10 Oktober

Als Punk Deutsch wurde - Verschwende deine Jugend

Kategorie: Wortkunst — Jahrgang: 20082 Kommentare

Wer schon immer wis­sen wollte, wer oder was für die deut­schen Sze­nen des Punk, New Wave oder NDW ver­ant­wort­lich ist, sollte sich Jür­gen Tei­pels Buch Ver­schwende deine Jugend ein­mal genauer anse­hen. Tei­pel hat inner­halb von 3 Jah­ren alle für ihn wich­ti­gen Prot­ago­nis­ten der 1977 erst­mals auf­flam­men­den Punk Bewe­gung inter­viewt und diese in chro­no­lo­gisch sor­tier­ter Form in ein Buch gebracht. Das Buch liest sich daher wie eine Doku­men­ta­tion ohne den Ver­such Fak­ten zu schaffen.

Inter­es­san­ter Weise gibt es in vie­len Inter­vie­waus­schnit­ten Über­schnei­dun­gen mit den Dar­stel­lun­gen ande­rer, so das sich inner­halb die­ser doku­men­ta­ri­schen Ansicht viele kleine Geschich­ten und Anek­do­ten her­aus­kris­tal­li­sie­ren. Tei­pel ver­knüpft die Geschich­ten geschickt und stellt so unter­schied­li­che Ansich­ten der glei­chen Bege­ben­heit dar. Die Natür­lich­keit der Spra­che hilft dabei, authen­tisch zu sein ohne ein ein­zi­ges Mal als all­ge­mein­gül­tig oder gesamt­deutsch zu erschei­nen. Fak­ten spie­len eine unter­ge­ord­nete Rolle, die Geschichte und Anek­do­ten ste­hen im Vordergrund.

Ver­ein­zelt gestreute Fotos aus jener Zeit ver­su­chen der Geschichte zu einem Bild zu ver­hel­fen, wer­den die­sem Anspruch aber nicht gerecht und ver­kom­men so zu einem net­ten Mit­bring­sel. Das Buch ver­sucht nicht Punk oder Jugend­kul­tu­ren zu erklä­ren son­dern bie­tet einen sehr authen­ti­schen Rück­blick in die Blü­te­zeit des deut­schen Punk. Über 100 Gesprächs­part­ner und ein peni­bel geführ­ter zeit­li­cher Ver­lauf machen das Buch zu einer Wis­sens­grund­lage, die in kei­nem Bücher­re­gal feh­len sollte.

Trotzdem habe ich da eine volle Bierdose an den Kopf gekriegt. Und zwar von der Schlagzeugerin von X-mal Deutschland [...] Das war nicht nur die Quittung dafür, dass ich New Wave gemacht habe und weniger grölig war als Punk. (Thomas Fehlmann von Palais Schaumburg)

Erschie­nen ist es bei Suhr­kamp, Neu­preis des Buches ist übri­gens 12,50€. Bei Ama­zon habe ich es als Män­ge­l­ex­em­plar für 5 Euro bekom­men. Auf Jür­gen Tei­pel Inter­net­seite Gesell­schafts­in­seln gibt neben Lese­pro­ben auch viele andere inter­es­sante Infor­ma­tio­nen und wer möchte kann sich den (sehr guten) pas­sen­den Sound­track auf CD gleich mitbesorgen.

(Bild­quelle: Gesell­schafts­in­seln)

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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2 Kommentare

  1. Zum Thema gibt es übri­gens einen sehr sehens­wer­ten aber lei­der wenig beach­te­ten Film glei­chen Namens (»Ver­schwende Deine Jugend«). Dort spielt zwar der maß­los über­be­wer­tete Robert Stad­lober mit, aber nichts desto trotz ist das Werk durch­aus sehens­wert. Es geht um einen jun­gen Mann, der aus sei­nem spieß­bür­ger­li­chen Leben als Banka­zubi aus­bre­chen möchte und ein Kon­zert mit DAF im Mün­che­ner Zir­kus Krone ver­an­stal­ten will — aller­dings ohne dass DAF etwas davon weiß ;) Mein Fazit aus dem Film: Selbst die ver­rück­tes­ten Träume kön­nen wahr wer­den, wenn man nur feste genug daran glaubt UND hart genug dafür arbeitet…

  2. Die Aus­sage die Du aus dem Film ziehst teile ich unein­ge­schränkt. Lei­der bin ich über den Film geteil­ter Mei­nung. Für mich als Fan und Kind der 80er ist eine schön gemachte Zeit­reise, wenn­gleich der Film auch nicht mei­nen per­sön­li­chen Geschmack wider­spie­gelt. Lei­der zeigt der Film ein ganz ande­res Bild die­ser Zeit der NDW, als es ich (weni­ger) oder meine Schwes­ter (eher mehr) in Erin­ne­rung haben. Damals wurde nicht so wild gehüpft, gesprun­gen und geju­belt. Das Publi­kum war sehr viel reser­vier­ter und skep­tisch neuem Gegen­über. Auch der Umgang war sehr viel här­ter, man hat doch eher einen gepfleg­ten Pogo hingelegt :)

    Nichts desto trotz hat der Film mich prima unter­hal­ten, auch wenn ich mei­nes schau­spie­lern­den Namens­vet­ter genauso wenig lei­den kann wie du. Dafür gewinnt der Film durch Ulmen als Musik­re­dak­teur. Selbst der Sound­track ist sehr hörens­wert und bie­tet nicht den typi­schen NDW Ein­heits­brei son­dern dank XTC oder Human Lea­gue auch ein schö­nes Rahmenprogramm.

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  1. […] Jür­gen Tei­pels Buch Ver­schwende deine Jugend zeigt diese Doku­men­ta­tion den feh­len­den Teil der Gesamt­deut­schen Geschichte des Punk. Die […]

  2. […] selbst anzu­re­gen nach­zu­den­ken und sich seine eigene Mei­nung zu bil­den. Tei­pels Ver­schwende deine Jugend ist ein solch doku­men­ta­risch gehal­te­nes Buch der eher beschrei­bend als erklä­rend ist […]

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