21 Juli

Milk, ein Film im Paralleluniversum

Kategorie: Schwarze Leinwand, SubKultur! — Jahrgang: 2009Keine Kommentare

milk filmplakatGestern Abend kam ich den Genuss einen großartigen Film über den schwulen, amerikanische Bürgerrechtler Harvey Milk (1930-1978) zu sehen, der im gleichnamigen Film von Sean Penn dargestellt wird. Dabei beschreibt der Film der Werdegang des Lokalpolitikers bis zu seinem Mord durch seinen Stadtratskollegen Dan White. Der Film zeigt dabei ein erschreckendes Bild der amerikanischen Gesellschaft, das so aber auch in jedem anderen Land hätte stattfinden können. Erst in den 70er Jahren schaffte man ein Gesetz ab, das homosexuellen Geschlechtsverkehr als Sodomie bezeichnete und unter Strafandrohung verfolgt wurde.

Der Film beschreibt das Bestreben des Harvey Milk in den Stadtrat gewählt zu werden um etwas zu bewegen und seinen Kampf für Anerkennung, Toleranz und Gleichberechtigung. Dabei ist der Film immer wieder mit historischen Aufnahme gewürzt, die ihm eine sehr authentische Stimmung verleihen. Sean Penn, den ich eigentlich als Bad Boy des amerikanischen Kinos in Erinnerung habe, spielt hier grandios und sehr glaubhaft die Rolle des schwulen Politikers und nagelt seine Kritiker an die Wand des Schweigens.  Wer mit Gedanken spielt sich diesen Film anzuschauen, sollte seine Zweifel verwerfen und einen Blick auf die Produktion und ein Stück amerikanischer Geschichte werfen. Doch für mich hat der Film noch einen ganz interessanten Hintergrund, den ich euch kurz erläutern möchte:

1977 spricht sich die Sängerin Anita Bryant in Dade County, Florida dafür aus, Homosexuellen Lehrern und deren Freunden und Bekannte den Zugang zu Schulen zu verwehren, damit diese nicht mehr in der Lage wären Kinder für ihre abartigen Praktiken zu rekrutieren. Anlass war eine Menschrechtsverordnung, die eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität verbot und Homosexuellen die gleichen Rechte einräumte. Ihre Kampagne "Save our Children« führte dazu, das die Ver­ord­nung zurück­ge­nom­men wurde.

Als Mutter weiß ich, dass Homosexuelle biologisch nicht in der Lage sind, Kinder zu erzeugen; deshalb müssen sie unsere Kinder rekrutieren. Wenn Schwulen Rechte gegeben werden, werden wir als nächstes Rechte an Prostituierte und an Menschen, die mit Bernhardinern schlafen, sowie an Nagelbeißer geben müssen.1

Spä­ter erreicht sie, das die Adop­tion durch Schwule und Les­ben im Bun­des­staat Flo­rida ver­bo­ten wurde und machte sie Lan­des­weit für eine Abschaf­fung der Gesetze zur Gleich­be­rech­ti­gung von Schwu­len und Les­ben stark ((Aus der Bio­gra­phie Uncle Donald´s Cas­tro Street — Save our Child­ren). Erst 1998 wurde übri­gens in Dade County das Gesetz zur Gleich­be­rech­ti­gung wie­der ein­ge­führt, offen­bar lernte man dort erst lang­sam aus den eige­nen Fehlern.

Par­al­lel­uni­ver­sum?

Genau wie Ursula von der Leyen bei dem Gesetz für die Inter­net­sper­ren ver­suchte auch Anita Bryant auf dem Rücken der Kin­der ihre ver­korks­ten Vor­stel­lun­gen von Moral und christ­li­chem Glau­ben durch­zu­drü­cken. Frau von der Leyen benutzt die Kin­der um ihr Gesetz nach vorne zu trei­ben und sug­ge­riert damit einen Schutz, der dadurch nicht erreicht wird. Sie eta­bliert damit ein Sys­tem, dem es ein leich­tes ist über sei­nen Zweck hin­aus den Zugang zu unzäh­li­gen Sei­ten ein­fach zu sper­ren. Was ist wenn Frau von der Leyen mit einer Bio­gra­phie über sich nicht ein­ver­stan­den ist? Kurz beim BKA ange­ru­fen und mit einer faden­schei­ni­gen einst­wei­li­gen Ver­fü­gung die Seite sper­ren. Nie­der mit der freien Mei­nungs­äu­ße­rung im Netz.

Die Film­do­ku­mente bei Milk ver­ar­bei­tete wur­den erin­nern mich an die aktu­el­len Bil­der. Popu­läre Schlag­wör­ter wie Kin­der­por­no­gra­phie wer­den dazu miss­braucht eigene Inter­es­sen durch­zu­drü­cken und Wahl­kampf auf Bild­zei­tungs­ni­veau vor­an­zu­trei­ben. Breite Wäh­ler­schich­ten anspre­chen und die brö­ckeln­den Umfra­ge­er­geb­nisse auf­zu­fan­gen. Glaub­haf­tig­keit erscheint sinn­los, Haupt­sa­che Wäh­ler.  Viel­leicht möchte sich die bei­den Damen bei einem Glas Oran­gen­saft tref­fen und Erfah­run­gen austauschen?

(Bild­quelle: Ama­zon)
  1. Aus einem Inter­view 1977, Quelle: Wikipedia.de — Kam­pa­gne gegen Les­ben und Schwule []

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Robert berichtet über alle Facetten der schwarzen Szene und ist aktiver Verfechter der deutschen Meckerbewegung. Überzeugter Gruftie mit einem Hang zum Vergangenem, der jedoch unverbesserlich optimistisch ist und stets positiv denkt. Du findest mich auch auf Facebook und Google+ oder auch bei Twitter.

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