16 Februar

This is England

Kategorie: Schwarze Leinwand — Jahrgang: 20094 Kommentare

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Ein lan­wei­li­ger Juli 1983 in einer eng­li­schen Küs­ten­stadt. Für den 12jährigen Shaun begin­nen die gro­ßen Ferien. Sie wer­den für den Jun­gen zu einer prä­gen­den inne­ren Reise die sowohl kul­tu­rell als auch per­sön­lich einige Über­ra­schung bereit­hält.
Sein Vater ist im Jahr zuvor im Falk­land­krieg gegen Argen­ti­nien gefal­len. Wer­den Shaun noch seine Mut­ter haben diese Fami­liäre Kata­stro­phe ganz bewäl­ti­gen kön­nen. Bei sei­nen gleich­alt­ri­gen Mit­schü­lern und Nach­bars­kin­dern ist Shaun wegen sei­nes agres­si­ven Ver­hal­tens Aus­sen­sei­ter. Eine zufäl­lige Begeg­nung mit Woody und sei­ner Skinhead-Gang, die den jun­gen in ihre Gemein­schaft auf­neh­men soll jedoch weit­rei­chende Kon­se­quen­zen haben.

Dort erhält der Junge das seit dem Tod des Vaters ver­misste Gemein­schafts­ge­fühl wie­der, erlebt Abend­teuer und den ers­ten Kuß eines Mäd­chens. Doch aus der anfangs eher harm­lo­sen Grup­pie­rung wird eine andere, als der frisch aus dem Gefäng­nis ent­las­sene Combo auf­taucht. Mit sei­ner rechts­ra­di­ka­len Gesin­nung mani­pu­liert und spal­tet er die Gruppe in zwei Lager. Shaun lässt sich auf seine Seite zie­hen und gerät in einen Stru­del aus Ras­sis­mus, Ver­zweif­lung und Gewalt.

Dem Regis­seur Shane Mea­dows ist ein Ein­drucks­vol­ler Film gelun­gen, der die selbst in Eng­land wenig dis­ku­tierte Sub­kul­tur Skin­head auf­greift und in inten­si­ven Bil­dern mit Vor­ur­tei­len auf­räumt und eine dif­fe­ren­zier­tere Sicht­weise auf die in den spä­ten 60ern ent­stan­dene Jugend­kul­tur erlaubt.

"Als ich zum ersten mal von der Nationalen Front hörte, hatte ich ein Gemälde vor meinen Augen, in dem asiatische Familien in Booten auf die weißen Kliffs von Dover zu rudern, während Skinheads an den Stränden sich bereit zum Kampf machen, um sie zu stoppen. Als zwölfjähriger Junge war das ein ziemlich romantisches Bild. Es war ja fast das, was mein Großvater unter Churchill tat." (Shane Meadows in Journal der Jugendkulturen Nr.12)

Der Film zeigt die Wider­sprü­che inner­halb der Skinhead-Szene und macht deut­lich, wie schnell Frus­tra­tion von Ver­lie­rern der Gesell­schaft zur Annahme von radi­ka­len und ras­sis­ti­schen Ideo­lo­gien führt. Das Dar­stel­len der Jugend­kul­tur als Teil der Zeit­ge­sche­hens macht deut­lich, das es sich nicht bei jedem Skin­head zwangs­läu­fig um einen rechts­ra­di­ka­len han­deln muss son­dern nur die Reak­tion auf per­sön­li­che Pro­bleme jedes Ein­zel­nen. Die Dar­stel­ler im Film ver­mö­gen es aus­ge­zeich­net die zahl­rei­chen Facet­ten der Sub­kul­tur auf die Lein­wand zu brin­gen, ohne jedoch mit Kli­schees zu hausieren.

Bei den Bri­tish Inde­pen­dent Film Awards wurde das Werk zum bes­ten Film und der erst 13-jährigen Haupt­dar­stel­ler Tho­mas Tur­goose als bes­ter New­co­mer aus­ge­zeich­net. Die­ser Film zeigt erneut, wie wich­tig ein guter Sound­track für einen Film über Sub­kul­tu­ren ist, This is Eng­land muss sich auch hier nicht ver­ste­cken und bril­liert mit aus­ge­such­ten Reg­gea, Skin­head, New Wave und Oi! Punk Stücken.

Fazit: Bril­li­an­ter Eng­li­scher Film mit über­zeu­gen­den Darstellern

Film: This is Eng­land
Regie:Shane Mea­dows
Dreh­buch: Shane Mea­dows
Dar­stel­ler: Tho­mas Tur­goose (Shaun), Ste­phen Gra­ham (Combo), Joe Gil­gun (Woody)
Land: Groß­bri­tan­nien, 2006
Lauf­zeit: 100 Min

Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Leinwand
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4 Kommentare

  1. japp, der film ist klasse gemacht. habs mir auf eng­lisch ange­se­hen, teil­weise auf­grund von slang/dialekt etwas schwer zu ver­ste­hen, aber klasse gemacht! ein paar aspekte der skin­head­be­we­gung hätte ich gerne genauer betrach­tet gese­hen, aber der film ist auf alle fälle fair mit die­ser sub­kul­tur umgegangen.

  2. Der Film ist nicht nur geil weil die story schön (wenn auch bere­chen­bar) ist, son­dern auch ein­fach so…

    Außer­dem habe ich durch den film Clay­hill (ehem. Sun­house) wie­der­ent­deckt und damit eine band mit dem mann mit der trau­rigs­ten stimme die es giiibt… (über­trei­bung veranschaulicht…^^)

    Dau­men Hoch!

  3. @tobi: Ich habe mir den Film jetzt schon ein paar mal ange­se­hen und bin immer noch begeis­tert. Der Sound­track, den ich mir besorgt habe, ist bis auf die klas­si­schen Ein­la­gen auch extrem hörenswert.

    @ZeitUngeist: Manch­mal muss man eine Geschichte ein­fach nur genies­sen, auch wenn sie bere­chen­bar erscheint. Mir gefal­len auch die unver­brauch­ten und authen­ti­schen Schau­spie­ler, die ich an eng­li­schen Film so mag (siehe auch Billy Elliot). Clay­hill werde ich mir wohl mal auf der Zunge zer­ge­hen las­sen müssen.

  4. Ja.

    Wie gesagt ich habe den Film ins­ge­samt super. Auch wohl ein­fach des­halb weil die Men­schen dort nicht beson­ders schön sind. Oder über-styled. Aber das sag­test du ja schon. Authen­tisch eben.

    Clay­hill ist super. obwohl ich (Aus per­sön­li­chen grün­den wohl ein­fach) sun­house bes­ser finde.

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  1. […] an spon­tis, der hin­weis hat mir 100 unter­halt­same minu­ten mit this is eng­land gebracht! […]