlichkeit ist verblüffend, doch weiter hören lohnt sich. Die Ähnlichkeit mit den Sisters of Mercy ist erstaunlich und sicher ein bisschen so gewollt. Doch The Faces of Sarah sind eine recht junge Band aus England, die sich dem Gothrock verschrieben haben. Mit ihrem Gründungsjahr 1999 sind sie wohl die jüngsten Perlen meiner Tauchgänge, passen aber so ganz und gar zu meinen persönlichen Ansprüchen. Nick Schultz, der sich als Frontmann auch für den Gesang verantwortlich zeigt, bringt mit seiner Stimme die Sache und das 80er Feeling auf den Punkt. In England sind sie durch das Whitby Festival längst populär und werden von vielen als legitime Nachfolger der Sisters gehandelt, die den Stil weiterentwickelten. Die Biographie ist kurz und gibt nicht viel her, umso besser das man sich noch etwas intensiver mit der Band beschäftigt, finde ich zumindestens. Der Song All that is Divine (All das ist göttlich) bringt die Stärken voll zu Geltung. Wer doch lieber die Sisters hört, kann sich weiter unter bedienen, den Namen der Band sollte man sich aber merken.
Eine der wohl schillerdsten Sängerinnen der 80er war das US-Amerikanische Multi-Talent Lene Lovich. Eine gute Entscheidung trafen ihren Eltern, als sie mit ihr im Alter von 13 nach England zogen. Sie besuchte die Kunsthochschule und betätigte sich als Schauspielerin, Sängerin und Go-Go Tänzerin. Nachdem sie etwa 1977 ihre Leidenschaft für die Musik entdeckte unterschied sich ihre Musik schnell vom gerade in England angesagten Punk, in der ihre Person aber Ende der 70er große Anerkennung fand. Mit dem Stück »Lucky Number« schrieb sie 1979 ihren größten Hit, der es bis auf den dritten Platz der britischen Charts brachte. Meinen Favoriten, den Bird Song, veröffentlichte sie im gleichen Jahr. Er ist die 2. von insgesamt 3 Singleauskopplungen aus dem Album »Stateless«. Fast niemanden hat es gewundert, das sich in den 80er mit dem deutschen Gegenstück, Nina Hagen zusammen tat um den schon fast legendären Film Cha-Cha zu drehen. Lene Lovich ist auch heute noch aktiv und war zuletzt auf dem Drop Dead Festival 2006 und 2007 zu sehen. (Webseite)
Ich habe mich immer schon gefragt, wer diese Babsi eigentlich ist, von dem die belgische Elektro-Wave Band The Arch (MySpace) da singt. 1987 veröffentliche die Band ihre erste Demo um gleich im Anschluss ihr Debüt-Album »As quiet as…« rauszubringen, auf der auch der auch einer der bekanntesten Lieder vertreten ist. Als Anfang der 90er die Wave-Szene ein Neuauflage erlebte landete »Babsi ist tot« schnell auf den Top-Listen der DJ’s, die Veröffentlichungen auf verschiedenen Underground Samplern Mitte der 90er sorgten für den letztendlichen Kultstatus. Doch zurück zu Babsi. Beim hören des Textes hatte ich eine Vermutung. Ich erinnerte mich an das Buch Christiane F — Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Christiane’s beste Freundin Babsi (Babette D.) starb am 19.7.1977 im Altern von 14 Jahren an einer Überdosis Heroin und war zu diesem Zeitpunkt die jüngste Drogentote in Berlin. Wer dem Text lauscht wird vielleicht folgende Zeilen erkennen. »I see you seeking vains, You can’t find one, Time is running. You get angry, You’re body’s fusing. You get mad, The needle gets… Anywhere, Anywhere«. Als der Song 1987 veröffentlicht wurde, zählte man auch den 10. Todestag. Wilde Theorie? Vielleicht.
Die Väter des Gothic-Rock mit einer Bandharmonie wie eine Sinuskurve gehört sicherlich zu den einflussreicheren Bands der 80er Jahre. Der sehr eigene Stil aus dem düsteren Gesang von Andrew Eldritch und der größtenteils gelungenen Mischung aus Gothic, Rock und New Wave zeichnen sich meiner Meinung nach Verantwortlich für den großen Erfolg, den die Band Mitte der 80er Jahre feierte. Der Bandname The Sisters of Mercy (SoM) ist eine Anlehnung an Leonard Cohens gleichnamigen Song und steht im englischen ebenso für eine umgangssprachliche Ausdrucksform für Prostituierte und hat weniger mit dem Orden der Barmherzigen Schwester zu tun. Die SoM distanzieren sich heute von der Gothic Bewegung, deren Zugehörigkeit ihnen von Journalisten angeheftet worden ist. Klingt plausibel, schließlich sprach zu dieser Zeit noch niemand von Gothic. Nachdem sich die Band einige male trennte um gleich wieder eine Reunion zu feiern sind sie seit 1996 wieder zusammen und treten auf. Erstaunlicherweise immer noch mit den alten Stücken, denn seit 1993 (!) ist kein offizielles Album mehr erschienen. So wirken die alternden Schwestern heute wie Aufziehmännchen und werden wohl nie wieder an alte Erfolge anknüpfen. Aus besseren Zeiten habe ich das grandiose Stück Adrenochrome herausgesucht.
Am Morgen des 16. August 1988 nahmen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner im Anschluss an ihren Überfall auf die eine Bank in Gladbeck mehrfach Geiseln und flüchteten mit ihnen zwei Tage lang durch Deutschland und die Niederlande. Das Drama endete 2 Tage später mit einer katastrophalen Polizeiaktion, beim dem die 18-jährige Silke Bischoff vermutlich durch einen der Geiselnehmer getötet wurde. Als Felix Flaucher und Axel Kretschmann gemeinsam Musik machen wollten, benannten sie ihre Band nach der verstorbenen Silke Bischoff und nahmen in verschiedenen Liedern Bezug zum Geiseldrama, letztlich wurde der Namen nicht zur Provokation gewählt, sondern gegen das Vergessen. 2002 trennten sich die beiden Musiker und der Bandname änderte sich nach einem Rechtsstreit zu 18 Summers. Mit ihrem Stück On the other Side schufen sie die Hyme der Gothic Bewegung der frühen 90er und gelten als Stilikone des Dark Wave Genre. Wer wissen will, worauf ich während meiner Lehre abgegangen bin, bei welchem Stück ich den Totengräbertanz einstudierte, sei dieses Lied ans Herz gelegt.
In selbe Horn zu blasen ist schon rein hygienisch bedenklich und sollte auch beim Bloggen mit Vorsicht genossen werden. Die Idee jeden Monat etwas Musik vorzustellen ist sicherlich nicht mehr die jüngste, deshalb bleibt auch nur zuzugeben, das ich mir Inspiration bei Konna und freeQnet geholt haben, man möge mir verzeihen. Ich möchte aber einen anderen Weg gehen und lieber Musik und Titel vorstellen, die nicht allen geläufig sind und doch großartige Musikperlen der Vergangenheit sind. Seit sich der Punk Ende der 70er auch in Deutschland etablierte und jeder Musik machen konnte der wollte, schossen Kreative aus allen Ecken, gründeten Bands und brachten eine unzählige Menge von Songs heraus, die voller Energie den Muff der Generationen abzulegen versuchen. Punk war der Dünger, der während der 80er neue Musikrichtungen sprießen ließ und dafür sorgte, das sich neben dem Mainstream viele kleine Flüsse formierten, von denen die Breite Masse jedoch nicht allzuviel mitbekommen hat.
Für Musikbegeisterte ist dies vielleicht eine anregende Reise durch die eigene Sammlung, es gibt immer wieder Lieder auf meinen CDs die ich vergessen oder noch nie gehört habe, seitdem ich diese konsequent digitalisiere ist die Wahrscheinlichkeit zwar größer geworden, aber dennoch schlummer viele unentdeckte Perlen unter der Oberfläche. Vorteil: Vielen Alben und Sampler die Stücke enthalten die hier vorgestellt werden, sind oft günstig auf bekannten Vertriebswegen zu bekommen. Es würde mich freuen, Feedback zu bekommen und eigene Erfahrungen mit den Liedern zu schildern. Den ganzen Artikel lesen… »
Robert @ 13:25
Spontis Weblog
Spontis berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktive Gegenkultur zur Meckerbewegung. Leidenschaftlich optimistische Artikel zwischen Melancholie und Lebensfreude mit einem Hang zum Vergangenem.
eztaKezrawhcs: Mein kleiner Schatz ist “Jagd der Vampire”. Ich kannte es noch aus Kindheitstagen und habe es mir von ein paar Jahren dann gebraucht ersteigert. Das Design ist schön...
Kleine_Punkerin: Ich finde das Bild so toll! :) Kann nicht aufhören es anzuschauen, werds mir jetzt gleich mal ausdrucken und ihn meinem Zimmer aufhängen! :) Man ist das süß!
Neo van Goth: Lest mal den Roman “Biochips” von William Gibson. Dort wird nicht nur besser als in jedem peinlichen Tanzvideo beschrieben, was Cyberpunk eigentlich ist, sondern auch das...
Neo van Goth: Bin jetzt gerade erst durch einen Link bei FB auf den Artikel gestoßen. Die angesprochene Kritik finde ich (leider) sehr berechtigt, aber teilweise aus einer zu eingeschränkten Ecke...
Death Disco: Ich hab noch einen Thread im Geschichtsforum entdeckt. Dort diskutieren sie das schon seit knapp einem Jahr, wenn ich die Daten richtig überflogen habe. http://www.geschichtsforum....
Death Disco: Ja, von den Hollywood-Pharaonen sollte man dringend Abstand nehmen. Aber in naher Zukunft wird dieses Bild eh zum Kippen gebracht. Da ist wohl seit längerem ein Film in Vorbereitung,...
Krähe von Nebenan: *Nachschlag* laut unserer ehemaligen Kunstprofessorin mit antiken Zaubertick ursprünglich ein Kupferspiegel. Vll. sollte ich mich mal wieder mit ihr in Verbindung setzten. Ich...
Robert: Vielen Dank für euer ergänzendes Wissen! @Benziel: Interessante Kombination, ich bin mir unsicher, welche Kultur für die Schaffung des Wortes verantwortlich ist, womöglich ist das...
Death Disco: Ich kann mich noch daran erinnern, dass Peter Murphy in den 80ern Werbung für Maxell-Kassetten machte. Hab den Clip sogar gefunden: http://www.youtube.com/watch?v =nZUIxGJ-ykI :D
Robert: Man beachte dann auch noch die kryptischen Texte, die er oder einer seiner Kumpels ins Mikrophon spricht: “Exorcizamus te, omnis immunde spiritus, omnis satanica potestas, omnis...