Obwohl ich Sonntag Abend alles andere als motiviert gewesen bin, habe ich mich doch entschlossen mich aufzuraffen und dem Kino einen Besuch abzustatten. Der Film Verblendung hatte für internationale Schlagzeile gesorgt, da er ja auf einem Bestseller Roman von Stieg Larsson basiert, der es damit 2008 bis zum besten Buch Europas schaffte. Obwohl man sich immer darüber streitet was besser ist, das Buch oder seine filmische Umsetzung, fand ich die Idee mich einfach mal berieseln zu lassen mehr als prickelnd.
Von der Skepsis zu Beginn meines Besuchs ist nicht viel geblieben, zurück bleibt Begeisterung für spannendes und interessantes Kino aus Schweden. Kinder, ich bin begeistert! Zum einen, weil mal wieder deutlich wird, das Schauspieler von internationalem Ruhm noch lange kein Garant für gutes Kino sind und zum zweiten, das man es in Schweden so gekonnt versteht einen düsteren und dunklen Krimi wie einen Thriller in Szene zu setzen. Habe ich bis jetzt an Schweden gedacht, so meist an leuchtende und bunte Farben und viel blonde Menschen. Auch mein Besuch in Stockholm 2008 wird durch diesen Film in einem ganz anderen Licht erleuchtet. Doch langsam, eins nach dem anderen. Ich zitiere die Kurzbeschreibung des Films, damit sich auch der Nicht-Wissende erleuchtet fühlt:
Vor mehr als 40 Jahren verschwand die junge Harriet spurlos vom jährlichen Treffen der Industriellenfamilie Vanger. […] Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) quält das Schicksal seiner Lieblingsnichte noch heute, zumal er zum Geburtstag stets eine getrocknete Blume bekommt — genau wie ihm Harriet einst eine schenkte. Mit 82 Jahren dem Lebensende nahe, unternimmt der Patriarch einen letzten Versuch, die Wahrheit ans Licht zu zerren. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), der nach einem Artikel über den Industriellen Wennerström (Stefan Sauk) gerade wegen Verleumdung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde und vor dem beruflichen Aus steht, um für ihn auf Spurensuche zu gehen […] Dem hartnäckigen Journalisten gelingt das Unmögliche. Auf einem alten Foto entdeckt er einen Hinweis, außerdem lässt ihn eine mysteriöse Liste mit Namen und Nummern nicht mehr los. Da erhält er plötzliche und unerwartete Unterstützung von der Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace)… (Quelle: Filmstarts.de)
Beeindruckt hat mich neben der düsteren Stimmung auch die Figuren des Films, die sehr überzeugend dargestellt werden und unterschiedlicher nicht sein können. Neben dem in Ungnade gefallenen Journalisten Blomkvist und der vesnobten Familie Vanger sticht vor allem die düstere Blume Lisbeth ins Auge. Die Story ist spannend und überraschend und wurde mit tollen Bilder der schwedischen Landschaft geschmückt, die durch den Film eine ganz andere Sichtweise auf das Land der Möbelhäuser zulässt. Die tragische Geschichte von Leid und Schmerz Lisbeth’s mit ihrem Aussehen zu verbinden ist natürlich etwas gewagt und nicht unbedingt klischeefrei, aber was soll’s hübsch anzusehen ist sie allemal, vor allem ihr Auftritt bei der Sicherheitsfirma. Manche der Bilder sind hart und nichts für schwache Nerven, eine Altersfreigabe ab 16 Jahren ist nachvollziehbar.
Natürlich war ich etwas enttäuscht als ich bei späterer Recherche feststellen musste, das die Darstellerin Noomi Rapace eigentlich ganz anders ist und sich nur für den Film in Szene gesetzt hat, dafür sind die Fakten um das Buch sehr viel spannender. Denn glücklicherweise ist Verblendung nicht das einzige Buch gewesen, was Larsson geschrieben hat. Unglücklicherweise starb Larsson 2004 an einem Herzinfarkt. Wann und ob die anderen Bücher noch in die Kino’s kommen, kann ich nicht sagen. Alle handeln jedenfalls von der Journalisten Blomkvist, der in seiner Figur und Darstellung wohl nicht nur bei mir einen guten Eindruck hinterlassen hat.
Wenn der ein oder andere noch nichts vorhat und mal wieder einen wirklich guten Thriller sehen möchte, den lege ich diesen Film ans Herz. Kein Actionfeuerwerk, keine Computeranimationen und kein Pippi Langstrumpf Film, dafür aber fesselnde, düstere Spannung bis zur letzten Sekunde.
Wertung: 9/10 Punkten



hat bereits 4 Kommentare abgegeben und schrieb am 22. Oktober 2009 um 15:13:
Ich hab den Film gesehen und fand ihn ganz gut. Er war zwar etwas extrem, doch es war ok.
Da Buch hatte ich vorher nicht gelesen, dennoch war ich für 2 Std gut unterhalten.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 23. Oktober 2009 um 18:32:
Stimmt, gerade die Szenen der Vergewaltigung sind sehr erschreckend und eindringlich dargestellt. Ich habe auch noch nicht ganz nachvollziehen können wieso sie immer noch unter finanzieller Vormundschaft steht. Wegen dem Aufenthalt in der Psychatrie?
hat bereits 52 Kommentare abgegeben und schrieb am 24. Oktober 2009 um 00:37:
Das macht doch wirklich neugierig! Zumal auch Frau Postpunk bei Schweden-Krimis immer völlig ekstatisch wird. Dann werden wir wohl morgen mal das Kino aufsuchen müssen.
Was mich aber dann doch zu der Frage bringt: Wann gibt es wieder neue Folgen von Kommissar Beck? Die sind ja auch immer etwas düster.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 26. Oktober 2009 um 18:15:
Du musst mir unbedingt schreiben wie Du den Film gefunden hast! Kommissar Beck habe ich zu meiner Schande noch nicht wirklich geguckt, ich fürchte deiner Meinung nach besteht Handlungsbedarf :)
hat bereits 1 Kommentar abgegeben und schrieb am 26. Oktober 2009 um 19:05:
Ich fand den Film ganz ok. Mittelmäßig würde ich sagen, leider war das Ende doch etwas zu vorhersehbar. Und die ganze Story mit der Vergewaltigung fand ich ein bisschen zu krass, besonders weil es überhaupt nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun hatte. Hier hatte man den Eindruck, dass kommt nur vor, um den Film noch brutaler zu gestalten. Eventuell lang es auch daran, weil Teile aus dem Buch fehlten, dazu kann ich nix sagen, denn das Buch habe ich nicht gelesen.
Meiner Meinung nach, sind 9 von 10 Punkten zu viel, eher 6 oder 7.
hat bereits 1744 Kommentare abgegeben und schrieb am 29. Oktober 2009 um 17:51:
Richtig, obwohl es eigentlich nichts mit der Handlung zu tun hatte, fand ich aber es gehörte zur Geschichte von Lisbeth, die neben dem eigentlichen Krimi einen parallelen Handlungsstrang führt, der dann zum Ende hin eine Vereinigung erfährt. Deshalb hat er primär nichts mit der Haupthandlung zu tun, sehr wohl aber mit Charakter. Es hätte durchaus etwas weniger brutal sein könne, da gebe ich Dir recht. Das Ende fand ich persönlich erst sehr spät vorhersehbar, ich hatte jedenfalls lange keine Ahnung wer der Mörder sein könnte.