4 Februar

Skin - Hass war sein Ausweg

Kategorie: Schwarze Leinwand, SubKultur! — Jahrgang: 2009Keine Kommentare

cover_dvd_big1979, irgendwo in den Nie­der­lan­den. Die anfangs den Punks nahe ste­hen­den Skin­heads radi­ka­li­sie­ren sich immer mehr nach rechts. Dem 17jährigen Fran­kie, Sohn eines jüdi­schen KZ-Überlebenden, ist gar nicht rich­tig klar, auf wen er sich da ein­ge­las­sen hat. Die neuen Kum­pel haben ihn ein­fach mit­ge­nom­men. Jetzt weiß er wenigs­tens, wo er hin­ge­hört, bekommt Aner­ken­nung und Auf­merk­sam­keit. Das konn­ten ihm sein schwer trau­ma­ti­sier­ter Vater und die kranke Mut­ter nicht geben. Die Bin­dun­gen zu sei­ner Fami­lie und sei­nem bis­he­ri­gen Leben zer­rei­ßen immer mehr. Bis es zu einer Kata­stro­phe kommt, die Fran­kie zum Mör­der macht …

Die nie­der­län­di­schen Skin­heads, geprägt von Ursprün­gen der Bewe­gung in den mul­ti­kul­tu­rel­len Arbei­ter­vier­teln East Lon­dons, sind eine pro­le­ta­ri­sche und poli­tisch links Ori­en­tierte Jugend­kul­tur, die ein­deu­tige Par­al­le­len zu den Punks auf­weist. Zusam­men­halt und Loya­li­tät, die Fran­kie inner­halb sei­ner Fami­lie ver­misst, fin­det er hier. Zusam­men mit sei­nem schwar­zen Freund Jef­frey macht er die Nach­bar­schaft unsicher.

Faschis­ten sehen in der Gewalt­be­rei­ten und labi­len Skin­head­szene den idea­len Nähr­bo­den für ihre ideo­lo­gi­schen Ideen. Unzu­frie­den­heit mit sich selbst und dem des­in­ter­es­sierte Vater, sowie der Tod sei­ner Mut­ter las­sen in Fran­kie Hass und Aggres­sion wach­sen, die er inner­halb der Nazi-Skin Szene aus­le­ben kann. Er teilt nicht die Beweg­gründe der Szene, schmückt sich aber den­noch mit ihren Sym­bo­len um dazu­zu­ge­hö­ren. Der Film endet in einer Tragödie.

Das der Nie­der­län­der Hanro Smit­sman sich auf diese Art und Weise mit der The­ma­tik aus­ein­an­der­setzt, ist für Ange­sichts einer dunk­len Ver­gan­gen­heit unge­wöhn­lich. Er macht das jedoch auf eine sehr authen­ti­sche Art und Weise und ver­mag so, ein rea­lis­ti­sches Bild der Jugend­be­we­gung dar­zu­stel­len. Ledig­lich die leicht Kli­schee­hafte Dar­stel­lung der ande­ren Jugend­kul­tu­ren, ins­be­son­dere der Nazi-Skins wirkt etwas über­trie­ben, ist aber auf­grund der bes­se­ren gesell­schaft­li­chen Wir­kung viel­leicht zu ver­schmer­zen. Haupt­dar­stel­ler Robert de Hoog spielt seine Rolle als nach Aner­ken­nung und Nest­wärme suchen­der Jugend­li­cher mehr als über­zeu­gend, er ver­mag dem Cha­rak­ter die nötige Tiefe zu ver­lei­hen und hat zurecht für seine Dar­stel­lung einen Preis eingestrichen.

Der Film bie­tet neben der pas­sen­den musi­ka­li­schen Unter­ma­lung und dem Klas­si­ker Skin­head von Lau­rel Ait­kin auch noch einige offene Fra­gen, zu denen sich der geneigte Zuschauer ein eige­nes Bild for­men kann. Er ver­zich­tet auf ein Happy End ebenso wie auf einen All­um­fas­sende Erklä­rung des Skin­head Phä­no­mens. Das die Nie­der­lande gutes Kino machen kann, hat Ver­fluch­tes Ams­ter­dam bereits 1988 unter Beweis gestellt.

Fazit: Tol­les nie­der­län­di­sche Kino mit Bil­dungs­po­li­ti­schem Anspruch
Regie: Hanro Smit­sman
Dreh­buch: Hanro Smit­sman, Phi­lip Del­maar, Ger­men Boelens
Dar­stel­ler:
Robert de Hoog, John Buijs­man, Syl­via Poorta, Juli­ann Ubber­gen, Teun Kuil­boer
Land:
Nie­der­lande, 2008
Lauf­zeit:
81 Min
Erschie­nen:
22.1.2009 (Ver­leih) 19.2.2009 (Verkauf)

(Bild­quelle: amazon.de)

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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