19 November
Subkultur! - Electronic Body Music (EBM)
EBM steht für Electronic Body Music und wird vornehmlich von der als Techno-Grufties benannten Spezies bevorzugt. Entstand 1980 mit Aufkommen der ersten bezahlbaren Synthesizern, wie dem Korg MS-20. Frisurentechnisch recht unspektakulär, tragen Brikettfrisur, auch Flattop genannt. Sehen alle ein bisschen aus wie der junge Dave Gahan bei der Bundeswehr, obwohl der nie gedient hat und deren Musik höchstens Einstiegsdroge ist. Aus anfänglichem Pogo entwickelte sich der marschierende Zweischritttanz der ihn auf der Tanzfläche charakterisiert, wo er ja eigentlich gar nicht gesehen werden will, denn sein Lieblingsmuster ist Camouflage. Vorschlaghammer und Maschinenteile nutzt er als T-Shirt Audruck und lässt keine Rückschlüsse auf seine Berufswahl zu. Obwohl oft mit brauner Soße verwechselt, hat der EBMler damit nichts zu tun. Als Ableger entstand mitte der 90er Jahre Techno. Der EBMler hörte Front 242 und Nitzer Ebb, hört jetzt Spetsnaz und Dupont.
So gesehen ist EBM kein Musikgenre das aus irgendetwas entstand sondern beschreibt eher eine Vielzahl von Musikrichtungen und ist daher als Oberbegriff anzusehen, der elektronisch erzeugte und tanzbare Musik umfasst. Von manchen Kritikern auch Aggrepo betitelt, weil der Musik eine gewissen Agressivität zugrunde liegt, wobei hier von einer kreativen Form die Rede ist. Klar und tief gesprochene Texte, die mitunter gegrölt werden vermischen sich häufig mit Samples die aus dem dritten Reich stammen. Aufgrund dieser Tatsache und ihres Kleidungs– und Frisurenstil, wird der EBMler fälschlicherweise der rechten Szene zugeordnet.
Das Stück Body to Body von Front 242 wird gerne als Initialzündung der Bewegung betrachtet, ich persönlich halte aber das Umfeld um die Deutsch amerikanische Freundschaft (DAF) für ausschlaggebender die mit Ihrem Album Die kleinen und die Bösen etwa 1980 einschlugen. Das Stück »Verschwende deine Jugend« ist stilprägend. Ein harter und schneller Beat, der von einem Synthieteppich getragen wird gepaart mit Sprechgesang und kontroversen Texten. Die parallel entstandene Industrial Bewegung, die sich zu dieser Zeit in Bands wie Throbbing Gristle manifestiert spendet ebenso Einflüsse und Songs bei.
Somit konzentriert EBM meiner Meinung nach tanzbares aus vielen anderen elektronischen Musikrichtungen. Massentauglichere und Sinnfreiere Genres mündeten dann im Techno und später in der Rave Musik, die aber mit den Ursprüngen nichts mehr zu tun haben.
Ob zuerst die Musik oder das Outfit war, bleibt ungeklärt. Meiner Meinung nach die Musik, die mit ihrer militärischen Ader die Wahl der Kleidung beeinflusst hat. Anspielungen auf Militär und Krieg, sowie die Vergangenheit sind provokantes Mittel, das in Form von Frakturschriften, Bomberjacken und Doc Martens Verwendung findet, mit den idealen oder politischen Interessen der EBMler nichts zu tun haben sondern nur Ausdruck von Protest und Abgrenzung von der Norm der Gesellschaft sind und damit genauso ein Teil der schwarzen Gemeinde sind wie die anderen Individualisten und Randgruppen.
(Quellen: Der Artikel bei Wikipedia ist sehr lesenswert, Bild von Outofline)
Veröffentlicht von Robert
Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch
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Kategorie: SubKultur!
Schlagwort: Bomberjacke, DAF, Dr. Martens, EBM, Flattop, Frakturschrift, Front 242, Harrington, Industrial, SubKultur!, Throbbing Gristle


hat bereits 42 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. November 2008 um 13:09:
Sehr schön geschriebener Beitrag. Die Anfänge hab ich als 86-Jahrgang nicht miterlebt, daher kann ich mich da nicht groß einmischen und sagen, was zuerst kam und was nicht. Ist aber auch nicht wirklich relevant, oder?
Du hättest noch mehr auf die heutige Sicht eingehen können. Denn auch heute ist ja EBM noch sehr, sehr weit in der Szene und auch außerhalb vertreten. Du schreibst es zwar, aber du hättest es halt noch mehr einbringen können. Denn interessant ist ja sicherlich auch, ob es für dich wichtige Veränderung zu bemerken gab. Da kann ich ja nix zu sagen. Daher wäre das ganz spannend gewesen.
Und da ich mich auch als Anhänger diverser Bands aus diesem Bereich ansehe ist mein Interesse natürlich hoch.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. November 2008 um 16:23:
Ein bisschen Raum für Diskussion ist doch auch attraktiv ;) Aber selbstverständlich gebe ich Dir recht, ein Blick auf die heutigen Formen von EBM lohnt sich durchaus. Es gibt keinen Urgoth der nicht immer wieder mal in diesen Bereich hineinhört. Da es sich meiner Meinung aber nicht um ein Genre als solches handelt, gehe ich lieber auf die einzelnen Unterformen wie Beispielsweise Industrial oder Electro näher ein, natürlich aus schwarzer Sicht.
Ich werde mich aber bemühen und versuchen Aktualität zu wahren, konstruktive Kommentare wie deins sind da sicherlich hilfreich.
hat bereits 42 Kommentare abgegeben und schrieb am 20. November 2008 um 17:04:
Stimmt. Sicher ist es auch ganz spannend zu wissen, welche Band nun den Anstoß gegeben hat und so. Das ist ja auch bei anderen Subkulturen immer so eine Frage… wer hat diesen Bereich am meisten geprägt? Wer war am Anfang dabei. Ist auch durchaus interessant. Und das, was ich so lesen konnte, war für mich ein wenig neu, weil ich mich nicht immer mit den Anfängen beschäftige.
Meiner Meinung nach wandelt sich alles immer relativ schnell und da ist manchmal die Betrachtung des Beginns zwar hilfreich, aber irgendwie auch immer nur die halbe Wahrheit. Kann man verstehen, was ich meine? Vielleicht ein wenig komisch ausgedrückt.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 13. Januar 2009 um 02:15:
Ich verstehe was du meinst. Selbstverständlich ist jede (Sub)Kultur einem ständigen Wandel unterzogen, die ganze Wahrheit zu kennen erscheint dabei fast unmöglich. Du weisst ja, der Individualisierungsprozess führt dazu, das jeder, der beschrieben wird sich wieder neu individualisieren muss um nicht mit anderen verglichen zu werden ;)
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 23. Juli 2009 um 17:50:
Die EBM-Szene ist nach einem Tief Ende der 90er bis Anfang des neuen Jahrtausends doch sehr gut erholt! Und ich rede jetzt nicht von der Technovariante, sondern vom klassischen EBM. Das diesjährige Amphi Festival mit Jäger 90, ABC, Leather Strip (!) und Front 242 sprach auch anhand der Zuschauer-Reaktionen ne deutliche Sprache.
Ansonsten: Guter und sachlicher Bericht!
hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 21. Dezember 2009 um 14:54:
Also ich habe auch festgestellt, das nach der Jahrtausendwende EBM durchaus wieder ziemlich gefragt ist.
Auf unserem Elektrofloor ist es so, das zunehmend klassisches gewünscht und bevorzugt wird. Vielleicht war die knicklichtwelle doch ein klein bisschen zu ausufernd und die leute sehnen sich nach was mit substanz… :)
hat bereits 102 Kommentare abgegeben und schrieb am 22. Dezember 2009 um 12:29:
EBM-Leute habe ich nie als Bestandteil der Gothic-Kultur gesehen, von Grufties hatten die sich radikal abgegrenzt. In den Dissen gab es sogar öfters böses Blut. Berührungspunkte gab es allenfalls über Depeche Mode. Das war so eine Konsens-Band. Interessant hierzu sind auch Interviews zu Paranoid und X Marks the Pedwalk (wobei letztere nicht unbedingt EBM machten). Denn die waren es leid, ständig in die Grufti-Ecke gerückt zu werden. Ich würde mal so sagen: EBM war Bestandteil von New Wave, nicht aber Bestandteil von Gothic. Ist heute doch nicht anders. Ich kenne keine EBMheads, die sich als Goths verstehen.
Es ist, nebenbei bemerkt, durchaus ein erkennbares Genre. Als Oberbegriff taugt das meiner Meinung nach nicht.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 22. Dezember 2009 um 19:13:
@klangwelt: Danke für die Blumen. Ich stimme Dir zu, der klassische EBM hat in den letzten Jahren leicht zugelegt, obwohl ich im Publikum und in den kategorisierten Bands einige Mitläufer erkenne. Auch die Reunion einiger »alter Bekannter« sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aber ich lasse mich Überraschen!
@ZeitUngeist: Das wäre wirklich ein schöne Entwicklung, auch wenn ich deiner Einschätzung etwas skeptisch gegenüberstehe. EBM mit Substanz ist immer gerne gesehen, da bin ich musikalisch sehr offen.
@Death Disco: Schwierig zu sagen, denn meiner Meinung nach entstanden die Szenen relativ zeitnah und der Begriff Gothic tauchte erst viel später auf, daher stimme ich Dir zu und würde sie als elektronische Weiterentwicklung des Post-Punk oder auch New Wave sehen. Ich denke da es schon immer Bands gab, die sich nie richtig einordnen lassen wollten und konnten gibt es gerade mit Gruftie oder auch Waveszene Gemeinsamkeiten wie auch Reibungspunkte.
Depeche Mode ist hier ein gutes Beispiel, die haben sich ja in vielen Genre ausprobiert. Generell lässt wohl sagen, das sich niemand irgendwie einordnen lassen will, liest man die Interviews mit unzähligen Bands distanzieren sich die meisten von einem festgelegten Genre.
Ich teile deine Meinung, das beide Subkulturen nicht viel miteinander zu tun haben, bis auf ein paar musikalische Grenzgänger. Vielmehr ist es eben diesen »Dissen« zu verdanken (ebenso Festivals wie das WGT oder Mera Luna) die das immer schon unter das Schwarzvolk gemischt haben um ein breiteres Publikum anzusprechen.
Hmm, Genre oder Oberbegriff? Gute Frage. Allein der Begriff taugt ja schon zur Aufnahme verschiedener anderer Richtung, wie beispielsweise dem Industrial. Ein klare Definition vermag ich jedoch nicht zu geben, eher ein gefühlsorientierte Einschätzung.
hat bereits 102 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Januar 2010 um 16:33:
Industrial ist nicht tanzbar. Der meiste Kram jedenfalls nicht. Als Körpermusik taugt der nicht. Dann schon eher als Kopfmusik. ;)
hat bereits 25 Kommentare abgegeben und schrieb am 15. Januar 2010 um 17:31:
Robert die sache mit dem breiten publikum haben sehe ich einerseits zwar genauso, andererseits muss ich aber auch sagen, das es schlichtweg auch einfach leute gibt, die BEIDES hören. und die wünschen sich dann auch dementsprechend beides.
also ich wäre da keinesfalls so engstirnig zu sagen das hat keinesfalls was miteinander zu tun. sone subkultur wird ja nicht durch die musik bestimmt sondern (leider auch manchmal) durch die leute, die der subkultur zumindest irgendwie angehören.
also ich denke es ist vielleicht ein bisschen zu einfach gedacht zu sagen »das wird nur aus kommerziellen gründen zusammengeworfen«… zum einen weil es durchaus nen riesen arsch voll nonkommerziellen dunklen parties gibt (von gemeinnützigen vereinen bzw leuten die einfach spass dran haben ohne finanzielles interesse) und zum anderen wie gesagt weil einfach leute aus allen richtungen zu parties und festivals gehen. von ganz alleine ^^
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 16. Januar 2010 um 00:44:
@Death Disco: Hat auch niemand behauptet das Industrial tanzbar ist (obwohl ich eine Stücke der Einstürzenden Neubauten wie beispielsweise Feurio! oder Yu-Gung durchaus tanzbar finde), ganz im Gegensatz zur EBM wie beispielsweise von Front 242 oder auch Nitzer Ebb. Dennoch halte ich auch den Industrial für eine durchaus körperliche Form der elektronischen Musik obwohl der Kopf, wie du schon sagst, eine größere Rolle spielt. Aber bei manchen Leuten sind diese beiden Dinge eben untrennbar verbunden. Aber gut, Industrial war vielleicht auch ein schlechtes Beispiel, ich hätte es in Anführungszeichen setzen sollen :)
@ZeitUngeist: Natürlich. Solche Leute soll es geben. Aber dann eine Bitte an die Veranstalter: Hüllt euch nicht in das dunkle Gewand eines Genre das ihr überhaupt nicht bedient. Beispiel »Wave-Gotik-Treffen«, solche Musik gehört einfach nicht dahin und passt noch nicht einmal zum Name der Veranstaltung. Die Leute die dann beides hören müssen sich einfach entscheiden. Das WGT ist durch seinen Kommerzialisierungsdrang »immer mehr, viel mehr« auf einem Gleis, der einfach irgendwann nicht mehr weitergeht und an einem Rammbock endet.
Für Non-Kommerzielle Parties, die ich persönlich sehr schätze, gilt dasselbe. Es muss draufstehen was drin ist.