19 November

Subkultur! - Electronic Body Music (EBM)

Kategorie: SubKultur! — Jahrgang: 200811 Kommentare

EBM steht für Elec­tro­nic Body Music und wird vor­nehm­lich von der als Techno-Grufties benann­ten Spe­zies bevor­zugt. Ent­stand 1980 mit Auf­kom­men der ers­ten bezahl­ba­ren Syn­the­si­zern, wie dem Korg MS-20. Fri­suren­tech­nisch recht unspek­ta­ku­lär, tra­gen Bri­kett­fri­sur, auch Flat­top genannt. Sehen alle ein biss­chen aus wie der junge Dave Gahan bei der Bun­des­wehr, obwohl der nie gedient hat und deren Musik höchs­tens Ein­stiegs­droge ist. Aus anfäng­li­chem Pogo ent­wi­ckelte sich der mar­schie­rende Zwei­schritt­tanz der ihn auf der Tanz­flä­che cha­rak­te­ri­siert, wo er ja eigent­lich gar nicht gese­hen wer­den will, denn sein Lieb­lings­mus­ter ist Camou­flage. Vor­schlag­ham­mer und Maschi­nen­teile nutzt er als T-Shirt Audruck und lässt keine Rück­schlüsse auf seine Berufs­wahl zu. Obwohl oft mit brau­ner Soße ver­wech­selt, hat der EBM­ler damit nichts zu tun. Als Able­ger ent­stand mitte der 90er Jahre Techno. Der EBM­ler hörte Front 242 und Nit­zer Ebb, hört jetzt Spets­naz und Dupont.

So gese­hen ist EBM kein Musik­genre das aus irgend­et­was ent­stand son­dern beschreibt eher eine Viel­zahl von Musik­rich­tun­gen und ist daher als Ober­be­griff anzu­se­hen, der elek­tro­nisch erzeugte und tanz­bare Musik umfasst. Von man­chen Kri­ti­kern auch Agg­repo beti­telt, weil der Musik eine gewis­sen Agres­si­vi­tät zugrunde liegt, wobei hier von einer krea­ti­ven Form die Rede ist. Klar und tief gespro­chene Texte, die mit­un­ter gegrölt wer­den ver­mi­schen sich häu­fig mit Sam­ples die aus dem drit­ten Reich stam­men. Auf­grund die­ser Tat­sa­che und ihres Klei­dungs– und Fri­su­ren­stil, wird der EBM­ler fälsch­li­cher­weise der rech­ten Szene zugeordnet.

Das Stück Body to Body von Front 242 wird gerne als Initi­al­zün­dung der Bewe­gung betrach­tet, ich per­sön­lich halte aber das Umfeld um die Deutsch ame­ri­ka­ni­sche Freund­schaft (DAF) für aus­schlag­ge­ben­der die mit Ihrem Album Die klei­nen und die Bösen etwa 1980 ein­schlu­gen. Das Stück »Ver­schwende deine Jugend« ist stil­prä­gend. Ein har­ter und schnel­ler Beat, der von einem Syn­t­hie­tep­pich getra­gen wird gepaart mit Sprech­ge­sang und kon­tro­ver­sen Tex­ten. Die par­al­lel ent­stan­dene Indus­trial Bewe­gung, die sich zu die­ser Zeit in Bands wie Throb­bing Gristle mani­fes­tiert spen­det ebenso Ein­flüsse und Songs bei.

Somit kon­zen­triert EBM mei­ner Mei­nung nach tanz­ba­res aus vie­len ande­ren elek­tro­ni­schen Musik­rich­tun­gen. Mas­sen­taug­li­chere und Sinn­freiere Gen­res mün­de­ten dann im Techno und spä­ter in der Rave Musik, die aber mit den Ursprün­gen nichts mehr zu tun haben.

Ob zuerst die Musik oder das Out­fit war, bleibt unge­klärt. Mei­ner Mei­nung nach die Musik, die mit ihrer mili­tä­ri­schen Ader die Wahl der Klei­dung beein­flusst hat. Anspie­lun­gen auf Mili­tär und Krieg, sowie die Ver­gan­gen­heit sind pro­vo­kan­tes Mit­tel, das in Form von Frak­tur­schrif­ten, Bom­ber­ja­cken und Doc Mar­tens Ver­wen­dung fin­det, mit den idea­len oder poli­ti­schen Inter­es­sen der EBM­ler nichts zu tun haben son­dern nur Aus­druck von Pro­test und Abgren­zung von der Norm der Gesell­schaft sind und damit genauso ein Teil der schwar­zen Gemeinde sind wie die ande­ren Indi­vi­dua­lis­ten und Randgruppen.

(Quel­len: Der Arti­kel bei Wiki­pe­dia ist sehr lesens­wert, Bild von Outof­line)

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: SubKultur!
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11 Kommentare

  1. Sehr schön geschrie­be­ner Bei­trag. Die Anfänge hab ich als 86-Jahrgang nicht mit­er­lebt, daher kann ich mich da nicht groß ein­mi­schen und sagen, was zuerst kam und was nicht. Ist aber auch nicht wirk­lich rele­vant, oder?

    Du hät­test noch mehr auf die heu­tige Sicht ein­ge­hen kön­nen. Denn auch heute ist ja EBM noch sehr, sehr weit in der Szene und auch außer­halb ver­tre­ten. Du schreibst es zwar, aber du hät­test es halt noch mehr ein­brin­gen kön­nen. Denn inter­es­sant ist ja sicher­lich auch, ob es für dich wich­tige Ver­än­de­rung zu bemer­ken gab. Da kann ich ja nix zu sagen. Daher wäre das ganz span­nend gewesen.

    Und da ich mich auch als Anhän­ger diver­ser Bands aus die­sem Bereich ansehe ist mein Inter­esse natür­lich hoch.

  2. Ein biss­chen Raum für Dis­kus­sion ist doch auch attrak­tiv ;) Aber selbst­ver­ständ­lich gebe ich Dir recht, ein Blick auf die heu­ti­gen For­men von EBM lohnt sich durch­aus. Es gibt kei­nen Urgoth der nicht immer wie­der mal in die­sen Bereich hin­ein­hört. Da es sich mei­ner Mei­nung aber nicht um ein Genre als sol­ches han­delt, gehe ich lie­ber auf die ein­zel­nen Unter­for­men wie Bei­spiels­weise Indus­trial oder Elec­tro näher ein, natür­lich aus schwar­zer Sicht.

    Ich werde mich aber bemü­hen und ver­su­chen Aktua­li­tät zu wah­ren, kon­struk­tive Kom­men­tare wie deins sind da sicher­lich hilfreich.

  3. Stimmt. Sicher ist es auch ganz span­nend zu wis­sen, wel­che Band nun den Anstoß gege­ben hat und so. Das ist ja auch bei ande­ren Sub­kul­tu­ren immer so eine Frage… wer hat die­sen Bereich am meis­ten geprägt? Wer war am Anfang dabei. Ist auch durch­aus inter­es­sant. Und das, was ich so lesen konnte, war für mich ein wenig neu, weil ich mich nicht immer mit den Anfän­gen beschäftige.

    Mei­ner Mei­nung nach wan­delt sich alles immer rela­tiv schnell und da ist manch­mal die Betrach­tung des Beginns zwar hilf­reich, aber irgend­wie auch immer nur die halbe Wahr­heit. Kann man ver­ste­hen, was ich meine? Viel­leicht ein wenig komisch ausgedrückt.

  4. Ich ver­stehe was du meinst. Selbst­ver­ständ­lich ist jede (Sub)Kultur einem stän­di­gen Wan­del unter­zo­gen, die ganze Wahr­heit zu ken­nen erscheint dabei fast unmög­lich. Du weisst ja, der Indi­vi­dua­li­sie­rungs­pro­zess führt dazu, das jeder, der beschrie­ben wird sich wie­der neu indi­vi­dua­li­sie­ren muss um nicht mit ande­ren ver­gli­chen zu werden ;)

  5. Die EBM-Szene ist nach einem Tief Ende der 90er bis Anfang des neuen Jahr­tau­sends doch sehr gut erholt! Und ich rede jetzt nicht von der Tech­no­va­ri­ante, son­dern vom klas­si­schen EBM. Das dies­jäh­rige Amphi Fes­ti­val mit Jäger 90, ABC, Lea­ther Strip (!) und Front 242 sprach auch anhand der Zuschauer-Reaktionen ne deut­li­che Sprache.

    Ansons­ten: Guter und sach­li­cher Bericht!

  6. Also ich habe auch fest­ge­stellt, das nach der Jahr­tau­send­wende EBM durch­aus wie­der ziem­lich gefragt ist.

    Auf unse­rem Elek­trof­loor ist es so, das zuneh­mend klas­si­sches gewünscht und bevor­zugt wird. Viel­leicht war die knick­licht­welle doch ein klein biss­chen zu aus­ufernd und die leute seh­nen sich nach was mit substanz… :)

  7. EBM-Leute habe ich nie als Bestand­teil der Gothic-Kultur gese­hen, von Gruf­ties hat­ten die sich radi­kal abge­grenzt. In den Dis­sen gab es sogar öfters böses Blut. Berüh­rungs­punkte gab es allen­falls über Depe­che Mode. Das war so eine Konsens-Band. Inter­es­sant hierzu sind auch Inter­views zu Para­noid und X Marks the Ped­walk (wobei letz­tere nicht unbe­dingt EBM mach­ten). Denn die waren es leid, stän­dig in die Grufti-Ecke gerückt zu wer­den. Ich würde mal so sagen: EBM war Bestand­teil von New Wave, nicht aber Bestand­teil von Gothic. Ist heute doch nicht anders. Ich kenne keine EBMheads, die sich als Goths verstehen.

    Es ist, neben­bei bemerkt, durch­aus ein erkenn­ba­res Genre. Als Ober­be­griff taugt das mei­ner Mei­nung nach nicht.

  8. @klangwelt: Danke für die Blu­men. Ich stimme Dir zu, der klas­si­sche EBM hat in den letz­ten Jah­ren leicht zuge­legt, obwohl ich im Publi­kum und in den kate­go­ri­sier­ten Bands einige Mit­läu­fer erkenne. Auch die Reunion eini­ger »alter Bekann­ter« sehe ich mit einem lachen­den und einem wei­nen­den Auge. Aber ich lasse mich Überraschen!

    @ZeitUngeist: Das wäre wirk­lich ein schöne Ent­wick­lung, auch wenn ich dei­ner Ein­schät­zung etwas skep­tisch gegen­über­stehe. EBM mit Sub­stanz ist immer gerne gese­hen, da bin ich musi­ka­lisch sehr offen.

    @Death Disco: Schwie­rig zu sagen, denn mei­ner Mei­nung nach ent­stan­den die Sze­nen rela­tiv zeit­nah und der Begriff Gothic tauchte erst viel spä­ter auf, daher stimme ich Dir zu und würde sie als elek­tro­ni­sche Wei­ter­ent­wick­lung des Post-Punk oder auch New Wave sehen. Ich denke da es schon immer Bands gab, die sich nie rich­tig ein­ord­nen las­sen woll­ten und konn­ten gibt es gerade mit Gruf­tie oder auch Wave­szene Gemein­sam­kei­ten wie auch Reibungspunkte.

    Depe­che Mode ist hier ein gutes Bei­spiel, die haben sich ja in vie­len Genre aus­pro­biert. Gene­rell lässt wohl sagen, das sich nie­mand irgend­wie ein­ord­nen las­sen will, liest man die Inter­views mit unzäh­li­gen Bands dis­tan­zie­ren sich die meis­ten von einem fest­ge­leg­ten Genre.

    Ich teile deine Mei­nung, das beide Sub­kul­tu­ren nicht viel mit­ein­an­der zu tun haben, bis auf ein paar musi­ka­li­sche Grenz­gän­ger. Viel­mehr ist es eben die­sen »Dis­sen« zu ver­dan­ken (ebenso Fes­ti­vals wie das WGT oder Mera Luna) die das immer schon unter das Schwarz­volk gemischt haben um ein brei­te­res Publi­kum anzusprechen.

    Hmm, Genre oder Ober­be­griff? Gute Frage. Allein der Begriff taugt ja schon zur Auf­nahme ver­schie­de­ner ande­rer Rich­tung, wie bei­spiels­weise dem Indus­trial. Ein klare Defi­ni­tion ver­mag ich jedoch nicht zu geben, eher ein gefühls­ori­en­tierte Einschätzung.

  9. Indus­trial ist nicht tanz­bar. Der meiste Kram jeden­falls nicht. Als Kör­per­mu­sik taugt der nicht. Dann schon eher als Kopfmusik. ;)

  10. Robert die sache mit dem brei­ten publi­kum haben sehe ich einer­seits zwar genauso, ande­rer­seits muss ich aber auch sagen, das es schlicht­weg auch ein­fach leute gibt, die BEIDES hören. und die wün­schen sich dann auch dem­ent­spre­chend beides.

    also ich wäre da kei­nes­falls so eng­stir­nig zu sagen das hat kei­nes­falls was mit­ein­an­der zu tun. sone sub­kul­tur wird ja nicht durch die musik bestimmt son­dern (lei­der auch manch­mal) durch die leute, die der sub­kul­tur zumin­dest irgend­wie angehören.

    also ich denke es ist viel­leicht ein biss­chen zu ein­fach gedacht zu sagen »das wird nur aus kom­mer­zi­el­len grün­den zusam­men­ge­wor­fen«… zum einen weil es durch­aus nen rie­sen arsch voll non­kom­mer­zi­el­len dunk­len par­ties gibt (von gemein­nüt­zi­gen ver­ei­nen bzw leu­ten die ein­fach spass dran haben ohne finan­zi­el­les inter­esse) und zum ande­ren wie gesagt weil ein­fach leute aus allen rich­tun­gen zu par­ties und fes­ti­vals gehen. von ganz alleine ^^

  11. @Death Disco: Hat auch nie­mand behaup­tet das Indus­trial tanz­bar ist (obwohl ich eine Stü­cke der Ein­stür­zen­den Neu­bau­ten wie bei­spiels­weise Feu­rio! oder Yu-Gung durch­aus tanz­bar finde), ganz im Gegen­satz zur EBM wie bei­spiels­weise von Front 242 oder auch Nit­zer Ebb. Den­noch halte ich auch den Indus­trial für eine durch­aus kör­per­li­che Form der elek­tro­ni­schen Musik obwohl der Kopf, wie du schon sagst, eine grö­ßere Rolle spielt. Aber bei man­chen Leu­ten sind diese bei­den Dinge eben untrenn­bar ver­bun­den. Aber gut, Indus­trial war viel­leicht auch ein schlech­tes Bei­spiel, ich hätte es in Anfüh­rungs­zei­chen set­zen sollen :)

    @ZeitUngeist: Natür­lich. Sol­che Leute soll es geben. Aber dann eine Bitte an die Ver­an­stal­ter: Hüllt euch nicht in das dunkle Gewand eines Genre das ihr über­haupt nicht bedient. Bei­spiel »Wave-Gotik-Treffen«, sol­che Musik gehört ein­fach nicht dahin und passt noch nicht ein­mal zum Name der Ver­an­stal­tung. Die Leute die dann bei­des hören müs­sen sich ein­fach ent­schei­den. Das WGT ist durch sei­nen Kom­mer­zia­li­sie­rungs­drang »immer mehr, viel mehr« auf einem Gleis, der ein­fach irgend­wann nicht mehr wei­ter­geht und an einem Ramm­bock endet.
    Für Non-Kommerzielle Par­ties, die ich per­sön­lich sehr schätze, gilt das­selbe. Es muss drauf­ste­hen was drin ist.

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