26 März

10 Thesen über das Gothic-Dasein

von Robert ForstKategorie: Hintergründe52 Kommentare

10 Gothic ThesenEs war einmal. Vor rund 500 Jahren nagelte ein rebellischer Theologe ein paar Zettel an eine wehrlose Tür im beschaulichen Wittenberg und präsentierte seine 95 Thesen, mit denen er die christliche Kirche reformieren sollte. Jedenfalls hat er es versucht. Martin Luther sorgte mit seinem Wunsch nach Veränderung für eine neue Form des christlichen Glaubens, nicht für eine Veränderung der Kirche. Ganz so große Ansprüche habe ich nicht. Ich möchte jedoch etwas fortführen, was in unzähligen Beiträgen und Kommentaren schon seit gefühlten Ewigkeiten diskutiert wird. Das Beispiel Luthers ist nur Sinnbild für einen Veränderungsprozess, der in den Köpfen vieler Menschen stattfinden muss. Es braucht Zeit, bis Gewohnheiten, Rituale und gefühlte Sicherheiten aufgebrochen werden können und meist ist das ein schleichender Prozess, der von vielen nicht wahrgenommen wird. Doch was hat das mit “Gothic” zu tun?

Vor einiger Zeit titelte Sabrina in einem Artikel “Gothic – Kein Ziel und keine Richtung?” und sorgte damit  für die erneute Diskussion der Fragen, was Gothic nun ist und ob wir uns nicht über gemeinsame Ziele und Sichtweisen definieren sollten. Es gibt kein abschließendes Fazit, kein Ergebnis, keine Handlungsanweisung, nur eine Reihe von vagen Wünschen und Vorstellungen, wie man eine Szene, die einen wichtigen Teil des Lebens eingenommen hat, verändern, gestalten oder gar reformieren könnte. Ich möchte an dieser Stelle zehn Thesen aufstellen, wie Gothic ist, war und sein kann. Zehn nicht recherchierte Behauptungen, die sich zusammenhanglos zwischen Oberflächlichkeit und Tiefgang bewegen. Zehnmal die Möglichkeit, beizupflichten, nachzudenken und umzusetzen. Zehnmal die Möglichkeit, mich zu verurteilen, anderer Meinung zu sein oder zu meckern.
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18 Dezember

80er Style & Darkwave: Trash Groove Girls

Trash Groove Girls1986. Die Bravo entdeckt Gothic als Jugendkultur und arbeitet in den folgenden Jahren an einer stetigen Verbreitung dieser Bewegung. Etwa zu gleichen Zeit gründet Produzent und Songschreiber Chris Garland (U-BahnX, The Slits) die “Trash Groove Girls” in Düsseldorf und findet mit Simone Stepputat, Andrea Willert und Katinka Päkel drei Damen, die wie keine anderen die 80er verkörpern.

Zunächst fanden sie als Vorgruppe der Einstürzenden Neubauten neugierige Musikredakteure, die ihnen mit einigen Artikeln zu einem Achtungserfolg verhalfen. Sie veröffentlichen das Album “Arbeit, Sport & Spiel”, dass jedoch mit einer unterschwelligen Form von Monotonie, einem Hauch tanzbaren Beats und einer Gitarre auf Diät nie zu einem kommerziellen Erfolg aufstieg. Womöglich hätte man sich an X-mal Deutschland ein Beispiel nehmen sollen, die den Schritt nach England wagten um dort entsprechende Erfolge feiern zu können. Denn die waren tatsächlich fasziniert von den 3 Damen im Gothic-Cyber-Punk-Style  und berichteten in der englischen Sounds, dem Melody Maker und dem NME Magazin über die Band.

Genau dieser Style stand immer wieder im Mittelpunkt der Betrachtungen, so waren sie 1987 in der Vogue zu sehen und erhielten auch das Angebot, im Playboy zu erschienen, das sie jedoch ausschlugen. Es mag wohl dem Zeitgeist geschuldet sein, dass die Trash Groove Girls so beliebte Models waren, schließlich feierten Sigue Sigue Sputnik Mitte der 80er Jahre mit einem ähnlich Style große Erfolge und nutzten die Provokation ihres Outfits geschickt für ihre Zwecke. Konzept oder Zufall? Den ganzen Artikel lesen… »


14 Dezember

Bravo-Report 1992: Martins schwarze Träume

Martins schwarze TräumeAnfang der 90er herrschen paradiesische Zustände für den geneigten Grufti. In den deutschen Ballungszentren gibt es meist Gleichgesinnte und ein lebendiges Angebot der schwarzer Subkultur. Gothic und Wave liegen im Trend, Mailorder-Händler bieten Szene-Klamotten bereits in einschlägigen Zeitschriften an. Der Fall der Mauer sorgt für eine schwarze Wiedervereinigung und belebt die damals schon totgesagte Szene. 1992 erblickt das Wave-Gothic-Treffen das schummrige Licht der Welt, Gothic war in vieler Munde. Mittlerweile war das Phänomen auch in die entlegensten Winkel der Republik gedrungen, doch wie war das denn damals, als Grufti vom Dorf?

Die Bravo klärt auf und entdeckt den 20-jährigen Kindergärtner Martin: “Ein schwäbisches Dorf: Eine kleine Barockkirche, Bauernhöfe, Geranien auf den Balkonen. Ländlicher Friede. Aber das scheint nur so. Martin, “der Schwarze”, geht die Hauptstraße entlang. Kalkweißes Gesicht, Toupierte Haare, schwarze Kleidung, Schmuck – ein Grufti, ein “Gothic”. Einer, der nun wirklich nicht in diese Dorfidylle passt.” Tagsüber ist Martin Kindergärtner und nachts ein waschechter Grufti? Wie passt das zusammen? Oder erfüllt sich damit wieder ein Klischee, dass Gruftis vornehmlich in sozialen Berufen ihr Unwesen treiben? Was vielleicht auch wieder ein schönes Klischee wäre, schließlich ist das dann doch aktive Verbesserung an einer viel zu kalten Welt. Den ganzen Artikel lesen… »


7 November

Gothic – Kein Ziel und keine Richtung

Gothic - Kein Ziel keine RichtungManchmal tauchen Fragen, die man sich schon öfter gestellt und dann wieder verdrängt hat, auf Umwegen wieder auf. Heute sah ich ein junges Gothic-Paar in der Stadt, gekleidet in trendigem X-tra-X-Schwarz inklusive einem Berg aus Schnallen, Ösen und Bondage-Bändern. Sofort stellte sich bei mir die innere Abwehr ein. Mit denen hab ich nichts zu tun. Das sind nur Mitläufer. Die gehören nicht zur Szene. Mode-Gruftis, die sich nur interessant machen wollen. Untrue! Gleichzeitig das schlechte Gewissen, sich als „was Besseres“ zu fühlen und direkt in abwertenden Kategorien zu denken.

Was wissen die neuen Gothics schon von der alten Szene – von den Beweggründen und Zielen, die einen zum wahren Mitglied dieser Subkultur machen? So schoss es mir durch den Kopf. Äh – Moment mal! Da war sie wieder, die besagte oft verdrängte Frage. Gab es überhaupt jemals eine Richtung oder ein Ziel in der Szene? Den ganzen Artikel lesen… »


19 Juni

Es muss richtig schön glänzen – Quo Vadis, WGT?

von Robert ForstKategorie: Bewusst Schwarz71 Kommentare

Artikel zum WGT in der Sächischen ZeitungAls ich den großen Umschlag aufriss, den ich kürzlich in meinem Briefkasten fand, war ich neugierig. Ein freundlicher Leser hatte mir eine Ausgabe der “Sächsischen Zeitung” vom 29. Mai 2012 zugeschickt, in der sich ein längerer Artikel über das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig befinden sollte. Auf der dritten Seite wurde ich fündig, “Es muss richtig schön glänzen” lautete die Überschrift. Ich befürchtete Schlimmes, denn “richtig schön glänzen” ist nichts, was ich mit einem WGT nach meiner Vorstellung in Verbindung bringen würde.

Nachdem ich den Artikel durchgelesen hatte, wusste ich nicht, über wen ich mich aufregen sollte. Waren es Jana und Tom aus Nürnberg, die Autorin Anna Hoben oder einfach die Geschichte, die meinen Unmut erregte? Ich war mir unsicher. Objektiv betrachtet beschreibt der Artikel genau das, was wir gesehen haben, und gibt die Sicht zweier Menschen wieder, die das WGT vielleicht genau so empfinden, wie es ihnen verkauft wird. Sehen und gesehen werden, eine ganze Stadt als Laufsteg der Eitelkeiten. Über wen sollte ich mich also aufregen?

Eine paar Gedanken später spürte ich Resignation, die Lust, den Artikel abzuheften, den Kopf zu schütteln und mich dem Tagesgeschehen zu widmen. “Es wird sich wohl nie ändern…”, schoss mir durch den Kopf. Vielleicht könnt Ihr es auch nachvollziehen, ich will Euch von meinen Gedanken erzählen. Den ganzen Artikel lesen… »


14 Mai

Renaissance der Jahrtausendwende – Party der bleichen Gesichter

Berliner Morgenpost vom November 1999Etwa alle 10 Jahre, so behaupte ich, stirbt die Gothic-Szene, um in fließender Weise ihre Wiederauferstehung zu erleben. Dieser Selbstreinigungsprozess ist die unausweichliche Folge der demografischen Entwicklung innerhalb einer Subkultur. Mit der Jugend interessiert man sich für die “Andersartigkeit”, sucht seine Persönlichkeit, probiert sich aus und rebelliert mitunter gegen das Gewohnte. In der Schule findet man schnell Gleichgesinnte oder erfährt die vielleicht gewollte Ablehnung. Wechselt man von der Schule dann in ein Studium, intensiviert sich manchmal die Beziehung zur Szene, an der Universität wird niemand für sein Äußeres reglementiert. Man wird akzeptiert und erfährt von Gleichgesinnte eine neue Tiefe der Szenezugehörigkeit.

Doch im Laufe der Zeit trifft man auf den ersten Gegenwind. Lehrlinge merken schon viel früher, dass ihre “Andersartigkeit” oftmals ein Stein auf dem Weg zur beruflichen Karriere sein kann, man muss sich auch oft äußerlichen Regeln unterwerfen, um den Job zu bekommen, den man sich erhofft. Studenten erreichen diesen Punkt etwas später, doch der Effekt ist der Gleiche. Es werden Abstriche gemacht, die Freizeit wird eingeschränkt und letztlich stehen auch Themen wie Familienplanung auf dem Programm. Wie wichtig ist das, was man Szenezugehörigkeit nennt? Wie wichtig ist die äußerliche Individualität?

Viele verlassen die Szene und sehen das ganze als “Jugendsünde” an. Ein Artikel in der Berliner Morgenpost vom November 1999 beschreibt dieses Phänomen anhand einer anderen Tatsache sehr deutlich. “Es ist offensichtlich: Die Gruft-Szene bekommt derzeit wieder Zulauf. Bloß wieso? Das hatten wir alles schon mal Anfang der Achtziger. Jetzt plötzlich der große Run auf olle Kamellen? “Große Bands wie Rammstein oder Marilyn Manson haben das Gruft-Feeling wieder salonfähig gemacht. Außerdem charteten eune ganze Reihe Underground-Bands wie etwa Wolfsheim, Project Pitchfork oder Oomph! in der letzten Zeit”, so erklärt sich Non-Tox-Veranstalter und DJ Chris den verstärkten Zulauf, den er dieses Jahr zu verzeichnen hatte.Den ganzen Artikel lesen… »


28 April

Dark Feather – Onlinemagazin aus dem alternativen Underground

von Robert ForstKategorie: Schattenseiten13 Kommentare

Cover Dark FeatherDie Oberfläche des Meeres der Musik glitzert in der untergehenden Sonne. Als Liebhaber der dunklen Klänge kämpft man ständig damit, den Horizont nicht aus den Augen zu verlieren, während man verzweifelt die Richtung sucht, in die man schwimmen möchte. Wer sich 2012 für alternative schwarze Musik interessiert, prallt unbarmherzig auf eine schier unüberschaubare Masse an Veröffentlichungen und Bands, die in bekannten Magazinen, einschlägigen Charts und auf populären Internetseiten einen schwarzen Eindruck machen sollen. Böse Zungen behaupten sogar, das aktuelle Album von “Unheilig” unter der Rubrik “Gothic” auf den großen Verkaufsflächen der Elektronik-Ketten gesichtet zu haben.

Wer jedoch wissen will, was unter der Oberfläche vorgeht, wünscht sich spätestens nach den ersten atemlosen Tauchgängen ein wenig  Hilfe. Das Undergroundzine Dark Feather ist die sprichwörtliche Pressluft-Flasche auf dem Rücken neugieriger Taucher. Seit dem Sommer 2008 gibt es das Magazin für den alternativen Underground, dass sich musikalisch in die Richtungen Gothic, Metal und Alternative orientiert und dabei vorrangig, aber nicht ausschließlich, gitarrenorientierte Bands vorstellt. Doch neben der Musik bietet es noch zahlreiche andere Bereiche, die sich immer wieder als lesenswert erweisen. Persönliche Kolumnen, Interviews, literarische Ausflüge und interssanten Reportagen. Den ganzen Artikel lesen… »


22 Februar

Ohne Worte: Yin und Yang

von Robert ForstKategorie: Schwarze Leinwand1 Kommentar

Gothic Yin und Yang

Das Urprinzip bewegt sich und erzeugt Yang. Wenn die Bewegung ihr Ende erreicht, so wird sie still, und diese Stille erzeugt Yin. Wenn diese Stille ihr Ende erreicht, dann geht sie wieder in Bewegung über. So haben wir abwechselnd bald Bewegung, bald Ruhe. Sie beide bilden zusammen die Basis, von der aus durch Abtrennung Yin und Yang entstehen und auf der die beiden Modi ruhen.” (Alfred Forke, 1927)

(Bildquelle: soulstealer.co.uk | CC-by)


9 Februar

Rabenschwarze Spiele für Gothics

von Sabrina KirnapciKategorie: Fundgrube4 Kommentare

Was machen Gothics an langen, kalten Winterabenden? Ich meine außer depressive Gedichte schreiben, Meerschweinchen auf Friedhöfen schlachten und weinen? Genau: Sie holen die schwarze Tischdecke raus, laden ein paar Freunde ein, trinken heißen Met und spielen. Hier drei Tipps für einen düsterdunklen Gothic Abend mit viel Spaß:

Chez Goth

Chez GothDieses Spiel gehört in jeden Grufti-Haushalt: Bei Chez Goth kann man endlich mal in einer richtigen Gothic-WG wohnen und das machen, was der dunklen Spezies am liebesten ist. Freunde treffen, auf Gothic-Parties rumhängen, zu Konzerten fahren und als Totengräber arbeiten… Das WG-Spiel für die schwarze Szene! Mit Warnhinweis: Achtung: Dieses Spiel ist für Volljährige konzipiert. Erwachsensein ist aber nicht notwendig.

“Bei Chez Goth wohnst du mit deinen Mitspielern in einer freakigen Grufti-WG, und jeder versucht in dem Chaos, das Beste bzw. Schlechteste aus seinem Leben zu machen. Jeder Spieler hat einen Job, dementsprechendes Einkommen, Freizeit und ein Punkteziel – den Slack, den er zum Glücklichsein bzw. vollkommenen Unglückseligkeit braucht. Diese Punkte erreichst du durch Aktivitäten aller Art: Freunde treffen, Klamotten kaufen, Rumhängen auf Gothic-Parties und -Konzerten, Schäferstündchen, Fernsehen, Lesen, Schlafen, … Chez Goth bringt dir schwarzen Humor vom Feinsten – aus der Feder des infernalischen Duos Steve Jackson und John Kovalic.

Das Spiel ist bei Amazon gerade nicht in deutscher Sprache  erhältlich, aber über die Suchmaschine findet man einige Anbieter. Den ganzen Artikel lesen… »


12 Dezember

Bedingungslos unter sich – The Inner Circle

von Robert ForstKategorie: Schwarze Szene25 Kommentare

Schwarze Seelen, Kinder der Nacht, freut euch an dem, was für Euch vollbracht.” Als ich meinen Posteingang öffnete und von der Eröffnung eines neuen schwarzen Clubs las, brodelte sogleich die übliche Skepsis durch meine Adern. Wieder so ein Club der zwanghaft darauf ausgerichtet ist Umsatz durch ein möglichst breit gefächertes Szene-Angebot zu generieren? Wieder so eine Vermischung von allen möglichen Richtungen die sich nur irgendwie unter den schwarzen Schirm pressen lassen? Das Ruhrgebiet glänzt durch solche Angebote, eine Differenzierung findet man selten, man ist schon froh, die ein oder andere Motto-Party zu erwischen. Gelegentlich erwische ich mich sich sogar dabei, Entfernungen von 200km auf mich zu nehmen, um wieder mal in das einzutauchen, was ich selbst und “Szene” versteht.

Das Projekt “The Inner Circle“, der einem neuen Club seinen Namen verlieh, wurde ins Leben gerufen, um genau das zu ändern. Am 17. Dezember 2011 eröffnet er in Mülheim an der Ruhr seine dunklen Pforten. Leidenschaft, Mut, Enthusiasmus und Idealismus sind die Zutaten für diesen gewagten Schritt. Doch was steckt dahinter?  Ich sprach mit Christian Kirsch, einem der Geschäftsführer des TIC-Clubs, über die Hintergründe dieser Entscheidung: Den ganzen Artikel lesen… »