25 April

Cass - Ein wahre Geschichte

Kategorie: Schwarze Leinwand — Jahrgang: 2010Keine Kommentare

Durch Zufall habe ich den Film Cass in die Hände bekom­men, von dem ich zunächst nicht wusste, wo ich ihn ein­ord­nen sollte. Ich hatte zwar schon einige Filme und Doku­men­ta­tio­nen über das Phä­no­men Hoo­li­gan gese­hen, lei­der konnte mich bis jetzt keine Über­zeu­gen. Ob es die­ser Film bes­ser macht? Den meis­ten Umset­zun­gen wie bei­spiels­weise Hoo­li­gans mit Eli­jah Wood lei­den unter dem dürf­ti­gen Hin­ter­grund der Drehbuchautoren.

Etwas anders sind die Hin­ter­gründe die­ses Film. Cass ver­folgt die Lebens­ge­schichte des bri­ti­schen Auto­ren Cass Pennant, der über seine Leben als Hoo­li­gan meh­rere Bücher ver­fasst hat. Pennant wächst im Lon­don der 50er Jahre auf, in einer Zeit wo er auch in Eng­land wegen sei­ner Haut­farbe und sei­ner Her­kunft dis­kri­mi­niert wird. Als  Adop­tiv­kind einer klas­si­schen eng­li­schen Fami­lie wächst er zwi­schen zwei Fron­ten auf, im Her­zen ein Eng­län­der wird er doch von ande­ren zum Opfer des Ras­sis­mus degra­diert. Mit der Mit­glied­schaft in der ICF (Inter City Firm), einer Hooligan-Gruppierung um den eng­li­schen Fuß­ball­ver­ein West Ham United, ändert sich sein Leben. Mit Gewalt und Hass ver­schafft er sich den Respekt, der ihm so lange ver­wehrt blieb und wird trotz sei­ner schwar­zen Haut­farbe zu einer der Schlüs­sel­fi­gu­ren die­ser Hooligan-Bande. Als Pennant inhaf­tiert wird, beginnt er damit seine Erleb­nisse aufzuschreiben.

Der Film schafft es, die Bedeu­tung »Hoo­li­gan« aus Sicht der Anhän­ger dar­zu­stel­len ohne dabei die Kame­rad­schaft und ver­meint­li­che Ehre beim Kampf zu heroi­sie­ren. In der Reihe der Filme über Hoo­li­gans eine erfri­schende Aus­nahme. Erin­nern wie uns an Lexi Alexander’s Film Hoo­li­gans von 2005, mer­ken wir schnell das es nicht nur um Action und auf­wen­dige Stunts geht son­dern viel­mehr um das, was die Beweg­gründe die­ser so ver­ur­teil­ten eng­li­schen Jugend­kul­tur sein könn­ten. Zu Hoo­li­gans schreibt das Lexi­kon des Inter­na­tio­na­len Films: »Hand­werk­lich rou­ti­niert erzählt, wer­den die Schlach­ten als rasante Actions­e­quen­zen insze­niert, wobei der Film mehr und mehr einem tum­ben Kameradschafts-Pathos ver­fällt und die sinn­freien Gewalt­es­ka­la­tio­nen nach­ge­rade zu Hel­den­ta­ten sti­li­siert. Hoo­li­ga­nis­mus als Schule der Männ­lich­keit, noch nai­ver kann man das Thema kaum ange­hen.«

Gewalt gehört sicher­lich zu den Ele­men­ten des Films Cass, ist aber nicht sein bestim­men­des Ele­ment. Ver­gleicht man ihn direkt mit dem Action­feu­er­werk wirkt diese Dar­stel­lung fast lang­wei­lig, was durch eine recht unglück­li­che Syn­chro­ni­sie­rung ins Deut­sche noch ver­stärkt wird. Doch gerade diese Tat­sa­che ver­leiht dem Film neben den ein­ge­spiel­ten Ori­gi­nal­auf­nah­men die Authen­ti­zi­tät, die nötig sein dürfte um ein ande­res Bild dar­auf zu wer­fen ohne dabei die Gewalt und Hass gut­zu­hei­ßen, zu beschö­ni­gen oder zu sti­li­sie­ren. Das ver­leiht dem Film den nöti­gen Abstand zur eigent­li­chen Problematik.

Der Film lei­det aber unter den recht dürf­ti­gen Schau­spie­le­ri­schen Leis­tun­gen der Dar­stel­ler und der schwa­chen, fil­mi­schen Umset­zung. Es man­gelt zuwei­len an der Dyna­mik, die The­ma­tik die­ses Films ist und scheint nur ein­zelne Fet­zen der Buch­vor­lage bereit zu hal­ten. Der Hand­lungs­strang wirkt so ein wenig zer­bro­chen und stel­len­weise unplau­si­bel. Die Grat­wan­de­rung zwi­schen dem Groß­bri­tan­nien der 50er und 80er, zwi­schen Ras­sis­mus, Hoo­li­ga­nis­mus, Arbeits­lo­sig­keit und poli­ti­scher Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit scheint den­noch gut zu gelin­gen, erfor­dert viel­leicht ein wenig Hintergrundwissen.

Der Film ist bereits 2008 erschie­nen, wurde aber erst jetzt auch in einer deut­schen Ver­sion rea­li­siert. Die 2 DVD Aus­gabe, die es bei Ama­zon schon für 15€ gibt hat dar­über hin­aus noch eini­ges an Zusatz­ma­te­rial zu bie­ten wie die Doku­men­ta­tion »Keep off the Gras« und »Cass Pennant: In his own Words« . Wer also etwas mehr über Hoo­li­gans erfah­ren möchte um seine Mei­nung zu ändern oder zu bestär­ken, dem sei die­ser Film ans Herz gelegt, auch wenn zu hohe Erwar­tun­gen wohl ent­täuscht wer­den kön­nen. Wer mehr über den Film oder den Autor erfah­ren möchte, sei ein Klick auf die Hin­ter­leg­ten Links empfohlen.

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Veröffentlicht von

Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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Trackbacks

  1. bauernhof schreibt:

    Cass – Ein wahre Geschichte – Spon­tis Web­log: Ein Track­back zu fol­gen­dem Bei­trag ist ange­kom­men: bau­ern­hof: Das Ki… http://bit.ly/a76iAx

  2. […] mei­ner Recher­che zum Film von und über Cass Pennant, den ich jüngst auf DVD gese­hen habe, ist mir auch eine tolle Doku­men­ta­tion über die ICF, die Inter City Firm aus dem Jahre 1985 […]