30 Januar

Volkmar Kuhnle: Gothic-Lexikon

Kategorie: Wortkunst — Jahrgang: 20092 Kommentare

gothic-lexikonDas habe ich dir vor­her gesagt, warum hörst du nicht auf mich? Nicht das mir die Mei­nung die­ses Men­schen nicht wich­tig gewe­sen wäre, aber ich muss es erst immer am eige­nen Leib erfah­ren, mich sozu­sa­gen selbst gei­ßeln. Natür­lich rein geis­tig. Ein Ange­bot bei gro­ßen Inter­net­ver­sand­haus für 2€ weckte meine Auf­merk­sam­keit und so sollte es sein, dass eben jenes Gothic-Lexikon von Volk­mar Kuhnle nach einer Woche den Weg in mei­nen Brief­kas­ten fand.

Auf 337 Sei­ten schickt sich Herr Kuhnle an, die Welt der Gothic in Worte zu packen, diese zu erklä­ren und alpha­be­tisch anein­an­der­zu­rei­hen. Das erste was ins Auge des Betrach­ters fällt sind die teils mise­ra­blen Bil­der der beschrie­be­nen The­men, die oft­mals wie schlecht hoch­ge­pi­xelte Kleinst­bil­der wir­ken, die aus Zeit­schrif­ten aus­ge­schnit­ten wur­den. Die Kurz­be­schrei­bung auf der Rück­seite des Ein­ban­des lau­tet ver­hei­ßungs­voll: Gothic ist mehr als nur der Trend einer geheim­nis­vol­len Jugend-Szene. Geschichte und Gegen­wart der Gothic-Kultur wer­den in die­sem Lexi­kon erst­mals aus­führ­lich beschrie­ben. Für Szene-Insider wie für Inter­es­sierte. Begin­nen wol­len wir aber vorne, den in der Regel beginnt man dort ein Buch zu lesen.

Als Ursprung der Gothic Musik wird dort unter ande­rem Kraft­werk genannt, die viel­leicht elek­tro­ni­sche Pio­niere waren, aber mit Gothic Musik nicht wirk­lich etwas zu hat­ten. Auch die angeb­li­che S/M-Musik als Sub­genre konnte ich nicht nach­voll­zie­hen, auch das wir aus unse­rer nega­ti­ven Grund­ein­stel­lung zur Roman­tik fin­den, halte ich für ein Gerücht.  Der Rest des Buches han­delt von Begrif­fen, die für die Szene und die Musik rele­vant sein sol­len, dabei han­delt es sich aber nur um eine Zusam­men­stel­lung von Beschrei­bun­gen über Bands und Künst­ler, die Wiki­pe­dia sicher bes­ser hin­be­kommt. Dazwi­schen fin­den sich dann immer wie­der lieb­lose Ein­streu­un­gen unglaub­lich düs­te­rer Begriffe:

Unter K wie Kuß heißt es: "Wenn sich eine Gothic-Frau und ein Gothic-Mann (oder Gleichgeschlechtliche) einen Kuß geben, dann geschieht das nicht so nebenbei. Der Kuß ist für alle Goths ein ganz tiefes Gefühl, eine völlige Hingabe [...] Das Wort Kuß (meistens auf englisch: Kiss) steckt in einigen Namen von Goth-Bands." (Seite 158)

Es war mir bis jetzt neu, das wir anders küs­sen sol­len als andere Men­schen, aber — wie konnte ich das ver­ges­sen — schließ­lich sind wir ja alle Vam­pire und der Kuss hat eine beson­ders mor­bide Bedeu­tung für uns. Eigent­lich sollte diese gran­diose Kuß-Definition für alle Lie­bes­paare gel­ten und das Wort als sol­ches kommt in genau so vie­len Nicht-Gothic Bands vor. Unter dem Begriff Lei­che fin­den sich 5 dicht geschrie­bene, foto­lose Sei­ten, das WGT (Wave Gotik Tref­fen) muss sich hin­ge­gen mit 8 Zei­len begnü­gen. Depe­che Mode ist übri­gens (laut Lexi­kon) eine Dark­wave Band und der Tod von Prin­zes­sin Diana ein düster-romantisches Schick­sal, das in einem deut­schen Mer­ce­des(?) endete. Keine Inhalts­an­gabe, kein Stich­wort­ver­zeich­nis und kein Lite­ra­tur­ver­zeich­nis im Anhang run­den das nega­tive Gesamt­bild für mich ab.

Für alle inter­es­sier­ten ist das Buch sicher­lich noch bei diver­sen Online-Auktionshäusern käuf­lich zu erwer­ben und immer für einen Lacher gut. Mei­ner Mei­nung nach ist das Buch nicht das Papier Wert, auf dem es gedruckt wurde. Wer den­noch sei­ner Neu­gier nicht besie­gen kann und gie­rig ist es zu lesen, mache ich ein ein­ma­li­ges Ange­bot: Lasst mir 2€ in Form einer Über­wei­sung oder Pay­pal Anwei­sung zukom­men und ich schi­cke euch das Buch zu. Für die abso­lute Gothic Stim­mung beim Lesen lege ich noch ein paar Patchouli Räu­cher­stäb­chen kos­ten­los dazu. Kon­takt per E-Mail, wer zuerst kommt malt zuerst.

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Wortkunst
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2 Kommentare

  1. Oh du Armer, hät­test du vor­her doch mal erwähnt wel­che Bücher du noch »lesen« willst. Ich habe die­ses Ding mal in der Stadt­bi­blio­thek von Burg­dorf gese­hen und als ich mich vom Schock erholt hatte, den hal­ben Tag damit ver­bracht ne Alter­na­tive zu fin­den. Schon nur, um einen Grund zu haben der Biblio­the­ka­rin vor­zu­schla­gen, das Ding in den Müll­ei­mer zu werfen…leider nichts gefunden.

    Und wenn wir gerade bei Büchern sind, such mal in Biblio­the­ken nach »Schock und Schöp­fung; Jugend­äs­the­tik im 20. Jahr­hun­dert« Das Buch kam glaube ich in den 80’er raus und behan­delt logi­scher­weise alle Jugend­kul­tu­ren die es bis dahin gege­ben hatte. Dürfte dich doch interessieren ;-)

    LG

  2. Ist schon notiert. Momen­tan habe ich noch ein paar andere Werke die alle im Ver­ein der Jugend­kul­tu­ren e.V. erschie­nen sind in der Man­gel, viel­leicht auch etwas für dich dabei. Ich sage mir immer, wer das schlechte nicht liest, weiß das gute nicht aus­rei­chend zu schät­zen. Viel­leicht liegt es auch an mei­ner maso­chis­ti­schen Ader :)

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