5 Februar

Tod Brownings Freaks (1932)

Kategorie: Schwarze Leinwand — Jahrgang: 20103 Kommentare

Filmplakat Freaks 1932Hans ist Dar­stel­ler in einer Show bei einem Zir­kus und eigent­lich glück­lich mit Frieda ver­lobt. Als die neue Tra­pez­künst­le­rin Cleo­pa­tra im Zir­kus beginnt, ver­liebt sich Hans unsterb­lich. Er macht ihr trotz Frie­das War­nun­gen Geschenke, Kom­pli­men­ten und Höf­lich­kei­ten die Cleo­pa­tra zwar heu­chelnd annimmt, sich aber hin­ter Hans” Rücken über ihn lus­tig macht, denn Hans ist klein­wüch­sig. Für Sie ist das alles nur ein Spiel, bis sie von einer bevor­ste­hen­den Erb­schaft erfährt, durch die Hans ver­mö­gend wird. Zusam­men mit ihrem Mann Her­cu­les schmie­det sie einen heim­tü­cki­schen Plan. Cleo­pa­tra und Hans hei­ra­ten und schon auf der Hoch­zeit macht sich Cleo­pa­tra über die Freaks des Zir­kus lus­tig, als Her­cu­les ver­sucht Hans zu ver­gif­ten um so dem Erbe hab­haft zu wer­den öffnet ihm das die Augen. Er und die ande­ren Freaks schwö­ren Rache.

Eigent­lich sollte das ein Film wer­den um das Ver­ständ­nis für Anders­ar­tig­keit und Behin­de­run­gen zu för­dern, doch 1932 erreicht der Film genau das Gegen­teil. Regis­seur Tod Brow­ning, der selbst meh­rere Jahre mit sol­chen Freaks im Zir­kus lebte, war sei­ner Zeit vor­aus. Der Film wurde in ver­schie­de­nen US-Bundestaaten ver­bo­ten, in Groß­bri­tan­nien stand er über 30 Jahre lang auf dem Index. Brow­nings Kar­riere, die 1931 mit der Ver­fil­mung von Bram Sto­kers Dra­cula (mit dem legen­dä­ren Bela Lugosi in der Haupt­rolle) ihren Höhe­punkt erreicht hatte, endete abrupt.

freaks gruppenfoto 1932»Eigent­lich wollte er mit die­sem Film ein Zei­chen für das Ver­ständ­nis der Anders­ar­tig­keit set­zen, doch hatte der Film oft­mals den gegen­tei­li­gen Effekt. Behin­de­run­gen gal­ten als Kurio­si­tä­ten und als mora­lisch bedenk­lich. Des­halb ver­lie­ßen viele Zuschauer die Auf­füh­run­gen, weil ein sol­cher Film in die­ser Zeit gegen die Moral­vor­stel­lun­gen der Besu­cher ver­stieß. Doch zeigt der Film, dass nicht zwangs­läu­fig die „Mons­ter“ die Mons­ter sind, son­dern auch im schöns­ten und schein­bar nor­mals­ten Men­schen ein Mons­ter ste­cken kann.»1

Erst Jahre spä­ter erhob man den Film in den Rah­men eines Klas­si­kers, der Motion Pic­ture Guide schrieb: »Bizar­rer Kult­film. So schräg und fremd­ar­tig, dass er Jahr­zehnte brauchte, um sein Publi­kum zu fin­den.« Prince Ran­dian, der lebende Torso, Johnny Eck, der Junge ohne Unter­leib oder Eliza­beth Green das Vogel­mäd­chen waren Attrak­tio­nen im Zir­kus, die anders zu sein in eine neue Dimen­sion tru­gen und zei­gen, wie grau­sam die Natur sein kann. Men­schen, neben denen die eigene Aus­sen­sei­ter­rolle zur Belang­lo­sig­keit ver­kommt. Den Film, den ich euch nicht vor­ent­hal­ten möchte, ist in vol­ler Länge im Netz zu fin­den. Der Film ist sehens­wert, nicht weil er kurios ist, son­dern inten­siv und authen­tisch insze­niert zeigt, dass auch hin­ter den schreck­lichs­ten Fas­sa­den füh­lende mensch­li­che Wesen ste­cken können.

(Bild­quelle: Brin­ging up the Clas­sics | Le blog d” Yspad­daden)
  1. Aus dem Arti­kel Freaks bei Wiki­pe­dia Deutsch­land []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Leinwand
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3 Kommentare

  1. Ich hatte schon eini­ges über den Film und auch über des­sen Dar­stel­ler gele­sen, aber nicht gedacht, ihn so schnell sehen zu kön­nen. Wirk­lich ganz gro­ßes Kino. Zumal das Gro­teske den Men­schen ja von Jeher fas­zi­niert. So frage ich mich bei­spiels­weise seit eini­ger Zeit, was wohl in den Köp­fen von Abi­gail und Brit­tany Hen­sel vor sich geht.
    Erstaun­lich finde ich eben­falls, dass einige Filme der dama­li­gen Zeit so wirk­ten, als seien ihr ihrer Zeit vor­aus. So wurde sich in dem Film »M — Eine Stadt sucht ihren Mör­der« auch einer The­ma­tik ange­nom­men, die man sich heute in die­ser Art gar nicht mehr zu ver­fil­men traut.

    Bei »Freaks« hätte ich das ursprüng­lich geplante Ende, in dem Her­cu­les unfrei­wil­lig zum Kas­tra­ten wird, für bes­ser befun­den. Des­sen ange­deu­tete Ermor­dung war mir dage­gen allzu plump. Aber inter­es­sant, wenn man sich ein­mal die Wer­te­gänge oder Schick­sale der Akteure anschaut. Schon krass, heute wür­den dort über­be­zahlte »Stars und Ster­nen« durch Maske und Tech­nik ver­än­dert wer­den, um mit deren Namen zu wer­ben und damals sam­melte man diese Men­schen von Jahr­märk­ten ein; am bes­ten noch mit Auf­wands­ent­schä­di­gung für ihre Besitzer.

  2. In der Tat, es ist schon unglaub­lich wie sich die Sicht­weise der Men­schen ver­än­dert oder auch nicht ver­än­dert hat. Heute braucht es immer här­tere Geschütze um die Men­schen zu scho­cken, aber das kör­per­lich Gro­teske sorgt immer noch für ungläu­bige Bli­cke und Fra­gen, die sich nie­mand traut zu stel­len. Das »Aus­stel­len« emp­fin­den ja auch nur viele Zuschauer wider­lich, für die von der Natur gestraf­ten Dar­stel­ler ist es viel­leicht die ein­zige Mög­lich­keit gewe­sen, zu Geld und einem halb­wegs nor­ma­len Leben zu kom­men. Viel­leicht eine Frage, die man Abi­gail und Brit­tany Hen­sel ein­mal stel­len könnte.

  3. […]für die von der Natur gestraf­ten Dar­stel­ler ist es viel­leicht die ein­zige Mög­lich­keit gewe­sen, zu Geld und einem halb­wegs nor­ma­len Leben zu kom­men […]
    Bei dem, was ich so gele­sen hatte, war das auch so. Wobei da den­noch stark feu­da­lis­ti­sche Zustände herrsch­ten. Krass gesagt waren einige mehr Show­skla­ven als Akteure. Aber es stimmt, es war deren ein­zige Mög­lich­keit am nor­ma­len Leben teil­zu­neh­men. Und je nach geis­ti­gem Fas­sungs­ver­mö­gen mach­ten auch einige Kar­riere, so zum Bei­spiel Johnny Eck, der »half boy« des Films. Aber da haben es heute Abi­gail und Brit­tany Hen­sel schon leich­ter ihren eige­nen Weg zu gehen. Wobei sich auch diese bestimmt mit Reak­tio­nen aus­ein­an­der­set­zen durf­ten, die wir nicht ein­mal erah­nen können.

    Auch wenn sich, wie du schon sag­test, viel zu vor 100 Jah­ren änderte. Film und Fern­se­hen, die Kunst und die Wis­sen­schaft ließ einen abstump­fen, kon­fron­tier­ten einen schon mit den skur­rils­ten Din­gen und gewöhn­ten an das Gro­teske. Sodass die Schock­grenze in unge­ahn­ter Höhe liegt und man belus­tigt dabei zuschaut, wie sich »phy­sisch nor­mal Gebo­rene« frei­wil­lig einer Meta­mor­phose zum Freak unter­zie­hen –beste Bei­spiel hier­bei das Spiel­feld der Body­mo­di­fi­ka­tion– Und den­noch sieht man die Repor­ta­gen über Miss­ge­bil­dete und gafft diese ungläu­big an, wie vor 100 Jah­ren. Wirft all sein Wis­sen über Bio­lo­gie über Bord, nur um sich der plum­pen Frage hin­zu­ge­ben: »Wie funk­tio­niert das«

    Aller­dings habe ich auch Repor­ta­gen gese­hen, bei er ich mich –aller ethi­schen Stel­lung­nah­men zum Trotz– fragte, warum diese Gestal­ten gebo­ren und am Leben gelas­sen wer­den muss­ten. Ein heik­les Spek­trum der Human­ethik, über das man selbst schon allein drei Jahre an der Uni sit­zen könnte, aber wenn der Mensch nur Kör­per ist…muss man die­sen dann zumu­ten zu exis­tie­ren. Und ich meine damit nicht nur psy­chi­sche wie phy­si­sche Defekte, die von der Norm abwei­chen las­sen. Son­dern die Unfä­hig­keit sich halb­wegs mit­zu­tei­len oder wahr­neh­men zu können.

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