29 Januar

Journal der Jugendkulturen #14

Kategorie: Wortkunst — Jahrgang: 2010Keine Kommentare

Journal der Jugendkulturen 14Das Jour­nal der Jugend­kul­tu­ren ist eine Fach­zeit­schrift des Archivs der Jugend­kul­tu­ren von dem ich bereits in einem älte­ren Arti­kel berich­tet habe. Das Jour­nal erscheint mitt­ler­weile jähr­lich und ist eigent­lich mehr als der spie­ßige Titel zunächst ver­mu­ten lässt. Nen­nen wir es eine jugend­kul­tu­relle Rück­blende und Aus­sicht auf das, was in Jah­ren viel­leicht ein­mal legen­där erscheint.

Nie­mand kann wirk­lich erfas­sen, was in einer Jugend­be­we­gung vor­geht, wohin sie führt und wor­aus sie sich ent­wi­ckelt, es mag ver­mes­sen klin­gen eine Bewe­gung in Wort und Schrift zu fas­sen, denn im Sinne des Wor­tes ist sie damit bereits zum Still­stand gekom­men. Wenn jedoch einen ernst gemein­ten Ver­such gibt das zu erfas­sen, muss man in einem Atem­zug vom Archiv der Jugend­kul­tu­ren spre­chen. Für die Kon­ser­vie­rung von Jugend­sze­nen aller Art ist es bereits jetzt schon eine Institution.

Die Aus­gabe Num­mer 14 vom Dezem­ber 2009 beschäf­tigt sich im Schwer­punkt mit Jugend­sze­nen im Aus­land und bie­tet in 4 Arti­kel einen Quer­schnitt durch latein­ame­ri­ka­ni­sche Kul­tu­ren und zeigt eine wär­mere Inter­pre­ta­tion bereits bekann­ter Kul­tu­ren. In sei­nem Arti­kel »¡Patria o muerte! oder No Future!? – Beob­ach­tun­gen zu Jugend und Staat in Kuba« [PDF] gibt Thors­ten Eßer einen Ein­druck von einem Land, in dem sich zwi­schen Kom­mu­nis­mus, Bür­ger­krieg, Refor­men und Zen­sur eine Jugend­kul­tur formt die nicht müde wird den Kampf für ihre Rechte voranzutreiben.

So wun­dert es nicht, das der Arti­kel mit einem Zitat von Che Gue­vara eröff­net wird: „Von beson­de­rer Bedeu­tung ist die Jugend, denn sie ist die form­bare Ton­erde, aus der man den neuen Men­schen erschaf­fen kann, der frei ist von den Erb­las­ten der Ver­gan­gen­heit.“ Lei­der konnte die kuba­ni­sche Jugend den Zie­len nicht fol­gen und so schließt sein Arti­kel: »Che Gue­va­ras „Neuer Mensch“ hin­ge­gen, der sich selbst­los und ohne mate­ri­elle Inter­es­sen für das Gemein­wohl enga­giert und sich sogar opfert, wenn es sein muss, bleibt auch auf Kuba eine Uto­pie.«

Mat­thias Jung erzählt in sei­nem Arti­kel »Gra­fite Carioca – ein Über­blick über die Graffiti-Kultur in Rio de Janeiro, Bra­si­lien« [PDF] von der Umset­zung der künst­le­ri­schen Bewe­gung  durch die Bra­si­lia­ni­sche Jugend. Graf­fiti drückt immer die Wün­sche und Ängste einer Jugend aus und steht daher in Bra­si­lien fest im Zei­chen einer Jugend steht, die zwi­schen Armut und Reich­tum Gewalt und Pro­sti­tu­tion einer unge­wis­sen Zukunft begeg­net. »Rio de Janeiro war und ist, trotz der Furcht vor Kri­mi­na­li­tät, eine Stadt mit hoher tou­ris­ti­scher Attrak­ti­vi­tät, was sich auch auf den welt­wei­ten Graffiti-Tourismus bezieht, der in den letz­ten Jahr­zehn­ten bestän­dig ange­wach­sen ist. Zucker­hut, Copaca­bana und Cai­pi­rinha, Samba, exo­ti­sche Frauen und die Leich­tig­keit des Urlauber-Seins – dazu ein schein­bar end­lo­ses Ange­bot an Wän­den mit authen­ti­scher Ghetto-Kulisse und ein U– und S-Bahn-System.« Auch ein Mekka für Graffiti-Touristen auf der Suche nach wah­rer Authen­ti­zi­tät, der sie lei­der nicht immer reflek­tiert begegnen.

Die deut­sche Fanzine-Szene gehört nicht zu den aktivs­ten der Welt, doch auch hier­zu­lande ver­lei­hen nach wie vor viele Jugend­li­chen ihrer Szene Aus­druck und das auch noch in gedruck­ter Form. Ein Inter­view mit dem Macher des deutsch Fan­zine Tref­fens in Mül­heim gibt ein wenig mehr Auf­schluss über die von Erwach­se­nen gänz­lich igon­rierte Form der Dar­stel­lung. Im Copy­shop mit Fabian [PDF] ist daher auch auf die Ursprünge zurück­zu­füh­ren, indem man kleine Hefte zusam­men­stellte um diese im Copy­shop zu vervielfältigen.

Der umfang­rei­che Rezen­si­ons­block beschäf­tigt sich wie­der ein­ge­hend mit unzäh­li­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen  im Sach­buch– und Fan­zin­ebe­reich und ist für jeden jugend­kul­tu­rell inter­es­sier­ten eine Pflicht­ecke, denn die vor­ge­stell­ten Werke beschrei­ben Kul­tu­ren der Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart nicht sel­ten schlecht als recht. Auch wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten, aktu­elle Aus­gabe einige Fan­zines sowie Bild– und Ton­trä­ger wer­den rezensiert.

Das Jour­nal der Jugend­kul­tu­ren gibt es auf der Inter­net­seite des Archivs kos­ten­los, da wie­der ein­mal das Geld für den Druck in Papier­form fehlt. Mit­glie­der des Archivs wür­den das eben­falls kos­ten­los erhal­ten und dar­über hin­aus 2 wei­tere Publi­ka­tio­nen des Archivs.

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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