16 Juni

Subkultur! - Steampunk

Kategorie: SubKultur! — Jahrgang: 200912 Kommentare

steampunksWer jetzt glaubt, es gibt Punks denen Dampf aus den Ohren pfeift, ist schief gewi­ckelt. Steam­punk ist eigent­lich ein ganz inter­es­san­tes Wort­spiel, um den Zusam­men­hang zu ver­ste­hen müs­sen wir uns kurz mit dem Begriff Punk aus­ein­an­der­set­zen. Punk ist eigent­lich ein Schimpf­wort für Ver­lie­rer und Outs­ider, das noch vor der gleich­na­mi­gen Jugend­kul­tur 1976 Ver­wen­dung fand, so musste sich selbst Mar­lon Brando 1953 im Film »The Wild One« von einem Klein­städ­ter als Punk beschimp­fen las­sen. 1 Der Dampf (engl. Steam) als sol­ches hat im Steam­punk eine beson­dere Bedeu­tung, denn in die­ser Fan­tasy­welt treibt der Dampf nicht nur die Dampf­ma­schi­nen an, son­dern auch Raum­schiffe, Luft­fahr­zeuge und Com­pu­ter die in der Haupt­sa­che aus Kup­fer, Mes­sing und Holz bestehen.

Steam­punks sind also nicht mit Punks im klas­si­schen Sinne zu ver­wech­seln, Men­schen bei­der Sub­kul­tu­ren unter­schei­den sich grund­le­gend. Punk ist eine Über­zeu­gung, Steam­punk eine Frei­zeit­be­schäf­ti­gung. Jugend­be­we­gung? Nein, eine inter­es­sante Sub­kul­tur für Ästhe­ti­ker und sol­che die es wer­den wollen.

Steam­punk ist daher eine haupt­säch­lich lite­ra­ri­sche und ästhe­ti­sche Spiel­art des Science-Fiction, bei der es sich nicht um eine Jugend­kul­tur im klas­si­schen Sinne han­delt, denn hier steht weder Abgren­zung noch Rebel­lion im Vor­der­grund, son­dern die Lei­den­schaft für Fan­tasy und das ver­klei­den. Was zunächst nur als Ele­ment für Bücher, Filme, Romane und Comics diente, erhielt durch die Zuneh­men­den Ent­wick­lung der Com­pu­ter Ein­zug in die Spiel­bran­che. Die große Beliebt­heit resul­tiert damit aus der Lei­den­schaft für Rol­len­spiele und deren Ver­brei­tung über das Com­pu­ter­spiel­genre, so fin­den sich in den Spie­len War­ham­mer Fan­tasy, Thief: The Dark Pro­ject, Iron King­doms und Thy­ria Steam­fan­tasy zahl­rei­che Ele­mente2 des Steampunkgenres.

800px-steamtopDer Begriff Steam­punk wurde ver­mut­lich von einem gewis­sen K.W. Jeter ein­ge­führt, der zum Ende der 80er Jahre in einem Brief an das Science-Fiction Maga­zin Locus Steam­punk als Gen­re­be­zeich­nung vor­schlägt. Anhän­ger pfle­gen Werte und Modi­sche Erschei­nun­gen des aus­ge­hen­den 19. Jahr­hun­derts (Vik­to­ria­ni­sches Zeit­al­ter 1837–1901), das sie mit Schmuck und Zube­hör aus Mes­sing, Kup­fer und Holz auf­wer­ten, selbst Ein­rich­tungs­ge­gen­stände und Com­pu­ter (siehe Bild) wer­den ent­spre­chend modi­fi­ziert. Im vik­to­ria­ni­sche Zeit­al­ter mit sei­ner begin­nen­den Indus­tria­li­sie­rung spielte maschi­nelle Ästhe­tik noch eine große Rolle, die spä­ter der Funk­tio­na­li­tät wei­chen musste.

Der künst­le­ri­sche Aspekt ist daher auch der viel­fäl­tigste und unzäh­lige Inter­net­sei­ten lie­fern per­ma­nen­ten Nach­schub. Auf Cabaret-Noir, einem Steam­punk Web­zine, fin­den sich daher viele Lei­den­schaf­ten der Steam­pun­ker. In Eng­land treibt man es wie­der auf die Spitze und hat eigens eine Chal­lenge für Dampf­ge­trie­bene Autos in Leben geru­fen, auf der auch das schnellste Dampf­auto der Welt zu sehen ist. Wahre Kunst­werke, wie der auf dem Bild zu sehende Com­pu­ter, fin­den sich unter ande­rem beim Data­man­cer, andere Men­schen dre­hen direkt ganze Filme über diese Spiel­art.  Die Top 10 der Steam­punk Rides zeigt eine beein­dru­ckende Aus­wahl an fahr­ba­ren Unter­sät­zen für den Steam­punk von heute.

Das sie oft im Zusam­men­hang mit Gothics auf­tau­chen ist daher kein Zufall. Die gemein­same Vor­liebe für die Ästhe­tik des begin­nen­den 19. Jahr­hun­derts und das Inter­esse für das mys­ti­sche und magi­sche ist ein Ele­ment bei­der Sub­kul­tu­ren. Im Unter­schied zum Gothic han­delt es sich jedoch um eine haupt­säch­lich Frei­zei­to­ri­en­tiere Unter­hal­tungs­kul­tur mit der Lei­den­schaft für das Ver­klei­den zu den Wochen­ende oder den Ver­an­stal­tun­gen. Nicht ver­wun­der­lich also, dass immer mehr Steam­punks auf dem WGT gesich­tet wer­den, da auch hier musi­ka­li­sche Gemein­sam­kei­ten in Rich­tung Dark­wave deut­lich wer­den. Beide Sub­kul­tu­ren legen eben­falls viel Wert auf die Selbst­in­sze­nie­rung, wobei hier die Stär­ken ein­deu­tig beim Gothic lie­gen, der durch den Ein­satz von höl­lisch viel Schminke einen wei­te­ren Schritt Rich­tung »Anders­sein« geht. Der mensch­li­che Drang zu Indi­vi­dua­li­sie­rung gip­felt beim Steam­punk auch in All­tags­ge­gen­stän­den, die mit viel Liebe zum Detail ver­fei­nert werden.

Ein eige­nes Musik­genre gibt es mei­ner Mei­nung nach nicht — obwohl die Band Abney Park als sol­che gilt — han­delt es sich dabei eher um eine Mischung aus Elec­tro, Future Pop und Alter­na­tive mit klas­si­schen Ein­flüs­sen. Das Schema »Ich kleide mich gerne so, mache gerne Musik und sage es ist Steam­punk« greift auch hier.

Ohne­hin ist das Inter­net Sprung­brett für den momen­ta­nen Steampunk-Boom, den Anhän­ger sind dafür bekannt, ihre Pro­jekte minu­tiös zu doku­men­tie­ren, bebil­derte Bau­an­lei­tun­gen in den eige­nen Blog zu stel­len und sogar fil­mi­sche Anlei­tun­gen bei YouTube zu prä­sen­tie­ren. Begeis­terte Retro­an­hän­ger anti­ker Com­pu­ter, 8-Bit Tech­no­lo­gie und Netz­kul­tur wie bei­spiels­weise René von Nerd­core sor­gen für einen hohen Ver­brei­tungs­grad und ent­spre­chende Popularität.

(Bild­quelle: flickr.com)
  1. »Jugend­kul­tu­ren zwi­schen Kom­merz & Poli­tik« von Klaus Farin, erschie­nen im Tils­ner Ver­lag, S. 72 []
  2. Luft­schiffe, dampf­ge­trie­bene Robo­ter und Andro­iden, Magie, Sata­nis­mus, Geis­ter­be­schwö­run­gen, Elek­tri­zi­tät []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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12 Kommentare

  1. Sehr schö­ner Arti­kel. Ich bin ja auch ein gro­ßer Fan von Steam­punk, wobei ich selbst kei­ner bin, was aber haupt­säch­lich an feh­len­den Gleich­ge­sinn­ten in der Nähe liegt.

    Einen Link möchte ich aber noch hin­zu­fü­gen, denn es gibt ein sehr gutes deut­sches Blog zum Thema Steam­punk! Clock­wor­ker wird von Cynx geführt, der ja ansons­ten auch sehr für LARP und ähnli­ches zu haben ist.

  2. @beetFreeQ: Vie­len Dank für die Blu­men und für die Links, bei Clock­wor­ker muss ich mich mal umse­hen. Inter­es­sant ist die Ver­bin­dung zum LARP, die bei vie­len Steam­punks eine gemein­same Lei­den­schaft ist. In der Mit­tel­al­ter­szene fin­den sich auch einige »Sze­nehop­per« die sehr mit dem Steam­punk sympathisieren.

  3. Ich mag den Steampunk-Stil eigent­lich recht gern, wenn ich mir die Gestal­ten auf dem Foto angu­cke kann ich ein süf­fi­san­tes Grin­sen nicht unter­drü­cken. Sieht für mich nach Fasching auf dem Schrott­platz aus. »Der mäch­tige Dampf­strahl aus mei­nem Rek­tum zer­stört mit einer Kup­fer­durch­drin­gung von 10 dein Dampfbügeleisen…«.

  4. Hat was. Kup­fer­schmuck für mei­nen Holz­kopf hab ich genug … und ich kann Dampf­plau­dern! Zählt das auch?
    – Ohne Schmarrn jetzt: Ich finde das cool. Die brau­chen auch nicht viele Far­ben. XD

  5. @Tears: Ich bin immer wie­der fas­zi­niert wie­viel Zeit und Liebe die Anhän­ger in ihre Pro­jekte ste­cken und wie kunst­voll man­che Werke sind, ich habe vor soviel Lei­den­schaft und Geschick den höchs­ten Respekt.

    @´n Gruf­tie halt: Zählt auch, bes­ser heisse und feuchte Luft als gar kein Output ;)

  6. Nö, eher ange­staubt. *hust*

    Wahr­schein­lich kennst du auch das Bild, das einen Lap­top(?) zeigt, auf des­sen Tas­ta­tur einer die Tas­ten einer alten, mecha­ni­schen Schreib­ma­schine gepappt(?) hat … Sieht schon stark aus, sowas.

  7. Du meinst diese Tas­ta­tur? In der Tat, dafür habe ich (siehe Ant­wort an Tears) den höchs­ten Respekt, ich könnte wohl nicht so viel Geduld aufbringen:

  8. @Robert. AAARRGHH!!! Ich krieg die Seite nicht her mit dem Bild das du ansprichst. *hate my pro­vi­der because of redu­ced bandwidth*

    Naja, ich hätte viel­leicht die Geduld um sowas zusam­men­zu­fri­ckeln, schließ­lich hab ich meine Couch kom­plett mit Patch­work »benäht« und da hat viel­leicht gedau­ert … aber tech­ni­sche Bas­te­leien sind nicht direkt mein Fall. ^^
    Aber ich glaube, ich hätte auf kei­nen Fall die Geduld auf so ´nem Dings dann auch wirk­lich zu arbeiten … :)

  9. Ver­stehe dein Band­brei­ten­pro­blem nicht, wohnst auf dem Land oder hast du den fal­schen Provider?

    Wie auch immer, glaube das er das nur zum angu­cken und vor­füh­ren hat, zum effi­zi­en­ten und täg­li­chen arbei­ten nimmt er sicher­lich eine »nor­male« Tas­ta­tur, mir wäre sie auch ein­fach zu schade.

  10. … lus­ti­gen Pro­vi­der und noch ein gutes Jahr Mindestlaufzeit.

    Prä­his­to­ri­sche Tas­ta­tur als rein opti­schen Schnick­schnack. Klar. Hab ich mal wie­der nicht mit­ge­dacht … *ankopfhau*

  11. Net­tes Fund­stück — Der Steam­punk USB-Stick
    http://www.beautifullife.info/industrial-design/steampunk-memory-keys-from-back2root/

  12. @funkygog: Wirk­lich ein tol­les Fund­stück, vie­len Dank dafür. Ich finde es immer fas­zi­nie­rend was man mir Akri­bie und Fleiß so alles anstel­len kann. Die wohl schöns­ten USB-Sticks die ich bis­lang gese­hen habe, fast zu schade um sie im USB Port eines Com­pu­ters zu benutzen.

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