21 Dezember

Gothic Beauty Magazine #29

Kategorie: Wortkunst — Jahrgang: 2009Keine Kommentare

Gothic Beauty 29Neulich brachte der Postbote wieder einen Schwung Zeitschriften aus Übersee, darunter auch das Gothic Beauty Magazine Nummer 29. Das Hochglanzmagazin, das ich in einem anderen Artikel bereits vorgestellt habe, gibt einen Überblick über die Gothic-Style-Szene in den USA. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, das alles unter dem Stern des Glam Goth steht, in der die Protagonisten der Zeitschrift deutlich mehr Gesichtsfarbe zeigen, vielleicht ein bisschen von den New Romantics der frühen 80er inspiriert. Überhaupt wird deutlich, das keine wirklichen Stile mehr entwickelt werden, sondern eher in immer neuen Kombinationen präsentiert werden.

Seit neuestem werden auch andere Subkulturen mit einbezogen. "Wenn die Steam­punk Mode die Ver­kör­pe­rung des­sen ist, wie sich die Vik­to­ria­ner der vor­letz­ten Jahr­hun­dert­wende die Zukunft vor­stell­ten, dann ist »German-Based-Folks-Clothing« die Ver­kör­pe­rung des­sen was sich Men­schen der Zun­kunft unter dem vik­to­ria­ni­schen Zeit­al­ter vor­stel­len könnten.« So stellt das Maga­zin das deut­sche Mode­la­bel infolkswetrust.com vor. Der Mix aus typi­schen Gothic-Elementen der Neu­zeit bei dem man auch bei den Cybers abge­schaut hat, wurde nun um das Steam­punk­genre erwei­tert. Für meine Begriffe etwas zu viel gemixt, ich mag die ein­zel­nen Stile eher in ihrer puris­ti­schen Form. Ich bin mir aber sicher, das die­ser neue Trend gro­ßen Anklang fin­den wird.

infolkswetrustAuch für den Wohnbereich gibt es aufregende Neuigkeiten: Adam Wallacavage stellt seine extravaganten Kronleuchter im Jules-Verne Look vor, die nicht nur extrem schön, sondern auch extrem teuer sind. So kostet ein riesiger schwarzer Kronleuchter, dessen Arme denen eines Kraken nachempfunden sind, auch stolze 14.000$. Sicher nichts für einen normal Grufti-Haushalt, aber enorm inspirierend. Der Gothic-Lolita-Look kommt ebenfalls nicht zu kurz, denn die japanischen Labels von Black Peace Now und Baby, the Stars shine bright zeigen in ihren Kollektionen eindrucksvoll, wie sich die Japaner selbst dieses Style-Genre vorstellen.

Ein paar Tipps zum selber machen werden auch noch verteilt. Seine Klamotten mit Aufnähern zu verzieren ist wohl heute Mode, früher verdeckte Mutti damit durchgewetzte Ärmel und die sogenannten Rocker verzierten damit ihre "Kutten". Mich erinnert es eher an Ed Hardy für unbegabte, wenn man sich Flammen, Rosen oder bunte Tierköpfe als Aufnäher auf die Kleidung semmelt.

Wie Eingangs erwähnt wird also wieder mehr gemixt. Stilgemische finden sich auf jeder Seite des Magazins, offenbar stehen die Mode-Labels unter dem mir unverständlichen Druck, immer etwas neues in immer kürzeren Abständen auf den Markt zu werfen, was immer noch ein bisschen ausgefallener und provokativer ist, als eine Saison vorher. So wundert es mich nicht, das auf der vorgestellten Show vom großen Label Lip Service deutlich mehr Punk und Fetisch-Elemente eingeflechtet werden um einen Markt zu bedienen, den es wohl ohne diese Labels gar nicht geben würde. Nachdem Punk und Gothic nun zwei Moderichtungen geworden sind, die es in jedem Teenie-Klamotten-Laden zu kaufen gibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Latex-Outfits bei Pimkie, H&M und New Yorker zu finden sind.

Interviews mit den Italienern von Lacuna Coil gibt es auch zu lesen, genauso wie eins mit dem Amerikaner von Collide, die von ihrem aktuellen Album Two Headed Monster erzählen und für den Frühling 2010 gleich wieder ein neues Album ankündigen. Black Tape for a Blue Girl berichten davon, das sie sich nach 20 Jahren ohne Drummer für das neue Album 10 Neurotics Brian Viglione mit ins Boot geholt haben. Auf die Frage hin, warum ihr Album den deutlich auf den Fetisch-Bereich abzielt antwortet Sam Rosenthal: "I wouldn’t say that the songs are con­fron­ta­tio­nal, so much as they are open and revea­ling. My fee­ling is this: I am an adult, I haven been wri­t­ing lyrics for 25 Years, I want to write ideas directly and honestly, rather than cloak them in meta­phor and dreams.« Meine Mei­nung: Nackte haut im Latex-Outfit ver­kauft sich eben bes­ser als hoch­ge­schlos­sen Stil­vol­les, ist doch aber auch nicht ver­werf­lich, oder?

(Bild­quelle rechts: Infolks­we­trust My Space Seite)

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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