15 Dezember

Das Ende der Jugendkulturen

Kategorie: Schwarze Szene29 Kommentare

Klaus_FarinAls ich jung war, umgaben mich unzählige Jugendkulturen, ich wusste es nur nicht. 1987, da war ich 13 Jahre alt, stellte ich mich zum ersten mal auf dem Schulhof zu denen, die schwarze T-Shirts von Depeche Mode trugen und die Haare so trugen, wie Martin Gore. Von meinem Taschengeld und dem Geld von Oma kaufte ich mir meine ersten Alben, gebrauchte T-Shirts und schwarze Wildlederpikes. Als ich meiner Mutter androhte, ich würde mir die Haare so schneiden lassen wie der schüchterne blonde von Depeche Mode, drohte sie mir mit Rausschmiß.

Argwöhnisch betrachteten wir von unserer Ecke des Schulhofes wie der Techno und der Hip-Hop wieder für bunten Gestalten sorgte und auch musikalisch in die Charts einzog. Ich probierte mich aus, versuchte eine neue Szene und lernte andere Leute kennen. Irgendwann bin dann zurückgekehrt zu meinen Wurzeln, die ich nie wirklich ausgegraben habe und denen ich unterbewusst immer treu geblieben bin.

Mit dem Erwachsen werden reift dann die Objektivität, man lernt, wie man einen Schritt zurück tritt und das ganze Werk betrachtet. Erst jetzt bekommen Jugendkulturen ihren Namen und man versucht das neue und unbekannte in eine Schublade in die es nie passen wird einzuordnen. Immer wieder betrachte ich die Mode der Jugend und frage mich, wo die Kreativität geblieben ist. Alles was heute so getragen oder kombiniert wird, ist irgendwann und irgendwo schon mal gewesen.

Die Überschrift: "Seit den neun­zi­ger Jah­ren ent­ste­hen keine gro­ßen Jugend­sze­nen mehr.« regte mich nach­den­ken an. Klaus Farin, der Lei­ter des Archivs der Jugend­kul­tu­ren und Autor zahl­rei­cher Werke, die auch mein Bücher­re­gal schmü­cken gibt dem Spiegel-Online ein Inter­view zum Thema Jugend­kul­tur. »Die letzte domi­nante Jugend­kul­tur ist im Augen­blick noch Hip­Hop — und sie wird die letzte sein. Es wird klein­tei­li­ger, wider­sprüch­li­cher, schnel­ler. Die Stile flie­ßen inein­an­der über.« Den gan­zen Arti­kel lesen… »


22 Januar

Klaus Farin: Über die Jugend

Kategorie: Wortkunst5 Kommentare

essays_lEiner Auk­tion bei E-Bay habe ich zu ver­dan­ken, das ich Ende 2008 eine Ori­gi­nal­aus­gabe des von Klaus Farin ver­fass­ten Buches Über die Jugend und andere Krank­hei­ten gekom­men bin. Das Buch ist beim Archiv der Jugend­kul­tu­ren in Ber­lin erschie­nen und bie­tet auf rund 120 Sei­ten Essays und Reden des 50-jährigen Ber­li­ners aus den Jah­ren 1994 — 2008. Klaus Farin arbei­tet als Lei­ter des Archiv der Jugend­kul­tu­ren, ist Lek­tor und Initia­tor des Pro­jek­tes Cul­ture on the Road. Aus unzäh­li­gen Vor­trä­gen und Lesun­gen hat er die Quint­es­senz in die­ses kleine Buch geschrieben.

Das Buch bie­tet daher keine durch­ge­hende Geschichte son­dern ist ein lose Samm­lung von Vor­trä­gen, Kom­men­tare und andere Bei­träge  zu zen­tra­len The­men sei­ner Arbeit wie der Medi­en­dar­stel­lung von Jugend, Rechts­ex­tre­mis­mus, Jugend­ge­walt und Kri­mi­na­li­tät, Jugend­kul­tu­ren & Dro­gen sowie eine Ein­füh­rung in die Prin­zi­pien und prak­ti­sche Arbeit des Archiv der Jugendkulturen.

Es wird deut­lich, das Auf­klä­rungs­ar­beit selbst in Berei­chen nötig ist, von denen man eher eine vor­ur­teils­freier Her­an­ge­hens­weise erwar­tet hätte. So wun­dert es nicht, das viele sei­ner Reden bei Jugend­ar­bei­tern, Sozi­al­ar­bei­ter und Päd­ago­gen auf offene Ohren sto­ßen, den trotz eines brei­ten Fach­wis­sens über Kin­der– und Jugend­ar­beit fehlt vie­len der prak­ti­sche Bezug zu den ein­zel­nen Sze­nen und der Jugend­kul­tur im All­ge­mei­nen. Immer wie­der weist Farin dar­auf hin, mit den Mit­glie­dern der Szene direkt und unvor­ein­ge­nom­men in Kon­takt zu tre­ten, als sei­nen Bezug aus Fach­bü­chern und staat­li­chen Ana­ly­sen zu zie­hen. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


4 Dezember

Gothic - Über Vorurteile und Klischees

Kategorie: Schwarze Szene5 Kommentare

Ich freue mich immer wenn jemand über Sze­nen und Sub­kul­tu­ren berich­tet. Man lernt nie aus und kann immer noch etwas dazu­ler­nen oder durch kon­tro­verse Ansich­ten ande­rer sei­nen eige­nen Hori­zont erwei­tern. Viel zu oft wer­den aber die Grund­sätze ein­fa­cher Bericht­er­stat­tung ver­ges­sen, Recher­chie­ren und Infor­mie­ren. Das Netzt ist voll­ge­stopft mit Halb­wahr­hei­ten und Behaup­tun­gen, die zu nega­ti­ven Aus­schlä­gen in die Gesell­schaft füh­ren und damit Vor­ur­teile und Kli­schees schüren.

Jugend­li­che, die sich Wochen­lang in anti­fa­schis­ti­schen Grup­pen oder Initia­ti­ven wie Schule ohne Ras­sis­mus aktiv gegen Ras­sis­mus und Rechts­ex­tre­mis­mus ein­brin­gen, sind der Loka­len Presse nur ein paar Zei­len wert. Drei ran­da­lie­rende Neo­na­zis, die »Sieg heil!« gröh­lend durch die Innen­stadt lau­fen, erfah­ren sofort eine bun­des­weite Medi­en­re­so­nanz. Beson­ders dann, wenn sie aus dem Osten Deutsch­lands kommen.

Unsere Gesell­schaft ist besorgt um unsere Jugend­li­chen, möchte sie schüt­zen und in einer kon­trol­lier­ten Umge­bung auf­wach­sen sehen. Rebel­lion gegen die Nor­men und die Suche nach der eige­nen Per­sön­lich­keit und Iden­ti­tät treibt die jun­gen Men­schen in eine Szene. Die Gothic-Szene ist eine sol­che. Beob­ach­tet man die Kli­en­tel in der Dunk­len Disco fällt auf, das dort hem­mungs­los beob­ach­tet und geläs­tert wird. Uncoole Bands­hirts, beim fal­schen Ver­sand gekaufte Kla­mot­ten und schlechte Kajal­füh­rung mün­den in der Ein­schät­zung das der andere nie so gruf­tig wer­den kann wie jemand selbst. »Ich trage das schwär­zeste Schwarz«. Den gan­zen Arti­kel lesen… »