29 Juni

Eine Fledermaushöhle - Das Batcave (1982-1985)

batcaveDas Lon­don der 80er war ein Schmelz­tie­gel für musi­ka­li­sche Stile, Bands und Jugend­kul­tu­ren. Mit dem Punk hatte man der Jugend die Lust am Dilet­tan­tis­mus mit­ge­ge­ben, jeder konnte und wollte Musik machen. Im Stadt­teil Soho, genauer auf der Dean Street 69 eröff­nete im Juli 1982 das Batcave im Gebäude-Komplex des Gar­go­yle Clubs. Unzäh­lige kuriose Gestal­ten bela­gern den Sarg­för­mi­gen Ein­gang der in einen mit Spinn­we­ben geschmück­ten Raum führte, es ist die »Nacht der bren­nen­den Mär­ty­rer« und das Motto Blas­phe­mie, Lüs­tern­heit und Blut. Grün­der es Clubs war die Band Spe­ci­men, und Mit­ge­stal­ter Nik Fiend, Sän­ger der Band Alien Sex Fiend. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


5 April

Leute die lebten, als seien sie schon Tot

von Robert ForstKategorie: Schwarze Szene18 Kommentare

Eigent­lich ist es doch egal, wel­che Lei­den­schaft man hat, passt diese nicht zum aktu­el­len Zeit­geist der Gesell­schaft erfährt man eine Aus­gren­zung, gerade wenn man seine Mit­men­schen damit gewollt oder unge­wollt kon­fron­tiert. »Meis­tens schauen wir nicht erst und defi­nie­ren dann, wir defi­nie­ren erst und schauen dann.«  Von Kli­schees kann sich nie­mand frei­spre­chen, ich behaupte, das jeder irgend­ein Vor­ur­teil mit sich her­um­schleppt, sei es aus per­sön­li­chen Erfah­run­gen oder nega­ti­ven Erleb­nis­sen. Der Schritt vom Kli­schee zur eige­nen Mei­nung machen sich viele zu leicht. Anstatt sich zu infor­mie­ren über­neh­men sie das Kli­schee, oder sind zu ver­bohrt die per­sön­li­chen Ein­drü­cke zu hinterfragen.

Von den größ­ten Irr­tü­mer über Gothics habe ich ja bereits berich­tet, aber woher stam­men die eigent­lich? Deutsch­land Februar 1989, als die eigent­li­che Gothic-Szene schon ein sin­ken­des Schiff war, wollte die Medien mit Berich­ten über eben diese für Zuschauer sor­gen.  Trau­rig, das Ste­fan Aust, ehe­ma­li­ger Spiegel-Chefredakteur, der für seine groß­ar­tige Recher­che zum Baa­der Mein­hof Kom­plex einige Preise ein­kas­siert hat, sich her­gibt einen sol­chen Schund­be­richt anzu­sa­gen. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


26 Januar

Le Petit Mort - Sex, Drugs und Mukoviszidose

von Robert ForstKategorie: WortkunstKeine Kommentare

Buchcover von le petit mortJörn Ranisch, der seit sei­ner Lehre von allen »Pfeffi« genannt wird, wurde 1969 in Greifs­wald gebo­ren und gehört seit den spä­ten 80ern zu der auch in der DDR exis­tie­ren­den Gothic oder Gruftie-Szene an. In sei­ner Auto­bio­gra­phie Le Petit Mort erzählt er von guten und nega­ti­ven Erfah­run­gen mit der Szene und der übri­gen Gesell­schaft, vom trot­zi­gen Auf­be­geh­ren gegen staat­li­che Bevor­mun­dun­gen und seine lebens­be­dro­hende Krank­heit, vom Spaß am Leben in der düster-melancholischen Welt der schwar­zen Subkultur.

Als Pfeffi in der Mitte der 80er durch seine Muko­vis­zi­dose den Anschluss zur rest­li­chen Jugend in der DDR ver­lor und aus­ge­grenzt wurde, inter­es­sierte er sich mehr und mehr für alter­na­tive Jugend­sze­nen, in denen Aus­gren­zung und Anders­sein zum Leben gehört. Im Lehr­lings­in­ter­nat ent­wi­ckelte er zuneh­men­des Inter­esse für die Punk und Gruf­tie Szene und erfuhr so Zuge­hö­rig­keit zu einer Cli­que. Seit nun­mehr 20 Jah­ren lebt er als Gruf­tie unter Punks, Skin­heads und ande­ren unan­ge­pass­ten Jugend­li­chen. Eine Zeit der Frei­heit und der Selbst­ver­wirk­li­chung, abseits kom­mer­z­ori­en­tier­ter Spie­ßer und Doppelmoral.

Bücher, die ver­meint­li­che Innen­an­sich­ten einer Szene ver­mit­teln wol­len, gibt es wie Sand am Meer. Mit lächer­li­chen Ver­su­chen den Reiz der Szene zu erklä­ren, zu erfas­sen oder zu beschrei­ben hält sich Jörn Ranisch gar nicht erst auf und hebt sich damit posi­tiv vom Ein­heits­brei selbst­er­nann­ter Gothic-Bibeln ab. Das Buch ist eine akri­bi­sche Auf­lis­tung sei­nes Lebens mit allen Höhen und Tie­fen die ihm sein Umfeld oder seine Krank­heit beschert hat. Seine unver­blümte und direkte Schreib­weise machen das Buch zu einer ange­neh­men Lek­türe die kein auf­ge­schla­ge­nes Fremd­wör­t­er­le­xi­kon zum ver­ste­hen benö­tigt. Die Paa­rung mit Sar­kas­mus und Wort­krea­ti­vi­tät (»Schicht­kot­zen«) machen  aus die­sem Werk eine der bes­ten Innen­an­sich­ten der deut­schen (und ost­deut­schen)  Gothic Szene. Dar­über hin­aus zeigt es die Wende aus der Sicht eines Jugend­li­chen, Leben mit einer Behin­de­rung aus der Sicht eines Behin­der­ten und Deutsch­land aus der Sicht eines Grufties.

Jörn Ranisch mit TotenkopfNach­dem ich das Buch gele­sen hatte, erschien mir mein Leben als zu kurz um alles das nach­zu­ho­len, was Jörn Ranisch erlebt hat. Es wird deut­lich, dass unser Leben das wich­tigste Geschenk ist, das wir jemals bekom­men haben — den Tod täg­lich vor Augen lebte er sei­nen Leben so, wie es der ein oder andere gern leben würde.

Le Petit Mort bedeu­tet wört­li­che Der kleine Tod, steht im Fran­zö­si­schen aber für einen Orgas­mus. Damit beschreibt er unter ande­rem die Dua­li­tät in sei­nem ereig­nis­rei­chen Leben, denn eigent­lich muss Ranisch jeden Tag mit sei­nem Tod rech­nen, die durch­schnitt­li­che Lebens­er­war­tung eines an Muko­vis­zi­dose erkrank­ten Men­schen hat er bereits deut­lich über­schrit­ten, sein Lebens­hun­ger ist dabei unge­bro­chen, seine sexu­el­len Phan­ta­sien viel­fäl­tig und seine Krea­ti­vi­tät groß­ar­tig. Autor Jörn Ranisch lebt (immer noch) in Ber­lin, ist 38 Jahre und ist als Yoran Nesh auf sei­ner Inter­net­seite zu genie­ßen. Außer­dem enga­giert er sich noch für das Pro­jekt Cul­ture on the Road und infor­miert Jugend­li­che was es heißt, Gothic zu sein.

Dass seine 422 Sei­ten starke Auto­bio­gra­phie nicht allen gefal­len hat, zei­gen 8 geschwärzte Text­pas­sa­gen, die der Ver­lag nach Pro­zes­san­dro­hung bede­cken musste. Als Aus­gleich hat Pfeffi die Erst­auf­lage von 3000 Bücher alle per­sön­lich signiert. Das Buch ist beim Archiv der Jugend­kul­tu­ren erschie­nen und für 18€ zu haben, von denen sich wirk­lich jeder Cent lohnt.

(Bild­quelle: Yoran Nesh)

17 Dezember

Subkultur! - Gothic

von Robert ForstKategorie: SubKultur!4 Kommentare

Highgate Cemetery, LondonEigent­lich kenn­zeich­net die­ses Wort in der Form Gotik einen Bau­stil alter Gemäuer die in der rela­tiv kur­zen Epo­che von 1150 bis 1500 haupt­säch­lich Kir­chen geprägt hat. Der Köl­ner Dom ist zum Bei­spiel so ein goti­scher Bau. Das der Begriff Gothic mit Bau­sti­len die­ser Zeit zu tun hat bezwei­fele ich doch sehr stark. Den Ursprung hat die­ses Wort im ita­lie­ni­schen gotico das soviel wie fremd­ar­tig und bar­ba­risch bedeu­tet und von einem Kunst­theo­re­ti­ker Names Gior­gio Vesari als Schimpf­wort miss­braucht wurde, um sei­ner­zeit seine Gering­schät­zung für Bau­ten in die­sem Stil zu äußern.
Fremd­ar­tig cha­rak­te­ri­siert die Gothic Szene schon mal ganz gut aber bar­ba­risch? Nein, das ist Unsinn genau wie die 1000 ande­ren Gerüchte die die­sem Begriff hin­ter­her­geis­tern. Neben vie­len ande­ren Schrift­stel­lern schrieb auch Edgar Allan Poe Schau­er­ro­mane, die im eng­li­schen als Gothic Novel bezeich­net wur­den und damit ein Genre für Romane bezeich­nen. Da kom­men wir der Sache natür­lich schon näher, so könnte man den Klei­dungs­stil und die even­tu­elle Ver­wen­dung von wei­ßer und schwar­zer Schminke in die Kate­go­rie schau­er­lich einordnen.

Die eigent­li­che Bedeu­tung der heu­ti­gen Ver­wen­dung die­ses Wor­tes ver­dankt es aber der Musik, denn wie die meis­ten Sub­kul­tu­ren iden­ti­fi­zie­ren sich die meis­ten Men­schen über die Musik. Im Januar 1978 benannte sich die Band War­saw in Joy Divi­sion um. Auf die Frage eines BBC Repor­ters, wel­che Stil­rich­tung Joy Divi­sion denn bedie­nen würde, ant­wor­tete der Mana­ger A. Wil­son dann »gothic music«. Ver­mut­lich war Wil­son begeis­ter­ter Leser von Edgar Allen Poe. So kam es dann, dass Joy Div­sion die erste Gothic Band waren.
Die Jugend ende der 70er Jahre, brannte sowieso wie die zu kurze Zünd­schnur einer Dyna­mit­stange, wit­ter­ten doch viele eine musi­ka­li­sche Revo­lu­tion die die Punk-Bewegung aus­löste. Anfang der 80er war dann die euro­päi­sche Musik­land­schaft eine bro­deln­der Fluss aus Lava in dem unab­läs­sig neue Musik­stile und Spiel­ar­ten empor­rag­ten.
Musik von The Cure, Chris­tian Death und Bau­haus setz­ten sich von der schnel­len und lau­ten Punk­mu­sik ab und spiel­ten melan­cho­lisch und düs­ter klin­gende Stü­cke, die zusam­men mit Ihren haupt­säch­lich schwar­zen Out­fits Stil­prä­gend waren.

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13 Dezember

Subkultur! - Mittelaltergrufties

von Robert ForstKategorie: Hintergründe9 Kommentare

Mittelalter Spectaculum 2009Der Mit­tel­al­ter­gruf­tie glaubt an das roman­ti­sche Mit­tel­al­ter. Man nennt sie auch beweg­li­chen Glo­cken­spiele, die Stra­ßen wan­deln und per­ma­nent bim­meln. Sie leben in dem Glau­ben, das Mit­tel­al­ter besteht nur aus Musik, Rit­ter­fest­spie­len und Hand­wer­kern. Dis­kus­sio­nen über Mund­fäule, Pest, Vier­tei­lung und Hexen­ver­fol­gung gehen sie durch melo­di­schen Sing Sang geschickt aus dem Weg. Lie­ben das Rol­len­spiel ohne Peit­sche und wer­den in den Som­mer­mo­na­ten in Auf­fang­la­gern, den soge­nann­ten Mit­tel­al­ter­märk­ten, gehal­ten. Tra­gen gerne Gewan­dung, Kor­sette und aus­la­dende Klei­der zu Leder­lat­schen, vor­nehm­lich lange Haare im Natur­kos­me­tik­look. Sind wohl durch die erst­mals 1974 erwähn­ten Rol­len­spie­ler ent­stan­den und Mitte der 80er durch die Gotik im Stil zum Gothic in der Musik gekom­men. Hörte und hört Sub­way to Sally, Cor­vus Corax, Faun und Schand­maul.

Die Stil­rich­tung ist dabei sehr kon­tro­vers, die Begriff­lich­keit Mit­tal­ter­rock wird häu­fig mit dem Neo­folk in Zusam­men­hang gebracht, hat aber schon rein musi­ka­lisch nichts damit zu tun. Die Retro­welle hat das Mit­tel­al­ter vor etwa 20 Jah­ren getrof­fen und ist jetzt bereits bei der Kom­mer­zia­li­sie­rung ange­kom­men, denn die typi­schen Mit­tel­al­ter­märkte die Rol­len­spie­lern einst als Som­mer­la­gern dien­ten, wur­den mitt­ler­weile von der brei­ten Öffent­lich­keit akzep­tiert. Den gan­zen Arti­kel lesen… »


25 November

Subkultur! - Gruftie

von Robert ForstKategorie: Hintergründe24 Kommentare

Pikes mit SchnallenDer Gruf­tie, auch Trad­goth genannt (Traditio­nal Gothic) ist der ursprüng­li­che Typ, der fest mit dem Kern der Szene ver­wur­zelt viel von der Ver­gan­gen­heit schwärmt. Er trägt selbst­ver­ständ­lich nur schwarz, auch im Som­mer. Benutzt Kajal wie andere Bunt­stifte und hin­ter­lässt damit frak­tale For­men im Gesicht. Weiß genau wie Glä­ser­rü­cken geht, fin­det mit Tar­rot­kar­ten her­aus wie es beim Fuss­ball aus­geht. Rai­ner Maria Rilke liest er auf dem Klo, sein Deo riecht nach feuch­ter Friedhofserde.

Eigent­lich keine eigene Sub­kul­tur son­dern nur die deut­sche Ver­sion von Goth. Gothic klingt natür­lich viel coo­ler und all­um­fas­sen­der. Die aktu­elle dunkle Jugend fühlt sich Gothic, Gruf­tie wird das Belei­di­gung emp­fun­den. Sie wur­den so genannt, weil die breite Masse der Deut­schen die damals unbe­kannte Kul­tur wegen ihre Vor­liebe für mor­bi­des mit Grab­schän­dern ver­wech­sel­ten. Außer­dem sah man sie tags­über nur müde und mit hän­gen­den Extre­mi­tä­ten durch die Gegend lau­fen, in Fach­krei­sen auch schlur­fen genannt. Hör­ten The Cure, Sioux­sie & The Bans­hees, Bau­haus und Joy Divi­sion, heute das­selbe. Den gan­zen Arti­kel lesen… »