25 Januar

Dokumentation: Skinhead Attitude

Kategorie: Schwarze Leinwand — Jahrgang: 20105 Kommentare

Skinhead Attitude FilmWo wir schon­mal beim Thema sind, sagte ich mir und erin­nerte mich an die zahl­rei­chen Bei­träge die sich um die Skinhead-Kultur dreh­ten oder das Thema zu min­des­tens tan­gier­ten. Es liegt auf der Hand die Pro­ble­ma­tik all­ge­gen­wär­tig ist und den eigent­li­chen Wur­zeln nicht gerecht wer­den kön­nen. Doch lei­der ver­mö­gen Arti­kel immer nur einen Teil der Neu­gie­ri­gen zum umden­ken zu bewe­gen, zu inter­es­sie­ren oder für wei­tere Recher­chen zu begeis­tern. Das ist wie das lesen in einer Zei­tung, macht auch nicht jeder, manch ande­rer zieht sich seine Infor­ma­tio­nen lie­ber aus Hör­funk oder Fern­se­hen. Was läge da mehr auf der Hand, das Thema noch ein­mal in audio-visueller Form, also als Video, zu behan­deln. Gerade im Hin­blick auf die Nazi-Problematik gibt es noch viel zu klären.

»Erst gegen Ende der 70er Jahre mit der Krise und der Ent­ste­hung der Punk­be­we­gung radi­ka­li­sie­ren sich die Street-Kids. Ange­zo­gen vom rebel­li­schen, vom pro­vo­zie­ren­den — eine neue Gene­ra­tion von Skin­heads.« Ein gefun­de­nes Fres­sen für rechts­ex­treme Grup­pie­run­gen, die den jugend­li­chen poli­ti­sche Ideo­lo­gien ver­mit­teln und diese als Instru­ment der Auf­merk­sam­keit miss­brau­chen. Um ihre Ziele durch­zu­set­zen greift man auf Gewalt und Aggres­si­vi­tät zurück und kana­li­siert diese unter Paro­len die jeder ver­steht und mit­füh­len kann, die Kids aus den ein­fa­che Arbei­ter­schich­ten las­sen sich vom Gedan­ken »Aus­län­der Raus!« leicht anste­cken, denn das eigene Zuhause lei­det unter der Arbeits­lo­sig­keit der spä­ten 70er.

Die Doku Skin­head Atti­tude greift genau diese Pro­ble­ma­tik auf und bringt den Kon­flikt zwi­schen dem eigent­li­chen Skinhead-Gedanken und der Rea­li­tät auf den Punkt. Der Film von Daniel Schweit­zer wurde 2005 als bes­ter Doku­men­tar­film gefei­ert. Zu recht. Neben zahl­rei­chen Skin­heads kom­men vor allem die Musik­er­le­gen­den Lau­rel Ait­ken oder auch Jimmy Pur­sey von Sham 69 zu Wort, denn Musik ist das grund­le­gende Ele­ment der Skin­heads. »Kein Skin kann Ras­sist sein, weil er sonst seine schwar­zen Wur­zeln ver­leug­nen würde…«  Die zahl­rei­chen Szene-Angehörigen die zu Wort kom­men ver­lei­hen der Doku die Spur Authen­ti­zi­tät, für die es wohl den Preis erhal­ten hat.

Folgt man den Gedan­ken­gän­gen der Prot­ago­nis­ten kann man sich in die Ursprungs­zeit die­ser Bewe­gung zurück­ver­set­zen und nach­füh­len, wie auf­re­gend es gewe­sen sein muss als 13-jähriger nur durch einen ande­ren Haar­schnitt die Auf­merk­sam­keit der Poli­zei auf sich zu zie­hen. Erst spä­ter, als Bands wie Skrew­dri­ver den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gedan­ken in die Musik brin­gen kippt die Bewe­gung. Ein­fa­che Paro­len für die gebeu­telte Arbei­ter­ju­gend kom­men an. Der latente Hang zur Gewalt ver­leiht den Nazi-Skins ein brei­tes, nega­ti­ves Inter­esse der Gesell­schaft, Anfang der 80er sind eng­li­sche Zei­tun­gen voll damit, Gewalt­ta­ten eng­li­scher Skinhead’s zu Schlag­zei­len zu machen und den ideo­lo­gi­schen Unter­schied ein­fach außer Acht zu las­sen. Ian Stuart wird zur Gale­ons­fi­gur einer poli­ti­schen Bewe­gung und lässt sich zusätz­lich als Macht­in­stru­ment der Natio­nal Front degra­die­ren. »Ab die­sem Zeit­punkt ist für die Skin­heads nichts mehr so wie frü­her.«

Zeit die Ver­gan­gen­heit anzu­er­ken­nen und den Skin­heads ihre Kul­tur zurück­zu­ge­ben, denn auf­ge­passt: Faschis­mus ver­birgt sich schon lange nicht mehr hin­ter kahl gescho­re­nen Köp­fen son­dern hat Ein­zug in alle Lebens­be­rei­che erhal­ten. Nazi’s haben längst auch andere Jugend­kul­tu­ren für sich ent­deckt, Zeit das ihr euch umschaut und han­delt.»Faschis­mus ist keine Mei­nung, Faschis­mus ist ein Ver­bre­chen.«

Video nicht mehr verfügbar!

Das Video gibt es auch in vol­ler Pracht bei ama­zon zu erwer­ben und gehört in jedes gut sor­tierte Regal.

(Bild­quelle: Lemad Blog)

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

Kategorie: Schwarze Leinwand
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5 Kommentare

  1. Sehr guter Film!
    Den gibt es auch kom­plett auf Google Video http://video.google.de/videoplay?docid=1352778664301005962&q=skinhead+attitude&total=43&start=0&num=10&so=0&type=search&plindex=0# So wie auch »White Ter­ror« ebenso von Daniel Schwei­zer, wel­cher auch zu emp­feh­len ist. http://video.google.de/videoplay?docid=7468272946363773156

  2. ein groß­ar­ti­ger film! habe ihn mal auf arte gese­hen, und allein schon für die inter­views mit dem »god­fa­ther of ska« lohnt er sich — und licht und schat­ten der skins wird fair beleuchtet.

  3. Warum zei­gen die gros­sen Sen­der so einen her­vor­ra­gen­den Film nie zur »Prime Time«? Schade eigent­lich, denn so könnte man noch mehr Zuschauer errei­chen und viel­leicht würde so man­ches Vor­ur­teil aus dem Weg geräumt.

  4. Und wie­der etwas gelernt, denn die Lei­den­schaft zu SKA und Rea­gae war mir neu. Ich glaube, damit sich eine Szene so der­ar­tig zer­tei­len, radi­ka­li­sie­ren und letzt­end­lich gegen­sei­tig anfein­den kann, muss sie im Kern sehr emo­tio­nal und anfäl­lig für Idea­lis­mus sein und so etwas ist recht sel­ten anzu­tref­fen. Es ist aber schon fast zynisch, dass die tra­di­tio­nel­len Sze­ne­gän­ger all­mäh­lich ins Kreuz­feuer bei­der radi­ka­len Aus­rich­tun­gen rücken.

    Ich traf zum ers­ten Mal so einen Ver­tre­ter auf dem Kol­leg. Damals war ich, gebe ich offen zu, irri­tiert. Vor allem, als der Knabe den Mund auf­machte und die­sem ein Wis­sen sowie Aus­drucks­ver­mö­gen ent­strömte, dass mein kom­plet­tes Welt­bild gegen­über der »Volks­deut­schen« zer­stört hätte. Wenn dann nicht kurze Zeit spä­ter die Erleuch­tung gekom­men wäre und mich dar­auf­hin gewisse Recher­chen in das Pro­le­ta­riat Eng­lands geführt hätten.

  5. @Ronny: Danke für die Links! Vor allem der zweite Film, den ich noch nicht kannte stellte sich als sehr infor­ma­tiv her­aus. Werde das noch­mal in den ursprüng­li­chen Bei­trag einflechten.

    @tobi: Das habe ich auch so emp­fun­den. Eine gute Doku­men­ta­tion die dar­auf ver­zich­tet Kli­schees dar­zu­stel­len son­dern sich mit den Fak­ten aus­ein­an­der­setzt. Auch die ver­wen­de­ten (his­to­ri­schen) Film­auf­nah­men sind sehenswert.

    @stoffel: Ich stimme Dir zu und stelle die Frage noch ein biss­chen anders. Sollte man den Film nicht offi­zi­ell über YouTube oder Google Video anbie­ten um sie so einer grö­ße­ren Masse immer ver­füg­bar zu machen? Im Fern­se­hen und vor allem zur Prime Time oder bei ande­ren Sen­der wird der Film wohl nicht zu sehen sein, denn für den typi­schen Bild-Zeitungsleser ist der Film lang­wei­lig, lei­der. Aber ich gebe Dir recht, es gibt durch­aus bes­sere Sen­de­plätze die diese Doku ver­dient hätte.

    @Guldhan: Emo­tio­nal, anfäl­lig und dumm. Nen­nen wir die Sache ruhig beim Namen. Gewalt, Schlä­ge­reien und Alko­hol sind immer schon in der eng­li­schen Kul­tur ver­wur­zelt gewe­sen. Das Hoo­li­gans und Skin­heads nicht weit von­ein­an­der ent­fernt sind ist kein Zufall. Der Hang zu Gewalt ist also deut­lich. Kommt dazu noch Dumm­heit, Nai­vi­tät und Beein­fluss­bar­keit lässt sich die­ses Poten­tial für ideo­lo­gi­sche Zwe­cke missbrauchen.

    Ich halte mitt­ler­weile nicht mehr die Glatz­köp­fi­gen Neo­na­zis für die gefähr­li­chen, son­dern eben die, die braune Ideo­lo­gien ver­tei­len und mit Ver­stand ans Volk brin­gen und immer wie­der eben sol­che Men­schen für ihre Zwe­cke verwenden.

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Trackbacks

  1. […] Viele Sze­nen blei­ben von der Anklage ver­schont, da man ihnen beim bes­ten Wil­len keine Rechts­ori­en­tiert­heit unter­stel­len mag. Manche Sze­nen wur­den der­art von rechts unter­wan­dert, dass diese daran zer­bra­chen. Beste Bei­spiele hier­für wäre die Skinhead-Bewegung. […]