21 Oktober

Kinotipp: Verblendung

Kategorie: Schwarze Leinwand — Jahrgang: 20096 Kommentare

verblendungObwohl ich Sonntag Abend alles andere als motiviert gewesen bin, habe ich mich doch entschlossen mich aufzuraffen und dem Kino einen Besuch abzustatten. Der Film Verblendung hatte für internationale Schlagzeile gesorgt, da er ja auf einem Bestseller Roman von Stieg Larsson basiert, der es damit 2008 bis zum besten Buch Europas schaffte. Obwohl man sich immer darüber streitet was besser ist, das Buch oder seine filmische Umsetzung, fand ich die Idee mich einfach mal berieseln zu lassen mehr als prickelnd.

Von der Skepsis zu Beginn meines Besuchs ist nicht viel geblieben, zurück bleibt Begeisterung für spannendes und interessantes Kino aus Schweden. Kinder, ich bin begeistert! Zum einen, weil mal wieder deutlich wird, das Schauspieler von internationalem Ruhm noch lange kein Garant für gutes Kino sind und zum zweiten, das man es in Schweden so gekonnt versteht einen düsteren und dunklen Krimi wie einen Thriller in Szene zu setzen. Habe ich bis jetzt an Schweden gedacht, so meist an leuchtende und bunte Farben und viel blonde Menschen. Auch mein Besuch in Stockholm 2008 wird durch diesen Film in einem ganz anderen Licht erleuchtet. Doch langsam, eins nach dem anderen. Ich zitiere die Kurzbeschreibung des Films, damit sich auch der Nicht-Wissende erleuchtet fühlt:

Verblendung_scene_14Vor mehr als 40 Jah­ren ver­schwand die junge Har­riet spur­los vom jähr­li­chen Tref­fen der Indus­tri­el­len­fa­mi­lie Van­ger. […] Hen­rik Van­ger (Sven-Bertil Taube) quält das Schick­sal sei­ner Lieb­lings­nichte noch heute, zumal er zum Geburts­tag stets eine getrock­nete Blume bekommt — genau wie ihm Har­riet einst eine schenkte. Mit 82 Jah­ren dem Lebens­ende nahe, unter­nimmt der Patri­arch einen letz­ten Ver­such, die Wahr­heit ans Licht zu zer­ren. Er enga­giert den Jour­na­lis­ten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), der nach einem Arti­kel über den Indus­tri­el­len Wen­ner­ström (Ste­fan Sauk) gerade wegen Ver­leum­dung zu einer Frei­heits­strafe ver­ur­teilt wurde und vor dem beruf­li­chen Aus steht, um für ihn auf Spu­ren­su­che zu gehen […] Dem hart­nä­cki­gen Jour­na­lis­ten gelingt das Unmög­li­che. Auf einem alten Foto ent­deckt er einen Hin­weis, außer­dem lässt ihn eine mys­te­riöse Liste mit Namen und Num­mern nicht mehr los. Da erhält er plötz­li­che und uner­war­tete Unter­stüt­zung von der Hacke­rin Lis­beth Salan­der (Noomi Rapace)… (Quelle:  Filmstarts.de)

verblendung lisbethBeein­druckt hat mich neben der düs­te­ren Stim­mung auch die Figu­ren des Films, die sehr über­zeu­gend dar­ge­stellt wer­den und unter­schied­li­cher nicht sein kön­nen. Neben dem in Ungnade gefal­le­nen Jour­na­lis­ten Blomkvist und der ves­nob­ten Fami­lie Van­ger sticht vor allem die düs­tere Blume Lis­beth ins Auge. Die Story ist span­nend und über­ra­schend und wurde mit tol­len Bil­der der schwe­di­schen Land­schaft geschmückt, die durch den Film eine ganz andere Sicht­weise auf das Land der Möbel­häu­ser zulässt. Die tra­gi­sche Geschichte von Leid und Schmerz Lisbeth’s mit ihrem Aus­se­hen zu ver­bin­den ist natür­lich etwas gewagt und nicht unbe­dingt kli­schee­frei, aber was soll’s hübsch anzu­se­hen ist sie alle­mal, vor allem ihr Auf­tritt bei der Sicher­heits­firma. Man­che der Bil­der sind hart und nichts für schwa­che Ner­ven, eine Alters­frei­gabe ab 16 Jah­ren ist nachvollziehbar.

Natür­lich war ich etwas ent­täuscht als ich bei spä­te­rer Recher­che fest­stel­len musste, das die Dar­stel­le­rin Noomi Rapace eigent­lich ganz anders ist und sich nur für den Film in Szene gesetzt hat, dafür sind die Fak­ten um das Buch sehr viel span­nen­der. Denn glück­li­cher­weise ist Ver­blen­dung nicht das ein­zige Buch gewe­sen, was Lars­son geschrie­ben hat. Unglück­li­cher­weise starb Lars­son 2004 an einem Herz­in­farkt. Wann und ob die ande­ren Bücher noch in die Kino’s kom­men, kann ich nicht sagen. Alle han­deln jeden­falls von der Jour­na­lis­ten Blomkvist, der in sei­ner Figur und Dar­stel­lung wohl nicht nur bei mir einen guten Ein­druck hin­ter­las­sen hat.

Wenn der ein oder andere noch nichts vor­hat und mal wie­der einen wirk­lich guten Thril­ler sehen möchte, den lege ich die­sen Film ans Herz. Kein Action­feu­er­werk, keine Com­pu­ter­ani­ma­tio­nen und kein Pippi Lang­strumpf Film, dafür aber fes­selnde, düs­tere Span­nung bis zur letz­ten Sekunde.

Wer­tung:  9/10 Punkten

(Bild­quelle: Filmstarts.de)

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Leinwand
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6 Kommentare

  1. Ich hab den Film gese­hen und fand ihn ganz gut. Er war zwar etwas extrem, doch es war ok.
    Da Buch hatte ich vor­her nicht gele­sen, den­noch war ich für 2 Std gut unterhalten.

  2. Stimmt, gerade die Sze­nen der Ver­ge­wal­ti­gung sind sehr erschre­ckend und ein­dring­lich dar­ge­stellt. Ich habe auch noch nicht ganz nach­voll­zie­hen kön­nen wieso sie immer noch unter finan­zi­el­ler Vor­mund­schaft steht. Wegen dem Auf­ent­halt in der Psychatrie?

  3. Das macht doch wirk­lich neu­gie­rig! Zumal auch Frau Post­punk bei Schweden-Krimis immer völ­lig eksta­tisch wird. Dann wer­den wir wohl mor­gen mal das Kino auf­su­chen müssen.

    Was mich aber dann doch zu der Frage bringt: Wann gibt es wie­der neue Fol­gen von Kom­mis­sar Beck? Die sind ja auch immer etwas düster.

  4. Du musst mir unbe­dingt schrei­ben wie Du den Film gefun­den hast! Kom­mis­sar Beck habe ich zu mei­ner Schande noch nicht wirk­lich geguckt, ich fürchte dei­ner Mei­nung nach besteht Handlungsbedarf :)

  5. Ich fand den Film ganz ok. Mit­tel­mä­ßig würde ich sagen, lei­der war das Ende doch etwas zu vor­her­seh­bar. Und die ganze Story mit der Ver­ge­wal­ti­gung fand ich ein biss­chen zu krass, beson­ders weil es über­haupt nichts mit der eigent­li­chen Hand­lung zu tun hatte. Hier hatte man den Ein­druck, dass kommt nur vor, um den Film noch bru­ta­ler zu gestal­ten. Even­tu­ell lang es auch daran, weil Teile aus dem Buch fehl­ten, dazu kann ich nix sagen, denn das Buch habe ich nicht gele­sen.
    Mei­ner Mei­nung nach, sind 9 von 10 Punk­ten zu viel, eher 6 oder 7.

  6. Rich­tig, obwohl es eigent­lich nichts mit der Hand­lung zu tun hatte, fand ich aber es gehörte zur Geschichte von Lis­beth, die neben dem eigent­li­chen Krimi einen par­al­le­len Hand­lungs­strang führt, der dann zum Ende hin eine Ver­ei­ni­gung erfährt. Des­halb hat er pri­mär nichts mit der Haupt­hand­lung zu tun, sehr wohl aber mit Cha­rak­ter. Es hätte durch­aus etwas weni­ger bru­tal sein könne, da gebe ich Dir recht. Das Ende fand ich per­sön­lich erst sehr spät vor­her­seh­bar, ich hatte jeden­falls lange keine Ahnung wer der Mör­der sein könnte.

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