21 Januar

Subkultur! - Visual Kei

Kategorie: Subkultur! — Jahrgang 2009

Japanisches MädchenVisual kei (japa­nisch: vijuaru kei) lässt sich sinn­ge­mäß als  „visu­elle Her­kunft” übersetzen.Es han­delt sich dabei um eine Szene die eine ganze Reihe von Aspek­ten in sich ver­eint. So ent­wi­ckelte sie sich nicht aus der ursprüng­li­chen Musik, dem J-Rock oder J-Pop son­dern aus dem auf­tre­ten der Band­mit­glie­der das stark an einen Mensch gewor­de­nen Aus­gabe eines Manga oder Anime. Zunächst habe ich mich ein wenig gesträubt einen der­ar­ti­gen Arti­kel hier auf­zu­neh­men, ent­schloss mich aber zur akti­ven Auf­klä­rungs­ar­beit und möchte euch meine Recher­chen und Mei­nun­gen nicht vorenthalten.

Die in den 80er ent­stan­de­nen Musik­rich­tung J-Rock/J-Pop (Japan Rock/Pop) ist als Anleh­nung des west­li­chen Rock ent­stan­den und ver­bin­det die­sen mit klas­si­schen japa­ni­schen Ele­mente der Musik. Musik von Aeros­mith, Twis­ted Sis­ter und David Bowie trifft auf die tra­di­tio­nelle Enka-Musik und die moder­nen japa­ni­sche Pop­mu­sik Kayōkyoku. Bekannte Bei­spiele die­ser Musik sind X Japan, D’espairsRay, Moi dix Mois oder auch Buck-Tick. Die meis­ten Fans schät­zen die Kraft und Ener­gie der Musik und hal­ten diese für ehr­lich, was viel­leicht dar­aus resul­tie­ren mag, das diese die oft japa­ni­schen Texte nicht ver­ste­hen und so inten­si­ver die Emo­tio­nen der Musik wahr­neh­men kön­nen. Klingt jetzt komisch, ist aber so. Geht mit so ähnlich bei eini­gen Songs von Tri­so­mie 21.

Die meis­ten Jugend­li­chen in Japan sind durch Klei­der­ord­nun­gen und Schul­uni­for­men in ihren Ent­fal­tung ein­ge­schränkt, was sich schließ­lich in den Erschei­nungs­bil­dern der Frei­zeit wie eine Explo­sion der Far­ben anfühlt. Dabei nahm die Szene west­li­che Styles der Gothic– Batcave-, Punk– und New Wave Szene auf, ver­mischte sie mit dem Aus­se­hen der Figu­ren in Man­gas und formte dar­aus den Visual Kei. Viele Jugend­li­che in Deutsch­land fin­den über Anime und Manga zum J-Rock und letzt­end­lich zum Visual Kei.

Anne (Ats­u­shi), 20, Aus­zu­bil­dende zur Phy­sio­the­ra­peu­tin: „Man muss ein biss­chen Selbst­ver­trauen haben, um in der Szene über­le­ben zu kön­nen. Es gibt viele Nei­der”. 2002 ist Anne durch Anime und Manga zum J-Rock gekom­men und somit zu Visual Kei. (Jour­nal der Jugend­kul­tu­ren No.13, Seite 28)

Grund­sätz­lich bleibt fest­zu­hal­ten, das es sich bei Visual Kei nicht um eine Musik­rich­tung han­delt, son­dern um eine rein äußer­li­che Erschei­nungs­form. Mit der schwar­zen Szene im all­ge­mei­nen und Gothic hat Visual Kei außer eini­ger Stil­ele­mente nichts gemein­sam. Des­halb ist eine Kate­go­ri­sie­rung unter dem Ober­be­griff Gothic falsch.

Durch diese Unwis­sen­heit vie­ler Medien und dem pro­mo­ten der Major-Labels durch Style­ko­pie­ren, kommt es zu einer gefühl­ten Gothic, Emo, Visual Kei, Tokio Hotel  Suppe, aus der nie­mand der brei­ten Masse mehr ver­mag die ein­zel­nen Geschmacks­rich­tun­gen sau­ber zu tren­nen, denn alle diese Begriffe haben nicht viel mit­ein­an­der zu tun pas­sen aber geschmack­lich ganz gut zusammen.

Paul (Taiji), 20, Tisch­ler­a­zubi: […]Im Gro­ben sagt er, könne man die Visu­als in zwei Grup­pen auf­tei­len, die die Spaß haben wol­len und die, die sich sehr depres­siv geben. Letz­tere wer­den auch oft „Emos” genannt, sie ent­wi­ckeln sich nach und nach zu einer eige­nen Szene. „Emos” sind es auch oft, die rit­zen. Eines der Vor­ur­teile gegen­über Visual Kei  („alle Visus rit­zen”), mit denen die fröh­li­chen Visus leben müs­sen (Jour­nal der Jugend­kul­tu­ren No.13, Seite 30)

Aus dem ursprüng­li­che Style Visual Kei, der von japa­ni­schen J-Rock Bands durch Anleh­nung an die west­li­chen Styles und den japa­ni­schen Anime und Man­gas ent­stand im Laufe der 90er auch ein gan­zer Ver­klei­dungs­trend. Beim soge­nann­ten Cosplay klei­den und sty­len sich die Teil­neh­mer wie ihre Vor­bil­der in den ent­spre­chen­den Serien. Es ist quasi das japa­ni­sche Gegen­stück zum mehr euro­päi­schen LARP. [1], [2]

Auf YouTube (wo sonst) gibt es eine wirk­lich ernst gemeinte Repor­tage über Visual Kei, die eigent­lich den Kern der Sache ganz gut trifft. Mit­glie­der der Szene habe bestimmt dif­fe­ren­zierte Ansich­ten und mögen diese doch bitte in den Kom­men­ta­ren kundtun.

YouTube Preview Image

Teil 2 der Repor­tage auf Youtube

Teil 3 der Repor­tage auf Youtube

(Bild­quelle: sainz/flickr.com)

84 Kommentare

  1. @Abiz: Also, auch da kann ich „KONTRA” schreien, ich habe zwar alle Organe, aber nicht alle in vol­ler Funk­tion.
    @Robert: bei ent­spre­chen­der Länge der Kör­per­be­haa­rung stimme ich zu ;) Der Löt­zinn ist gar nicht erfor­der­lich, da es ja Mög­lich­kei­ten gibt, Haare mit Haa­ren zu ver­schwei­ßen, also han­delt es sich um eine mehr oder weni­ger aktive Inter­ak­tion zwi­schen Hörn­chen und Här­chen *ggg*

  2. Aaaaaaaaalso ich mag den Arti­kel sehr gut sehr gut *dau­men hoch*
    End­lich mal jemand, der sich damit befasst…
    Nur eins stört mich.
    Und zwar das ‘Man­gas’ *Das ‘s’ ver­such i.wie weg­zu­ra­die­ren*
    Also was ich damit sagen will und was die meis­ten Visu­als nicht wissen(was ich ziem­lich schlimm finde) im Japa­ni­schen gibt es keine Mehr­zahl.
    Die sagen in der Mehr­zahl ein­ach nur Manga. Ein Manga viele Manga.
    Also naja das sollte nur mal gesagt werden..weil es viele echt nicht raffen.

    Ansonsten…ist er ein­fach wow und ich freu mich, dass mal was rich­ti­ges bei einem VK-bericht herauskommt.

    Toll gemacht, kompliment.

    Lieeebste Grüße~~
    hachiko~

  3. Vie­len Dank für das Kom­pli­ment, so was tut auch mal ganz gut :) Sagt man in Japan nicht etwas dop­pelt wenn es in der Mehr­zahl ist? Also ein Manga und Manga Manga? Weiß nicht, hab mal irgend­wann sowas gehört, wahr­schein­lich wie­der gefähr­li­ches Halbwissen :)

  4. Ach ja, alle X-Japan Alben und bei­den Eter­nal Melo­dies von Yoshiki lie­gen hier auch rum. Schon gewusst? SAW4 End­ti­tel ist von X-Japan.

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  1. […] neuen Phä­no­me­nen der Jugend­kul­tur, die ich bis dato nicht ein­zu­ord­nen ver­mochte. Zu mei­nem Arti­kel Sub­kul­tur! — Visual Kei kom­men­tierte der inzwi­schen 13 Jahre alte Visu names Sayuri “Wir sind immer noch bes­ser als […]

  2. […] in Nord­rhein West­fa­len und Anzie­hungs­punkt für viele J-Rock, J-Pop und Visual Kei Fans, gerade wo das Thema Visus so heiß dis­ku­tiert wird ist es viel­leicht hilf­reich, inter­es­sier­ten Lesern ent­spre­chende Ver­an­stal­tun­gen vorzustellen, […]

  3. […] Sub­kul­tur! – Visual Kei Mein Bei­trag zu die­ser Form der Sub­kul­tur gehörte 2009 du den am häu­figs­ten kom­men­tier­ten Arti­keln. Aus einer ein­fa­chen Dar­stel­lung  einer Jugend­be­we­gung ent­brannte eine Dis­kus­sion um Abgren­zung, Tole­ranz und Iden­ti­fi­ka­tion. Ob es sich um eine rein opti­sche Erschei­nung han­delt oder ob mehr dahin­ter steckt ist wei­ter­hin strit­tig. Wäh­rend die Visu’s von der brei­ten Masse durch ihre Col­lage der Mode­stile ande­rer Szene-Kulturen han­geln, schrei­ben ihnen andere auch einen eige­nen Lebens­stil zu oder zie­hen par­al­le­len zu Welt der Cybers. Mit 81 Kom­men­tare übri­gens der meist dis­ku­tierte Arti­kel auf die­sem Blog. […]