13 Mai

Matzke und Seeliger: Gothic!

Kategorie: Wortkunst — Jahrgang: 2009Keine Kommentare

Eine ganze Zeit lang habe ich gebo­ten und mit­ge­fie­bert, bis ich eine Aus­gabe von Gothic! in den Hän­den hal­ten durfte. Das Buch von Peter Matzke und Tobias See­li­ger das schon im Vor­feld immer wie­der als Stan­dard­werk für die deutsch Gothic-Szene ange­prie­sen wurde, sollte nun auch den Weg in mein Bücher­re­gal machen. Die Szene in Deutsch­land aus der Sicht ihrer Macher heißt es im Unter­ti­tel und diese Aus­sage ist Pro­gramm. Das Buch ist Bei­trags und Kurz­ge­schich­ten­mä­ßig auf­ge­baut und liest sich stel­len­weise wie ein Blog in Papierform.

Mit Bei­trä­gen von Bruno Kramm (Das Ich), Mozart (Umbra et Imago), Sven Fried­rich (Dre­ad­ful Shadows) und Tho­mas Rai­ner (L” Ame Immor­telle) sowie vie­len ande­ren1 nam­haf­ten Künst­lern gibt das Buch tat­säch­lich rein nament­lich einen guten Schnitt durch die schwarze Szene im Jahre 2000.

Peter Matzke2  und Tobias See­li­ger3 machen in ihrem Vor­wort deut­lich, das es sich nicht um Kom­pen­dium han­delt das kei­ner­lei lexi­ka­li­sche Anspruch erhebt, son­dern beim dem nur die soge­nann­ten Macher der Szene zu Wort kommen.

Es wird deut­lich, das es sich bei der Gothic Szene um eine stark musi­ka­lisch defi­nierte Szene han­delt, die in unzäh­lige Facet­ten exis­tiert. Die meis­ten Musi­ker möchte sich nicht in eine bestimmte Rich­tung drän­gen las­sen, son­dern stre­ben nach ihrem ganz eige­nen Stil und lie­fern in die­sem Buch eine eigene Sicht auf die Dinge. Wie sie auf­ge­fasst wer­den, über­las­sen die Auto­ren dem Leser meist selbst, auf­ge­wor­fene Fra­gen wer­den nicht beant­wor­tet son­dern dem Leser über­las­sen. Dabei bie­tet das Buch einen sehr brei­ten Schnitt und wird daher so gut wie kei­nem in sei­nem gan­zen Umfang zusa­gen, was aber auch nicht wei­ter schlimm ist, denn der Kurz­ge­schich­ten­stil erlaubt den Sprung zwi­schen den Artikeln.

Das Buch ent­hält rund 27 Bei­träge und wird von drei Inter­lu­dien unter­bro­chen, die ein wenig Roman­tik und visu­elle Ästhe­tik ein­streuen. Der Bei­trag über das miss­lun­gene 9. WGT im Juni 2000 wirkt zwar etwas abseits, ist auf­grund der Aktua­li­tät bei der Erschei­nung des Wer­kes durch­aus nach­zu­voll­zie­hen. Außer­dem lie­fert es einen sehr inter­es­san­ten Ein­blick hin­ter die Kulis­sen des größ­ten euro­päi­schen Gothic Fes­ti­vals. Auch ein durch­aus inter­es­san­ter Bei­trag des umstrit­te­nen Künst­lers Josef Maria Klumb (von Thron­stahl) hat genug Poten­tial einige Gemü­ter zu erre­gen, denn neben durch­aus gelun­ge­nen State­ments werde ich den Ein­druck nicht los, Klumb ver­steckt sich hin­ter ein Wör­ter­wand aus Begriff­lich­kei­ten und mischt ver­schie­dene gesell­schaft­li­che Ansich­ten zu einem undurch­sich­ti­gen Brei.

Die­sen Ein­druck habe ich, ganz neben­bei bemerkt, auch bei eini­gen ande­ren Bei­trä­gen. Das mag an mei­ner Erwar­tungs­hal­tung lie­gen, ist aber mit Sicher­heit auch so gewollt. Schließ­lich möchte man mög­lichst viele Berei­che der Gothic-Szene abde­cken, denn diese ganz zu beschrei­ben dürfte wohl nicht mög­lich sein. Die­ses Buch gibt einen guten Ein­blick in die schwarze Welt aus der Sicht ihrer Macher und stellt damit nur eine mög­li­che Sicht­weise dar. Die Prot­ago­nis­ten sind sehr gut gewählt, es ist für jeden Geschmack was dabei. Die Fotos lockern das Buch ganz ange­nehm auf, bie­ten aber kei­nen wirk­li­chen Bezug zum Text.

Sicher­lich ein Werk das in jedes gepflegte und inter­es­sierte Bücher­re­gal gehört, das ulti­ma­tive Gothic Buch ist es  jedoch nicht. Es gleicht in sei­ner Her­an­ge­hens­weise eini­gen von Klaus Farin’s Wer­ken, der die Jugend­sze­nen aus der Sicht der Mit­glie­der zeigt, wäh­rend Matzke und See­li­ger die »Macher« als sol­che zu Wort kom­men las­sen. Das Wort »Macher« finde ich in die­sem Zusam­men­hang übri­gens sehr kon­fus, denn aus mei­ner Sicht wird die Szene von den Mit­glie­dern gemacht, denn Musi­ker im All­ge­mei­nen weh­ren sich stets gegen eine Kate­go­ri­sie­rung und bie­ten eine viel­leicht kom­mer­zi­ell inter­es­sierte Sicht der Dinge. Das sich die Szene dann an den Musi­kern rein Sti­lis­tisch ori­en­tiert reicht mei­ner Mei­nung noch lange nicht, sie zu den »Machern« einer Szene zu erheben.

Das 2000 im Schwarz­kopf & Schwarz­kopf Ver­lag erschie­nen Werk ist heute für rund 20€ zu bekom­men. Ein Gebraucht­preis von 12€ ist ange­mes­sen. Das Buch ist sehr hoch­wer­tig, die 272 Sei­ten ange­nehm les­bar und ein Muss für jeden Gothic Anhän­ger, ich jeden­falls habe das Buch nahezu in einem Rutsch ver­schlun­gen, einer sehr ange­nehme Abwechs­lung im täg­li­chen Lern­drill. Die Nach­fol­ge­werke Gothic II und III habe ich auch schon beim gro­ßen Ver­sand­haus gesich­tet, mal sehen ob es klappt.

  1. Wei­tere Bei­träge von: Chris­to­fer Johns­son (The­rion), Gitane Demone (ex Chris­tian Death), Kaaja Hoyda (Sten­dal Blast), Andrea Hau­gen (Haga­laz Run­edance), Anke Hach­feld (Mila Mar), Rose McDo­wall (Sor­row), Dirk Hoff­mann (Zillo), Michael W. Brun­ner (WGT), Kaz­hiko Kimra (Mor­phing Pro­cess), Kate Weill, Meis­ter Selb­fried (Cor­vus Corax), Alex­an­der Krull (Atro­city), Josef Maria Klumb (Von Thron­stahl) und Uwe Marx (DJ, Bak­te­ri­elle Infek­tion) []
  2. His­to­ri­ker, freier Jour­na­list seit 1990, fes­ter freier Musik­re­dak­teur der Stadt­ma­ga­zins BLITZ! und einige ande­ren Maga­zi­nen ist auch Pro­gramm­chef der Moritz­bas­tei und war Orga­ni­sa­to­ri­scher Lei­ter des 7. WGT 1998 []
  3. Szene­fo­to­graf mit eige­ner Agen­tur, arbei­tet für alle wich­tige Sze­ne­pu­bli­ka­tio­nen und hat schon meh­rere eigene Aus­stel­lun­gen ini­zi­iert []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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  1. […] Die Hin­ter­gründe zur Ent­ste­hung des WGT nach der Wende habe ich aus sei­nem Bericht im 1. Buch „Gothic – Die Szene in Deutsch­land aus Sicht ihrer Macher“. Ein ech­tes Inter­view habe ich mit ihm also nicht geführt. Aber sein fast 10-seitiger, sehr […]

  2. […] Gothic I (ab 9€) Gothic II (ab 12€), Gothic III (ab 6€) Mit dem ers­ten Buch habe ich mich in einem Arti­kel ausführlich […]