9 Februar

Zeitbilder: Jugendkulturen in Deutschland 1950-1989

Kategorie: Wortkunst — Jahrgang: 20093 Kommentare

Bun­des­zen­trale für poli­ti­sche Bil­dung klingt äußerst eklig und schmeckt wie ein alter, zu weich gewor­de­ner Scho­ko­rie­gel — zumin­des­tens rein Geis­tig.  Die BPB hat es sich zur Auf­gabe gemacht, Infor­ma­tio­nen über Poli­tik, Kul­tur und Geschichte auf­zu­be­rei­ten und in zahl­rei­chen Publi­ka­ti­ons­rei­hen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Unter der Reihe Zeit­bil­der, sind zwei Bände von Klaus Farin zum Thema Jugend­kul­tur erschie­nen, die ich euch nicht vor­ent­hal­ten möchte.

Die­ser Arti­kel beschäf­tigt sich mit dem ers­ten Band der Reihe, der Ent­ste­hungs­ge­schichte der Jugend­kul­tu­ren in Deutsch­land, die nahezu jeden Leser inter­es­sie­ren dürf­ten, denn jeder ist schließ­lich mal jung gewe­sen. Es geht aber nicht um die Jugend schlecht­hin, son­dern um die Min­der­hei­ten, deren Ein­fluss auf die große Mehr­zahl der Gleich­alt­ri­gen, die sich mit kei­ner Jugend­kul­tur im gan­zen iden­ti­fi­zie­ren kann, nicht unter­schätzt wer­den sollte.

1950–1989

jugendkulturen_1950_1989

Der erste Band beschäf­tigt sich ein­ge­hend mit den ers­ten Jugend­kul­tu­ren, die nach dem Welt­krieg in Deutsch­land ein breite Masse neuer Her­an­wach­sen­der in ihren Bann zog und die als Strö­mun­gen aus Europa und Ame­rika Ver­brei­tung fan­den. Nicht zuletzt war Deutsch­land ja unter star­kem Ein­fluss des Alli­ier­ten, die als unfrei­wil­li­ger Kata­ly­sa­tor für die Ent­ste­hung der Sze­nen gel­ten. Zunächst geht Farin mit dem Kapi­tel Bravo Ame­rika auf die 50er Jahre ein, in denen der Rock’n’Roll in Deutsch­land Ein­zug erhielt und die Halb­star­ken erst­mals Bedeu­tung fin­den. Die Swin­ging Six­ties in denen der Beat regiert, waren ebenso wie die 50er eine haupt­säch­lich Spa­ß­ori­en­tierte Jugend­be­we­gung, die durch den wirt­schaft­li­chen Auf­schwung immer mehr Zulauf fan­den. Erst als Mitte der 60er das Wirt­schafts­wun­der erste Risse bekam und Unzu­frie­den­heit vor­herrschte, änderte sich das Ver­hal­ten der Jugend. Der Auf­stand der Bil­dungs­eli­ten: die APO beschreibt die auf­flam­men­den Stu­den­ten­pro­teste zur Rebel­lion gegen das Sys­tem und für die Refor­ma­tion des Staa­tes, die vie­len als 68er Bewe­gung bekannt sein dürfte. Die Sieb­zi­ger: Auf­bruch und Ernüch­te­rung befasst sich mit dem Wan­del inner­halb der Gesell­schaft und des Staa­tes, der die Jugend immer mehr als Sicher­heits­ri­siko betrach­tet. Erst mit dem Punk Ende der 70er bricht es wie­der aus der Jugend her­aus und Pro­test und Pro­vo­ka­tion bestim­men wie­der den jugend­li­chen Teil der Gesell­schaft, das es ein­mal eine der wich­tigs­ten musi­ka­li­schen Ent­wick­lun­gen han­deln würde, konnte nie­mand ahnen. Als Quelle vie­ler neuer Jugend­kul­tu­ren geht Farin dann auf die Skin­heads ein, die als letzte Erben der Arbei­ter­klasse als Szene bei uns Ein­zug erhal­ten, von Ver­bin­dun­gen zum Rechts­ra­di­ka­lis­mus hat zu die­ser Zeit noch nie­mand gespro­chen. Die eben­falls aus Eng­land stam­mende Hoo­li­gan Szene, wird von Farin als kon­tro­verse und rein männ­lich und Gewalt Ori­en­tierte Bewe­gung gese­hen wird. In sei­nem Abschluss­ka­pi­tel Die Acht­zi­ger: Eine Gene­ra­tion steigt aus wid­met er sich der Haus­be­set­zer­szene und den Auto­no­men, in der sich wie­der geziel­ter Pro­test gegen die Will­kür des Staa­tes breit­macht. Auch die neue Jugend, die sich wie­der mit ihrer Zukunft aus­ein­an­der­setzt nimmt Farin hier unter die Lupe.

Wer wissen will, wie die Gesellschaft von morgen aussieht, sollte sich die Jugendlichen von heute genauer ansehen. (Klaus Farin, Einband des Buches)

Den zwei­ten Band und ein abschlie­ßen­des Fazit habe ich in einem zwei­ten Arti­kel nie­der­ge­schrie­ben, darin geht es um die abschlies­sende Zusam­men­fas­sung der Inhalte und mei­ner Mei­nung zu den Werken.

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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3 Kommentare

  1. lol was das fürn kak

  2. »rofl« Das ist etwas, was für die Vor­lie­ben Dei­nes Voka­bu­lars und Dei­ner Inter­punk­tion wohl auch zu hoch sein wird.

  3. @Belfin: Rich­tig könnte es hei­ßen: »LOL, was’n das für’n Kack.»
    @Guldhan: Wie schon in ande­ren Bei­träge erwähnt, brin­gen mich sol­che Bei­träge immer in eine Situa­tion der ver­such­ten Zen­sur, obwohl in den meis­ten Fäl­len der Autor selbst für seine Dis­qua­li­fi­ka­tion sorgt.

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  1. […] Gesell­schaft, Poli­tik und Staat, son­dern auch für die Jugend aus Ost und West. Wäh­rend es im ers­ten Band mehr um die Ent­ste­hungs­ge­schichte der Jugend­kul­tu­ren in Deutsch­land geht, endet der […]